Die weltweit fortschreitende Digitalisierung wirkt sich auch auf unser Gesundheitswesen aus. Gesundheitsnahe Dienstleistungen unter Anwendung elektronischer Geräte, auch bekannt unter der englischen Kurzbezeichnung eHealth oder E-Health (electronic Health), werden in zunehmendem Maße erweitert und ergänzt durch elektronische Anwendungen (Apps) auf mobilen Geräten. Hierfür hat sich der Begriff mHealth (mobile Health) etabliert, welcher erstmals im Jahr 2006 von dem Londoner Professor Robert S. H. Istepanian geprägt wurde. Möglich wird dies durch die Nutzung von Smartphones, Tablets oder Wearables. Alleine in Deutschland nutzen bereits 63 Prozent der Bevölkerung ein Smartphone. Die Zahl der potenziellen Anwender von mHealth, insbesondere von Apps, die den größten Teil der mHealth-Anwendungen ausmachen, ist hoch. Viele Anbieter machen sich dieses Potenzial bereits zunutze und bringen Gesundheits-Apps mit verschiedenen Funktionen auf den Markt. Hierbei handelt es sich meistens um gesundheitsbezogene Nachschlagewerke, Fitness- und Wellness-Anwendungen oder Patiententagebücher.
Aus der Reflexion dargestellter Interventionsmöglichkeiten von mHealth ergeben sich bezüglich dessen Nutzen und Anwendungsmöglichkeiten in der Patientenversorgung vielfältige Fragen. Diese stellen sich zum einen im Kontext der Wahrnehmung von mHealth aus der Perspektive der verschiedenen Stakeholder und zum anderen hinsichtlich des tatsächlichen Nutzens sowohl aus therapierelevanter als auch aus monetärer Sicht.
Um mHealth in den ersten Gesundheitsmarkt zu integrieren, ist es wichtig, die Perspektiven und Interessen möglichst aller Akteure, wie Ärzte, Patienten und Krankenkassen, zu berücksichtigen. Nur wenn die Vorteile für die Beteiligten maximiert und die Nachteile minimiert werden, kann davon ausgegangen werden, dass mHealth regelmäßig angewendet und fester Bestandteil in der Patientenversorgung wird.
Ziel dieser Arbeit ist es, Auswirkungen von mHealth-Anwendungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus Sicht der Ärzte zu identifizieren, um daraus ihren zukünftigen Einfluss einschätzen sowie Handlungsempfehlungen ableiten zu können.
Hierbei liegt der Fokus auf den drei Themenfeldern Information, Kommunikation und Ver-trauen in der Arzt-Patienten-Beziehung. Diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und sind mit ausschlaggebend für den Behandlungserfolg.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Fragestellung und Zielsetzung
1.3 Vorgehen
2 Theoretischer Teil
2.1 Arzt-Patienten-Beziehung
2.1.1 Grundlagen
2.1.2 Information
2.1.3 Kommunikation
2.1.4 Vertrauen und Compliance
2.1.5 Arzt-Patienten-Modelle
2.1.5.1 Paternalistisches Modell
2.1.5.2 Informatives Modell
2.1.5.3 Deliberatives Modell
2.1.6 Historische Entwicklung
2.2 mHealth
2.2.1 Definition
2.2.2 Chancen und Potenziale
2.2.3 Probleme und Barrieren
2.2.4 Stand der Forschung
3 Methodischer Teil (1)
3.1 Forschungsfragen und Hypothesen
3.2 Das leitfadengestützte Experteninterview
3.2.1 Merkmale des leitfadengestützten Experteninterviews
3.2.2 Konstruktion des Interviewleitfadens
3.2.3 Durchführung der Leitfadeninterviews
3.2.4 Stichprobe
3.3 Zusammengefasste Interviews
3.3.1 Interview 1
3.3.2 Interview 2
3.3.3 Interview 3
3.3.4 Interview 4
3.3.5 Interview 5
3.4 Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
3.4.1 Festlegung des Materials
3.4.2 Analyse der Entstehungssituation
3.4.3 Formale Charakterisierung des Materials
3.4.4 Festlegung der Analyserichtung
3.4.5 Theoretische Differenzierung der Fragestellung
3.4.6 Bestimmung der Analysetechnik
3.4.7 Definition der Analyseeinheiten
3.4.8 Durchführung der Materialanalyse
4 Auswertung
5 Ergebnisse
6 Fazit
7 Kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Auswirkungen von mHealth-Anwendungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus ärztlicher Perspektive zu identifizieren, um den zukünftigen Einfluss dieser Technologien einzuschätzen und praxisrelevante Handlungsempfehlungen abzuleiten.
- Wandel der Arzt-Patienten-Beziehung durch digitale Transformation.
- Analyse der Themenfelder Information, Kommunikation und Vertrauen.
- Einfluss von mHealth auf die Patienten-Compliance.
- Qualitative Untersuchung mittels leitfadengestützter Experteninterviews.
- Herausforderungen in Bezug auf Datenschutz, Vergütung und Arbeitsabläufe.
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Kommunikation
Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist wesentlicher Bestandteil ihrer Beziehung und hat großen Einfluss auf die Compliance des Patienten. Im Folgenden werden das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun und die Gesprächspsychotherapie von Rogers vorgestellt.
Um kommunizieren zu können, werden zwei Personen, ein Sender und ein Empfänger einer Nachricht, benötigt. Bei einem gelungenen Austausch versteht der Empfänger genau das, was der Sender ausdrücken wollte. Übertragungsschwierigkeiten können jedoch zu Problemen in der Kommunikation und in der Folge zu Missverständnissen führen. Zur Analyse der Kommunikation zwischen Arzt und Patient kann, wie zur Analyse jeder anderen Kommunikation, das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun herangezogen werden. Ihm zufolge enthält eine Nachricht, die von einem Sender an einen Empfänger gerichtet wird, vier Botschaften, die auf vier Ebenen kommuniziert werden: Sachebene, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis und Appell.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Digitalisierung des Gesundheitswesens durch mHealth ein und skizziert die Ambivalenz zwischen technologischem Potenzial und bestehenden Barrieren wie Datenschutz und Fehlinformationen.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen der Arzt-Patienten-Beziehung, inklusive der klassischen Beziehungsmodelle, dar und definiert mHealth sowie dessen gegenwärtigen Stand und Bedeutung in der medizinischen Versorgung.
3 Methodischer Teil (1): Hier wird das methodische Vorgehen der Arbeit erläutert, welches auf leitfadengestützten Experteninterviews mit fünf Ärzten sowie der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
4 Auswertung: Die Auswertung präsentiert die aus den Experteninterviews gewonnenen Erkenntnisse und ordnet sie strukturiert den vorab definierten Kategorien zu.
5 Ergebnisse: In diesem Kapitel werden die Analyseergebnisse mit dem theoretischen Rahmen verknüpft, um die aufgestellten Hypothesen kritisch zu bestätigen oder zu verwerfen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Chancen und Risiken von mHealth zusammen und betont die Notwendigkeit von regulatorischen Rahmenbedingungen zur erfolgreichen Integration in den Praxisalltag.
7 Kritische Würdigung und Ausblick: Dieser Abschnitt reflektiert die methodischen Einschränkungen der Arbeit und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe, insbesondere hinsichtlich der Perspektiven weiterer Stakeholder.
Schlüsselwörter
mHealth, eHealth, Arzt-Patienten-Beziehung, Kommunikation, Information, Vertrauen, Compliance, Experteninterview, qualitative Inhaltsanalyse, Digitalisierung, Patientenversorgung, Datenschutz, Medizin, Gesundheitsökonomie, Smartphone.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen digitaler Gesundheitsanwendungen (mHealth) auf die Interaktion zwischen Ärzten und Patienten, mit besonderem Fokus auf die professionelle ärztliche Sichtweise.
Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Informationsgrundlage, die Kommunikation und das Vertrauensverhältnis innerhalb der Arzt-Patienten-Beziehung unter dem Einfluss digitaler Technologien.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, den Einfluss von mHealth-Anwendungen auf die ärztliche Praxis zu identifizieren und Handlungsempfehlungen zu formulieren, um diese sinnvoll in die Patientenversorgung zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt eine qualitative Untersuchung durch, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews mit fünf Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, ausgewertet nach der qualitativen Inhaltsanalyse von Philipp Mayring.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen der Arzt-Patienten-Kommunikation und der Definition von mHealth wird die empirische Analyse der Interviews dargestellt, welche die Herausforderungen wie Zeitdruck, Datenschutz und technische Abhängigkeiten thematisiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie mHealth, Compliance, Vertrauen, digitale Transformation und ärztliche Kommunikation definiert.
Wie bewerten die befragten Ärzte den Einfluss von mHealth auf das Vertrauensverhältnis?
Die befragten Experten sind sich weitgehend einig, dass mHealth den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann. Vertrauen wird primär durch Empathie im persönlichen Gespräch aufgebaut, welches durch digitale Instrumente höchstens unterstützt, aber nicht substituiert werden kann.
Welche spezifischen Barrieren für mHealth werden im Text identifiziert?
Die befragten Ärzte bemängeln insbesondere die mangelnde Vergütung, den fehlenden Datenschutz, die technische Inkompatibilität von Systemen sowie eine teilweise zu geringe Medienkompetenz bei älteren Patientengruppen.
- Arbeit zitieren
- Sarah Pinsdorf (Autor:in), 2017, mHealth. Auswirkungen auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus ärztlicher Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446025