Vom Handwerker zum freien Künstler. Leonardo da Vincis Anatomiestudien


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Leonardo da Vincis Anatomiestudien
1 Leonardo da Vinci
1.1 Kurzbiographie
1.2 Leonardo und die Malerei
1.3 Leonardos Faszination für die Wissenschaft
2 Die Anatomiestudien
2.1 Stand des anatomischen Wissens
2.2 Leonardo da Vincis Sicht auf die Anatomie
2.3 Die drei Phasen des Anatomiestudiums

III. Fazit

IV. Anhang

I. Einleitung

„Der Mensch ist das Modell der Welt.“

Leonardo da Vinci (1452-1519)

Zu dieser Erkenntnis kam einst Leonardo da Vinci, italienischer Maler, Bildhauer, Naturforscher und Universalgenie. Er war einer der ersten Maler in der Renaissance, der sich intensiv mit der menschlichen Anatomie beschäftigte, in dem er Leichen sezierte und seine Erkenntnisse in unzähligen Zeichnungen festhielt. Diese Arbeit wird Leonardo da Vincis Anatomiestudien vorstellen.

Das erste Kapitel handelt von der Person Leonardo da Vinci. Eine Kurzbiographie informiert über die wesentlichen Ereignisse in seinem Leben und stellt den Menschen vor.

Schon zu Lebzeiten war Leonardo da Vinci ein gefeierter Maler. Das Kapitel 1.2 wird erläutern, wie Leonardo zur Malerei kam und welche Werke er im Laufe seines Lebens erschuf. Auf Grund der Vielzahl und der Schwierigkeit der Zuordnung wird eine kleine Auswahl präsentiert.

Neben der Malerei beschäftigte sich Leonardo intensiv mit der Wissenschaft. Seine anatomischen Studien berühren auch diesen Aspekt seines Lebens, das Kapitel 1.3 wird kurz erklären, welche Faszination die Wissenschaft für ihn ausmachte.

Das zweite Kapitel widmet sich Leonardo da Vincis Anatomiestudien. Für die bessere Einordnung seines Studiums wird zunächst ein Überblick gegeben, auf welchem Stand sich das anatomische Wissen befand. Im Folgenden wird Leonardos Sicht auf die Anatomie dargestellt, um deutlich zu machen, weshalb sich Leonardo mit diesem Thema so intensiv beschäftigte. Die drei Phasen seines Studiums werden dann in dem Kapitel 2.3 vorgestellt. Ein Vergleich seiner Zeichnungen in den verschiedenen Phasen soll herausstellen, inwiefern sich Leonardos Sicht auf die Dinge und die Darstellung des Körpers verändert haben.

Ein abschließendes Fazit wird die ausgearbeiteten Erkenntnisse dieser Arbeit zusammenfassen und deutlich machen, welche Bedeutung Leonardos Anatomiestudien zur damaligen Zeit hatten und welche Auswirkungen sie auf das heutige Verständnis des Körpers aus dem Blickwinkel des Künstlers haben.

Als Universalgenie beschäftigte sich Leonardo da Vinci mit einer Vielzahl an Dingen, angefangen bei der Erfindung von Kriegsgeräten über die Ausrichtung von Festen bis hin zur Betätigung als Bildhauer. Diese Vielseitigkeit kann und wird in dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden, da dies den Umfang dieser Ausarbeitung um ein Vielfaches übersteigen würde. Der gewählte Schwerpunkt liegt auf den Anatomiestudien.

II. Leonardo da Vincis Anatomiestudien

1 Leonardo da Vinci

1.1 Kurzbiographie

Über Leonardo da Vinci gibt es eine Fülle an Literatur. Für die Kurzbiographie nutze ich folgende drei Quellen: Giorgio Vasaris Schilderungen zu Leonardo aus seinem Werk Lebensläufe der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten, Leonardo da Vinci und seine Zeit von Robert Wallace und von André Chastel Sämtliche Gemälde und Schriften zur Malerei.

Leonardo da Vinci wurde am 15. April 1452 in Vinci / Italien geboren. Er war das uneheliche Kind des Notars Ser Piero da Vinci und wuchs überwiegend in Florenz auf[1]. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte Leonardo in der Werkstatt von Andrea del Verrocchio[2]. Hier wurde die Grundlage für sein Leben als Maler geschaffen, welches in dem Unterpunkt 1.2 dieser Arbeit weiter ausgeführt wird.

Laut Vasari war Leonardo „…nicht nur mit bewundernswerter Schönheit begnadet, sondern zeichnete sich auch in allem, was er tat, durch unvergleichliche Begabung aus.[3] “ Diese Begabung erkannte jedoch nicht jeder und so gehörte Leonardo nicht dazu, als Papst Sixtus IV. die besten toskanischen Künstler in den Vatikan berief. Er ging daraufhin 1482 nach Mailand an den Hof von Lodovico Sforza[4], wo er bis 1499 blieb[5]. In der Zwischenzeit kam ein Schüler zu ihm. Gian Giacomo de’ Caprotti, genannt Salai, blieb 26 Jahre bei seinem Meister[6].

Um 1490 entschloss sich Leonardo ein Buch über die Malerei zu verfassen Hierfür sammelte er Aufzeichnungen und Bemerkungen zu sämtlichen die Malerei betreffenden Themen, die Veröffentlichung kündigte er in seinen Manuskripten an. Doch wie so viele Projekte vollendete Leonardo auch dieses nicht, er veröffentlichte nichts zu Lebzeiten[7].

Nach Aufenthalten in Mantua und Venedig begab sich Leonardo wieder zurück nach Florenz[8]. Hier widmete er sich vermehrt der Wissenschaft[9]. Dieser Leidenschaft Leonardos widmet sich das Kapitel 1.3 dieser Arbeit.

1502 folgte Leonardo für acht Monate der Berufung als Militär-Ingenieur.

1506 begab er sich erneut nach Mailand[10], wo er für den französischen Vize-König arbeitete. Hier schloss sich ihm der Schüler Francesco Melzi an[11].

Seine letzten Jahre in Italien verbrachte Leonardo in Rom. Hier wurde er 1513 von dem Kunstförderer Giuliano de’ Medici aufgenommen[12].

1516 oder 1517 ging Leonardo nach Amboise / Frankreich[13]. Den Grund hierfür sah Vasari darin, dass Leonardos Rivale Michelangelo Buonarotti vom Papst nach Rom berufen wurde[14]. Auch Wallace betont, dass andere Künstler in der Gunst des Papstes standen und er daher wenige Aufträge bekam[15].

Nach einer Krankheit[16] starb Leonardo da Vinci am 2. Mai 1519 in den Räumen des Herrensitzes Cloux in Frankreich[17].

Als Erbe seiner Manuskripte hatte Leonardo seinen Schüler Francesco Melzi bestimmt. Dieser stellte aus der unübersichtlichen Zettelsammlung eine Auswahl zusammen, der er den Namen Trattato della pittura gab. Diese Zusammenstellung konnte Melzi zu Lebzeiten leider nicht veröffentlichen, sie gelang in die Hände seines Sohnes, der weniger sorgfältig hiermit umging und die Zerstreuung der Niederschriften vorantrieb. Die Veröffentlichung des Trattato della pittura erfolgte dann erstmals 1651 durch Rafael du Fresne[18].

Leonardo da Vinci entsprach dem damaligen Bild des uomo universale , des Universalmenschen. Er zeichnete sich durch seine vielseitige Begabung und seinen unerschöpflichen Forscherdrang aus. Diese Eigenschaften schlugen sich bei Leonardo in der Malerei und in der Wissenschaft nieder. Die beiden folgenden Kapitel werden sich eingehender mit diesen Bereichen seines Lebens beschäftigen.

1.2 Leonardo und die Malerei

Die wohl bekannteste und älteste Biographie über Leonardo da Vinci wurde von Giorgio Vasari verfasst. Hiernach war Ser Piero da Vinci ein enger Freund Andrea del Verrocchios. Er zeigte ihm Zeichnungen seines Sohnes, um herauszufinden, ob Leonardo diesen Beruf mit Erfolg ausüben könnte. Auf Anraten Verrocchios schickte Ser Piero seinen Sohn in dessen Werkstatt[19], vermutlich war dies im Jahre 1469, über das Eintrittsalter bzw. -jahr gibt es in der Literatur widersprüchliche Angaben[20].

Leonardo durchlief die zu der Zeit übliche Lehre und eignete sich zunächst überwiegend handwerkliche Fähigkeiten an. Seine technischen Malfertigkeiten erlernte der begabte Schüler hauptsächlich durch seinen Meister, aber auch andere Lehrlinge, wie der 6 Jahre ältere Perugino haben ihn die Grundtechniken gelehrt[21]. 1472[22] entstand Verrocchios Gemälde Taufe Christi, in dem Leonardo maßgeblich mitwirkte. Er malte die Landschaft und den vorderen blauen Engel und übertraf hiermit seinen Meister Verrocchio bei Weitem, der daraufhin der Malerei den Rücken kehrte[23]. Im selben Jahr wurde Leonardo als Maler in die florentinische St. Lukas Gilde aufgenommen[24]. Zwischen 1476 und 1478 eröffnete der Künstler dann seine eigene Werkstatt in Florenz, über die nur wenig dokumentiert ist[25].

Das erste eigene Gemälde, das Leonardo zugeordnet werden kann, ist die Verkündigung, die um 1472 entstanden ist. Nach dem Bildnis der Ginevra de’

Benci, welches Leonardo wahrscheinlich zwischen 1473-1474 malte, folgte eine Periode zu dem Thema Jungfrau mit Kind, die sich bis circa 1480 erstreckte[26].

1481 entstanden gleich zwei Werke, die unvollendet bleiben sollten: der Heilige Hieronymus und die Anbetung der Hl. Drei Könige [27] . Letzteres war eine Auftragsarbeit für das Altarbild des Klosters San Donato[28].

Während seines Aufenthalts in Mailand malte Leonardo unter anderem die erste Fassung der Madonna in der Felsengrotte [29] und eines seiner wunderbarsten Werke, das Abendmahl, welches er von 1495 bis 1497 im Auftrag von Ludovico Sforza für das Dominikanerkloster von Santa Maria delle Grazie erschaffte[30].

Zurück in Florenz begann Leonardo das Altarbild Hl. Anna Selbdritt, an dem er mit Unterbrechungen nach Schätzungen 15 Jahre gearbeitet hat[31]. Ebenfalls in Florenz entstand eine Arbeit, „[…] die eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt wurde: die Mona Lisa [32] . “, an der Leonardo drei Jahre lang malte. Während seiner Zeit in Rom entstanden nur wenige Bilder, unter anderem das einzige Selbstbildnis, welches Leonardo im Alter von 62 Jahren zeigt[33].

Ebenfalls aus dieser Zeit stammt Johannes der Täufer, welches Leonardos letztes Gemälde darstellt und keine Auftragsarbeit zu sein scheint[34].

Die hier aufgeführten Gemälde stellen eine Auswahl dar. Die vollständige Aufzählung würde den Rahmen sprengen und ist schwer möglich, da nicht alle Gemälde eindeutig zugeordnet werde können. Überdies sind nicht mehr alle Bilder erhalten.

Leonardos Errungenschaften in der Renaissancemalerei wurden nicht nur auf seinen Gemälden sichtbar, vielmehr prägte er die Zeit durch seine Aufzeichnungen zur Malerei, die auch bei Vasari hervorgehoben werden[35]. Leonardos Studien zum Faltenwurf, zur Landschaft, zur Natur, zur Perspektive und zu Licht und Schatten sowie seine anatomischen Forschungen bei Tieren und Menschen haben ihn zu einem Ausnahmekünstler gemacht, der schon zu Lebzeiten vielen Künstlern, unter anderem Rafael, als Vorbild diente[36].

1.3 Leonardos Faszination für die Wissenschaft

Leonardo war ein vielseitig begabter Mensch. „Auch in den gelehrten Wissenschaften und in der Literatur hätte er Grosses geleistet, wären seine Interessen nicht allzu mannigfaltig und wechselhaft gewesen […]“, schreibt Vasari über ihn[37]. Seine Neugier zeichnete ihn schon in seiner Jugend aus, in Florenz traf er auf unterschiedliche Gelehrte, deren Lehren er sich aneignete und von denen er sich inspirieren ließ. Den Ideen des Maschinenbauers Benedetto dell’Abbaco ist es wohl zu verdanken, dass Leonardo eine Leidenschaft für Erfindungen entwickelte[38].

Die Mathematik hatte für Leonardo eine besondere Bedeutung, er sah sie als Schlüssel zur Erkenntnis und nutzte sie intensiv für seine Malerei[39]. Die Kombination von Malerei und Mathematik macht deutlich, dass Leonardo nicht nur als Maler, sondern auch als Wissenschaftler betrachtet werden muss. Seine Gemälde entstanden nicht aus göttlicher Eingebung, sie waren exakt angelegt und genau berechnet. Die Wissenschaft der Mathematik war für Leonardos Malerei unabdingbar.

Doch auch andere Gebiete der Wissenschaft interessierten ihn. Seine nichtkünstlerischen Interessen umfassten laut Wallace: „Anatomie, Botanik, Kartographie, Geologie, […], Aeronautik, Optik, Mechanik, Astronomie, Hydraulik, Akustik, Tiefbau, Waffentechnik, Stadtplanung.[40] “ Die Vielzahl seiner Notizen und Zeichnungen zu diesen Gebieten deuten an, wie intensiv er sich hiermit beschäftigte, trotzdem hat er die Malerei nie komplett vernachlässigt. Im Gegenteil, auch auf diesem Gebiet zeigte sich sein Forschungsdrang, er experimentierte mit neuen Untergründen und Firnissen, was dazu führte, dass einige seiner Bilder schon kurz nach ihrer Entstehung stark beschädigt wurden oder ganz zerfielen[41].

[...]


[1] Vgl. Wallace 1971, S. 9f.

[2] Vgl. Vasari 1974, S. 314

[3] Vasari 1974, S. 313

[4] Vgl. Wallace 1971, S. 17

[5] Vgl. ebenda, S. 59

[6] Vgl. Wittkower 1989, S. 188

[7] Vgl. Chastel 1990, S. 62f.

[8] Vgl. Wallace 1971, S. 119f.

[9] Vgl. ebenda, S. 101

[10] Vgl. ebenda, S. 145

[11] Vgl. ebenda, S. 147f.

[12] Vgl. ebenda, S. 149

[13] Vgl. ebenda, S. 163

[14] Vgl. Vasari 1974, S. 334

[15] Vgl. Wallace 1971, S. 150

[16] Vgl. Vasari 1974, S. 335

[17] Vgl. Wallace 1971, S. 163f.

[18] Vgl. Chastel, S. 65

[19] Vgl. Vasari 1974, S. 314

[20] Vgl. Pedretti 1973, S. 8; Wallace 1971, S. 12; Burke 1984, S. 54

[21] Vgl. Wallace 1971, S. 13

[22] Vgl. ebenda, S. 28

[23] Vgl. Vasari 1974, S. 317f.

[24] Vgl. Wallace 1971, S. 13

[25] Vgl. ebenda, S. 16

[26] Vgl. Wallace 1971, S. 30

[27] Vgl. ebenda, S. 34

[28] Vgl. ebenda, S. 32

[29] Vgl. ebenda, S. 35

[30] Vgl. ebenda, S. 80

[31] Vgl. ebenda, S. 121

[32] Wallace 1971, S. 126

[33] Vgl. ebenda, S. 150

[34] Vgl. ebenda, S. 151

[35] Vgl. Vasari 1974, S. 336

[36] Vgl. Wallace 1971, S. 150

[37] Vasari 1974, S. 314

[38] Vgl. Wallace 1971, S. 15

[39] Vgl. ebenda

[40] Wallace 1971, S. 110

[41] Vgl. ebenda, S. 125

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Vom Handwerker zum freien Künstler. Leonardo da Vincis Anatomiestudien
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V445623
ISBN (eBook)
9783668821910
ISBN (Buch)
9783668821927
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Davinci, Leonardo da Vinci, Anatomie, Anatomiestudien, Zeichnungen
Arbeit zitieren
Rebecca Bräutigam (Autor), 2010, Vom Handwerker zum freien Künstler. Leonardo da Vincis Anatomiestudien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/445623

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