Die Himmelfahrtskuppel der Basilika di San Marco

Mosaikkunst


Hausarbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. San Marco - Mosaikkunst über Jahrhunderte

3. Die Mosaiken der Himmelfahrtskuppel
3.1 Eine Beschreibung
3.2 Ungreifbare Sphären - Die Brücke zwischen Erde und Himmel

4. Das Langhaus der Basilika - Die Himmelfahrtskuppel im Kontext

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungen

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Himmelfahrtskuppel der Basilika di San Marco in Venedig. Sie ist die zentrale Kuppel des Markusdoms und ebenso wie der Großteil des Kirchenraums vollständig von prächtiger Mosaikkunst bedeckt. Darüber hinaus gilt sie, nach dem Dom von San Monreale, als mosaikreichste Kirche Italiens.[1] Dahingehend war die Auswahl des Themas der Hausarbeit schon eine kleine Hürde, denn sich einen Überblick über den riesigen Mosaikkomplex zu verschaffen braucht seine Zeit. Dennoch fiel meine Wahl schnell auf die Himmelfahrtskuppel, denn sie schien mir mit ihrer Lage als Zentralkuppel und dem Aufbau der Figurenebenen am interessantesten. Außerdem verspricht das Zentrum doch immer irgendwie auch, etwas Besonderes zu sein.

Für meine Untersuchung werde ich zunächst einen kurzen Blick auf die Entwicklung der Mosaikflächen in San Marco werfen und die Folgen der schnellen Ausbreitung und baulichen Veränderungen der Jahrhunderte aufzuweisen versuchen, bevor ich im Anschluss daran die Himmelfahrtskuppel näher beschreibe. Ich werde dabei der Frage nachgehen, wie die Gestaltung und Komposition der Figuren innerhalb der Kuppel interpretiert und in Beziehung zueinander gesetzt werden können. Von besonderem Interesse ist hierbei die Christusfigur, deren Funktion und Wirkung ich unter anderem anhand der farblichen Gestaltung analysieren will, bevor ich davon ausgehend die Gesamtheit des Figurenaufbaus näher beleuchte.

In einem letzten Schritt werde ich die Himmelfahrtskuppel nicht mehr nur als selbständiges Bildthema untersuchen, sondern werde sie im Kontext der Chor- und Pfingstkuppel im Langhaus betrachten. Daran anschließend werde ich meine Ergebnisse zusammenfassen und ein Fazit ziehen.

2. San Marco - Mosaikkunst über Jahrhunderte

Die Mosaikflächen der Basilika di San Marco sind ein Aushängeschild der Kunst des Mittelalters. Die frühsten entstanden dabei im späten 11. Jahrhundert, wie beispielsweise die noch heute erhaltenen Figuren der Maria mit Kind, der Apostel und Evangelisten am Hauptportal.[2] Über einen Zeitraum von vier Jahrhunderten formte sich in San Marco in Zusammenarbeit venezianischer Mosaizisten und griechischer Künstler eine über 4500 Quadratmeter große, zusammenhängende Mosaikfläche.[3] Auf dem goldenen Überzug im Innenraum zeigen sich vorrangig neutestamentliche Szenen, die das Leben, Wirken und Leiden Jesu thematisieren. Die beeindruckende Masse an Goldmosaiken brachte dem Markusdom auch den Beinamen Goldene Basilika ein.

Mitte des 12.Jahrhunderts gab es in San Marco erst wenige von Mosaik bekleidete Flächen, die im Laufe der Jahrhunderte immer weiter wuchsen.[4] Im Langhaus waren zu dieser Zeit zumindest noch der Pantokrator der Apsiskalotte, in der heute eine Neuschöpfung aus dem Jahr 1506 prangt,[5] sowie die Chor- und Pfingstkuppel fertiggestellt. Die Forschung geht davon aus, dass die Verteilung der Themen innerhalb des Kirchenraums, sowie die ganze Konzeption der Anordnung, einem genauen programmatischen Plan zugrunde liegt, der zu diesem Zeitpunkt bereits entwickelt war.[6] Jedoch führte die immer weiter wachsende Mosaikfläche, ebenso wie Restaurations- und Umgestaltungsarbeiten dazu, dass die bildliche Botschaft missverstanden und im Laufe der Zeit abgeändert wurde.[7]

Es besteht die Annahme, dass das zunächst geplante Bebilderungsprogramm weniger Mosaiken vorsah, als heute letztendlich vorhanden sind.[8] Auf der Suche nach weiteren Flächen für immer neue Mosaike wurden nicht nur etliche Fenster zugemauert, sondern sogar ganze Nischen, die mit Säulchen und Kapitellen versehen waren, vollständig verdeckt. Nach und nach dehnte sich der Goldgrund über den ganzen Kirchenraum aus und neu erschlossene Flächen wurden dazu genutzt, bestehende Grundthemen zu erweitern, so dass die Ausdehnung zu einer „allmähliche[n] Auftrennung des Programms“[9] führte, weil Zyklen oder Themenkomplexe verstreut wurden.

Die Ausbreitung des Goldmantels, der sich über die oberen Wandzonen bis hin zu den Kuppeln erstreckt, führt zu einer Abrundung der Kanten und somit unweigerlich zu einer Verschleierung architektonischer Strukturen.[10] Die Ausdehnung des Mosaikschmuckes über Fenster und Nischen hinaus sorgte ebenfalls dafür, dass ganze bauliche Elemente hinter den Goldgrund zurücktreten mussten. Eine Folge dieser baulichen Veränderungen, vor allem aber bedingt durch den Verschluss zahlreicher Fenster und den Bau des Narthex - der ebenfalls die Schließung von Lichtdurchlässen zur Folge hatte - war die radikale Reduzierung des natürlichen Lichts, das von byzantinischen Architekten so sorgsam dosiert worden war.[11] Heute versucht man diesen Verlust Mittels künstlicher Beleuchtung auszugleichen.[12]

3. Die Mosaiken der Himmelfahrtskuppel

3.1 Eine Beschreibung

Die Mosaiken der Himmelfahrtskuppel (Abb.1) entstanden im letzten Viertel des 12. Jahrhundert, wahrscheinlich um 1180, in Zusammenarbeit venezianischer und griechischer Künstler.[13] Wie schon erwähnt, handelt es sich bei der Himmelfahrtskuppel um die zentrale Kuppel der Basilika. Sie ist bis heute gut erhalten und es wurden nur wenige Restaurierungsarbeiten vorgenommen, die vorwiegend die Figuren in den Zwickeln und die Mariendarstellung betrafen.[14] Die Gestaltung der Kuppel zeigt thematisch, ihrem Namen entsprechend, die Himmelfahrt Christi. Das abgebildete Thema findet sich in der Apostelgeschichte der Bibel wieder.[15] Die frühsten Darstellungen dieses passiven Typs der Himmelfahrt, bei der Christus von Engeln in den Himmel getragen wird, konnte erstmals in der byzantinischen Kunst um 400 nachgewiesen werden.[16] Kompositorisch lässt sich eine Gliederung von mehreren Figurenebenen erkennen, die konzentrisch um Christus im Zentrum angelegt sind. Meine anschließende Beschreibung folgt diesem Aufbau der Kuppelgestaltung von innen nach außen.

Im Zenit der Kuppel thront Christus, eingebettet in ein sternenbesetztes, von vier Engeln getragenes Tondo, das den Kosmos darstellt. Dieser Sternenhimmel ist in verschiedenen Blauabstufungen ringförmig aufgebaut, von einem sehr dunklen Blau im Innern hin zu einem weißen, geradezu strahlenden Abschluss. Durch diesen farblichen Übergang entsteht eine gewisse Raumtiefe, die ihre Wirkung vor allem auch aus der Ferne betrachtet entfaltet, aus der sich ein scheinbar fließender Farbübergang wahrnehmen lässt. Neben den goldenen Sternen trägt das Gebilde ebenfalls in goldenen Lettern die Initialen Christi. Der Tondo wird durchzogen von zwei goldenen Bögen, auf denen Christus in sitzender Position Platz genommen hat. Er ist nahezu frontal ausgerichtet und hat die rechte Hand zum Segensgestus erhoben, während seine linke Hand die Schriftrolle hält. Sein Ausdruck ist erhaben, mit langem Haar und Bart schaut er gefasst zu den Aposteln. Das zweilagige Gewand welches Christus trägt zeigt reiche Faltenwürfe, die durch fein nuancierte Linienführungen entstehen und Plastizität schaffen. Ebenso wie sein Gewand ist auch der Kreuznimbus, den er trägt, von Gold durchdrungen. Durch die abgestimmte Farbwahl von warmen Gold- und Brauntönen wirkt die gesamte Figur harmonisch und in sich ruhend.

Das ganze Gebilde scheint eine gewisse Transparenz zu besitzen. Dies wird vor allem am Rand des Tondos sichtbar, wo man die umgreifenden Daumen der Engel durchschimmern sehen kann. Ein Detail, das sich dem Betrachter nur bei genauem Hinsehen aus geringer Entfernung erschließen kann. Die vier Engel, die Jesus in den Himmel tragen, sind nahezu gleichgestaltet und in einer seitlich-liegenden Position dargestellt, die den Zustand des Schwebens suggeriert. Die Ausrichtung ihrer Körper ist geschwungen und somit an die Kreisform der Gesamtkomposition angepasst. Alle Engel tragen einen goldenen Nimbus und sind mit großen Flügeln dargestellt, die im oberen Bereich von Gold durchdrungen werden, während ihre Innenseiten an die Flügel von Vögeln erinnern. Sie tragen lange weiße Gewänder, die vor allem im Faltenwurf deutlich geometrischer erscheinen als der fließende Stoff des Christusgewands. Das kann man gut an den runden und gezackten Formen erkennen, die bei Christus nicht so ausgeprägt geometrisch dargestellt sind. Schon aufgrund ihrer Körperhaltung und Ausrichtung wirken die Engel dynamisch bewegt, so, als würden sie das Zentrum in Rotation versetzten. Unterstützt wird dieser Effekt vor allem durch die, wie unter einen Windstoß aufflatternden Gewandzipfel.

Auf der darunterliegenden Ebene folgen, neben der von zwei Engeln flankierten Gottesmutter, die zwölf Apostel. Diese werden von Baumdarstellungen gesäumt, die sie optisch voneinander trennen. Diese orientalisch anmutenden Palmbäume erinnern an den Himmelfahrtshügel, wo sich das dargestellte Ereignis abgespielt haben soll.[17] Maria und die zwei Engel sind von den restlichen Aposteln als Gruppe abgesetzt, da zwischen ihnen keine Zäsur durch eine Baumdarstellung stattfindet. Maria ist direkt zentral unter Christus ausgerichtet und hat die Hände vor den Körper gehoben. Im Gegensatz zu den Aposteln betont ihre Figur die Vertikale, wodurch sie Ruhe in die Komposition bringt. Das blaue Gewand mit den goldenen Akzenten, das typisch für byzantinische Mariendarstellungen ist,[18] erinnert hier in seiner Gestaltung an den Sternenhimmel, in dem Christus thront. Die Apostel, die auch laut Überlieferung Zeugen der Himmelfahrt waren und daher solchen Darstellungen häufig beigefügt werden,[19] sind hier streng nach venezianischer Reihenfolge[20] angeordnet. Sie sind paarweise zueinander ausgerichtet und tragen Schriftrollen bzw. die Evangelien in den Händen. Petrus trägt darüber hinaus sein Attribut bei sich, den Schlüssel. Ihre Gewänder sind ebenso faltenreich gestaltet, wie schon bei den vier darüber liegenden Engelfiguren. Nahezu alle Apostel sind bärtig und mit kurzem Haupthaar dargestellt. Im Gegensatz zu Maria wirken sie sehr aktiv und präsentieren sich in unterschiedlichen Ansichten.

Während einige Figuren frontal oder seitlich ausgerichtet sind, vereinigen andere teilweise mehrere Bewegungsphasen in einer Figur. Die Reihe der Apostel wirkt dynamisch bewegt, was durch ausladende Gesten und flatternde Gewandzipfel noch unterstützt wird. So entsteht eine Art Drehbewegung innerhalb der Figurenreihe.

[...]


[1] Vgl. Joachim Poeschke: Mosaiken in Italien 300-1300, München 2009, S.314.

[2] Vgl. Poeschke, S.314.

[3] Vgl. ebd., S.314.

[4] Vgl. Otto Demus u.a.: San Marco - Die Mosaiken, das Licht, die Geschichte, München 1993, S.50.

[5] Von Pietro de Zorzi. Vgl. Poeschke, S.316 und Demus u.a., S.50.

[6] Vgl. Demus u.a., S.69 und 70.

[7] Vgl. ebd., S.50.

[8] Folgener Abschnitt bezieht sich auf: Demus u.a., .50 und 51.

[9] Ebd., S.50.

[10] Dieser Abschnitt bezieht sich auf: Demus u.a., S.51.

[11] Vgl. ebd., S.23 und 46.

[12] Siehe hierzu auch: Demus u.a., S.221-224.

[13] Vgl. Günter Brucher: Geschichte der venezianischen Malerei. Von den Mosaiken in San Marco bis zum 15. Jahrhundert, Bd.1., Wien 2007, S.47 und Demus u.a., S.145.

[14] Vgl. Demus u.a., S.145.

[15] siehe hierzu: Die Bibel: Apostelgeschichte 1,9-11.

[16] Prinzensarkophag von Sarigüsel, Istanbul um 400. Vgl. Eintrag „Himmelfahrt Christi“, in: Hannelore Sachs, u.a.: Wörterbuch der christlichen Ikonographie, Regensburg 2004, S.182-183

[17] Vgl. Demus u.a., S.129.

[18] Vgl. Eintrag „Maria“, in: Sachs u.a., S. 256-258.

[19] Vgl. Eintrag „Apostel“, in: Sachs u.a., S.44 und 45.

[20] Dementsprechend folgen im Uhrzeigersinn auf Petrus: Markus, Johannes, Paulus, Matthäus, Andreas, Bartholomäus, Thomas, Philippus, Jakobus, Simon und Thaddäus. Vgl. Demus u.a., S.129.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Himmelfahrtskuppel der Basilika di San Marco
Untertitel
Mosaikkunst
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Das Mosaik im Mittelalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V445434
ISBN (eBook)
9783668823570
ISBN (Buch)
9783668823587
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
3 Abbildungen im Anhang
Schlagworte
Mosaik, San Marco, Basilika, Himmelfahrt, Kunst, Mittelalter, Mosaikkunst, Italien, Zentralkuppel
Arbeit zitieren
Lisa Schmidt (Autor), 2015, Die Himmelfahrtskuppel der Basilika di San Marco, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445434

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