Exegetische Methodik. Eine Exegese zu Eph 2,8-10


Ausarbeitung, 2016

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Übersetzung des Textes

2. Text und literarischer Kontext
2.1.Textschaubild
2.2.Textthema
2.3.Textgliederung
2.4.Literarischer Kontext

3. Historischer Kontext

4. Vers-für-Vers-Kommentierung

5. Biblisch-Theologische Einordnung

6. Praktischer Ausblick

7. Literaturliste

1. Übersetzung des Textes

Um die Textbasis der Auslegung zu finden, wurden mehrere formorientierte Übersetzungen verglichen. Exemplarisch werden nun die Hauptunterschiede der Luther, Elberfelder und Zürcher Bibel aufgezeigt. Kleinere Unterschiede wie beispielsweise „dass“ oder „damit“, oder die Verwendung eines Semikolons werden nicht aufgezeigt da daraus keine wesentlichen Unterschiede beim Textverständnis entstehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Vers 8 steht eine Form des Verbs „σώζω“, welches „erretten“, „retten“ oder auch „unversehrt erhalten“ heißt. Es scheint, als wäre die Übersetzung der Elberfelder und der Zürcher Bibel näher an der ursprünglichen Aussage. In Vers 10 wird das Wort „Gebilde“ oder „Werk“ benutzt. Betrachtet man den Kontext, so scheint „Gebilde“ deutlich klüger gewählt. Zwar ist „Werk“ auch richtig übersetzt, es verleitet jedoch dazu, den vorschnellen Schluss zu ziehen, dass in Vers 9, 10a und 10b immer dasselbe Wort verwendet wird. Dies ist nicht der Fall. In Vers 9 und 10b befindet sich laut NA28 eine Form von „ἔργον“ , während im ersten Teil des Vers 10 „ποίημα“ (Aland/Mounce 2012/2013, Eph 2,8-10) verwendet wird. Festzuhalten ist außerdem, dass die Zürcher Bibel nicht zwischen „geschaffen zu guten Werken“ und dem „wandeln in guten Werken“ unterscheidet, sondern die beiden Aspekte vielmehr in den Worten „Leben voller guter Taten“ umschreibt. Verglichen mit dem NA28 ist die Übersetzung der Zürcher Bibel demnach eine freie Übertragung. Ebenso gilt dies für die Verwendung „durch eigenes Tun“ in Vers 9.

Zusammenfassend lässt sich sagen, das die Elberfelder Bibel aufgrund der besseren Übersetzung von „σώζω“, der klügeren Verwendung des Wortes „Gebildes“ und der wortgetreueren Übersetzung „damit wir in Ihnen wandeln sollen“ die geeignetste Grundlage für die folgende Exegese ist.

2. Text und literarischer Kontext

2.1. Textschaubild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Textthema

Dass Menschen aufgrund Gottes Gnade durch Glaube, errettet wurden, zieht die Konsequenz nach sich, dass diese in den von Gott vorbereiteten guten Werken wandeln sollen.

2.3. Textgliederung

I. Paulus lehrt die Leser, dass sie unverdient gerettet sind (V. 8-9)

A. Mensch en sind errettet aus Gnade und durch Glaube (V. 8a)
B. Die Rettung ist Gottes Geschenk (V. 8b)
C. Menschen können nichts zur Errettung beitragen (V. 9)

II. Praktische Konsequenz für die Gemeinde (V. 10)

A. Wir sind Gottes Gebilde geschaffen in Jesus (V. 10a)
B. Daher sollen wir in den von Gott vorbereiten Werken wandeln (V. 10c)

2.4. Literarischer Kontext

Der Epheserbrief lässt sich in einen einleitenden Briefanfang, den Briefkorpus und den Briefschluss einteilen. Im Briefkorpus befinden sich zwei Hauptschwerpunkte.

Der erste Schwerpunkt im Briefkorpus von Kapitel 2-3 ist lehrhaft und beschreibt Gottes Plan, aus Juden und Heiden Gottes Gemeinde zu bilden. Thema ist das „Einst und Jetzt der Glaubenden“ sowie „Die Kirche aus Juden und Heiden“. Außerdem wird die Gemeinde, im Rahmen eines Gebetsberichts, als geoffenbartes heilgeschichtliches Geheimnis erklärt. Mit dem Abschluss des Gebets beginnt in Kapitel 4 der 2. Hauptteil. Dieser zweite Schwerpunkt entspricht einer Mahnrede, in welcher die ganze Gemeinde aufgerufen wird, ein Leben zu führen, welches dem neuen Heilstand entspricht (Schnelle 2002, 354; Stadelmann 1993, 7f).

Der auszulegende Text befindet sich im lehrhaften Bereich des Hauptteils und steht im Zusammenhang von „Einst und Jetzt der Glaubenden“. Paulus schildert, dass die Menschheit von Natur aus tot war und Gott Menschen durch Jesus lebendig gemacht hat, um so die Trennung zwischen Gott und ihnen zu überwinden. Der enge Kontext lässt sich folgendermaßen gliedern:

a. Mensch war von Natur aus tot (2,1-3)
b. Zugehörig zu Jesus durch Gottes Gnade (2,4-7)
c. Konkretisierung der vorherigen Erklärung (2,8-10)

Eine klare Abgrenzung der vorliegenden Perikope zu den vorherigen Versen im engen Kontext ist nicht möglich. Eph. 2,1-10 ist eine Texteinheit, jedoch bündeln und konkretisieren die Vers 8-10 die getätigten Aussagen aus 2,1-7 nochmals.

Die Abgrenzung zum anschließenden Abschnitt ist deutlicher, da der neue Gedankengang einer „Kirche aus Juden und Heiden“ beginnt. Dies ist aus dem Einleitungswort „Deshalb“ (2,11) abzuleiten.

3. Historischer Kontext

Der Epheserbrief scheint vom Apostel Paulus während einer Gefangenschaft verfasst worden zu sein (Eph. 1,1; 3,1; 4,1; 6,19). Sehr wahrscheinlich ist, dass es sich um die Gefangenschaft in Rom um 62 n.Chr. handelt. An wen der Brief gerichtet ist, wird kontrovers diskutiert. Dies liegt zum einen daran, dass der Brief trotz mehrmaliger und längerer Tätigkeit des Paulus’ in Ephesus ungewöhnlich unpersönlich gehalten ist. Zum anderen fehlt in einigen bedeutenden Handschriften der Zusatz „ἐν Ἐφέσῳ“. Diese beiden Argumente sprechen für die Rundbrieftheorie, welche besagt, dass der Epheserbrief an mehrere Gemeinden der Provinz Asia, mit Ephesus als Hauptstadt gerichtet war (Mauerhofer 1995, 123f). Weiter verstärkt sich beim Lesen von Eph. 6,24 der Eindruck, dass Paulus die ganze Gemeinde Jesu und nicht nur eine spezielle örtliche Gemeinde ansprechen möchte und sein Schreiben daher ganz bewusst an „alle Glaubenden“ sendet. Die Situation der Stadt Ephesus zu betrachten, hilft somit nur bedingt, um die ursprüngliche Aussage des Textes korrekt zu analysieren. Die in Kleinasien aufkommende Irrlehre der Gnosis darf jedoch nicht ignoriert werden.

Unabhängig davon, ob der Epheserbrief an eine einzelne Gemeinde gerichtet oder als allgemeines Lehrschreiben gedacht war, ist die Absicht des Briefes, die Leser zu lehren und zu ermahnen. Der Fokus liegt hierbei, wie bereits geschildert, auf der Einheit der Gemeinde und dem Leben nach christlichen Maßstäben. Ein konkretes Problem als Auslöser für den Brief scheint jedoch nicht vorgelegen zu haben. Dies verstärkt den Eindruck, dass der Epheserbrief ein allgemeingültiges Lehr- und Mahnschreiben ist. Paulus möchte mit diesem Schreiben das Evangelium darlegen und helfen, „eine klar erkennbare christliche Identität zu verwirklichen“ (Carson/Moo 2010, 595). Laut Carson und Moo kann man „daher den Eph als eine wichtige Darstellung des Evangeliums bezeichnen, die auf mehr als eine Problemsituation im 1. Jh.n.Chr passt“ (Carson/Moo 2010, 595). Diese Aussage trifft insbesondere auf die vorliegende Perikope zu.

4. Vers-für-Vers-Kommentierung

I. Paulus lehrt die Leser, dass sie unverdient gerettet sind (V. 8-9)

In diesem ersten Abschnitt erinnert der Apostel Paulus die Gemeinde daran, dass sie durch den Glauben an Jesus unverdient gerettet wurde.

A. Menschen sind errettet aus Gnade und durch Glaube (V. 8a)

Text: „Τῇ γὰρ χάριτί ἐστε σεσῳσμένοι διὰ πίστεως“

Übersetzung: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben“

Die Perikope beginnt mit dem Wort „Denn“ und bezieht sich damit direkt auf die vorhergehenden Verse 1-7.

In diesem ersten Teilsatz befinden sich drei zentrale Begriffe des christliche Glaubens: „Gnade“, „errettet“ und „Glauben“.

Gnade (χάρις,) ist ein bedeutsamer Begriff in der paulinischen Briefliteratur. Gemeint ist ein unverdientes Wohlwollen, welches keiner Gegenleistung bedarf. Ist Gott gnädig, so ist das ein Geschenk und hat nichts mit Werken zu tun. Gottes Gnade ist die Grundlage dafür, dass Menschen errettet werden können.

Vers 8 wiederholt die Worte „χάριτί ἐστε σεσῳσμένοι“ aus Vers 5. Diese Wiederholung macht deutlich, dass die Aussage „aus Gnade seid ihr errettet“ von großer Bedeutung ist. Das griechische Verb σῴζω, welches mit „errettet“ übersetzt wurde, bedeutet in diesem Abschnitt „die geistliche und ewige Errettung, die Gott sofort an demjenigen vollzieht, der zum Glauben an Jesus Christus kommt“ (Elberfelder Studienbibel 2009, Begriffnr. 4816). Außerdem befindet sich das Verb im Partizip Perfekt, woraus deutlich wird, „daß das Ereignis in der Vergangenheit eingetreten ist und nun dauerhaft wirkt oder gilt“ (Stadelmann, 86). Bei der „Errettung“ handelt sich somit um ein einmaliges Ereignis im Leben einer Person, bei welchem sie mit der Gnade Gottes in Berührung kommt und nun dauerhaft und ewig errettet ist. Für Christen bedeutet dies, dass sie schon errettet sind und diese Errettung für ewig gilt.

Der Ausdruck „διὰ πίστεως“ findet sich in vielen paulinischen Briefen. Allein im Epheserbrief ist diese Formulierung drei Mal zu finden (2,8; 3,12; 3,17).

Christen sind aufgrund von Gottes Gnade errettet und der Glaube dient als Mittel zu dieser Gnade. Erst durch den Glauben entsteht eine Vereinbarung bzw. eine gegenseitige Verpflichtung zwischen Gott und den Menschen. Glaube bedeutet demnach die Verbundenheit und Zugehörigkeit zu Gott. Es wird ausgedrückt, dass eine vertrauensvolle, lebensverändernde Beziehung zwischen Gott und den glaubenden Menschen herrscht (Snodgrass 1996, 104f).

B. Die Rettung ist Gottes Geschenk (V. 8b)

Text: „καὶ τοῦτο οὐκ ἐξ ὑμῶν, θεοῦ τὸ δῶρον“·

Übersetzung: „und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es;“

Die erste Frage die sich in Vers 8b stellt, ist, auf was sich das Wort „das“ bezieht. Da „Glaube“, „errettet“ und „Gnade“ in einem anderen Genus stehen als das Wort „τοῦτο“ ist es naheliegend, dass sich dieses Demonstrativpronomen auf den ganzen vorherigen Teilsatz (V 8a) bezieht. Dieser Vorgang des Errettetseins aus Gnade und durch Glauben ist demnach Gottes Gabe. Laut Harold W. Hoehner versteht man unter dem griechischen Wort „δῶρον“ ein Opfer von Menschen an Gott oder auch die Bestechung eines Menschen. Im NT wird dieses Wort normalerweise im Zusammenhang mit kultischen Opfern verwendet, in der zugrundeliegenden Bibelstelle jedoch als Bezeichnung eines Geschenks von Gott an die Menschen gebraucht. Paulus verstärkt durch die Verwendung dieses Wortes – welches sonst in dem Zusammenhang verwendet wird, dass Menschen ihren Göttern opfern oder Bestechungsgelder zahlen, um sich vor Gott oder Menschen Gnade und Wohlwollen zu erkaufen – den Fakt, dass die rettende Gnade ein Geschenk Gottes ist und dass dieses Geschenk genügt, um Vergeltung vor Gott zu finden (Hoehner 2003, 343f).

C. Menschen können nichts zur Errettung beitragen (V. 9)

Text: „οὐκ ἐξ ἔργων, ἵνα μή τις καυχήσηται.“

Übersetzung: „nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“

In Vers 8 lag der Fokus ganz auf den Taten Gottes. Vers 9 thematisiert hingegen alleinig den Menschen. Jeder menschliche Verdienst wird abgelehnt, die Bedeutsamkeit der Gnade Gottes aufgezeigt und der Begriff „ἔργων“ in direkten Gegensatz zur Gnade gestellt.

Die Entstehung von Gesetzlichkeit, asketischen Praktiken und der Irrlehre der Gnosis (vgl. Kol 2,16ff; 1. Tim 1,3; 1. Tim, 4,1ff) zur damaligen Zeit in Kleinasien sprechen dafür, dass Paulus ganz bewusst die Aussage aus Vers 8 negiert, dabei steigert und auf neue Weise ausdrückt. Niemand ist aufgrund einer asketischer Lebensweise, einem tieferen Verständnis oder eigener Werke und Taten gerettet. Auf die eigenen Werke kann man nicht stolz sein, denn sie haben keine Auswirkungen darauf, zu Gott zu gelangen. Nein, Gottes Gnade alleine errettet (Stadelmann 1993, 88).

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Details

Titel
Exegetische Methodik. Eine Exegese zu Eph 2,8-10
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V445153
ISBN (eBook)
9783668819122
ISBN (Buch)
9783668819139
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegetische, methodik, eine, exegese
Arbeit zitieren
Erich Böke (Autor), 2016, Exegetische Methodik. Eine Exegese zu Eph 2,8-10, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445153

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