Im Rahmen des Seminars „Inner- und außerschulische Lernfelder im Jugendalter“ wurden qualitative Interviews zu verschiedenen Themen durchgeführt. Die folgende Hausarbeit befasst sich mit einer Untersuchung zur Schülermitverwaltung, ihren Formen und Motiven. Auf Grundlage von verschiedenen Theorien wird die SMV als Lernfeld dargestellt, zum einen durch die Vorgaben des Kultusministeriums, weiterhin durch die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz und die Diskussion über die Motivation zur Partizipation am Schulgeschehen. Anhand zweier qualitativer Interviews zeigt sich Spaß als ist wichtigster Motivationsfaktor und beiden Befragten waren die Lernerfahrungen im Bereich Persönlichkeitsentwicklung durch die Schülermitverwaltung bewusst. Bei beiden hängt jedoch das Andauern der Motivation stark von der Unterstützung der Schule. Aus diesen Beobachtungen lässt sich ein Ansatz zur quantitativen Erforschung des Themas Schülermitverwaltung erarbeiten, der hier vorgestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung (S. Heinrich & S. Brodhäcker)
2 Theoretischer Teil (S. Heinrich)
2.1 SMV – Entwicklung und aktueller Stand
2.2 Lernfeld Schülermitverwaltung
2.2.1 Entwicklungspsychologischer Hintergrund der Adoleszenz
2.2.2 Lernpotentiale in der SMV
2.3 Motivationstheoretische Hintergründe
2.3.1 Muss Partizipation erlernt werden?
2.3.2 Die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan
2.3.3 Motivation zur Partizipation
2.4 Zwölf Handlungsanweisungen nach Hofer & Buhl
3 Methodisches Vorgehen (S. Brodhäcker)
3.1 Was heißt „qualitativ forschen“? (nach REINDERS, 2005)
3.2 Leitfadenkonstruktion
3.3 Konzeptionelle Verbindung
4 Ergebnisse
4.1 Interview 1: Paul (S. Brodhäcker)
4.1.1 Rahmenbedingungen
4.1.2 Interpretation
4.2 Interview 2: Mia (S. Heinrich)
4.2.1 Rahmenbedingungen
4.2.2 Interpretation
4.3 Vergleich der Interviews (S. Brodhäcker)
4.3.1 Selektion
4.3.2 Gestalt
4.3.3 Sozialisation
4.3.4 Allgemeine Beobachtungen zu den beiden Interviews
5 Diskussion (S. Heinrich & S. Brodhäcker)
5.1 Grenzen und methodische Mängel
5.1.1 Unerfahrenheit der Interviewer
5.1.2 Geringer Stichprobenumfang
5.1.3 Homogene Stichprobe und Selektionseffekte
5.2 Diskussion der Ergebnisse
5.2.1 Motivation zur Partizipation:
5.2.2 Lernfeld Schülermitverwaltung
5.3 Weiterentwicklung des Leitfadens
5.4 Vor- und Nachteile qualitativer Forschung auf dem Gebiet der SMV - Arbeit
5.5 Entwurf einer empirischen Untersuchung im Bereich SMV
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels qualitativer Interviews die Schülermitverwaltung (SMV) als Lernfeld für Jugendliche. Das primäre Ziel ist es, Formen der Schülermitverwaltung zu analysieren und die Motive aktiver Schülervertreter zu verstehen, wobei die Forschungsfrage darauf fokussiert, welche Lernerfahrungen diese Schüler durch ihr Engagement machen und welche Faktoren ihre Motivation beeinflussen.
- Analyse der SMV als Sozialraum und Lernfeld in der Schule.
- Motivationstheoretische Untersuchung der Partizipationsbereitschaft (intrinsische vs. extrinsische Faktoren).
- Vergleich qualitativer Interviews zur Identifikation individueller Lernerfahrungen.
- Diskussion der Bedeutung von Unterstützung durch Schule und Lehrkräfte.
- Entwicklung eines Entwurfs für eine künftige quantitative Untersuchung.
Auszug aus dem Buch
2.1 SMV – Entwicklung und aktueller Stand
Die Geschichte der SMV (und ihrer Vorläufer) ist ein ständiger Wechsel zwischen ereignisreichen, aktiven Phasen und Zeiträumen von Bedeutungslosigkeit.
Unter dem Einfluss der Reformpädagogen entwickelten sich die ersten Ansätze einer Schülerpartizipation bei der Gestaltung des Schullebens. Mit dem Ziel, die schulische Erziehung stärker an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen zu orientieren, wurden Schülervereine oder Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, die eigenverantwortlich von diesen geführt wurden. Von einer Interessenvertretung konnte aber noch nicht die Rede sein.
Durch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen um die Jahrhundertwende veränderte sich die ursprüngliche Intention des Partizipationsgedankens. Nach dem ersten Weltkrieg wurden in Preußen Schülerselbstverwaltungen auch in staatlichen Schulen etabliert, um die Schüler zu einer staatsbürgerlichen Gesinnung zu erziehen. Interessenvertretung gegenüber der Schule spielte hier weniger eine Rolle; vielmehr bekämpften sich die politisch oder kirchlich ausgerichteten Gruppierungen verschiedener Schulen untereinander. Als die körperliche Gewalt Überhand nahm kam es letztendlich zur Auflösung und Verbot dieser Schülerinstitution und der Partizipationsgedanke kam mehr oder weniger zum Erliegen.
Die Schülerorganisationen während des Nationalsozialismus dienten lediglich der Einbindung in die faschistische Ideologie,; von Interessenvertretung kann in keiner Weise die Rede sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung (S. Heinrich & S. Brodhäcker): Diese Einleitung stellt die Motivation für die Untersuchung dar und definiert den Fokus auf die Formen und Motive der Schülermitverwaltung.
2 Theoretischer Teil (S. Heinrich): Das Kapitel liefert den theoretischen Kontext über die Geschichte der SMV sowie entwicklungspsychologische und motivationstheoretische Grundlagen, einschließlich der Theorie von Deci & Ryan.
3 Methodisches Vorgehen (S. Brodhäcker): Hier wird die Entscheidung für die qualitative Forschung begründet und die Konstruktion des Leitfadens für die durchgeführten Interviews erläutert.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die beiden durchgeführten Experteninterviews mit Schülern, interpretiert deren Aussagen in Bezug auf die Themen Selektion, Gestalt und Sozialisation und vergleicht die Ergebnisse miteinander.
5 Diskussion (S. Heinrich & S. Brodhäcker): Die Autoren reflektieren methodische Grenzen der Arbeit, diskutieren die Ergebnisse kritisch im Kontext der Theorie und leiten daraus einen Entwurf für weitere empirische Forschungen ab.
Schlüsselwörter
Schülermitverwaltung, SMV, Partizipation, Motivation, Adoleszenz, Persönlichkeitsentwicklung, Qualitatives Interview, Selbstbestimmungstheorie, Schülersprecher, Sozialisation, Schulalltag, Verantwortungsbewusstsein, Partizipationskompetenz, Schulleben, Mitbestimmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schülermitverwaltung (SMV) als Lernfeld für Jugendliche, wobei insbesondere untersucht wird, welche verschiedenen Formen existieren und welche individuellen Motive Schüler dazu bewegen, sich aktiv in der SMV zu engagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Bereiche Selektion, Gestalt und Sozialisation im Zusammenhang mit der SMV-Arbeit sowie auf motivationstheoretische Hintergründe und den entwicklungspsychologischen Kontext der Adoleszenz.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es, tiefere Einblicke in das subjektive Erleben von aktiven SMV-Mitgliedern zu gewinnen, um die Auswirkungen dieses Engagements auf deren Persönlichkeitsentwicklung und ihr Verständnis von Schule und Partizipation zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autoren verwenden eine qualitative Methodik, konkret wurden face-to-face Leitfadeninterviews mit zwei amtierenden Schülersprechern an Gymnasien in Mannheim geführt, um subjektive Sichtweisen detailliert zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu SMV und Motivation sowie einen empirischen Teil, in dem die Interviews vorgestellt, interpretiert und vergleichend analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Partizipation, SMV, intrinsische Motivation, Adoleszenz, Selbstbestimmung und soziale Verantwortung gekennzeichnet.
Wie unterscheidet sich die SMV-Wahrnehmung der beiden interviewten Schüler?
Während der Schüler Paul die SMV als wichtiges, gestaltendes Gremium mit starkem Einfluss auf seine Persönlichkeit und Berufsorientierung beschreibt, nimmt die Schülerin Mia die SMV eher als reines Organisationsteam für Unterhaltungsangebote wahr und empfindet mangelnde Wertschätzung durch die Schulleitung.
Welchen Einfluss hat die Schule auf die Motivation der SMV-Aktiven?
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine positive Einstellung zur Schule und die Anerkennung durch Schulleitung und Lehrkräfte entscheidende Faktoren für die Stabilität der Motivation sind, während Desinteresse seitens der Erwachsenen zur Frustration und Überforderung führen kann.
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- Sarah Brodhäcker (Author), Silke Heinrich (Author), 2005, Schülermitverwaltung - Formen und Motive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44625