In den letzten Jahren hat sich die systemische Therapie sehr bewährt. Im wissenschaftlichen und allgemeinen Sprachgebrauch gibt es zwei Begriffe dazu, „systemische Therapie“ und „Familientherapie“, die teilweise synonym eingesetzt werden. Bei der Arbeit mit Menschen, die zum Beispiel alkoholabhängig sind, hat sich die Erkenntnis gebildet, dass nicht nur das betroffene Individuum, sondern auch sein Lebensfeld, seine Familie und das berufliche Umfeld berücksichtigt werden müssen. In der vorliegenden Arbeit soll insbesondere die Frage der Eignung der systemischen Therapie bei Alkoholabhängigkeit beantwortet werden. Es ist festgestellt worden, dass der systemische Ansatz bei der Behandlung alkoholabhängiger Personen eine große Rolle spielt. Der Kerngedanke des systemischen Konzepts ist mit der Annahme verbunden, dass der wichtigste Schlüssel zur Veränderung und zum Verständnis alkoholbedingter Probleme nicht nur auf die Patienten bezogen ist, sondern auch auf das familiäre Umfeld.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Beschreibung der systemischen Therapie
2.1 Grundsätze und Sichtweisen der systemischen Therapie
2.2 Kybernetik: „1 + 2 Ordnung“
3 Beschreibung des Störungsbildes
3.1 Typisierung der Alkoholabhängigkeit
3.2 Entstehungsmodelle
3.2.1 Sozialkognitives Rückfallmodell von Marlatt und Gordon
3.2.2 „Eisbergphänomen“ in einer gestörten Trinkkultur
3.2.3 Das verhaltensökonomische Rückfallmodell
3.3 Epidemiologie
3.4 Prognose und Verlauf
4 Alkoholismus aus der Sichtweise der Systemik
5 Systemische Therapie bei Substanzstörungen
5.1 Vorstellung der einzelnen Ansätze
5.1.1 Strukturell-strategische Familientherapie (SSFT)
5.1.2 Lösungsorientierte Kurzzeittherapie (LKT)
5.1.3 Multidimensional Family Therapy (MDFT)
5.1.4 Multisystemic Therapy (MST)
5.2 Vorgehensweisen, Techniken und Methoden der systemischen Therapie bei Alkoholabhängigkeit
5.3 Handlungsempfehlungen für die systemische Arbeit mit alkoholabhängigen
6 Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung und Wirksamkeit systemischer Therapieansätze bei der Behandlung von Personen mit Alkoholabhängigkeit. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, ob und in welcher Form systemische Methoden, die über die Betrachtung des Individuums hinausgehen und das familiäre sowie soziale Umfeld einbeziehen, eine erfolgreiche therapeutische Unterstützung bieten können.
- Theoretische Grundlagen und Sichtweisen der systemischen Therapie
- Analyse des Störungsbildes der Alkoholabhängigkeit und ihrer Entstehungsmodelle
- Betrachtung von Alkoholismus aus einer systemtheoretischen Perspektive
- Vorstellung spezifischer systemischer Therapieansätze bei Substanzstörungen
- Methoden und Handlungsempfehlungen für die systemische Arbeit mit Betroffenen
Auszug aus dem Buch
3.2.2 „Eisbergphänomen“ in einer gestörten Trinkkultur
Das „Eisbergphänomen“ in einer gestörten Trinkkultur gehört zu den psychosozialen Erklärungsmodellen der Alkoholabhängigkeit. Danach werden die Entstehung und die Entwicklung der Alkoholkrankheit dadurch begünstigt, dass der alkoholabhängige Mensch den Beginn der Abhängigkeit nicht wahrnimmt (vgl. Lindenmeyer, 2013). Deshalb kommt es nur selten vor, dass er von sich aus eine professionelle Hilfe in Anspruch nimmt oder ein Alkoholproblem bei sich erkennt (vgl. Lindenmeyer, 2013). Die häufigsten Gründe sind in einer gestörten Trinkkultur zu sehen. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass es keine verbindlichen bzw. klaren und festen Regeln beim Trinken von Alkohol gibt. Riskante und schädliche Formen des Alkoholumgangs finden durchaus Anerkennung in der Gesellschaft. Am meisten ist das Problem der Alkoholabhängigkeit bei bestimmten Randgruppen zu bemerken, beispielsweise bei Arbeitslosen oder Obdachlosen (vgl. Lindenmeyer, 2013). Auch solche gefährlichen Folgen wie das heimliche Trinken oder sonstige Vermeidungsstrategien sollten als problematisch einbezogen werden. In der Regel wird die frühzeitige Erkennung und eine erfolgreiche Behandlung der Alkoholabhängigkeit durch das „Eisbergphänomen“ erschwert, denn es ist den betroffenen Menschen kaum möglich, sich auf ein normales Trinkverhalten einzustellen (vgl. Lindenmeyer, 2013).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Alkoholabhängigkeit ein und erläutert die Bedeutung systemischer Therapieansätze sowie die Forschungsfragen der Arbeit.
2 Beschreibung der systemischen Therapie: Das Kapitel vermittelt die theoretischen Grundlagen der Systemtheorie und stellt die wesentlichen Prinzipien systemischer Therapie dar.
3 Beschreibung des Störungsbildes: Hier erfolgt eine Klassifizierung der Alkoholabhängigkeit anhand verschiedener Typologien, Entstehungsmodelle, epidemiologischer Daten sowie des Verlaufs der Erkrankung.
4 Alkoholismus aus der Sichtweise der Systemik: Dieses Kapitel betrachtet die Alkoholabhängigkeit als ein im sozialen Kontext entstandenes Verhalten und als Teil systemischer Dynamiken innerhalb der Familie.
5 Systemische Therapie bei Substanzstörungen: Es werden verschiedene systemische Interventionsansätze, konkrete Methoden und Handlungsempfehlungen für die therapeutische Arbeit mit alkoholabhängigen Personen vorgestellt.
6 Diskussion und Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und bewertet die Eignung der systemischen Therapie bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit.
Schlüsselwörter
Systemische Therapie, Alkoholabhängigkeit, Familie, Sozialumfeld, Rückfallmodell, Eisbergphänomen, Substanzstörungen, Familientherapie, Ressourcenorientierung, Auftragsklärung, zirkuläre Fragen, Reframing, Suchtbehandlung, Systemtheorie, psychosoziale Erklärungsmodelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendbarkeit und den Möglichkeiten der systemischen Therapie bei der Behandlung von Menschen mit Alkoholabhängigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der systemischen Sichtweise, verschiedene Entstehungsmodelle der Abhängigkeit, spezifische Therapieansätze für Substanzstörungen sowie praktische Handlungsempfehlungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob die systemische Therapie eine geeignete und effektive Methode für die Arbeit mit alkoholabhängigen Personen darstellt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die aktuelle wissenschaftliche Literatur, verschiedene Modelle zur Ätiopathogenese, epidemiologische Daten und systemische Therapiekonzepte analysiert und zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Beschreibung des Störungsbildes, die Einordnung von Alkoholismus in systemische Modelle sowie eine Vorstellung konkreter systemischer Verfahren wie der Strukturell-strategischen Familientherapie oder der Lösungsorientierten Kurzzeittherapie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Systemische Therapie, Alkoholabhängigkeit, Familie, Ressourcenorientierung und verschiedene systemische Interventionsmethoden.
Was ist das „Eisbergphänomen“ in Bezug auf Alkoholabhängigkeit?
Es beschreibt ein psychosoziales Modell, bei dem Betroffene den Beginn ihrer Abhängigkeit aufgrund einer gestörten Trinkkultur in der Gesellschaft oft nicht wahrnehmen, was die frühzeitige Erkennung und Behandlung erschwert.
Wie unterscheidet sich die systemische Therapie von anderen Ansätzen?
Im Gegensatz zu rein individualzentrierten Ansätzen betrachtet die systemische Therapie den Patienten nicht isoliert, sondern integriert sein soziales Lebensfeld und seine Familie als entscheidende Faktoren in den Heilungsprozess.
Warum spielt die Familie in der systemischen Suchttherapie eine wichtige Rolle?
Die Familie wird als System verstanden, in dem sich Probleme manifestieren können. Die Einbeziehung der Angehörigen hilft, Störungsfunktionen zu erkennen, die Motivation zur Behandlung zu steigern und Ressourcen für Veränderungsprozesse zu aktivieren.
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- Rico Krämer (Author), 2017, Systemische Therapie bei Alkoholabhängigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445361