Internet und Internetkompetenz in der Primarschule


Seminararbeit, 2005

49 Seiten, Note: gut bis sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemstellung

3. Theorien und Forschungsstand
3.1 Das Internet
3.1.1 Zur Geschichte des Internets
3.1.2 Angebote des Internets
3.1.3 Eigenschaften und Besonderheiten des Internets
3.2 Unterschiedliche Ausgangslage der Schüler
3.3 Medienkompetenz
3.4 Die Rolle der Schule

4. Fragestellungen und Begründungen

5. Vorgehen

6. Ergebnisse der Literaturrecherche
6.1 Frage 1: Was für Basis-Kompetenzen müssen Primarschulkinder im Umgang mit dem Internet erwerben?
6.2 Frage 2: Wie können die Basis-Kompetenzen im Umgang mit dem Internet vermittelt werden?
6.2.1 Voraussetzungen
6.2.2 Didaktische Umsetzungsmöglichkeiten
6.2.2.1 Ausgangslage
6.2.2.2 Konkrete Gestaltungsmöglichkeiten im Schulunterricht
6.3 Beispiel eines Gesamtprojektes: Leben und Lernen in der EU
6.3.1 Vorstellung des Projekts «Leben und Lernen in der EU»
6.3.2 Beurteilung des Projekts «Leben und Lernen in der EU»

7. Zusammenfassung

8. Literatur

9. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Überblick über Mediennutzungs-Studien

Abb. 2: Medienkompetenz: Medienkritik, Medienkunde, Mediengestaltung, Mediennutzung

Abb. 3 das Internetkompetenzmodell

Abb. 4: Emoticons

Abb. 5: Internetsprache: Abkürzungen

Abb. 6 Leben und Lernen in der EU: Einstiegsseite

Abb. 7 Leben und Lernen in der EU: Überblicksseite Schweden

Abb. 8: Leben und Lernen in der EU: Einstieg

Abb. 9: Leben und Lernen in der EU: Recherchieren und Evaluieren

Abb. 10 Leben und Lernen in der EU: Kommunikation per Email

Abb. 11: Leben und Lernen in der EU: Publizieren

Abb. 12 Zusammenfassung der Antworten

Um eine bessere Lesbarkeit zu erzielen, bedient sich die vorliegende Seminararbeit meist männlicher Substantive, das schliesst die weibliche Form der Begriffe jedoch ein. Ist beispielsweise von Schülern die Rede, so sind stets Schülerinnen und Schüler gemeint, es sei denn, das Geschlecht wird explizit genannt.

Aus Darstellungsgründen befinden sich einige Abbildungstitel entgegen der gängigen Praxis über den Darstellungen.

1. Einleitung

Die Anzahl Computer pro Haushalt und insbesondere die Internetzugänge haben in den letzten zehn Jahren in unserem Kulturkreis explosionsartig zugenommen. Der Umgang mit dem neuen Medium gehört mittlerweile zum Alltag der Menschen. Und dennoch beinhaltet dieser Alltagsgegenstand für eine Vielzahl von Benutzer so viele Rätsel, wie kaum ein anderes technisches Gerät. Die daraus entstehende Unsicherheit wird oft hinuntergespielt und verleitet zu abenteuerlichen «Selbstsurfversuchen» im Netz, die genauso gut harmlos, wie auch gefahrvoll verlaufen können. Da Computer heutzutage genauso zum Inventar eines Haushaltes gehören wie der Fernseher, wird auch für Kinder der Zugang zum Internet immer einfacher. Aus diesem Grund sollten sie auf der einen Seite vor den Gefahren des Internets (Sexualtäter in Kinderchatforen, finanzielle Ausbeutung, Computerviren, etc.) gewarnt werden und auf der anderen Seite über die Vorteile (weltweit vernetztes Wissen, raum- und zeitunabhängige Kommunikation, etc.) und deren Nutzung aufgeklärt werden.

2. Problemstellung

«Computer Literacy [gilt] als neue, vierte Kulturtechnik neben den Kulturtechniken Schreiben, Lesen, Rechnen» (Kleinschroth 1996: 205). Mit dieser Aussage steht Kleinschroth nicht alleine da. Auch andere Wissenschaftler meinen in Bezug auf Medienkompetenz und Internet, dass diese Technik wie Basiswissen gelehrt werden muss und daher also schon in die Grundausbildung der allgemein bildenden Schulen gehört. Zimmerli (1990: 206) geht noch einen Schritt weiter indem er sagt: «Neue Kulturtechnik ist eine Kunstfertigkeit, die ‹omnipräsent, transferfähig und überlebensrelevant› ist. [...] Die datenprozessierende [...] Informationstechnologie hat schon heute unsere Gesellschaft in einem derartig starken Ausmasse durchdrungen, dass wir sie ohne Einschränkung bereits jetzt als Kulturtechnik bezeichnen könnten. Sie ist nicht nur omnipräsent, sondern hat sich auch zu der Quertechnologie aller anderen Bereiche von Technik, Wissenschaft und Lebenswelt entwickelt, und wer in der technologisch werdenden Welt überleben will, muss sie beherrschen.»

Als Begründung für die Wichtigkeit von Computer Literacy findet man oft das Argument, das Internet habe Einzug in alle Lebensbereichen genommen. Es ist ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft und von unserem Alltags sowie eine beliebte Freizeitbeschäftigungen vieler Kinder und Jugendlicher.

Für Kinder, die sich in unserer Gesellschaft bewegen, ist der Umgang mit Medien eine wichtige Schlüsselkompetenz. Kompetenzen im Zusammenhang mit Computern und immer mehr auch dem Internet gehören im heutigen Zeitalter zu den vorausgesetzten Qualifikationen, wenn man im Alltags- oder Berufsleben bestehen will. So informieren viele Vereine über ihre Aktivitäten via Email oder Internet und auch kostenlose Bildungsangebote im Internet können ohne Computer nicht genutzt werden. Ein Kind ohne Zugang zu diesem Medium verpasst ausserdem die Chance, den Umgang mit Kommunikationstools wie Chat-Rooms und Email, aber genauso Online-Games etc., zu erlernen. Damit ergeben sich nicht nur Nachteile im Wissens- und Erfahrungsbereich, sondern ebenfalls im sozialen Bereich, zum Beispiel können sie bei vielen Gesprächsthemen innerhalb der Peergruppe und Schulklasse nicht mehr mitreden. Die Aufgabe der Schule sollte darin bestehen, den Kindern die entsprechende Medienkompetenz zu vermitteln.

Das Anliegen dieser Arbeit ist es herauszufinden, welches Wissen Kinder in der Schule im Umgang mit dem Internet erlernen müssen, um im Alltags- und Berufsleben bestehen zu können. Besonders fragen wir uns, ob es dafür bestimmte Lernumgebungen braucht und wenn ja, wie ihre didaktische Umsetzung aussehen sollte.

Um diese Fragen zu beantworten, wird im folgenden Kapitel das Medium Internet genauer betrachtet. Nach einem kurzen historischen Abriss, werden das Internet und seine Besonderheiten in Zusammenhang mit Medienkompetenz und Computer Literacy gebracht. Daraus ergeben sich Schlussfolgerungen für die Rollenbestimmung der Schule in diesem Kontext. Aufgrund dieser theoretischen Überlegungen, werden in Kaptitel 6 einige Lösungsansätze für unsere Fragestellungen anhand von literarischen Grundlagen und eigenen Überlegungen präsentiert. Die Diskussion konzentriert sich auf die Bereiche Basiskompetenzen, Voraussetzungen und didaktische Umsetzung. Anschliessend werden die gefundenen Ergebnisse an einem praktischen Beispiel illustriert. Es handelt sich dabei um ein Projekt mit dem Titel «Leben und Lernen in Europa» der Grundschule Friedrichsfehn. Der Projektleiter war bereit, einen von uns entworfenen Fragekatalog zu beantworten. Die Antworten wurden ebenfalls für die Analyse des Projekts verwendet.

3. Theorien und Forschungsstand

3.1 Das Internet

Da sich in dieser Arbeit alles um den Umgang mit dem Internet dreht, soll dieses junge Medium einleitend auch kurz vorgestellt werden. Die nachfolgenden Punkte befassen sich mit der Entstehungsgeschichte, mit den Angeboten, die das Internet bietet und schliesslich auch mit den besonderen Eigenschaften des Internets.

3.1.1 Zur Geschichte des Internets

Der Ursprung des Internets geht auf das Computernetz des US-Militärs zurück. Es setzte sich in den 60er Jahren mit der Frage auseinander, wie man ein Computernetz bei einem nuklearen Angriff vor einem Zusammenbruch bewahren kann (Rada 1999: 18). So kam die Idee auf, ein Netz vieler gleichberechtigter Computer zu erstellen. Das militärische Versuchsnetz ARPANET, das 1969 in Betrieb genommen wurde, war somit der Vorläufer des heutigen Internet. Zu Beginn waren Datentransfers nur auf Computern desselben Herstellers und Typs möglich. Über die Jahre hinweg wurde die Technologie aber weiterentwickelt bis 1971 die damals wichtigste Ressource des Netzes, die Entwicklung der elektronischen Post (Email), gelang.

Der Vorläufer des World Wide Web, wie wir es heute kennen, entstand 1991. Damit war der Grundstein für eine völlig neue Art globaler Kommunikation gelegt. Über die Jahre steigerte sich die Userrate und das Internet wurde zu einem selbstverständlichen Kommunikations-, Informations- und Publikationsmedium (Baumann 2001: 279-286). Zusammenfassend lässt sich das Internet nach Baumann (2001: 77) wie folgt definieren: «Das Internet ist ein globales Netzwerk mit unzähligen, unterschiedlichen Computernetzen. Technisch ist das Internet hierarchisch aufgebaut. Die Daten werden mittels TCP/ IP-Protokolls als selbststeuernde Pakte in diesem Netz transportiert, wobei sie den optimalen und effizientesten Weg selbst finden»

3.1.2 Angebote des Internets

«Das Internet selber stellt lediglich die Infrastruktur zur Verfügung. Ein Nutzen für die Anwender entsteht erst dadurch, dass basierend auf der Struktur des Internets dem Anwender verschiedene Dienste zur Verfügung stehen» (Wikipedia o.J.). Die Angebotsfülle dieser Dienste ist vielfältig und reichhaltig. Der wohl meist genutzte Internetdienst ist das World Wide Web, abgekürzt WWW. Dies ist ein weltweit auf dem Internet basierendes Hypertext-Informationssystem (Roth 2004:30). Oft wird das World Wide Web fälschlicherweise mit dem Internet gleichgesetzt, da sie durch verschiedene Dienste eng verknüpft sind. Weitere Internetdienste bzw. auch Dienste innerhalb des WWW ermöglichen den Benutzern den Austausch von Programmen, Dateien und Informationen, sowie die gegenseitige Kommunikation (Baumann 2001: 277). Bei der Kommunikation wird unterschieden zwischen asynchronen Diensten, wie Email, Newsgroups und Mailinglisten und synchronen Diensten, wie Internettelefonie und Chat.

3.1.3 Eigenschaften und Besonderheiten des Internets

Das Internet birgt und vereint viele Eigenschaften, welche andere Medien nicht vorweisen können. Die zentralsten sind die Hypertext-Eigenschaften, die Multimedialität, Interaktivität, Aktualität und die grosse Angebotsfülle. Sie machen das Internet unter anderem zu einem solch attraktiven, auf der anderen Seite aber auch zu einem sehr anspruchsvollen Medium. Auf diese Eigenschaften und Besonderheiten wird nachfolgend genauer eingegangen.

- Hyptertext-Eigenschaften:

Typisch für das Internet ist die Grundstruktur des «Hypertexts». Tergan (2002:99) umschreibt diesen folgendermassen: «Hypertext- und Hypermediasysteme sind durch eine nichtlineare (vernetzte) Repräsentation von Informationseinheiten in der Datenbasis, der sog. Hypertextbasis gekennzeichnet. Sie ermöglichen einen flexiblen, selbst gesteuerten Zugriff auf diese Informationen.» Die Idee des Hypertextes besteht also darin, Inhalte eines Gegenstands- bzw. Themenbereichs in Knotenpunkte aufzuteilen, welche miteinander durch «links» in Verbindung stehen. Der Nutzer hat damit die Möglichkeit flexibel in beliebiger Reihenfolge auf verschiedene Informationsknoten zuzugreifen. (Tergan 2002: 99-100)

Der Vorteil von Hypertexten ist die Möglichkeit, dass der Nutzer sich einen eigenen Lese- und Lernweg zurechtlegen kann. Besonders Kindern macht das Herumspringen im Netz, laut einer Studie von Richter (2002: 34), viel Spass, da es den Charakter eines Spiels hat. Auf der anderen Seite jedoch besteht die Gefahr, dass der Nutzer damit überfordert ist, sich selber eine Struktur zu schaffen. Besonders bei Kindern wird befürchtet, dass sie Textstrukturen in ihrer Ganzheit nicht mehr erfassen und verstehen können (Richter 2002:34). Orientierungslosigkeit kann resultieren.

- Multimedialität:

«Das Internet ist ein Medium, das alle anderen Medien in sich bergen kann», sagt Richter (2002: 29), womit sie eine zentrale Eigenschaft des Internet betont. Das Internet ist nämlich im Stande, Funktionen wie Ton, (bewegtes) Bild und Schrift zu vereinen, die vorher nur von separaten Medien ausgeführt werden konnten.

- Interaktivität

Der wohl im Zusammenhang mit Computer und Internet am häufigsten verwendete Begriff ist «Interaktivität». Er umschreibt die Möglichkeit des Nutzers in den Informationsfluss einzugreifen, sich mitzuteilen d.h. mit den Anbietern zu kommunizieren und weist auch auf die dynamische Linkstruktur des Netzes hin. Interaktivität umfasst demnach alle Steuerungs- und Selektionsmöglichkeiten, welche von einfachen Auswahlverfahren und linearen Informationsverläufen bis hin zu dynamisch verknüpften Hypermediastrukturen reichen. Richter (2002: 33) präzisiert Interaktivität mit den Kategorien Selektion, Navigation, Simulation und Manipulation.

Interaktivität wird vielerseits bejubelt, da der Nutzer nicht nur in einen einseitigen Kommunikations- bzw. Informationsprozess eingebunden wird, sondern selber aktiv werden kann und auch sein muss. Auf der anderen Seite wird jedoch befürchtet, der Nutzer könne von den Interaktionsmöglichkeiten überfordert sein.

- Aktualität

Ein weiterer Faktor des Internets ist die Aktualität. Onlinezeitungen etwa aktualisieren ihre Webangebote mehrmals täglich. Aber auch andere Anbieter von Webseiten sind darauf bedacht, deren Inhalte ständig aktuell zu halten, da sie sonst nicht benutzt werden.

- Angebotsfülle

Durch die unbegrenzte Speicherkapazität kann das Internet eine riesige Fülle von Daten und Informationen aufnehmen. Demnach ist es eine enorm grosse Datenbank, die jedoch nicht nur verlässliches Material enthält. Für den Nutzer ist es wichtig, in der Angebotsfülle kompetent auswählen zu können, was auch beinhaltet, zwischen wertvollen, hilfreichen und nicht vertrauenswürdigen Informationen zu unterscheiden.

3.2 Unterschiedliche Ausgangslage der Schüler

Vor dem Hintergrund der eingangs dargestellten Omnipräsenz von Computer und Internet, ist es wichtig den Umgang mit diesen neuen Medien zu beherrschen. Daher ist auch der Computer- und Internetunterricht in der Schule ist von grosser Bedeutung. Allerdings sind Lehrer vor das Problem gestellt, dass die Schüler mit sehr divergierenden Voraussetzungen für dementsprechenden Unterricht ausgestattet sind. So gibt es einerseits Internetkenner, während andere auf diesem Gebiet Laien sind. Verantwortlich dafür sind insbesondere drei Punkte: (1) Die Möglichkeiten zu einem Internetzugang, (2) das Interesse am Medium und (3) die Lesekompetenz. Verschiedene Studien haben die Medienausstattung, -nutzung und das Medienverhalten, sowie die Interessen der Kinder untersucht. Folgende Arbeiten wurden für die Ausführungen zu den drei Punkten berücksichtigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Überblick über Mediennutzungs-Studien (eigene Darstellung)

(1) Zugang zum Internet

Wenn Kinder in der Schule das erste Mal auf den Computer und das Internet treffen, bedeutet das meistens nicht, dass dies ihr erster Kontakt mit diesen neuen Medien ist. Viele von ihnen haben bereits in der Familie oder bei Freunden mit dem Computer gespielt oder im Internet gesurft. Allerdings sind die Zugangschancen nicht gleich verteilt. Nicht alle Haushalte verfügen über Computer und insbesondere Internetzugang.

Der Computer und das Internet haben sich in den vergangenen Jahren sehr rasch verbreitet und die Tendenz ist weiter steigend. Bei der Computerausstattung zeichnet sich langsam eine Vollversorgung der Haushalte ab. Bei der Internetabdeckung sieht es jedoch etwas anders aus: noch ist über jeder dritte Haushalt mit Kindern in der Schweiz laut den Daten des Forschungsdienstes der SRG von 2003 (2004: 56) ohne Internetanschluss. Der Besitz von Computer und Internetanschluss ist oft Einkommensabhängig: in Haushalten mit bescheidenerem Einkommen findet man PCs und Internetanschlüsse seltener. (SRG 2004: 56, mpfs 2003: 14)

(2) Interesse am Medium Internet

Auch wenn jedes Kind zu Hause einen Computer mit Internetanschluss stehen hätte, würde das noch nicht garantieren, dass diese Möglichkeit auch von allen genutzt würde. Ein gesundes Interesse am Medium ist nötig, damit Kinder die nötige Motivation an den Tag legen und sich damit auseinandersetzen. Besonders bei sozioökonomisch und schulisch schlechter gestellten Schülern ist die Motivation ein wichtiger Faktor, der verhindern kann, dass sich Ausrüstungsdefizite auch auf das Lernen mit dem Internet auswirken (Kwak 1999: 393).

Ein Interessensunterschied wurde in früheren Studien bei Mädchen und Knaben festgestellt, wobei letztere eine viel grössere Affinität zu elektronischen Medien aufwiesen. Dies hat sich jedoch gewandelt. Zwar sind Knaben immer noch viel interessierter an der Technik des Computers und des Internets und ihre direkte Bindung an das Medium ist stärker, aber die KIM-Studie (2003: 39-41 ) zeigt, dass sich die beiden Gruppen in Deutschland in ihrer Nutzungsfrequenz immer mehr angleichen. Bei der SRG-Studie (2004: 104) wurden gar keine signifikanten Nutzungsunterschiede mehr entdeckt.

(3) Lesekompetenz/ schulische Fähigkeiten:

Besonders deutlich hat Richter (2002) gezeigt, dass Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Kompetenzen an das Internet herantreten. Es besteht also bereits eine Ungleichheit zwischen den Kindern bevor sie das Medium überhaupt kennen. Dies hat Richter (2002: 90-117) mittels Leitfadeninterviews mit zehn bis dreizehnjährigen Kindern der Orientierungsstufe in Deutschland evaluiert. Als Stimulus konnten sich die Kinder vorher durch vier Homepages klicken.

Jenen Kindern, die flüssig und schnell lesen können, vereinfacht diese Fähigkeit den Umgang mit dem Internet. Sie können sich schnell einen Überblick schaffen und die für sie interessanten Links oder Inhalte herausfiltern. Damit ist ihre Orientierungskompetenz bedeutend besser als bei Kindern mit schwacher Lesekompetenz, die Schwierigkeiten haben, sich einen Seitenüberblick zu schaffen (Richter 2002: 192). Sie haben oft Mühe, die komplexen Strukturen des Internets in einem vernünftigen Zeitrahmen zu begreifen (Richter 2002: 193). Solche Kinder, welche die Homepage von oben bis unten durchlesen müssten, um alles genau zu erfassen, verwenden deshalb bevorzugt eine Orientierungsstrategie, die sich nur an Links orientiert.

Um also im Internet eine effektive Navigationsstrategie, d.h. den Inhalt erfassen, sich orientieren und durch die Angebotsvielfalt navigieren können, verfolgen zu können, müssen Kinder laut Richter (2002: 241): «flüssig lesen können, Texte überfliegen lernen und dennoch den Sinn erfassen. Kinder müssen erfassen, wo sich Links auf der Seite befinden, wohin sie ev. führen und wo bspw. Informationen stehen. Sie müssen lernen, die gesamte Struktur einer Homepage mit allen Navigationselementen (Linkleisten, Textlinks, Buttons, Bilder etc.) zu lesen.»

3.3 Medienkompetenz

Medienkompetenz wird heutzutage in Verbindung mit allen möglichen Medien und den damit zusammenhängenden Techniken gebracht. Im Folgenden Kapitel liegt der Fokus auf Computer Literacy, einem verhältnismässig neuen Teilbereich der Medienkompetenz.

Während Erwachsene meist eine langjährige Ausbildung absolvieren müssen, um einen adäquaten Umgang mit dem Computer zu erlangen, erwerben Kinder und Jugendliche dieselben Kenntnisse meist ohne grosse Anstrengungen. Die Netz-Generation wächst heute selbstverständlich mit digitalen Medien auf und wird daher auch als Generation @ bezeichnet. Für die Generation der 4- bis 29-jährigen ist im Gegensatz zur Fernseh-Generation der Umgang mit dem Computer und dem Internet ein selbstverständlicher Bestandteil ihres Lebens. Es stellt sich daher die Frage, ob die pädagogische Vermittlung von Medienkompetenz oder Medienbildung überhaupt noch notwendig ist. (de Witt 2000: 1f)

Es gibt viele Gründe, die für eine solche Vermittlung sprechen. De Witt (2000: 5) spricht die Reizüberflutungen durch die Medien an, denen die Kinder und Jugendlichen täglich ausgesetzt sind. Auch hinsichtlich der Informationsmengen, welche die Heranwachsenden verarbeiten müssen, ergeben sich Probleme. Die Generation @ bewegt sich in einer Welt der Schnelllebigkeit und ist einem Informationsstress ausgesetzt, den sie ohne Hilfe nicht bewältigen kann (ebd).

Das Internet als Medium beinhaltet Informationen nicht nur in Form von Text, sondern auch in Form von Musik oder stehenden und bewegten Bildern und Graphiken, deren Zusammenhang entziffert und gedeutet werden muss. Format-Verknüpfungen aller Art sind für Kinder und Jugendliche nicht immer leicht nachzuvollziehen. (Baacke 1997: 98)

Baacke (1997) weist neben den individuellen Problemen im Umgang mit dem Internet auch auf ein soziales Problem hin. Die Tatsache, dass der Zugang zu Computern und dem Internet aus finanziellen Gründen limitiert ist, lässt eine Ungleichheit in der Verteilung des Wissens und somit von Macht entstehen. Die Gesellschaft wäre demnach in eine online-herrschende, elektronisch versierte Oberschicht und eine offline-machtlose Unterklasse aufgeteilt. Diese Vorstellung basiert auf der Wissenskluftthese, welche in der Publizistikwissenschaft ihren Ursprung hat. Für Baacke ergibt sich daher die Forderung, dass die wichtigste Aufgabe darin besteht, Kommunikations- und Medienkompetenz zu vermitteln. (Baacke 1997: 96ff)

Es stellt sich nun die Frage, was unter Kommunikations- oder Medienkompetenz genau zu verstehen ist. «Medien-Wirtschaftsförderung und Medien-Technikförderung vorausgesetzt, soll Medienkompetenz den Nutzer befähigen, die neuen Möglichkeiten der Informationsverarbeitung auch souverän handhaben zu können» (Baacke 1997: 98). Die folgende Abbildung illustriert Baackes Verständnis der vierfach ausdifferenzierten Medienkompetenz als Graphik.

[...]

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Internet und Internetkompetenz in der Primarschule
Hochschule
Universität Zürich  (Pädagogisches Institut)
Note
gut bis sehr gut
Autoren
Jahr
2005
Seiten
49
Katalognummer
V44550
ISBN (eBook)
9783638421263
Dateigröße
1337 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet, Internetkompetenz, Primarschule
Arbeit zitieren
Carmen Koch (Autor)Maura Zerboni (Autor), 2005, Internet und Internetkompetenz in der Primarschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44550

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