Mit der Vermittlung interkulturellen Kompetenz in Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache befasst sich die vorliegende Arbeit. Eine vergleichende Analyse unterschiedlicher Lehrwerke ermöglicht eine Beurteilung der Entwicklung des interkulturellen Potentials vor und nach der kommunikativen Wende in der Geschichte der Fremdsprachendidaktik. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Fördern Lehrwerke des Deutschen als Fremdsprache die interkulturelle Kompetenz? Ferner wird beantwortet, wie sich die Förderung der interkulturellen Kompetenz seit den 1960er Jahren bis in das aktuelle Jahrhundert entwickelt hat. Im ersten Teil dieser Arbeit werden alle Begrifflichkeiten erläutert, die für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema der interkulturellen Kompetenz unabdingbar sind. Um einen Überblick über die didaktische Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts zu bekommen, findet auch diese Beachtung. An diesen theoretischen Teil schließt ein Kapitel an, welches einen Kriterienkatalog vorstellt und begründet. Dieser Kriterienkatalog resultiert aus der Auseinandersetzung mit den Inhalten des ersten Teils und dient als das primäre analytische Instrument für die Untersuchung der Lehrwerke. Der Katalog gliedert sich in drei Teile: Teil A enthält Kriterien, welche die affektiv-attitudinale Dimension untersuchen, Teil B nimmt die kognitiv-analytische Dimension in den Blick und Teil C analysiert die handlungsorientierte Dimension. Im Anschluss an die Begründung der Kriterien folgt das vierte Kapitel, welches mit der Darstellung der Methodik beginnt. Die empirische Basis, auf die der Kriterienkatalog angewendet wird, bilden vier Lehrwerke, die zwischen 1967 und 2011 herausgegeben wurden. Die grundlegenden Informationen zu den einzelnen Lehrwerken werden in Kapitel 4.2 erbracht. In dem ersten empirischen Teil sollen alle vier Lehrwerke einer Detailanalyse unterzogen werden. Darauf folgen Gesamtanalysen, welche alle Kapitel der drei Lehrwerke untersuchen. Dazu dient der Kriterienkatalog in stichwortartiger, tabellarischer Form, auf dem eine graduelle Bewertung der einzelnen Kriterien erfolgt. Aus der Bewertung der einzelnen Einheiten und Kapitel der Lehrwerke, soll ein Durchschnitt errechnet werden können, der eine Beurteilung des Potentials hinsichtlich der interkulturellen Kompetenz für ein gesamtes Lehrwerk ermöglicht. Diese Bewertung erfolgt in Unterkapitel 4.5, bevor im Fazit die Forschungsfrage beantwortet wird, nachdem die Ergebnisse zusammengefasst wurden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der Fremdsprachendidaktik und Interkulturelle Kompetenz im Fremdsprachenunterricht
2.1 Entwicklung der Methodik und Didaktik des Fremdsprachenunterrichts
2.2 Interkulturelles Lernen
2.3 Interkulturelle Kompetenz
2.3.1 Interkulturelle Kompetenz in der Fremdsprachendidaktik
2.3.2 Interkulturelle Kompetenz in der Bildungspolitik
2.4 Auswertung der vorgestellten Auffassungen interkultureller Kompetenz
3 Kriterien für die Beurteilung des interkulturellen Potentials
3.1 Kriterienkatalog
3.2 Begründung der Kriterien
4 Empirischer Teil
4.1 Methodisches Vorgehen
4.2 Materialbasis/ Grundlegende Informationen zu den ausgewählten Lehrwerken
4.3 Detailanalysen
4.3.1 Detailanalyse 'Deutsche Sprachlehre für Ausländer'
4.3.2 Detailanalyse 'Deutsch aktiv Neu'
4.3.3 Detailanalyse 'Geni@l klick' - Kapitel 9 "Alles Gute"
4.4 Gesamtanalysen
4.4.1 Gesamtanalyse 'Deutsche Sprachlehre für Ausländer'
4.4.2 Gesamtanalyse 'Deutsch aktiv Neu'
4.4.3 Gesamtanalyse 'geni@l klick'
4.5 Auswertung und Vergleich der Analyseergebnisse
4.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, inwieweit verschiedene Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache die interkulturelle Kompetenz der Lernenden fördern. Im Fokus steht die vergleichende Analyse der didaktischen Entwicklung dieses Potentials vor und nach der kommunikativen Wende, um zu beurteilen, ob und wie aktuelle Lehrmaterialien diese wichtige Schlüsselqualifikation integrieren.
- Entwicklung und Definition der interkulturellen Kompetenz im Fremdsprachenunterricht
- Etablierung eines Kriterienkatalogs zur Beurteilung des interkulturellen Potentials
- Vergleichende Analyse ausgewählter Lehrwerke (Deutsche Sprachlehre für Ausländer, Deutsch aktiv Neu, Geni@l klick)
- Bewertung der affektiven, kognitiven und handlungsorientierten Teilkompetenzen
- Rolle des Fremdsprachenunterrichts im Kontext interkultureller Begegnungen
Auszug aus dem Buch
2.3 Interkulturelle Kompetenz
Interkulturelle Kompetenz gilt heute als Schlüsselqualifikation (vgl. Erll/Gymnich 2015: 6; Lüsebrink 2016: 8) und gehört zu den grundlegenden Kompetenzen der Kultusministerkonferenz. Kompetenzen wurden als Reaktion auf das vergleichsweise schlechte Abschneiden der deutschen Schülerinnen und Schüler in Großstudien wie PISA oder TIMSS, im Rahmen von bildungspolitischen Reformbemühungen eingeführt (vgl. Küster 2016: 83). Bei der Kompetenzorientierung stehen im Vergleich zur früheren Lernzielorientierung nicht mehr die Ziele, sondern die Ergebnisse im Vordergrund. Die Umorientierung wird daher oft mit den Begriffen 'input' und 'output' beschrieben (vgl. De Florio-Hansen 2008: 68). Mit der Formulierung von Kontrollfragen wäre die Umorientierung von Inputorientierung "Was habe ich gemacht?" zu Outputorientierung "Was habe ich beigebracht? Was können die Schülerinnen und Schüler?" zu beschreiben (vgl. Ziener 2013: 37). Eine bekannte Definition des Begriffs 'Kompetenz', welche dem Konzept der Kompetenzorientierung zu Grunde liegt stammt von Weinert (2001: 27f.). Er definiert Kompetenzen als:
[...] die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.
Diese Definition betont, dass Kompetenzen erst mit ihrer Anwendung als vorhanden betrachtet werden können. Ergebnisse schulischen und somit auch fremdsprachlichen Lernens sollen "handlungsrelevant, praktisch anwendbar sowie persönlich und gesellschaftlich bedeutsam sein" (De Florio-Hansen 2008: 69). Für den Bereich der interkulturellen Kompetenz bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur über Wissen verfügen, welches sie in interkulturellen Begegnungen nutzen könnten, sondern, dass sie dieses Wissen miteinander verknüpfen und bereit und in der Lage dazu sind, es lösungsorientiert anzuwenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung interkultureller Kompetenz für den Fremdsprachenunterricht ein, benennt die Forschungsfrage und erläutert den Aufbau sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Die Entwicklung der Fremdsprachendidaktik und Interkulturelle Kompetenz im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über die historische Entwicklung der Fremdsprachendidaktik und definiert zentrale Konzepte wie interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenz.
3 Kriterien für die Beurteilung des interkulturellen Potentials: Hier wird auf Basis der vorherigen Kapitel ein Kriterienkatalog entwickelt, der die Grundlage für die empirische Untersuchung der Lehrwerke bildet und in drei Teilkompetenzen gegliedert ist.
4 Empirischer Teil: Dieser zentrale Teil umfasst die methodische Darstellung, die Detail- und Gesamtanalysen der drei ausgewählten Lehrwerke sowie die abschließende Auswertung und vergleichende Zusammenfassung der Ergebnisse.
5 Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Forschungsfrage und diskutiert die Erkenntnisse der Arbeit in Bezug auf die Rolle von Lehrwerken und Lehrkräften bei der Förderung interkultureller Kompetenz.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Fremdsprachenunterricht, Lehrwerkanalyse, Deutsch als Fremdsprache, Interkulturelles Lernen, Lernerorientierung, Handlungsorientierung, Kriterienkatalog, Kommunikative Wende, Fremdsprachendidaktik, Sprachkompetenz, Soziokulturelles Wissen, Perspektivenwechsel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwieweit Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrwerke interkulturelle Kompetenz fördern und wie sich dieser Anspruch im Zuge der didaktischen Entwicklung seit 1967 verändert hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit beleuchtet die Begriffe interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenz, die Entwicklung der Fremdsprachendidaktik sowie die praktische Überprüfung dieser Kompetenzförderung in verschiedenen Lehrwerken.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Fördern Lehrwerke des Deutschen als Fremdsprache die interkulturelle Kompetenz?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine vergleichende Lehrwerkanalyse mittels eines eigens entwickelten Kriterienkatalogs durchgeführt, der affektive, kognitive und handlungsorientierte Teilkompetenzen systematisch erfasst.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Im Hauptteil werden Detail- und Gesamtanalysen der drei Lehrwerke 'Deutsche Sprachlehre für Ausländer', 'Deutsch aktiv Neu' und 'Geni@l klick' durchgeführt und systematisch ausgewertet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Interkulturelle Kompetenz, Lehrwerkanalyse, Lernerorientierung und die kommunikative Wende in der Didaktik charakterisieren.
Welches der untersuchten Lehrwerke schneidet bei der Förderung am besten ab?
Die Ergebnisse zeigen, dass die neueren Lehrwerke nach der kommunikativen Wende deutlich besser abschneiden als das Lehrwerk von 1967, wobei 'Geni@l klick' besonders hohe Werte in der Lernerorientierung aufweist.
Warum ist interkulturelle Kompetenz heute so wichtig für den Fremdsprachenunterricht?
Da Fremdsprachen meist in interkulturellen Kontexten angewendet werden, ist die Kompetenz zur erfolgreichen Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg eine unverzichtbare Schlüsselqualifikation.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft laut der Untersuchung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Lehrwerke zwar Möglichkeiten für interkulturelles Lernen bieten können, die tatsächliche Initiierung und Umsetzung in der Unterrichtspraxis jedoch maßgeblich von den Lehrkräften abhängt.
- Arbeit zitieren
- Johannes Priegnitz (Autor:in), 2018, Interkulturelle Kompetenz in Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444786