Zu der deutschen Gegenwartssprache gehören, wie auch zu anderen Sprachen, grammatikalische und auch linguistische Eigenschaften, die wir im alltäglichen Sprachgebrauch intuitiv benutzen ohne ihnen eine direkte Aufmerksamkeit zu schenken, da wir diese Sprache entweder durch Erwerb der Muttersprache oder sie durch Erlernen anhand eines systematischen Prozesses verinnerlicht haben. In dieser Arbeit über die Wortbildung der Substantive werde ich mich auf die „Diminuierung“, insbesondere auf die Diminutivsuffixe -chen und -lein konzentrieren, die ich im ersten Teil allgemein einführen wie auch erläutern werde. Im zweiten Teil werde ich anfangs auf die Bezeichnung des Märchens eingehen und später dann versuchen diese systematischen Aspekte der Diminuierung in einen romantischen literaturgeschichtlichen Kontext zu bringen, mit Hilfe der Gattung der Märchen. In verschiedenen Geschichten und Gedichten werde ich mich teilweise mit der Analyse und Zusammensetzung verschiedener Wörter befassen, werde aber auch einen Großteil meiner Arbeit emotionalen Konnotationen, Verkleinerungen und dem quantitativen Verhältnis von -chen und -lein Suffixen widmen. Die persönliche Entscheidung, Märchen als Basis dieser Arbeit zu wählen, liegt zum einen in einem linguistischen Gebrauch in der Vielzahl der Diminutiva und deren Funktion wie auch Bedeutung innerhalb der Geschichte. So kennen alle das Märchen des „Rumpelstilzchen“ oder des „Schneewitchens“ und verwenden die Suffixe intuitiv. Die direkte Funktion wie auch der Einfluss dieser Suffixe auf diese Geschichten wird aber erst mit ihrer direkten Beschäftigung klar. Zum anderen gehören Märchen zur kindlichen Erziehung dazu. Märchen kennen wir meist nur durch Kinderaugen, die Beschäftigung mit diesen Geschichten versetzt uns wieder in eine phantastische, magische und irreale Welt, die man nun wieder durch die Augen eines Erwachsenen auf einer kritischen aber auch faszinierenden Ebene neu entdecken kann. Nicht zuletzt lassen uns Märchen romantische, wie auch pädagogische Werte erkennen, die in der heutigen rastlosen Welt vielleicht schon untergegangen sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Diminuierung
2.1. Allgemeine Merkmale
2.2. Verwendung und Unterschiede von –chen und –lein
2.3. Weitere Diminutivsuffixe
2.4. Wortbildungsbedeutung
3. Diminutivsuffix –chen und –lein in Märchen
3.1. Begriffsbezeichnungen des Märchens
3.2. Bechsteins Märchen
3.2.1. Zwergenmützchen
3.2.2. Des Hundes Not
3.3. Andersens Märchen
3.3.1. Däumelinchen
3.4. Grimms Märchen
3.4.1. Schneewittchen
3.4.2. Rumpelstilzchen
3.5. Heinrich Hofmann und Wilhelm Busch
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die systematische Verwendung und die semantische Funktion der Diminutivsuffixe "-chen" und "-lein" innerhalb der Gattung der Märchen. Ziel ist es, das quantitative Verhältnis dieser Suffixe zu analysieren sowie deren emotionale Konnotationen und deren Einfluss auf die kindliche Identifikation mit den Märchenfiguren aufzuzeigen.
- Linguistische Analyse der Diminutivsuffixe "-chen" und "-lein"
- Vergleich der Wortbildungsmuster in Kunst- und Volksmärchen
- Untersuchung emotionaler Konnotationen und Verniedlichungsaspekte
- Quantitative Auswertung der Suffixverwendung bei verschiedenen Autoren
- Bedeutung der Diminutiva für die kindgerechte Vermittlung von Inhalten
Auszug aus dem Buch
3.4.1. Schneewittchen
Kommen wir nun zu den weit bekannten Märchen der Gebrüder Grimm. Fangen wir mit dem Märchen „Schneewittchen“ an. Der Name lässt bereits eine gewisse Analyse zu, die in der niederdeutschen Fassung („Schneeweißchen“) einfacher zu vollziehen ist, denn so kann man eine Diminutivbildung vom Adjektiv „schneeweiß“ (weiß wie Schnee) ableiten, die auch als Basis dient und durch die Erweiterung von -chen gebildet wird. In der Geschichte selbst kommt es zu einer Anhäufung der Diminutivbildungen, denn bereits der bekannte Satz: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ verfügt über zwei Erweiterungen durch das Suffix -lein. Bei dem Wort Spiegel mit der Verwendung -lein kommt es zu einer Tilgung des unbetonten Vokals -e, obwohl bei Wörtern auf -el auch die Verwendung mit -chen möglich gewesen wäre (Spiegel -> Spiegelchen) und somit die soeben genannte Tilgung wegfällt. Des Weiteren scheinen die Verkleinerungsformen -chen und -lein im direkten Vergleich stehen zu können, so hat man in folgenden Zeilen:
„In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, dass es nicht zu sagen ist. Da stand ein weißgedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Löffelein, ferner sieben Messerlein und Gäblein und sieben Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein […].“
Wie in den vorigen Erläuterungen, steht auch hier nicht nur die Verkleinerung, die wieder einmal durch das Adjektiv „klein“ bestärkt wird, sondern auch die Verniedlichung in direkter Verbindung mit –lein. Denn so wird diese positive Konnotation durch Adjektive wie „zierlich“ und „reinlich“ untermauert und hervorgehoben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Themas Diminuierung im Deutschen mit Fokus auf die Suffixe -chen und -lein innerhalb der Märchenliteratur.
2. Diminuierung: Theoretische Einführung in die morphologischen Merkmale, Unterschiede und Konnotationen von Diminutivsuffixen.
3. Diminutivsuffix –chen und –lein in Märchen: Praktische Untersuchung der Suffixverwendung in den Werken von Bechstein, Andersen, Grimm, Hofmann und Busch.
4. Schluss: Zusammenfassende Auswertung der Ergebnisse mit Feststellung einer generellen -chen-Dominanz und Reflexion über die Bedeutung der Suffixe für die Gattung.
Schlüsselwörter
Diminuierung, Diminutivsuffixe, -chen, -lein, Märchen, Wortbildung, Substantive, Verniedlichung, emotionale Konnotation, Linguistik, Kunstmärchen, Volksmärchen, Morphologie, Sprachgebrauch, Kindertauglichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Untersuchung der Diminutivsuffixe -chen und -lein in der Gattung der Märchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Wortbildung, die semantische Funktion der Verkleinerungsformen und die emotionale Wirkung dieser Suffixe.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die systematische Analyse der Verwendungshäufigkeit und Funktion von -chen und -lein bei verschiedenen Märchenautoren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Wortbildungsanalyse in Kombination mit einer quantitativen Untersuchung und einem literaturgeschichtlichen Vergleich vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Märchen von Bechstein, Andersen, Grimm sowie Kurzgeschichten von Hofmann und Busch hinsichtlich ihrer Diminutivbildungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Diminutivsuffixe, Wortbildung, Märchen und emotionale Konnotation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Verwendung von -chen und -lein bei Grimm?
Die Analyse zeigt, dass in Grimms Märchen eine deutliche Häufung von Diminutiva existiert, wobei je nach Text unterschiedliche Tendenzen zur Verwendung der beiden Suffixe bestehen.
Warum spielt das Suffix -chen in der untersuchten Literatur eine dominante Rolle?
Die statistische Auswertung der neunzehn untersuchten Märchen zeigt insgesamt eine klare Dominanz des Suffixes -chen gegenüber -lein.
Welche Rolle spielt die Verniedlichung für die kindliche Zielgruppe?
Die Verniedlichung durch -chen und -lein dient der Identifikation der Leser mit den Charakteren und schwächt die Aggressivität in den Geschichten ab.
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- Christof Theis (Author), 2013, Wortbildung der Substantive. Diminuierung Diminutivsuffixe "–chen" und "–lein" in der Gattung der Märchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444724