Zinsen, Zinsen, Zinsen. IAS 20 und IAS 23


Seminararbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Problemstellung

2. Darlehen nach IAS 20
2.1 Definition und Anwendungsbereich
2.2 Bilanzierung von Zuwendungen

3. Fremdkapitalkosten nach IAS 23
3.1 Definition und Anwendungsbereich
3.2 Bilanzierung von Fremdkapitalkosten

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bilanzierungsstruktur nach IAS

Abbildung 2: Formel zur Berechnung des Zinsvorteils

Abbildung 3: Bsp. 1: Berechnung des Buchwertes nach IAS

Abbildung 4: Bsp. 1: Berechnung des Zinsvorteils

Abbildung 5: Bsp. 1: Buchung Bruttomethode

Abbildung 6: Formel zur Berechnung der Nettofremdkapitalkosten

Abbildung 7: Formel zur Berechnung der aktivierbaren Fremdkapitalkosten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Arten von Zuwendungen der öffentlichen Hand2

Tabelle 2: Bsp. 2: Übersicht der Zahlungen9

1. Problemstellung

Eines der zentralen Themen wirtschaftlichen Handelns stellt die Finanzierung der unternehmerischen Tätigkeit dar. Im Vordergrund steht hierbei die Wahl der geeigneten Finanzierungsmittel. Insbesondere im anhaltenden Niedrigzinsniveau ist die Finanzierung über Fremdkapital so attraktiv wie nie. Mindestens ebenso attraktiv scheint eine staatliche Förderung in Form von Zuwendungen der öffentlichen Hand. Doch wie wirken sich solche Zuwendungen in der internationalen Rechnungslegung bilanziell aus? Und wie spiegeln sich die „klassischen“ Fremdkapitalkosten in der Bilanz wider?

Vor diesem Hintergrund ist diese Seminararbeit der Aufgabe gewidmet, die Bilanzierung von Zinsen bzw. Kapitalkosten im Allgemeinen nach den internationalen Rechnungslegungsstandards zu beleuchten. Nachfolgend werden somit die Regelungsinhalte des IAS 20 sowie des IAS 23 betrachtet und anhand von Beispielen näher erläutert.

2. Darlehen nach IAS 20

2.1 Definition und Anwendungsbereich

Immer wieder kommt es zu Eingriffen der öffentlichen Hand in die wirtschaftliche Tätigkeit von Unternehmen. Die öffentliche Hand verfolgt dabei das Ziel, Unternehmen zu einem bestimmten Tun, Dulden oder Unterlassen zu bewegen. Dies soll durch eine monetäre oder nicht monetäre Vorteilsgewährung (sog. Beihilfen) erwirkt werden.[1]

Auf die Bilanzierung und Darstellung dieser Zuwendungen der öffentlichen Hand ist der IAS 20 anzuwenden, der 1983 erstmals in Kraft trat. Hauptsächlich findet der IAS 20 für Unternehmen Anwendung, die in staatsnahen Industrien tätig sind, wie beispielsweise dem Straßenbau oder der Elektrizitätsversorgung. Dennoch hat grundsätzlich jedes Unternehmen Berührungspunkte mit dem Staat, sodass das Anwendungsgebiet des IAS 20 sehr breit ist.[2]

Der Anwendungsbereich des IAS 20 umfasst die Bilanzierung und Darstellung von Zuwendungen sowie die Angabe sonstiger Beihilfen der öffentlichen Hand. Folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Arten von Zuwendungen der öffentlichen Hand.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[3]

Tabelle 1 : Arten von Zuwendungen der öffentlichen Hand

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Hans-Böckler-Stiftung (2015), S. 8.

Ziel der Angabepflicht von Zuwendungen ist es gemäß IAS 20.5, eine Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse mit Abschlüssen aus vergangenen Perioden sowie mit Abschlüssen anderer Unternehmen zu gewährleisten.[4]

2.2 Bilanzierung von Zuwendungen

Zuwendungen der öffentlichen Hand werden nur dann bilanziell erfasst, wenn eine angemessene Sicherheit darüber besteht, dass einerseits das Unternehmen die damit verbundenen Bedingungen erfüllen kann und wird und andererseits die Zuwendungen auch tatsächlich gewährt werden.[5] Grundsätzlich gilt es die Zuwendungen planmäßig über die Perioden zu verteilen, in denen die korrespondierenden Aufwendungen anfallen. Nachfolgendes Schaubild zeigt die verschiedenen Möglichkeiten der Bilanzierung von Zuwendungen der öffentlichen Hand. Grundsätzlich kann zwischen einer bilanziellen Brutto- und Nettodarstellung unterschieden werden.[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Bilanzierungsstruktur nach IAS 20

Quelle: Hasenburg, in Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, 5. EL 2014 Rn. 9.

Bilanzierung von zinslosen bzw. niedrig verzinslichen Darlehen

Bis 2008 war der Vorteil aus un- oder unterverzinslichen Darlehen nach IAS 20.37 nicht zu berücksichtigen. Aufgrund der damit verbundenen Inkonsistenz mit dem IAS 39 (Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung) wurde 2009 schließlich der IAS 20.10A eingeführt. Nach IAS 39 hat die Zugangsbewertung eines Finanzinstruments (hier: Darlehen) zum Fair Value zu erfolgen, welcher bei unterverzinslichen Darlehen geringer als der Nominalwert sein muss. Nach IAS 20.10A wird das Darlehen gemäß IAS 39 angesetzt und bewertet. Die Zuwendung entspricht der Höhe des Zinsvorteils und berechnet sich wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Formel zur Berechnung des Zinsvorteils

Quelle: Rohatschek: Bilanzierung von zinsenlosen bzw. niedrig verzinslichen Darlehen nach IAS 20 neu, IRZ 2009 S. 150.

Hierbei ist zu beachten, dass der Vorteil zu Beginn der Laufzeit des Darlehens bestimmt werden muss. Den ermittelten Zinsvorteil gilt es laut IAS 20 zu bilanzieren.[7]

Beispiel 1:

Ein Unternehmen erhält ein staatlich gefördertes Darlehen über 1 Mio. € für den Bau einer weiteren Produktionshalle. Der Zinssatz beträgt 2 % p.a. und das Darlehen ist am Ende der 4-jährigen Laufzeit zu tilgen. Der entsprechende Marktzins liegt bei 6 %.

Zunächst gilt es den Buchwert des Darlehens, also den Fair Value, nach IAS 39 zu bestimmen. Hierfür werden die zukünftigen Zahlungsströme mit dem Marktzins von 6 % abgezinst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Bsp. 1: Berechnung des Buchwertes nach IAS 39

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Rohatschek: Bilanzierung von zinsenlosen bzw. niedrig verzinslichen Darlehen nach IAS 20 neu, IRZ 2009 S. 151.

Das Darlehen muss nach IAS 39 also mit einem Betrag von 861.396 € bilanziell erfasst werden. Anschließend kommt die oben beschriebene Formel zur Berechnung des Zinsvorteils zum Einsatz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 : Bsp. 1: Berechnung des Zinsvorteils

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Rohatschek: Bilanzierung von zinsenlosen bzw. niedrig verzinslichen Darlehen nach IAS 20 neu, IRZ 2009 S. 151.

Der Zinsvorteil, also somit die Zuwendung (hier: für Vermögenswerte) der öffentlichen Hand, beträgt im Beispielfall 138.604 €. Dieser Betrag kann nun entweder gemäß der Bruttomethode in der Bilanz passivisch abgegrenzt oder gemäß der Nettomethode direkt vom Buchwert der Produktionshalle abgesetzt werden. Unter der Annahme, dass die Nutzungsdauer der Produktionshalle die Laufzeit des Darlehens (4 Jahre) überschreitet, macht die Nettomethode rechnerisch wenig Sinn.

Bei der Bruttomethode wird ein passiver Rechnungsabgrenzungsposten über den Zinsvorteil von 138.604 € gebildet. Gleichzeitig wird rechnerisch ein Zinsaufwand von 6 % auf die bilanzierte Finanzverbindlichkeit von 861.396 € gebucht und im selben Maße steigt die Finanzverbindlichkeit jährlich an. Da dieser Zinsaufwand nur rechnerisch angesetzt wird, wird der Rechnungsabgrenzungsposten jährlich in derselben Höhe aufgelöst und als sonstiger Ertrag erfolgswirksam verbucht.[8] Nachfolgende Übersicht soll diesen Sachverhalt verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 : Bsp. 1: Buchung Bruttomethode

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg (2016), S. 573.

Erforderliche Angaben im Anhang:

- Angaben zu den angewandten Rechnungslegungsmethoden (Ansatz, Bewertung und Ausweis)

- Angaben zu Art und Umfang der Zuwendungen der öffentlichen Hand

- Angaben zu unerfüllten Bedingungen und anderen Erfolgsunsicherheiten im Zusammenhang mit Zuwendungen der öffentlichen Hand, die im Abschluss erfasst sind.[9]

3. Fremdkapitalkosten nach IAS 23

3.1 Definition und Anwendungsbereich

Der IAS 23 beschäftigt sich mit der Frage der Aktivierung von Fremdkapitalkosten. Der Anwendungsbereich des IAS 23 umfasst die Fremdkapitalkosten, die direkt dem Erwerb, dem Bau oder der Herstellung eines qualifizierten Vermögenswerts zugeordnet werden können.[10] Hierbei liegt der Anwendungsschwerpunkt im Bereich der Auftragsfertigung und Sachanlagen.[11] Die dabei entstandenen Fremdkapitalkosten sind als Bestandteil der Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Vermögenswerts anzusehen und müssen somit bilanziell aktiviert werden. Andere Fremdkapitalkosten, welche nicht in direktem Zusammenhang mit dem qualifizierten Vermögenswert stehen, sind als Aufwand in der Periode zu erfassen, in der sie anfallen. Zu den Fremdkapitalkosten zählen u. a. Zinsen für Kredite, Finanzierungskosten aus bilanzierten Leasingverhältnissen oder Währungsdifferenzen aus Fremdwährungskrediten, sofern sie als Zinskorrektur anzusehen sind. Wichtig für die Aktivierung ist neben der direkten Zurechenbarkeit auch eine verlässliche Bestimmung der Kostenhöhe sowie die Entstehung eines wirtschaftlichen Nutzens aus dem Vermögenswert.[12] Daneben muss es sich, wie bereits genannt, um einen qualifizierten Vermögenswert handeln. Nach IAS 23.5 gilt ein Vermögenswert dann als qualifiziert, wenn ein beträchtlicher Zeitraum erforderlich ist, um ihn in seinen beabsichtigten gebrauchs- oder verkaufsfähigen Zustand zu versetzen. Eine konkrete Angabe, was unter einem beträchtlichen Zeitraum zu verstehen ist, gibt der IAS 23 nicht.[13] Es werden jedoch in der Literatur mehrheitlich Zeiträume von mehr als einem Jahr als beträchtlich erachtet. Teilweise werden jedoch auch sechs Monate als ausreichend angesehen. Dieser fließende Übergang von sofort gebrauchs- bzw. verkaufsfähig bis hin zu einem beträchtlichen Zeitraum bringt daher Abgrenzungsprobleme mit sich. Letztendlich liegt es im Ermessen des bilanzierenden Unternehmens und hängt auch von dessen produkt- bzw. unternehmensspezifischen Gegebenheiten ab.[14] Mögliche qualifizierte Vermögenswerte sind nach IAS 23.7 u. a. Vorräte, Fabrikationsanlagen oder Energieversorgungseinrichtungen.[15]

3.2 Bilanzierung von Fremdkapitalkosten

Für Fremdkapitalkosten, die direkt dem Erwerb oder der Herstellung eines qualifizierten Vermögenswerts zugerechnet werden können, besteht nach IAS 23.8 eine Aktivierungspflicht. Eine direkte Zurechenbarkeit der Fremdkapitalkosten umfasst all jene Kosten, die vermieden worden wären, wenn die Investition in den qualifizierten Vermögenswert nicht getätigt worden wären. Bei allgemein aufgenommenem Fremdkapital kann daher die direkte Zuordnung erschwert sein.[16] Alle anderen Fremdkapitalkosten, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Erwerb, Bau oder der Herstellung eines qualifizierten Vermögenswerts stehen, sind in der Periode, in welcher sie anfallen, als Aufwand zu erfassen.[17] Darüber hinaus gibt es nach IAS 23.4 ein Wahlrecht bezüglich der Aktivierung von Fremdkapitalkosten für bestimmte qualifizierte Vermögenswerte. Darunter fallen qualifizierte Vermögenswerte, die zu einem beizulegenden Zeitwert bewertet werden sowie Vorräte, welche wiederholt und in großen Mengen gefertigt werden.[18] Mit der Aktivierung von Fremdkapitalkosten wird das Ziel einer Gleichbehandlung von langfristigen Investitionen mit wesentlichem Vorfinanzierungsbedarf verfolgt. Dabei ist es wichtig, dass kein Unterschied in der Höhe der aktivierungsfähigen Ausgaben entsteht, unabhängig davon, ob der Erwerber/Ersteller selbst den Vorfinanzierungsaufwand trägt oder beispielsweise der Lieferant die Vorfinanzierung übernimmt und diesen Aufwand entsprechend im Verkaufspreis einkalkuliert.[19]

Unter Berücksichtigung der bereits angesprochenen Zuordnungsproblematik unterscheidet IAS 23 bei der Ermittlung der zu aktivierenden Fremdkapitalkosten in zwei Arten der Finanzierung:

[...]


[1] Vgl. Hasenburg, in Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, 5. EL 2014 Rn. 1.

[2] Vgl. Starbatty, in Buschhüter/Striegel (2011), S. 624.

[3] Vgl. Hans-Böckler-Stiftung (2015), S. 8.

[4] Vgl. Lüdenbach/Hoffmann (2011), S. 540.

[5] Vgl. Starbatty, in Buschhüter/Striegel (2011), S. 626.

[6] Vgl. Hasenburg, in Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, 5. EL 2014 Rn. 16.

[7] Vgl. Rohatschek: Bilanzierung von zinsenlosen bzw. niedrig verzinslichen Darlehen nach IAS 20 neu, IRZ 2009 S. 149-151.

[8] Vgl. Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg (2016), S. 571-573.

[9] Vgl. Starbatty, in Buschhüter/Striegel (2011), S. 630.

[10] Vgl. Scharfenberg, in IFRS-Handbuch, 5. Aufl. 2016, § 5. Sachanlagen Rn. 38.

[11] Vgl. Scharfenberg, in IFRS-Handbuch, 5. Aufl. 2016, § 5. Sachanlagen Rn. 37.

[12] Vgl. Reinholdt/de la Paix: Die Aktivierung von Fremdkapitalkosten nach IAS 23, IRZ 2016 S. 359-361.

[13] Vgl. Von Oertzen, in Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, 5. EL 2014 Rn. 16.

[14] Vgl. Reinholdt/de la Paix: Die Aktivierung von Fremdkapitalkosten nach IAS 23, IRZ 2016 S. 359-361.

[15] Vgl. Von Oertzen, in Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, 5. EL 2014 Rn. 17.

[16] Vgl. Winnefeld, in Bilanz-Handbuch, 5. Aufl. 2015, Kapitel E Rn. 685.

[17] Vgl. Von Oertzen, in Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, 5. EL 2014 Rn. 24.

[18] Vgl. Von Oertzen, in Münchner Kommentar zum Bilanzrecht, 5. EL 2014 Rn. 11.

[19] Vgl. Scharfenberg, in IFRS-Handbuch, 5. Aufl. 2016, § 5. Sachanlagen Rn. 41.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zinsen, Zinsen, Zinsen. IAS 20 und IAS 23
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V444886
ISBN (eBook)
9783668818422
ISBN (Buch)
9783668818439
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zinsen
Arbeit zitieren
Jessica Ripp (Autor), 2018, Zinsen, Zinsen, Zinsen. IAS 20 und IAS 23, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/444886

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