Bildungs- und Erziehungskonzepten von Alice Miller und Jean-Jacques Rousseau


Essay, 2016
9 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bildung und Erziehung

3. Stellungnahme

4. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Bildungs- und Erziehungskonzepte sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Bereits in der Vergangenheit wurde immer wieder versucht, sich von vorherrschenden Konzepten und Meinungen zu distanzieren, um zu einer Erstellung eines allgemeingültigen Erziehungs- und Bildungskonzepten zu gelangen. Zudem erscheint das Spektrum der Erziehung und der Bildung mittlerweile über eine unüberschaubare Masse an Ratgebern, psychologischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Wegweiser zu verfügen.

In dem vorliegenden Essay sollen nun verschiedene Konzepte von Bildung und Erziehung genauer betrachtet werden. So soll es erstens zu einer Erläuterung des Textes von Alice Miller (1993) „Am Anfang war Erziehung“ und des Textes von Jean-Jacques Rousseaus (1995) „Emil oder über die Erziehung“ kommen. Zweitens werden diese verschiedenen Texte nicht nur in ihrer Form dargestellt, sondern zudem in Relation zueinander betrachtet und verglichen. Bei der Darstellung der Texte respektiv der Bildungs- und Erziehungskonzepte, soll es nur zu einer Zusammenfassung der zentralen Konzepte und deren Aspekte kommen. In einem letzten Schritt wird eine persönliche Stellungnahme, im Rahmen dieser Erziehungskontexte, vorgenommen. Diesbezüglich soll es mit Hinblick auf die Fragestellung, und zur Präzisierung der Thematik, zur Einbindung weiterführender Literatur kommen. Wie werden die verschiedenen Konzepte nach Miller und Rousseau nun dargestellt?

2. Bildung und Erziehung

Der erste Text beziehungsweise die erste Auffassung des Erziehungskonzeptes bezieht sich, wie bereits angedeutet, auf Alice Miller (1993) und „Am Anfang war Erziehung“. Millers Verständnis für die Erziehung des Kindes beruht größtenteils auf der Erfahrung psychoanalytischer Therapien.

Ein essenzieller Aspekt ist für Miller die gesellschaftliche, vor allem auch die elterliche, Sensibilisierung frühkindlicher Leidensprozesse. Sie betont mehrmals dass Traumatisierungen und psychosenähnliche Zustände immer rückwirkend auf die Gesellschaft zurückführen sind. Somit ist die Thematik des kindlichen Leidens keine private, sondern auch eine öffentliche Angelegenheit, der es Aufmerksamkeit zu schenken gilt. (vgl. Miller 1983, S. 9) Miller richtet sich also in erster Linie an die Eltern und appelliert an „das Kind im Erwachsenen“ (Miller, 1983, S. 10) Miller geht von der Annahme aus, dass alle in der Kindheit erlebten Erfahrungen sich später auf die eigenen Kinder auswirkt und dass erst die Auseinandersetzung mit der eigenen Gefühlswelt zu einem erkennen dieser Gefühlsproblematik führen kann. Eine „schlechte“ Erziehungsform die nach Miller in direkter Relation zu dieser Idee steht, ist die „Schwarze Pädagogik“. Miller plädiert folglich für eine antipädagogische Haltung, die sich nicht nur gegen eine spezielle Form der Erziehung richtet, sondern gegen Erziehung selbst. Dabei distanziert sie sich direkt vom Rousseauschen Modell, das im weiteren Verlauf der Arbeit noch einmal genauer dargelegt wird, und der Auffassung dass das Kind in einer abstrakten Natur aufwachsen soll. Das Kind muss in einer konkreten begleitenden Umgebung aufwachsen, fern von manipulatorischen Prozessen auf Seiten des Erziehers. (vgl. Miller 1983, S. 118)

Des Weiteren verdeutlicht Miller, dass alle Bemühungen des Erwachsenen im Sinne des Kindes handeln zu wollen, immer nur die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse der Erwachsenen sind, die sich zudem als kontraproduktiv erweisen. Dabei kommt es zur Auflistung sieben zentraler Aspekte, die vor allem aus der persönlichen Kindheit des Erwachsenen resultieren. Erstens, das Weitergeben eigener Demütigungen. Zweitens, das Kind als Ventil, sprich als Objekt der Gefühlskompensation. Drittens, der Besitz eines manipulierbaren Objektes. Viertens, das Idealisieren und der Erhalt der eigenen Kindheit. Aufgrund der intensiven Bindung an die Eltern, darf der Eindruck dass die Eltern schlechte Eltern waren, selbst bei negativen Erfahrungen, nicht zugelassen werden. Folglich kommt es zu einer Übertragung dieses Musters bis ins Erwachsenenalter und zu einer Übertragung in das eigene Erziehungsverhalten hinein. Fünftens die Freiheitsangst, da mit dem Gedanken der Freiheit auch immer Unsicherheit in Verbindung gebracht wird. Sechstens, die Angst vor dem Wiederkehren verdrängter Gefühle und Erfahrungen. Der siebte und letzte Punkt bildet die Rache für selbst erfahrene Schmerzen. (vgl. Miller 1983, S. 119) Diese Form der Erziehung lässt keine Möglichkeit der Entfaltung zu, denn „Wenn man ein Kind erzieht, lernt es erziehen. […] wenn man mit ihm schimpft lernt es schimpfen […]“ (Miller, 1983, S. 119) Zudem sollte erwähnt werden, dass es sich bei diesen Übertragungsprozessen nicht um einen kognitiven Prozess handelt, sondern um eine unbewusste Ausübung dieser Handlungen.

Wie kann der Erwachsene nun aus dieser unbewussten Haltung hinaus gelangen? Einerseits soll die eigene Erziehung durch die Auseinandersetzung und durch die neue Perspektivisierung der eigenen Kindheit neu wahrgenommen werden, neu aufgebaut und somit auch neu überdacht werden. Andererseits soll das Buch von Alice Miller selbst, als außenstehendes Medium interagieren, indem es den Erwachsenen auf sein unbewusstes Handeln aufmerksam macht und ihm somit den Gang aus dem Teufelskreis ermöglicht. Miller sieht in dem Begriff der Erziehung somit eine Manipulation der Erwachsenen, die aus ihrer eigenen Unfreiheit und Unsicherheit heraus resultiert. Somit kann Miller der Erziehung keine positive Konnotation abgewinnen. Erziehen beinhaltet immer die Idee der schematischen Zielsetzung die erfüllt werden muss, die aber simultan zu einer kontraproduktiven Entfaltungseinschränkung führt. (vgl. Miller 1983, S. 121-122) Um dieser Form der Erziehung entgegen zu wirken, soll es jedoch nicht zur einer unkontrollierten Form der Erziehung kommen, sondern das Kind soll bewusst durch Sensibilität begleitet werden. Das Kind muss seelisch und körperlich begleitet werden, indem ihm Achtung, Respekt und Toleranz entgegen kommen. (vgl. Miller 1983, S. 122) Somit muss einerseits eine Kommunikation, ein Austausch, zwischen erzieherischer Instanz und dem Kind stattfinden. Andererseits muss man sich auf die Lebens- und Gefühlswelt des Kindes einlassen und ihm freien Raum zur Entfaltung ermöglichen. Man sollte sich von der Idee der Formung distanzieren und zu einer Idee der Freientfaltung gelangen. (vgl. Miller 1983, S. 123)

Der zweite darzustellende Texte bezieht sich auf Jean-Jacques Rousseaus (1995) „Emil oder Über die Erziehung“. Rousseau geht von einer guten natürlichen schöpferischen Gabe aus, die dem Menschen jedoch nicht zu reichen scheint. Es kommt zu einer Entartung unter den Händen der Menschen, der keine Zufriedenheit in der Natur findet. Auch der Mensch in seiner selbstüberlassenen Form wird sich nicht selbst überlassen, sondern soll „wie ein Schulpferd“ (Rousseau, 1995, S. 9) dressiert oder wie ein Baum gestutzt werden. Würde man den Menschen bei der Geburt sich selbst überlassen, so würde es zu einer Verbildung kommen. (vgl. Rousseau 1995, S. 9) Des Weiteren argumentiert Rousseau, dass der Mensch als schwaches unwissendes Wesen zur Welt kommt und dass er erst durch die Erziehung an Stärke gewinnen kann. Demzufolge unterscheidet er drei Formen der Erziehung. Die Erziehung der Natur, die verantwortlich für die Entwicklung der menschlichen Kräfte und Fähigkeiten ist. Die Erziehung der Menschen, die für den Gebrauch zuständig sind. Drittens die Erziehung der Dinge, die den Menschen durch die Anschauung und die Erfahrung erziehen. Dabei ist die Erziehung der Menschen die einzige auf die der Mensch selbst Einfluss haben kann. Ein voller Erfolg scheint aber anhand der Unabhängigkeit der Dinge und der Natur, unmöglich. Es handelt sich lediglich um das nahmöglichste Erreichen dieses Idealzustandes.

Da der Mensch jedoch als Bürger immer nur ein Bruchteil der Gesellschaft ist und sich immer nur auf seinesgleichen bezieht, plädiert Rousseau für die Erziehung zum Menschen. Im Gegensatz zum Bürger ist der Mensch Teil des Ganzen und nicht nur ein Teilchen des Sozialkörpers. (vgl. Rousseau 1995, S. 12) Der Mensch in seiner Form als Bürger wird nie das Ganze erreichen, sondern ist immer nur an seinen Platz in der Gesellschaft gebunden. Er wird bestimmt von Unterwerfung, Bedrängnis und gesellschaftlichen Gewohnheiten. Der Gesellschaftsmensch „wird als Sklave geboren und lebt und stirbt als Sklave“ (Rousseau, 1995, S. 16) In der natürlichen Ordnung hingegen herrscht kein hierarchisches Verhältnis. Jeder Mensch ist gleich. Nach Rousseau ist somit derjenige am Besten erzogen, der die Freuden und Leiden des Lebens direkt erfährt und zu ertragen weiß. Folglich kann die wahre Erziehung nur anhand praktischen Erfahrens stattfinden. Um Konfrontation und Missverständnisse zwischen den einzelnen erzieherischen Instanzen zu vermeiden, soll diese Art der Erziehung auch nur von einer einzigen Führungsperson vollzogen werden. (vgl. Rousseau 1995, S. 15)

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Bildungs- und Erziehungskonzepten von Alice Miller und Jean-Jacques Rousseau
Hochschule
Université du Luxembourg
Note
1,2
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V444714
ISBN (eBook)
9783668818682
ISBN (Buch)
9783668818699
Sprache
Deutsch
Schlagworte
essay, bildung-, erziehungskonzepten, alice, miller, jean-jacques, rousseau
Arbeit zitieren
Christof Theis (Autor), 2016, Bildungs- und Erziehungskonzepten von Alice Miller und Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444714

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