Analyse des Quellentextes aus dem Buch "Von der christlichen Taufe der Gläubigen" vom Juli 1525

Balthasar Hubmaiers persönliche Stellung zum Disput zwischen der Täuferbewegung und den Verfechtern der Kindertaufe


Ausarbeitung, 2018

3 Seiten


Leseprobe

Analyse eines Quellentextes

Ausarbeitung von Erich Böke im Unterrichtsfach Kirchengeschichte

Im vorliegenden Quellentext aus dem Buch „Von der christlichen Taufe der Gläubigen“ vom Juli 1525 bezieht Balthasar Hubmaier persönlich Stellung zum Disput zwischen der Täuferbewegung und den Verfechtern der Kindertaufe.

Beschreibung des Quellentextes

Der vorliegende Quellentext besteht aus zwei Ausschnitten des oben genannten Buches. Beide Ausschnitte sind synchron in ihrer Argumentationsfolge. Da sie dem selben gedanklichen Aufbau folgen werden sie nun auch gemeinsam beschrieben.

Beide Abschnitte beginnen erstens damit, dass die Täufer sich nicht bewusst seien, ob sie getauft worden seien oder nicht. Diese Unsicherheit sorge dafür, dass sie sich (wieder-) taufen ließen.

Im zweiten Gedankengang thematisiert Hubmaier das Gerücht, dass die Täufer der Überzeugung wären nach der Taufe nicht mehr zu sündigen. Dieser Auffassung widerspricht er deutlich indem er schreibt, dass die Täufer wissen, dass sie vor und nach Taufe elende Sünder blieben.

Im Anschluss daran bezieht der Autor sich jeweils auf Gottes Wort. Im ersten Abschnitt sehr umkonkret, indem er sagt, dass die Täufer keine Sekten gründeten, sondern sich am Wort Gottes orientierten. Durch die Verwendung von Joh 1,8 zeigt der zweite Abschnitt den Bezug zum Wort Gottes sehr präzise. Hubmaier beweist durch diesen Argumentationsstill, dass sein Handeln der Bibel entspricht.

Abschließend tadelt er das Verhalten der (Wieder-)Taufkritiker. Dabei beanstandet er die wilden und törichten Aussagen, welche die christliche Taufe in ein schlechtes Licht ziehen. Zugleich weißt der Autor mit diesen Aussagen die Kritiker zurecht und appelliert dafür, ein rechtes Schriftverständnis anzustreben.

Historische Einordnung

Die Täuferbewegung entstand sehr früh innerhalb der Reformation. Es handelte sich dabei um evangelische Christen, welche sich von der Kindertaufe absagten und stattdessen die Lehre der Glaubenstaufe vertraten. Sie war jedoch keine einheitliche Bewegung, sondern entwickelte sich in unterschiedlichen Ausprägungen, weshalb ihr eine gemeinsame Führergestalt fehlte.(Jung 2012, 118f).

Balthasar Hubmaier war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten dieser Bewegung. Er wurde um 1480 in Friedberg bei Augsburg geboren, studierte in Freiburg im Breisgau, erhielt die Priesterweihe, promovierte und lehrte in Ingolstadt, bevor er Domprediger in Regensburg wurde. In dieser Zeit war Hubmaier auch an der dortigen Judenverfolgung beteiligt (Goertz 2000, 1921ff).

Der Kontakt zu Zwingli entstand durch humanistisch-lutherische Kreise. Zu dieser Zeit wurde über die Tauffrage offen diskutiert und beide Parteien vom Zürcher Rat zu einer Disputation eingeladen. Der Rat erklärte Zwingli zum Sieger und forderte die Täufer auf ihre Agitation zu beenden. Der Konflikt entwickelte sich weiter, sodass viele der Täufer die Gültigkeit der Kindertaufe bestritten und sich in Folge dessen als Erwachsene taufen ließen; Hubmaier war einer von Ihnen. Er ließ sich in Waldshut von Wilhelm Reublin als Erwachsener taufen und begann selbst auch Erwachsene zu taufen. Als Reaktion auf diese Wiedertaufe erklärte Zwingli, dass alle an dieser Sache beteiligten Personen von der Zürcher Kirche getrennt seien. Dabei alleine blieb es jedoch nicht; um die religiöse Einheit zu wahren wurden Täufer vom Zürcher Rat gewaltsam unterdrückt und mit dem Tod durch Ertränken bedroht.

Trotz dieser Bedrohung bezog Balthasar Hubmaier Stellung und avancierte zum bedeutendsten Wortführer beim folgenden Wechsel von Streitschriften zwischen Zwingli und den Täufern. Bei alledem sahen sich die Täufer, zu welchen Hubmaier gehörte als die wahren Reformatoren, da sie versuchten die Taufe analog zur Apostelgeschichte durchzuführen. (Stayer 2001, 597-600)

In diese Zeit und den Kontext der Auseinandersetzung zwischen Glaubens- und Kindertaufe ist der vorliegende Quellentext einzuordnen. Zwingli vertrat dabei die Meinung der Kindertaufe, welcher Hubmaier mit dem vorliegenden Quellentext widersprach.

Während seiner Zeit in Waldshut unterstütze Hubmaier die aufständischen Bauern, musste nach deren Niederlage jedoch fliehen. Er wurde in Zürich gefasst und zum Widerruf seines Taufverständnis gezwungen. Unter harter Folter sagte er sich von seinem Taufverständnis ab. Anschließend floh er und begab sich nach Nikolsburg, wo er entscheidend dazu beitrug, dass die ganze Stadt zum Täufertum übertrat. Spannungen und fehlende Einheit innerhalb der Täuferbewegung sorgten jedoch für ein jähes Ende seiner Leitung in Nikoslburg. 1528 wurde Hubmaier in Wien wegen Aufruhr und Ketzerei verbrannt (Windhorst 1986, 612).

Deutung und Interpretation

In den vorliegenden Passagen aus Hubmaiers Buch argumentiert dieser nicht verurteilend oder gar hasserfüllt gegen die Lehre der Kindertaufe, sondern stellt die eigene Position dar und zeigt auf, dass bestehende Gerüchte über die Täuferbewegung der Unwahrheit entsprechen. Bei alledem argumentiert er nicht gegen die Kindertaufe, sondern prangert lediglich das ungerechte Verhalten gegenüber der Täuferbewegung an, indem er deutlich macht, dass die Täufer ihre Überzeugung anhand der Bibel begründen.

Wie bereits zuvor erwähnt besteht der Text aus zwei Abschnitten, welche in ihrer Gedankenführung synchron zueinander aufgebaut wurden. Es handelt sich somit um eine Wiederholung, was zu einer Verstärkung des Gedankengangs führt. Die durchdachte Reihenfolge seiner Argumentation verfolgt wohl ein klares Ziel. In den ersten drei Aspekten möchte er vor allem aufzeigen, dass die Täufer sich, wie die anderen Reformatoren ihrem Selbstverständnis nach auch, alleine auf die Schrift beziehen. Im vierten Standpunkt greift er die Opposition der Täuferbewegung jedoch an und fordert sie auf die Taufe nicht in einem falschen Licht darzustellen. Dieser letzte Punkt der Gedankenkette ist sicherlich der Höhepunkt seiner Argumentation, da er sich hier nicht mehr rechtfertigt, sondern seine Intension deutlich macht, nämlich der Reformation des Taufverständnis.

Der Autor wechselt zwischen „wir“ und „ihr“, wodurch die beiden kontrahierenden Parteien klar werden; „Wir“ die Täufer und „ihr“ die Regierung und Anhänger Zwinglis auf der anderen Seite. Mit diesen beiden Personalpronomen wird überdies hinaus erkennbar, dass der Autor kein unbeteiligter ist und lediglich über ein abstraktes Thema philosophiert. Nein, die Personalpronomen machen deutlich, dass Hubmaier selbst von der Thematik betroffen ist und sein Buch daher persönlich und emotional geschrieben wurde.

Bei alledem wirkt das Schreiben jedoch etwas emotional einseitig. Dies liegt an dem Thematisieren von Gerüchten der Gegenseite, dem nur positiv geschilderten eigenen Verhalten und dem Zurechtweisen der „törichten Menschen“. Lediglich eine Bibelstelle begründet seine Aussagen, doch dadurch, dass diese nur kurz erwähnt wird und von emotionalen Aussagen umrahmt ist wirkt auch diese nicht wie ein sachliches Argument. Im weitern Verlauf seiner Ausarbeitung verändert sich der Charakter jedoch, er wird deutlich handfester und argumentiert biblisch (vgl. Schaum, 9ff). Daher liegt der emotionale Unterton sicherlich daran, dass es sich bei dem vorliegenden Ausschnitt des Quellentext lediglich um ein Vorwort handelt.

Betrachtet man den historischen Kontext, so ist es verständlich, dass Hubmaier die zwei Parteien deutlich voneinander trennt und dabei das ungerechte Verhalten gegenüber sich und den restlichen Täufern auf emotionale Art und Weise anprangert. Er selbst erlebte viel Anfeindung und Verfolgung aufgrund seiner biblisch begründeten Meinung. Dennoch scheint es als wolle er mit diesem Schreiben nicht ebenso verurteilend handeln wie seine Widersacher und damit die Diskussion verschärfen, sondern trotz Worten wie „törichte Menschen“ oder „einfältig“ zu einer offenen, bibelzentrierten Auseinandersetzung über die verschiedenen Taufverständnisse einladen.

Eigene Stellungnahme

Würde es sich bei dem vorliegenden Quellentext um seinen vollständigen Widerspruch gegen Zwinglis Taufverständnis handeln, so würde dem Text definitiv die biblische Substanz fehlen und er wäre eindeutig zu emotional geschrieben. Da es sich jedoch lediglich um das Vorwort handelt ist die emotionale Komponente angebracht. Hubmaiers Reaktion ist wenn man die historische Situation bedenkt, dass alle Reformatoren sich auf die Bibel als heilige Schrift gründen, sich dann jedoch beim Taufverständnis nicht auf eine Argumentation anhand der Schrift einlassen, sondern gar mit Verfolgung reagieren, nachvollziehbar.

Der Quellentext ist meinem empfinden nach argumentativ gut aufgebaut. Er zeigt die Überzeugungen des Täufertums gut auf und widerspricht den vorliegenden ungerechtfertigten Gerüchten. Dabei ist der Autor jedoch nicht verurteilend, sondern verdeutlicht, dass er eine gemeinsame Grundlage auf Basis von Gottes Wort sucht.

Auch für heute hat der Text von Hubmaier Bedeutung. Wie oft haben wir eine Meinung die alleine auf Prägung und Harmoniebedürfnis basiert? Durch diesen Quellentext werden wir ermutigt uns ganz auf die Bibel einzulassen und kein Thema der Christenheit „verhasst [zu] machen und [zu] vernichten“, sondern den offenen Disput anhand der Bibel anzuregen.

Wortzahl: 1267 Wörter

Literaturverzeichnis

Goertz, H J. 2000. Hubmaier. Religion in Geschichte und Gegenwart 3. 4 Auflage. 1921f. Tübingen: Mohr Siebeck

Jung, M, 2012. Reformation und Konfessionelles Zeitalter. Tübingen: UTB

Schaum, T [Hrsg.]. Balthasar Hubmaier. NUA. Online im Internet: URL: http://www.nua.de/Hubmaier-Taufe.pdf [Stand: 20.01.2017, 12.28 Uhr]

Stayer, M. 2001. Täufer. Theologische Realenzyklopädie 32. 597-617. Berlin: de Gruyter

Windhorst, C. 1986. Hubmaier. Theologische Realenzyklopädie 15. 611-613. Berlin: de Gruyter

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Details

Titel
Analyse des Quellentextes aus dem Buch "Von der christlichen Taufe der Gläubigen" vom Juli 1525
Untertitel
Balthasar Hubmaiers persönliche Stellung zum Disput zwischen der Täuferbewegung und den Verfechtern der Kindertaufe
Autor
Jahr
2018
Seiten
3
Katalognummer
V445160
ISBN (eBook)
9783668821736
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, quellentextes, buch, taufe, gläubigen, juli, balthasar, hubmaiers, stellung, disput, täuferbewegung, verfechtern, kindertaufe
Arbeit zitieren
Erich Böke (Autor), 2018, Analyse des Quellentextes aus dem Buch "Von der christlichen Taufe der Gläubigen" vom Juli 1525, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445160

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