Die westdeutsche Studentenbewegung in den 1960er Jahren. Eine gescheiterte Revolution


Seminararbeit, 2017

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3.Entwicklung und Themen der Studentenbewegung
3.1 Entwicklung der Studentenbewegung
3.2 Themen der Studentenbewegung
3.3 Doppelcharakter der Themen

4.Der revolutionäre Ansatz des SDS
4.1 Revolutionäre Ziele und Aktionen des SDS
4.2 Präzisierung des revolutionären Ansatzes durch Rudi Dutschke

5.Realisierung des revolutionären Anspruchs
5.1 Wirkungen und Erfolge
5.2 Umsetzung des revolutionären Anspruchs
5.3 Weiterführung des revolutionären Ansatzes

6.Fazit und Ausblick

Bibliographie

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Aufsätze

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) entstanden seit den 1970er Jahren neue soziale Bewegungen[1] wie beispielsweise die Friedensbewegung, der Feminismus und die Umwelt- bzw. Ökologiebewegung.[2] Als ein Anstoß und auch Vorbild hierfür wird in der Literatur zu sozialen Bewegungen die Studentenbewegung 1967/ 68 gesehen.[3] Doch was war die Studentenbewegung und was war ihr Ziel? Im Unterschied zu den genannten sozialen Bewegungen verweist die Bezeichnung ,Studentenbewegung‘ nicht auf ein bestimmtes Thema und Ziel. Auch wird sie in der wissenschaftlichen Diskussion unterschiedlich als Revolte[4], Rebellion[5] wie auch Umbruch[6] und Revolution[7] bezeichnet, ohne dass dies jeweils systematisch begründet wird. Es besteht weitgehend Einigkeit, dass die Studentenbewegung ,gegen‘ die damals bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse protestierte und Merkmale einer Revolte und Rebellion aufweist. Doch war sie auch eine Revolution, die den Umsturz der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ordnung anstrebte?

Eine solche Zielsetzung geht über die in der Folgezeit entstandenen sozialen Bewegungen hinaus. Mit den neuen sozialen Bewegungen verbinden sich zwar teils auch gesellschaftliche Gegenentwürfe, diese sind jedoch auf bestimmte Themenfelder eingegrenzt und zielen nicht unmittelbar auf einen umfassenden Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse.[8] Eine daran anschließende Frage wäre, inwiefern die eventuelle revolutionäre Zielsetzung der Studentenbewegung überholt oder gegebenenfalls auch heute noch aktuell ist. Vor diesem Hintergrund wird in der vorliegenden Arbeit der Frage nachgegangen, ob die Studentenbewegung eine revolutionäre Zielsetzung hatte und in welcher Weise diese realisiert wurde.

Die Beantwortung dieser Frage kann nicht unmittelbar aus den vorliegenden Beschreibungen und Dokumentationen der Studentenbewegung abgeleitet werden. In der Studentenbewegung wurde kein übergreifendes politisches Programm formuliert und in der Literatur wird von unterschiedlichen Einflüssen, Aktionen, Teilbewegungen und Interessengruppen gesprochen.[9] Auch bei den einzelnen Aktionen und Themen ist nicht unmittelbar erkennbar, in welcher Weise sich damit ein revolutionärer Anspruch verband. Im Folgenden wird daher durch ein methodisch deduktives Vorgehen zunächst der Begriff der Revolution genauer bestimmt und gegenüber anderen Bezeichnungen wie Revolte, Rebellion und Reform abgegrenzt (Abschnitt 2). Auf dieser Grundlage werden die Entwicklung und die Themen der Studentenbewegung dargestellt. Es wird die These formuliert, dass die Studentenbewegung unterschiedliche Themen aufgriff und die dabei verfolgten Ziele einen ,Doppelcharakter‘ hatten. Sie bezogen sich auf Veränderungen innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung sowie auch auf deren Überwindung (Abschnitt 3). Hieran anschließend wird die revolutionäre Strömung in der Studentenbewegung untersucht. Im Mittelpunkt steht dabei die Rolle des SDS sowie die Präzisierung des revolutionären Ansatzes durch Rudi Dutschke und seine Realisierung (Abschnitt 4 und 5). Die Arbeit schließt mit einem allgemeinen Fazit und Ausblick ab (Abschnitt 6).

2. Begriffsklärung

Die folgenden Ausführungen stützen sich auf Charakterisierungen der Revolution, durch den Historiker Peter Wende, den Politikwissenschaftler Hans Wassmund und den Historiker Jürgen Osterhammel.[10] Als ein gemeinsames Merkmal der Revolution wird von ihnen der totale Umsturz einer bestehenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ordnung einer Gesellschaft gesehen.[11] Als weitere allgemeine Merkmale der Revolution werden die Beteiligung und Mobilisierung des Volkes bzw. der Massen und die Anwendung von Gewalt genannt.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Französische Revolution

Auch Reformen können sich auf umfassende gesellschaftliche Veränderungen richten. Im Unterschied zur Revolution wird aber in der wissenschaftlichen Diskussion die Aufrechterhaltung der bestehenden Herrschaftsordnung sowie die Verbindung zwischen Gegenwärtigem und Zukünftigem als ein wesentliches Merkmal der Reform gesehen.[13] Revolten weisen ähnliche Merkmale wie die Revolution auf, sind aber sowohl regional als auch in ihren Inhalten und Zielen begrenzt. Sie richten sich gegen einen bestehenden Zustand ohne eine Vorstellung, wohin eine Veränderung führen kann.[14] Diese Merkmale gelten auch für den Begriff Rebellion.

3. Entwicklung und Themen der Studentenbewegung

Noch in den 1950er und 1960er Jahren galten die Studenten als unpolitisch und als ״schweigende Generation“[15]. Vor diesem Hintergrund kam die Studentenbewegung in den Jahren 1967/68 unerwartet und überraschend.[16]

3.1 Entwicklung der Studentenbewegung

Als Beginn der Studentenbewegung wird in der vorliegenden Literatur die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch den zivil gekleideten Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras bei der Demonstration gegen den Besuch des persischen Kaiserpaares in West-Berlin am 2. Juni 1967 gesehen.[17]

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Abbildung 2: Erschießung von Benno Ohnesorg

Es kam daraufhin zu einer Welle der Entrüstung und Demonstrationen in fast allen deutschen Universitätsstädten. So nahmen etwa 100.000 Studenten an Schweige- und Trauermärschen am 3. bis 9. Juni 1967 teil.[18] Der Anstoß hierzu war nicht nur die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg, sondern auch das brutale Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten sowie die falsche Darstellung von Ereignissen durch die Polizei und die einseitige Berichterstattung in den Zeitschriften ,Bild‘ und ,Die Welt‘.[19] Weitere wichtige Stationen im Verlauf der Studentenbewegung waren die Demonstrationen gegen die ״Springerpresse“ im Oktober 1967 und im Februar 1968, die Demonstrationen und politischen Aktionen an Universitäten, die Gründungsversammlung der kritischen Universität an der FU in Berlin im November 1967, die Gründung politisch motivierter Wohngemeinschaften Anfang 1967 in Berlin, die Anti-Vietnamkrieg­Demonstrationen und der internationale Vietnamkongress an der TU Berlin im Februar 1968, das Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 und die darauf folgenden Demonstrationen sowie der Sternmarsch nach Bonn am 11. Mai 1968.[20] Die Verabschiedung der Notstandsgesetze im Mai 1968 wird als Endpunkt der Protestwellen und der Studentenbewegung insgesamt gesehen.[21]

Im Folgenden werden zunächst die Themen der Studentenbewegung Umrissen, um auf dieser Grundlage der Frage nachzugehen, inwieweit sich damit ein revolutionärer Ansatz verband.

3.2 Themen der Studentenbewegung

In der Studentenbewegung wurden mehrere gesellschaftliche Entwicklungen aufgegriffen und zum Gegenstand von Protesten gemacht. Sie lassen sich verschiedenen thematischen Schwerpunkten zuordnen, die sich teilweise in den konkreten Aktionen überschnitten und im zeitlichen Verlauf unterschiedlich beachtet wurden.[22]

Ein grundlegendes Thema der Studentenbewegung war die Demokratisierung von Politik und Gesellschaft insgesamt. Die hierauf bezogenen Forderungen und Aktionen richtete sich sowohl auf die Abwehr antidemokratischer Entwicklungen als auch auf die Erweiterung der Demokratie. Im Einzelnen beinhaltete dies den Kampf gegen die Notstandsgesetze und die Massenmedien, insbesondere die ״Springerpresse“, sowie für die Demokratisierung an Universitäten. Bereits in den 1950er Jahren entstanden erste politische Initiativen zu den Notstandsgesetzen, die Mitte der 60er Jahre verstärkt weiterverfolgt wurden. Mit den Notstandsgesetzen sollten die Befugnisse des Staates in Krisensituationen (Naturkatastrophen, Aufstände und Kriege) erweitert werden.[23] Für die Studenten waren die Notstandsgesetze ein Ausdruck antidemokratischer Entwicklungen und einer Wiederkehr des Nationalsozialismus in der BRD.[24] Eine Gefährdung der Demokratie sahen die Studenten auch in den Massenmedien. Wesentliche Anstöße

hierfür ergaben sich aus den Berichterstattungen der ״Springerpresse“ in Berlin über die Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg.[25] Die Kritik der Studenten richtete sich sowohl auf die Inhalte der Berichterstattung als auch auf die Monopolstellung des Springerverlags auf dem Zeitungsmarkt, die als Bedrohung der Pressefreiheit angesehen wurde.[26] Und schließlich war auch die Universität selbst ein wesentlicher Ort des Kampfes für Demokratie. Die Studenten kritisierten die uneingeschränkte Macht der Professoren über Lehrinhalte und Lehrmethoden.[27] Eine bekannte Parole dieser Bewegung war ״Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren“[28].

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Abbildung 3: Proteste gegen autoritäre Strukturen in der Universität

Neben Demonstrationen und Versammlungen kam es zu Seminar- und Institutsbesetzungen. Die Studenten wollten bei der Gestaltung von Lehrinhalten mitwirken und stellten die Vorgaben der Professoren und Dozenten zur Diskussion.[29]

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt waren die Entwicklungen in der Dritten Weit. Die Studenten protestierten gegen den Schahbesuch in Berlin (vgl. 3.1), da für sie der Schah ein korrupter Herrscher, der sein Volk unterdrückt und dabei von den westlichen Ländern unterstützt wird, war. Damit verband sich auch eine Kritik an der Politik der USA, die sich im weiteren Verlauf vor allem auf den Vietnamkrieg richtete. Dieser war für die Studenten nicht nur eine Abwehr kommunistischer Expansion, sondern ein Völkermord. Man sah die Gefahr einer Ausrottung der vietnamesischen Bevölkerung, da unter den Kriegsopfern auch Zivilisten, Frauen und Kinder waren.[30]

Und schließlich ging es in der Studentenbewegung nicht nur darum, die Gesellschaft zu verändern, sondern auch sich selbst zu verändern und das Private mit dem Politischen zu verbinden.[31] Vor allem die sexuelle Befreiung spielte eine wichtige Rolle[32], da man in der Unterdrückung der Sexualität auch die Grundlage für die politische Unterdrückung sah.[33] Des Weiteren entstanden neue Lebensformen wie Wohngemeinschaften von unverheirateten Männern und Frauen, eine Veränderung des Aussehens durch ,lässige‘ Kleidung und lange Haare bei Männern sowie die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an politischen Aktionen und Diskussionen. Hiermit verbanden sich auch neue kulturelle Orientierungen beispielsweise in der Musik durch die Weiterentwicklung der Rock­und Popmusik sowie die Suche nach Bewusstseinserweiterung durch den Konsum von Drogen.[34]

3.3 Doppelcharakter der Themen

Betrachtet man die Ziele, die von der Studentenbewegung bei den zuvor dargestellten Themen angestrebt wurden, genauer, so zeigt sich ein ,Doppelcharakter‘. Es wurden sowohl Veränderungen ,innerhalb‘ der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung als auch deren grundlegende Überwindung angestrebt.

[...]


[1] Soziale Bewegungen werden in der neueren Forschung definiert als ״ein auf gewisse Dauer gestelltes und durch kollektive Identität abgestütztes Handlungssystem mobilisierter Netzwerke von Gruppen und Organisationen, welche sozialen Wandel mit Mitteln des Protests - notfalls bis hin zur Gewaltanwendung - herbeiführen, verhindern oder rückgängig machen wollen“ (Rucht, Dieter: Modernisierung und neue soziale Bewegungen. Deutschland, Frankreich und USA im Vergleich, Frankfurt/New York 1994, s. 76Í).

[2] Siehe hierzu ausführlich die Darstellung bei Roth, Roland/ Rucht, Dieter (Hg.): Die Sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945, Frankfurt/ New York 2008 sowie bei Brand, Karl-Wemer: Neue soziale Bewegungen. Entstehung, Funktion und Perspektive neuer Protestpotentiale. Eine Zwischenbilanz, Wiesbaden 1982.

[3] Vgl. Roth, Roland: Neue soziale Bewegungen in der politischen Kultur der Bundesrepublik. Eine vorläufige Skizze in: Brand, Karl-Wemer (Hg.): Neue soziale Bewegungen in Westeuropa und den USA: Ein internationaler Vergleich, Frankfurt/ New York 1985, s. 20ff; Brand, Karl-Wemer/ Büsser, Detlef/ Rucht, Dieter: Aufbruch in eine andere Gesellschaft. Neue soziale Bewegungen in der Bundesrepublik, Aktualisierte Neuausgabe Frankfurt/ New York 1986, S.54ÍF.; Brand, Karl­Werner: Die Neuerfindung des Bürgers. Soziale Bewegungen und bürgerschaftliches Engagement in der Bundesrepublik, in: Olk, Thomas/ Klein, Ansgar/ Hartnuß, Birger (Hg): Engagementpolitik. Die Entwicklung der Zivilgesellschaft als politische Aufgabe, Wiesbaden 2010, s. 129Í

[4] Z.B. Horvath, Peter: Die inszenierte Revolte. Hinter den Kulissen von ‘68, München 2010.

[5] Z.B. Schildt, Axel: Rebellion und Reform - Die Bundesrepublik der Sechzigeņahre, Bonn 2005.

[6] Z.B. Etzemüller, Thomas: 1968 - Ein Riss in der Geschichte? Gesellschaftlicher Umbrach und 68er - Bewegungen in Westdeutschland und Schweden, Konstanz 2005.

[7] Z.B. Wesel, Uwe: Die verspielte Revolution. 1968 und die Folgen, München 2002.

[8] Vgl. Brand: Die Neuerfindung des Bürgers, s. 135.

[9] Vgl. Etzemüller: 1968 - Ein Riss in der Geschichte?, s. 109; Mosler, Peter: Was wir wollten, was wir wurden, Hamburg 1988, s. 102.

[10] Wende, Peter: Einleitung, in: ders. (Hg.): Große Revolutionen der Geschichte. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart, München 2000, s. 11-14.; Wassmund, Hans: Revolutionstheorien. Eine Einführung, München 1978, s. 41f.; Osterhammel, Jürgen: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009, S.738.

[11] Peter Wende spricht von der ״Totalumwälzung einer bestehenden Gesellschaft“ (Wende: Große Revolutionen der Geschichte, zit. nach Textkopie: M7 Was ist eine Revolution? Modeme geschichtswissenschaftliche Definition, Michaeli-Gymnasium W-Seminar 2016, s. 1).
Hans Wassmund argumentiert, dass von Revolution nur dann gesprochen werden kann, wenn ein ״radikaler Wandel in der politischen Organisation, der Sozial- und Wirtschaftsstruktur sowie der Eigentumskontrolle und den Legitimierungsprinzipien“ stattfindet (Wassmund: Revolutionstheorien, zit. nach Textkopie: M7 Was ist eine Revolution? Modeme geschichtswissenschaftliche Definition, Michaeli-Gymnasium W-Seminar 2016, s. 2).
Der Historiker Jürgen Osterhammel bezieht sich auf eine Definition von Revolution, nach der durch den Umsturz der bestehenden Eliten die neuen Eliten die Sozialstruktur sowie auch die Herrschaftsstruktur fundamental verändern (vgl. Osterhammel: Die Verwandlung der Welt, s. 738).

[12] Vgl. Wende: Große Revolutionen der Geschichte, s. 11-14; Wassmund: Revolutionstheorie, s. 41f.; Osterhammel: Die Verwandlung der Welt, s. 738.
Hans Wassmund führt als weiteres Merkmal an, dass sich bei einer Revolution der Umsturz der Gesellschaft an den Idealen von Fortschritt, Emanzipation und Freiheit orientiert (vgl. Wassmund: Revolutionstheorie, s. 41f.). Demgegenüber hält Jürgen Osterhammel eine solche Definition für zu eng und zu sein־ an der Entwicklung der westlichen Gesellschaft orientiert (vgl. Osterhammel: Die Verwandlung der Welt, s. 738).

[13] Vgl. Graf von Krockow, Christian: Reform als politisches Prinzip, München 1976, S.12Í, 18, 79f., 82, 119 zit. nach Textkopie: MIO Was Revolutionen nicht sind - Abgrenzung zu anderen historisch-politischen Schlüsselwörtern, Michaeli-Gymnasium W-Seminar2016, s. 2.

[14] Vgl. Wassmund: Revolutionstheorien, s. 27-33.

[15] Schildt, Axel: Neue Linke und Studentenbewegung, 2008
http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/51815/neue-linke?p=all, S.2, Quelle: Schildt: Rebellion und Reform.
1965 stellte der Professor für Soziologie und Philosophie Ludwig von Friedeburg fest: ״überall erscheint die Welt ohne Alternativen, passt man sich den jeweiligen Gegebenheiten an, ohne sich zu engagieren, und sucht sein persönliches Glück in Familienleben und Berufskarriere. In der modemen Gesellschaft bilden Studenten kaum mehr ein Ferment produktiver Unruhe“ (zit. nach ebd.).

[16] Es gab aber bereits in den vorangegangenen Jahren verschiedene politische Bewegungen in der BRD die auch die Studentenbewegung beeinflussten. So beispielsweise die sogenannten Ostermärsche. 1960 demonstrierten etwa 1000 Menschen gegen die atomare Kriegsgefahr und 1964 waren es bereits 100.000. (vgl. ebd. s. 1). Des Weiteren zählen dazu studentische Initiativen wie der Studentenkongress gegen Atomrüstung im Januar 1959 in Berlin (vgl. Fichter, Tiiman p./ Lönnendonker, Siegward: Die kleine Geschichte des SDS. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund von Helmut Schmidt bis Rudi Dutschke, 4. Auflage, Essen 2007, s. 83). Auch gegen den Aufbau der Bundeswehr gab es Protestbewegungen an denen auch Studenten beteiligt waren (vgl. Bauß, Gerhard: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre in der Bundesrepublik und Westberlin, erweiterte Auflage Köln 1988, S.29 und Fichter/ Lönnendonker: Die kleine Geschichte des SDS, s. 85). Des Weiteren bildeten sich insbesondere an der Frankfurter Universität intellektuelle Gmppen, die sich mit der ״kritischen Theorie“ zur Entwicklung modemer Gesellschaften von Theodor w. Ardomo und Max Horkheimer befassten (Schildt: Neue Linke und Studentenbewegung, s.l). Und schließlich entstand bereits 1947 der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS), der in der Studentenbewegung eine wichtige Rolle spielte (vgl. Abschnitt 4).

[17] Vgl. Schildt: Neue Linke und Studentenbewegung, s.2.

[18] Vgl. Etzemüller: 1968 - Ein Riss in der Geschichte?, s. 69.

[19] Vgl. ebd.

[20] Zu diesen Stationen der Studentenbewegung siehe ausführlicher Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, s. 71ff., 112ff., 177ff., 222ff.; in Abschnitt 3.3 und 5.2 wird hierauf nochmals eingegangen.

[21] Vgl. Schildt: Neue Linke und Studentenbewegung, s. 4.

[22] Die folgende Darstellung bezieht sich methodisch nicht auf den zeitlichen Ablauf, regionale Schwerpunkte oder einzelne Aktionen, sondem auf inhaltliche Themen.

[23] Von Anfang an stießen die Notstandsgesetze auf Widerstand, insbesondere seitens der Gewerkschaften und der SPD. Kritisiert wurde die Einschränkung bürgerlicher Freiheitsrechte und man sah die Gefahr einer Ausweitung der Macht der Exekutive, so wie dies beim Ermächtigungsgesetz in der Weimarer Verfassung der Fall war. Damit verband sich auch ein Misstrauen gegenüber der Überwindung des Nationalsozialismus in der westdeutschen Gesellschaft (vgl. Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, s. 112-122). Mit der Bildung der Koalition von CDU und SPD 1966 schien jedoch eine parlamentarische Opposition gegen die Notstandsgesetze kaum mehr möglich und es entstand eine außerparlamentarische Opposition, die mit der Studentenbewegung weitergeführt wurde (vgl. ebd.).

[24] Vgl. ebd., s. 142Í

[25] Die ״Springerpresse“, insbesondere die Bildzeitung, rechtfertigte die Erschießung Benno

[26] Olmesorgs vorbehaltlos und stellte die Proteste der Studenten pauschal als kommunistische Bewegung und Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung dar (vgl. ebd., s. 77f.). 2® Vgl ebd., s.75-79.

[27] Vgl. ebd., s. 61Í, 280f.

[28] Heise, Helene: Das Ende der Talare. Parole vom Bauzaun, Spiegel online vom 8. Novenber 2007, http://www.spiegel.de/einestages/das-ende-der-talare-a-948827.html.

[29] Vgl. Bauß: Die Studentenbewegung der sechziger Jahre, s. 227-289.

[30] Vgl. ebd., s. 167-220.

[31] Der Historiker Norbert Frei stellt hierzu fest: ״Der Grundgedanke, der »um 68« hinter allem stand, und die Richtung, in die alles strebte, hieß Befreiung - von Autoritäten und aus Abhängigkeiten, aus Konventionen und von Traditionen, von lästigen Pflichten und überkommenen Moralvorstellungen.“ (Frei, Norbert: 1968 Jugendrevolte und globaler Protest, München 2008, s. 134).

[32] Bekannt wurde der Slogan: ״Wer einmal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ (ebd., s. 136).

[33] Siehe hierzu ausführlicher Fichter/ Lönnendonker: Die kleine Geschichte des SDS, s. 119-125.

[34] Siehe zu den hier angesprochenen Lebensformen Frei: 1968 Jugendrevolte und globaler Protest, s. 130-140; Schildt: Neue Linke und Studentenbewegung, s. 3; Mosler: Was wir wollten, was wir wurden, s. 102.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die westdeutsche Studentenbewegung in den 1960er Jahren. Eine gescheiterte Revolution
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
34
Katalognummer
V445116
ISBN (eBook)
9783668818569
ISBN (Buch)
9783668818576
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Studentenbewegung, Revolution, Revolte, SDS, Rudi Dutschke, Soziale Bewegung, Kapitalismus, 1968
Arbeit zitieren
Felicia Böhle (Autor), 2017, Die westdeutsche Studentenbewegung in den 1960er Jahren. Eine gescheiterte Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445116

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