Exegese zu 1. Könige 13. Übersetzungsvergleich, literarischer und historischer Text, Kommentierung, theologische Linien und praktischer Ausblick


Quellenexegese, 2017

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Übersetzungsvergleich

2. Literarischer Kontext und Text
2.1.Literarischer Kontext
2.2.Textschaubild
2.3.Handlungsbogen
2.4.Textgliederung

3. Historischer Kontext

4. Kommentierung
4.1. Das Wort gegen den Altar in Bethel (V1-10)
4.2. Der Mann Gottes und der Prophet aus Bethel (V11-32)
4.3. Die Unbußfertigkeit Jerobeams (V33f)
4.4. Rückschlüsse bei Betrachtung der Erzählung in ihrer Gesamtheit

5. Theologische Linien

6. Praktischer Ausblick

7. Literaturliste

1. Übersetzungsvergleich

Für den Übersetzungsvergleich wurde neben den formorientierten Bibeltexten von Luther, Elberfelder, Zürcher und Schlachter auch die Übersetzung des Kommentators Hartmut Schmid (Schmid 2000, 374ff) herangezogen. Die Übersetzungen unterscheiden sich zum einen darin, dass sich die Wortstellung innerhalb der Sätze unterscheiden. Darüber hinaus wurden manche hebräische Begriffe verschieden übersetzt.

Einige gravierende Übersetzungsvarianten sollen im Folgenden aufgezeigt werden:

- In V2 verwendet die Zürcher Bibel den Namen „Joschijahu”, während die restlichen Übersetzungen „Josia“ verwenden. Dies entspricht der Originalaussprache ausgehend von der BHS.
Weiter verwendet die Zürcher Bibel den Begriff „Menschenknochen“, welcher für die heutige Generation verständlicher ist das von anderen benutzte „Menschengebein“.

- V3 spricht davon, dass der Mann Gottes ein Wunder „gab“, während die Zürcher als einzige mit „ankündigte“ übersetzt. Das Zeichen erfüllt sich jedoch sofort, weshalb „ankündigte“ weniger angemessen ist.

- Schmid und Elberfelder benutzen in V3 & 5 den Begriff „Fettasche“. Dies entspricht zwar bestmöglich dem Begriff [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], ist jedoch für den heutigen Leser ein unbekannter Begriff welcher näher erläutert werden muss.

- Die Zürcher übersetzt als einzige der betrachten Übersetzungen die V 8f & 15f freier, indem sie die Begriffe „Brot“ und „Wasser“ einfach weglässt. Es sei erwähnt, dass es darüber hinaus weitere, hier nicht genannte Textstellen gibt, welche die Zürcher Bibel freier übersetzt.

- Luther verwendet in V8 „Hälfte deiner Habe“, welches der Verständlichkeit zugutekommt, jedoch nicht einer wortgetreuen Übersetzung vom Hebräischen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten](Haus) entspricht.

- Das Verb [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]wurde von der Elberfelder Bibel und von Schmid im Gegensatz zu den anderen genannten Übersetzungen nicht mit „gehalten" übersetzt. Sie verwenden „beachtet“ bzw. „bewahrt“. Da es in dem zugrundeliegenden V21 um einen Befehl und das Gebot des Herrn geht, erscheinen die Begriffe der Elberfelder Übersetzung und von Schmid geeigneter.

- Schmid übersetzt als einziger in V33 nicht mit „weihen“, sondern mit „dessen Hand füllte er“. Die entsprechende Stelle in der BHS spricht nicht von „weihen“, sondern von einem „Füllen der Hand“. Schmid bringt damit den Wortlaut der Bibelstelle deutlicher als die anderen zum Ausdruck. Dass dieses „Füllen der Hand“ als „weihen“ verstanden werden kann, wird im Laufe der Exegese bestätigt.

Die Elberfelder Bibel und Hartmut Schmid haben den hebräischen Text sehr textnah übersetzt. Begriffe wie „Fettasche“ sind zwar schwer verständlich, können in dieser Exegese jedoch erläutert werden, weshalb dies im Rahmen der Exegese sogar einen Vorteil darstellt. Bei der Elberfelder ist V33 aufgrund der Verwendung von „weihen“ und nicht von „Hand füllte“ von suboptimal übersetzt, während Schmid die V21f meinem empfinden nach zu kompliziert bzgl der Verständlichkeit formuliert.

Weiter lassen sich bei Schmid wörtliche Reden semantisch leichter erkennen, was zu einer besseren Verständlichkeit des Textes führt. Daher werden in der vorliegenden Arbeit alle wörtlichen Reden in Anlehnung an Schmid semantisch eindeutiger dargelegt. Als Textbasis wird für die V1-32 die Elberfelder Bibel verwendet und für V33f die Übersetzung von Schmid.

2. Literarischer Kontext und Text

2.1.Literarischer Kontext

Das Buch der Könige lässt sich inhaltlich in drei Blöcke einteilen. Zunächst beginnt es mit Salomos Thronbesteigung und Regierung (1Kön 1-11), thematisiert dann das geteilte Reich Juda und Israel (1Kön 12 - 2Kön 17) und anschließend Juda alleine (2Kön 18-25). Die vorliegende Erzählung befindet sich im mittleren Block des Königebuches. Auffallend ist bei diesem Bericht, dass von manchen Könige sehr kurz berichtet wird, obwohl sie eine lange Zeit regierten. Die Erzählung des Königebuchs hat demnach wenig Interesse an politischen und wirtschaftlichen Leistungen, sondern „vor allem [an] der Schilderung des Abfalls vom Glauben bzw. der Restauration des wahren Gottesdienstes“ (Egelkraut 2012, 438). Es wird deutlich, dass Israels Erfolg bzw. Untergang nicht „vom politischen Geschick des jeweiligen Königs“ (Ebd., 438), sondern von der ungeteilten Zuwendung der Herzen zu JHWH abhängig ist.

König Jerobeam ist der erste König des Nordreichs nach der Abspaltung von Juda und ist eine zentrale Figur der vorliegenden Perikope. Er steht im weiteren Buch exemplarisch für das sündige Verhalten aller israelischen Könige, welche nicht ungeteilt JHWH vertrauten, sondern „[..] in dem Weg Jerobeams und in seiner Sünde [wandelten], durch die er Israel zur Sünde verführt hatte“.

In 1Kön 11,31 wurden Jerobeam zehn Stämme verheißen und ihm durch den Propheten Achija ähnliche Zusagen wie zuvor David gemacht. Im Gegensatz zu David versuchte Jerobeam jedoch, Israel nicht durch seine Zuwendung zu JHWH, sondern vor allem durch politisch-kluge Entscheidungen zu regieren. Die Problematik für den König des Nordreichs lag darin, dass sich Jerusalem als religiöse Kultstätte außerhalb des eigenen Reiches befand und dauerhafte Trennung der beiden Staaten bei einer gemeinsamen Kultstätte nur sehr schwierig war. Daher war es politisch gesehen weise (vgl. 12,28), sich durch einen eigenen Kult dauerhaft vom Südreich zu trennen; es scheint Jerobeam dabei nicht bewusst gewesen zu sein, dass Politik in einem theokratischen Staat ohne Gott nicht möglich ist.Dieser neue Kult verehrte JHWH nicht mehr ungeteilt, woraufhin die Bibel schildert, dass dieses politisch motivierte kultische Abwenden von JHWH durch Jerobeam Israel zur Sünde wurde.

Die Zusammenfassungen über Jerobeams Verhallten aus 1Kön12,30f und 1Kön13,33f bilden einen Rahmen um die Mann Gottes-Erzählung. Die Texteinheiten des Rahmens spiegeln sich dabei, und setzen somit diese Erzählung in das Zentrum eines Chiasmus, welcher in Anlehnung an Walsh folgendermaßen aussieht:

„A: »This thing became sin« (12,30)

B: houses on high place (12,31a)

C: »he made priests from among all the people« (12,31b)

[D: Die Erzählung über den Mann Gottes (13,1 - 13,32)]

C’: »he made from among all the people priests« (13,33b)

B’: priests for the high place (13,33c)

A’: »This thing became sin« (13,34)“ (Vgl. Walsh 1996, 190)

Es handelt sich also um eine zusammenhängende Sinneinheit, welche durch die einleitenden Worte „Und siehe, ein Mann Gottes kam“, eindeutig den Anfang einer neuen Erzählung beschreibt. In der Perikope wird das prophetische Auftreten eines Mann Gottes in Bethel narrativ beschrieben.

In der darauffolgenden Erzählung ändert sich der Schauplatz und es wird über das Zusammenkommen der Frau des Jerobeams und des Propheten Achija berichtet. Demnach ist die Erzählung über den Mann Gottes von den beiden Jerobea−Achija−Berichten eingerahmt und bildet somit die literarische Mitte im ganzen Bericht über König Jerobeam.

2.2.Textschaubild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.Handlungsbogen

Die Erzählung aus 1Kön 13 ist die literarische Mitte des Jerobeam-Berichts, startet jedoch mit der neuen Ortsangabe »Bethel« und der Einführung eines Mann Gottes. Daraus wird ersichtlich, dass es sich bei der Erzählung um eine zusammenhängende Texteinheit, wenn auch in mehrere Szenen aufgeteilt, handelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Erste Szene entsprechend des klassischen Schemas für AT-Erzählungen

Die Handlung der ersten Szene startet damit, dass der Mann Gottes gegen den Altar ausruft und als Zeichen für die schlussendliche Prophezeiung die Zerstörung des Altars ankündigt. Damit entzündet sich der Konflikt und König Jerobeam will den Mann Gottes ergreifen lassen, doch seine Hand verdorrt, sodass er es nicht kann. Der Höhepunkt der Erzählung ist erreicht. In V6 ist zu lesen, dass Jerobeam den Mann Gottes darum bittet, das Angesicht des Herrn zu besänftigen und um Heilung seiner Hand zu beten. Dieser tut es und die Hand des Königs wird tatsächlich heil. Der Konflikt schwächt ab und es wird berichtet, dass Jerobeam den Mann Gottes einlädt und ihm ein Geschenk geben möchte. Dieser erklärt entsprechend dem biblischen Bericht jedoch, dass er ein Gebot des Herrn hat und diesem gehorsam bleiben möchte, weshalb er Bethel verlässt und die Einladung des Königs ablehnt. Die Geschichte scheint getreu dem üblichen Schema für den Fortgang einer AT-Erzählung geschildert und damit beendet zu sein, doch statt des Endes und einer Schlussfolgerung bekommt die Geschichte eine neue Wendung in der zweiten Szene.

Das vorliegende klassische Muster einer AT-Erzählung wird gebrochen und zeigt fortan bis V30 ein paralleles Muster auf. Der Bruch ist dadurch zu erkennen, dass die Erzählung bis V10 einer gewöhnlichen AT-Erzählung gleicht, aber zugleich das parallele Muster schon ab V8 erkennbar ist:

A: Der Mann Gottes ist gehorsam gegenüber Gott und verlässt Bethel (V8-10)

B: Ein alter Prophet erfährt von den Taten des Mann Gottes (V11)

C: Der alte Prophet sucht und findet den Mann Gottes (V12-14)

D: Der alte Prophet führt den Mann Gottes

mittels einer falschen Prophezeiung zurück nach Bethel (V15-19)

E: Der alte Prophet prophezeit gegen den Mann Gottes (V20-22)

A’: Der Mann Gottes ist ungehorsam gegenüber Gott und verlässt Bethel (V23)

B’: Der alte Prophet erfährt vom Tod des Mann Gottes (V24f)

C’: Der alte Prophet sucht und findet den Mann Gottes (V26-28)

D’: Der alte Prophet führt den toten Mann Gottes

zurück nach Bethel (V29)

E’: Die Prophezeiung des alten Propheten bestätigt sich (V30)

: Der Alte Prophet ist gewiss, dass die Prophezeiung des Mannes Gottes eintreffen wird (V31f)

Die Gewissheit des alten Propheten bezüglich der Prophetie des Mannes Gottes bezieht sich auf V2 und bestätigt diese. Dies entspricht auch der Schlussfolgerung aus V33f. Auch hier wird ein Rückbezug zu der Erzählung über den Mann Gottes und Jerobeam festgestellt: Es wird außerdem festgehalten, dass Jerobeam trotz allem nicht von seinem bösen Weg umkehrte, was zu seiner Vernichtung führte.

2.4.Textgliederung

I. Das Wort Gottes gegen den Altar in Bethel (V1-10)

A. Die Prophezeiung des Mann Gottes (V1-2)

B. Der Konflikt entzündet sich und wird gelöst (V3-7)

C. Der Gehorsam des Mann Gottes (V8-10)

II. Der Mann Gottes und der Prophet aus Bethel (V11-32)

A. Der alte Prophet sucht und führt den Mann Gottes mittels einer Lüge zurück (V11-19)

B. Der alte Prophet prophezeit, sucht und führt den getöteten Mann Gottes zurück (V20-30)

C. Der alte Prophet bestätigt die Prophezeiung des Mann Gottes (V31f)

III. Die Unbußfertigkeit Jerobeams (V33f)

A. Jerobeam kehrt nicht um (V33)

B. Die Konsequenz von Jerobeams Verhalten (V34)

3. Historischer Kontext

Laut 1Kön 11,26 war Jerobeam ein Beamter Salomos, welcher die Leitung über alle Fronarbeiten beim Bau des Millo hatte. Aufgrund der bereits genannten Königsverheißung des Propheten Achija wollte Salomo ihn töten, doch Jerobeam floh entsprechend dem biblischen Bericht nach Ägypten. Salomos Tod ermöglichte seine Rückkehr und sorgte für die Staatsteilung Israels. Juda folgte nämlich dem rechtmäßigen und durch Salomo eingesetzten König Rehabeam, während das Nordreich sich für Jerobeam entschied. „An der Revolte der Nordstämme gegen Rehabeam […] war er offensichtlich gar nicht beteiligt, vielmehr ruft ihn die Volksmenge nach vollzogener Trennung zum König aus.“ (Fritz 1987, 588) Jerobeam war damit der erste König des Nordreich Israels und regierte von 927 v.Chr. an für 22 Jahre bis 907 v.Chr. (Ebd.).

Volkmar Fritz schreibt, dass neben den Prophetenlegenden nur wenig über die Regierungszeit des Jerobeams bekannt ist. Darüber hinaus argumentiert er, dass Jerobeam den Kult von Bethel nicht geschaffen habe; er hinterfragt damit, „inwieweit Jerobeam überhaupt in bestehende Verhältnisse eingegriffen [habe]“ (Ebd., 588). Thiel hingegen zeigt auf, dass die „Statuetten […] als Götterbilder verstanden und zum Einfallstor kanaan. Religiosität werden“ (Thiel 2001, 427). Unabhängig davon ist der Kult gegenüber anderen Göttern neben JHWH der Auslöser für die biblische Polemik gegen Jerobeam, welche mittels der beiden Prophetengeschichten durchgeführt wird.

Für Thiel wie auch für Fritz steht fest, dass Jerobeam damit zum Prototyp der Verführung zum Götzendienst geworden ist. Alle folgenden Könige des Nordreichs werden an ihrer Stellung zum Kult gemessen und als der „Sünden Jerobeams“ schuldig beurteilt, was schlussendlich den Niedergang des Nordreichs zur Folge hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Exegese zu 1. Könige 13. Übersetzungsvergleich, literarischer und historischer Text, Kommentierung, theologische Linien und praktischer Ausblick
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V445154
ISBN (eBook)
9783668819306
ISBN (Buch)
9783668819313
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, könige, übersetzungsvergleich, text, kommentierung, linien, ausblick
Arbeit zitieren
Erich Böke (Autor:in), 2017, Exegese zu 1. Könige 13. Übersetzungsvergleich, literarischer und historischer Text, Kommentierung, theologische Linien und praktischer Ausblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445154

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