„Die Personalbeurteilung gehört heute zum unerlässlichem Handwerkszeug des fortschrittlichen Vorgesetzten. Jeder, der mit Personal zu tun hat, ob Meister oder Unternehmer, ob Kolonnenführer oder Ausbilder, benötigt diese Führungshilfe. Mit der Personalbeurteilung ist er in der Lage, die Kondition seines Mitarbeiterteams zu steuern und zu beeinflussen, das Leistungsniveau und die Entwicklung der ihm anvertrauten Mitarbeiter zu lenken. Aber nicht nur für den Vorgesetzten ist die Personalbeurteilung von Nutzen; sie dient dem Betrieb und hilft dem Beurteilten, sich selber besser kennenzulernen.“ Dieses Zitat von Heinz Knebel macht die Bedeutung der Personalbeurteilung deutlich, Beurteilungsfehler können letztlich das Überleben einer Organisationen beeinflussen.
Ziel dieser Arbeit soll es deswegen sein, die Grundlagen der Beurteilung an sich, die Anlässe und Rahmenbedingungen einer Beurteilung zu erläutern und verschiedene Bezeichnung der individuellen Fehler beim Beurteiler in einer Klassifikation zusammenfassen. Der Fokus liegt auf den Fehlern bei der Beurteilung von Mitarbeiterverhalten. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf dem Beurteiler, der während der Beurteilung die Quelle für die meisten in der Literatur genannten Beurteilungsfehler ist. Die vorliegenden Inhalte wurden am 23.02.2004 im Seminar referiert, die Fallstudie wurde in einer Gruppenarbeit diskutiert und Aufgaben zu ihr wurden besprochen.
Der Begriff des Beurteilungsfehlers wird in der Literatur verschieden verwendet. Liebel unterscheidet Probleme bei Beurteilungsfälschungen, Persönlichkeitsmerkmale, Bezugsindividuen, Wahrnehmungstendenzen und Maßstabsfehler. Preiser differenziert in: Maßstabs-Verteilungsfehler, Korrelationsfehler und Interaktionsfehler. Schuler erkennt nur Urteilstendenzen. Breisig wiederum spricht 1998 von: Wahrnehmungs- und Urteilstendenzen, Urteilstaktiken und Strategien. Mit der Beurteilung beschäftigen sich die wissenschaftlichen Disziplinen Betriebswirtschaftslehre, Organisationspsychologie und Diagnostische Psychologie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Mitarbeiterbeurteilung
2.1. Wozu beurteilt man Mitarbeiter?
2.1.1. Beurteilung als Mittel zur Effektivität, Disziplin, Menschenführung, Motivation und Analyse von Arbeitsbeziehungen
2.1.2. Beurteilung als Instrument der Personalentwicklung
2.1.3. Rechtliche Rahmenbedingungen
2.1.4. Zeitlicher Rahmen
2.2. Prozess der Beurteilung
2.2.1 Informationen sammeln, verarbeiten und speichern
2.2.2 Informationen strukturieren, gewichten und Beurteilung treffen
2.2.3 Eröffnung und Diskussion
3. Fehler bei der Beurteilung des Mitarbeiterverhaltens
3.1. Warum entstehen Fehler bei der Beurteilung des Verhaltens entstehen?
3.2. Systematisierung der Fehler bei der Beurteilung des Mitarbeiterverhaltens
3.2.1 Mittelwertsfehler
3.2.2 Streuungsfehler
3.2.3 Korrelationsfehler
3.2.4 Fehler in der Reihenfolge der Verhaltenswahrnehmung
3.2.5 Die Rolle der eigenen Erwartungen
3.2.6 Strategie, Gruppenegoismus und Personalpolitik
4. Vermeidung der Beurteilungsfehler
4.1 Überforderung von Vorgesetzten, Mitarbeitern und Beurteilungssystemen vermeiden
4.2 Beurteilungsquellen adäquat aufsuchen
4.3 Beobachten in mehreren unterschiedlichen Situationen und Protokollieren
5. Fallstudie zur Mitarbeiterbeurteilung und deren Fehler
5.1 Konzeption der Fallstudie
5.2 Fallstudie „Beurteilung macht Erwachsene froh?“
5.3 Lösungen zur Fallstudie
5.3.1 Lösung AG 1
5.3.2 Lösung AG 2
5.3.3 Lösung AG 3
5.3.4 Fazit
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Grundlagen und Rahmenbedingungen der Mitarbeiterbeurteilung zu erläutern und eine Klassifikation der individuellen Fehler, die auf Seiten des Beurteilers während des Beurteilungsprozesses entstehen, zu erstellen, um Strategien zu deren Vermeidung abzuleiten.
- Theoretische Grundlagen und Anlässe der Mitarbeiterbeurteilung
- Prozessmodelle der Beurteilung und kognitive Verarbeitung
- Klassifizierung und Systematisierung spezifischer Beurteilungsfehler
- Strategien zur Vermeidung von Beurteilungsfehlern im Unternehmensalltag
- Praktische Fallstudie zur Analyse und Lösung von Beurteilungsfehlern
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Streuungsfehler
Streuungsfehler weisen auf Schwächen des Beurteilenden Vorgesetzten hinsichtlich des Differenzierungsvermögens hin. Nach Hornstein und Rosenstiel sind diese nicht in der Lage zwischen dem Verhalten mehrerer Mitarbeiter zu unterscheiden. Der Vorgesetzte beurteilt entweder alle gleich gut oder differenziert extrem stark zwischen den Mitarbeiter, so dass es zu einer sehr großen Streuung kommt. Der Fall der fast identischen Beurteilung mehrerer Mitarbeiter kommt nach Meinung beider oben genannten Autoren in der Praxis häufig in Verbindung mit dem Mittelwertsfehler vor.
Preiser bezeichnet diesen Fehler bei Beurteilung als Verteilungsfehler, er unterscheidet die Tendenz zur Mitte und die Extremisierungstendenz. Seiner Meinung nach tendieren Vorgesetzte bei der Tendenz zur Mitte dazu „ [...] die Beurteilung einer Person in Richtung neutraler Urteile zu nivellieren und Extremurteile abzuschwächen.“
In der Extremisierungstendenz sieht er „Die Tendenz, die Beurteilung einer Person in Richtung positiver oder negativer Extremurteile zu verschieben und neutrale Urteile zu vermeiden.“ Diese Tendenz äußert sich in einer zweigipfligen Verteilung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Personalbeurteilung als Führungshilfe ein und definiert das Ziel der Arbeit, Fehler bei der Mitarbeiterbeurteilung zu klassifizieren.
2. Grundlagen der Mitarbeiterbeurteilung: Das Kapitel behandelt die betriebswirtschaftlichen und sozialen Ziele der Beurteilung, rechtliche Rahmenbedingungen sowie das Prozessmodell der Informationsverarbeitung beim Vorgesetzten.
3. Fehler bei der Beurteilung des Mitarbeiterverhaltens: Hier werden die Ursachen von Beurteilungsfehlern sowie eine Systematisierung in sechs formale Fehlertypen, wie Mittelwerts-, Streuungs- und Korrelationsfehler, vorgenommen.
4. Vermeidung der Beurteilungsfehler: Dieses Kapitel stellt Strategien vor, um Fehler durch eine strukturierte Vorgehensweise, angemessene Beurteilungsnähe und systematische Beobachtung in verschiedenen Situationen zu minimieren.
5. Fallstudie zur Mitarbeiterbeurteilung und deren Fehler: Anhand einer fiktiven Fallstudie werden die in der Theorie erarbeiteten Beurteilungsfehler durch Arbeitsgruppen analysiert und Lösungsansätze diskutiert.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Bedeutung der Fehlerkenntnis für den Unternehmenserfolg und unterstreicht die Notwendigkeit von Schulungen und standardisierten Beurteilungssystemen.
Schlüsselwörter
Personalbeurteilung, Beurteilungsfehler, Mitarbeiterverhalten, Vorgesetzter, Mittelwertsfehler, Streuungsfehler, Korrelationsfehler, Wahrnehmungsverzerrung, Personalentwicklung, Leistungsbeurteilung, Beurteilungsprozess, Beurteilungsnähe, Mitarbeitergespräch, Fallstudie, Führungsinstrument.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematischen Analyse von Beurteilungsfehlern, die Vorgesetzte während der Bewertung von Mitarbeiterverhalten machen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die Grundlagen der Mitarbeiterbeurteilung, die kognitiven Prozesse bei der Wahrnehmung sowie die Klassifizierung und Vermeidung von Beurteilungsfehlern.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Ursachen von Fehlbeurteilungen zu schaffen und konkrete Vermeidungsstrategien sowie ein System zur objektiveren Personalbeurteilung vorzuschlagen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die Konstruktion und gruppenbasierte Auswertung einer fiktiven Fallstudie als praktische Methode.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Darstellung formaler Fehlertypen wie Mittelwerts- und Korrelationsfehler sowie Strategien zur Verbesserung der Beurteilungsqualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Personalbeurteilung, Beurteilungsfehler, Wahrnehmungsverzerrung, Beurteilungsnähe und Leistungsbeurteilung.
Was ist das Besondere an der Fallstudie zur Firma Bemali?
Die Fallstudie zeigt anhand fiktiver Charaktere, wie Vorgesetzte unter Stress und durch taktische Motive wie "Heldenklau" oder "Wegloben" bewusst Beurteilungsfehler begehen.
Welchen Einfluss hat das Betriebsverfassungsgesetz auf die Beurteilung?
Das BetrVG regelt das Einsichtsrecht des Mitarbeiters in seine Beurteilung und das Recht auf ein Mitarbeitergespräch, was laut Autor zur Verbesserung der Beurteilungswerte beigetragen hat.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Leistungs- und Potenzialbeurteilung?
Während die Leistungsbeurteilung vergangenheitsbezogen den Zielerreichungsgrad prüft, ist die Potenzialbeurteilung zukunftsorientiert und prognostiziert die Eignung für neue Anforderungsprofile.
- Quote paper
- Florian Böttcher (Author), 2004, Beurteilungsfehler bei der Verhaltensbeurteilung von Mitarbeitern auf Seiten des Beurteilers während des Beurteilungsprozesses und ihre Vermeidungsstrategien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44546