Früherkennung und Frühförderung bei Kindern mit Behinderung


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Grundlagen zur Frühförderung
2.1 Aufgabenfelder der Frühförderung
2.2 Finanzierungsstrukturen der Frühförderung
2.3 Frühförderung als Komplexleistung

3. Urteil vom 19.09.2006 L 1 KR 65/04
3.1 Sachverhalt
3.2 Entscheidungsgründe
3.2.1 Entscheidungsgründe Sozialgericht (SG)
3.2.2 Entscheidungsgründe Landessozialgericht (LSG)

4. Abgrenzung der Zuständigkeit von SGB V und SGB VIII
4.1 Medizinische Rehabilitation nach dem SGB V
4.2 Medizinische Rehabilitation nach dem SGB VIII

5. Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Manche Kinder entwickeln sich nicht so, wie es altersgemäß üblich ist. Manche Kinder sind krank oder behindert und brauchen eine besondere Förderung für ihre Entwicklung, um dennoch möglichst selbstständig zu werden. Um eine drohende oder bestehende Behinderung möglichst früh erkennen und behandeln zu können, ist eine frühkindliche Förderung enorm wichtig. Aus diesem Grund ist es Ziel dieser Arbeit, Einblicke in die Früherkennung und Frühförderung bei Kindern mit Behinderung zu erhalten.

Zu Beginn dieser Arbeit werden zunächst die allgemeinen Grundlagen der Frühförderung dargestellt. Dabei wird ein Einblick in den historischen sowie in die gesetzliche Grundlage gewährleistet. Dabei ist es unerlässlich ein allgemeines Verständnis über die Frühförderstellen und Sozialpädiatrischen Zentren zu vermitteln, die bei der Frühförderung eine wesentliche Rolle spielen.

Im nächsten Kapitel werde ich die jeweiligen Aufgaben und Ziele der Frühförderung beschreiben sowie auf die Finanzstrukturen eingehen.

Meinen Schwerpunkt habe ich auf das Urteil vom 19.09.2006 gesetzt, welches sich im 3. Kapitel dieser Arbeit befindet. Da sich das Urteil mit der Kostenübernahme einer bestimmten Verhaltenstherapie beschäftigt, werde ich anhand dieses Urteils einen praktischen Bezug zu diesem Thema darstellen. Dabei werde ich kurz den Sachverhalt schildern und anschließend auf die Entscheidungsgründe der jeweiligen Rechtsprechungen eingehen. Im weiteren Verlauf des Kapitels werden die beiden Instanzen gegenübergestellt und die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede der Entscheidung dargelegt. Da sich das Urteil ebenfalls mit der Frage der Abgrenzung der Zuständigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung nach dem SGB V und der Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII beschäftigt, werde ich dies im 4. Kapitel genauer erläutern.

Im letzten Kapitel meiner Arbeit soll aufgezeigt werden, wie sich die Frühförderung entwickelt hat. Gibt es im Bereich der Finanzierung und der Beratungsangeboten Defizite, die noch behoben werden müssen?

Zusammenfassend soll ein Einblick in die Aufgaben, Leistungen und Finanzierungen der Früherkennung und Frühförderung erfolgen.

2. Allgemeine Grundlagen zur Frühförderung

Die Frühförderung richtet sich an Familien mit behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern im Vorschulalter bis zur Einschulung. Die Entstehung der Frühförderung geht in Deutschland auf den Beginn der 1970er Jahre zurück, die mittlerweile ein flächendeckendes Netz an Angeboten der Frühförderung zu Verfügung haben.[1]

Durch die Frühförderung von behinderten Kindern soll durch frühzeitige Diagnostik eine bestehende oder drohende Behinderung erkannt werden, um dann durch effektive Therapien Schädigungen vorzubeugen, zu mindern oder zu beseitigen.[2]

Da diese Maßnahmen zu einem Zeitpunkt einsetzen, an dem körperliche und geistige Fähigkeiten entwickelt werden, kommt ihnen große Bedeutung zu. Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung oder Behinderung haben deshalb einen Rechtsanspruch auf Frühförderung, der im § 30 SGB IX, §§ 53 ff. SGB XII und im SGB VIII festgelegt ist. Die Leistungen der Frühförderung werden in Frühförderstellen, heilpädagogischen Praxen oder Sozialpädiatrischen Zentren angeboten. Die ersten Sozialpädiatrischen Zentren wurden 1968 und 1971 in München und Mainz gegründet.[3] In diesen Zentren arbeiten interdisziplinäre Teams aus Ärzten, Psychologen, Pädagogen und Therapeuten. Die Leitung liegt in ärztlicher Hand. Inzwischen gibt es in Deutschland ca. 140 Sozialpädiatrische Zentren.[4] Im Unterschied zu den Sozialpädiatrischen Zentren werden Frühförderstellen von Pädagogen oder Psychologen geleitet. Sie bieten (heil-) pädagogische Leistungen und medizinisch-therapeutische Leistungen an (Sprachtherapie, Physiotherapie, Ergotherapie). Im Vordergrund der Frühförderung stehen meist pädagogische und heilpädagogische Hilfen, wie die Entwicklungsförderung, die zum Beispiel durch geeignete und spielerische Methoden Anreize gibt. Die Leistungen werden im Rahmen der Eingliederungshilfe von den Sozialhilfeträgern finanziert. An den Kosten der Leistungen der Frühförderung müssen sich die Eltern daher nicht beteiligen. Anträge auf Leistungen der Frühförderung können bei der Krankenkasse oder beim örtlichen Sozialamt gestellt werden. Beratungen und Informationen erhält man bei den örtlichen Frühförderstellen.

2.1 Aufgabenfelder der Frühförderung

Die Hauptaufgabe der Frühförderung besteht darin, aus fachlichen Angeboten (z.B. aus den Bereichen der Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Heilpädagogik etc.) Kindern mit einer Behinderung die Hilfe anzubieten, die am ehesten dazu beiträgt, dass das Kind sich möglichst gut entwickeln kann und sich in ihrer Lebenswelt integrieren kann. Dieses ist jedoch nur durch eine Interdisziplinarität der Frühförderung gewährleistet. Die kollegiale Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen ermöglicht die bestmögliche Betreuungsform für die weitere Entwicklung zum Wohle des Kindes und seiner Familie. Die Ziele der Frühförderung beziehen sich auf Kinder sowie auf der ihre Erziehungsberechtigten. Zunächst soll in einer Fördersituation dem Kind seine sensomotorischen Fähigkeiten ausgebaut, seine Sprachfähigkeiten angeregt und erste soziale Normen vermittelt werden.[5] Diese Inhalte ergeben sich u.a. aus dem Grundsatz der sozialen Integration.

Im Hinblick auf die Eltern hat Frühförderung zwei generelle Anliegen: Die Kompetenzen der Eltern in Bezug auf den Umgang mit ihrem Kind zu stärken und zu erweitern und die Eltern in ihrer Auseinandersetzung mit ihrer Situation zu beraten und zu unterstützen. Aus diesem Grund stehen den Eltern diverse Unterstützungsmaßnahmen, Begleitungen und Beratungen zur Verfügung.[6]

Neben den Eltern sollen auch die Geschwister den alters- und kindgemäßen Umgang erlernen. Demnach sind die Ziele der Frühförderung erreicht, wenn durch entsprechende Maßnahmen die Zufriedenheit der Familie wächst, ihre Ängste und Sorgen abgebaut werden und sich neue, gemeinsame Lebensperspektiven entwickeln.

2.2 Finanzierungsstrukturen der Frühförderung

Der Anspruch auf Frühförderung war bis 2017 im § 30 SGB IX geregelt. Durch das neue Bundesteilhabegesetz ist der Rechtsanspruch aktuell im § 46 SGB IX verankert. Die Frühförderung ist eine Vorsorge und für Eltern grundsätzlich kostenlos. Eltern haben somit einen Rechtsanspruch auf kostenfreie Hilfe. Sollten diese mit der staatlichen Frühförderung unzufrieden sein, steht ihnen das sog. “Persönliche Budget“ zur Verfügung. Das Persönliche Budget ist eine Geldleistung, welches beim Sozialamt beantragt werden muss. Damit können Eltern für ihre Kinder ihre Reha- und Teilhabeleistungen selbst einkaufen.

Frühförderung verbindet die medizinische Rehabilitation und die heilpädagogischen Leistungen. Bei den medizinischen Maßnahmen muss ein eindeutiger Krankheitsbezug vorliegen. Maßnahmen ohne einen eindeutigen medizinischen Charakter können nur dann von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden, wenn sie im konkreten Fall gezielt zur Bekämpfung des Krankheitszustandes eingesetzt werden. Der angestrebte therapeutische Zweck muss ebenfalls durch den Einsatz eines qualifizierten medizinischen Personals erfolgen.[7]

Die Kosten für heilpädagogische Maßnahmen wie psychomotorische Entwicklungsförderung werden dagegen von der Sozialhilfe im Rahmen der Eingliederungshilfe finanziert. Vor Beginn einer Behandlung erstellen die Mitarbeiter der Frühförderstellen einen sogenannten Förder- und Behandlungsplan. In ihm werden die einzelnen medizinischen und heilpädagogischen Maßnahmen festgehalten. Dieser Behandlungsplan wird schließlich den Kostenträgern zusammen mit einem Antrag auf Kostenübernahme vorgelegt. Erst wenn die Komplexleistung bewilligt wurde, kann mit der Behandlung begonnen werden.

2.3 Frühförderung als Komplexleistung

Im Jahr 2001 hat der Gesetzgeber die Frühförderung als Komplexleistung im SGB IX geregelt. Die gesetzliche Grundlage ist im §§ 42, 46 und 79 SGB IX verankert. Die Komplexleistung richtet sich an behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder. Die Leistungen werden für Kinder ab dem Säuglingsalter bis längstens zur Einschulung erbracht und umfassen medizinische als auch heilpädagogische Maßnahmen. Die Leistungserbringung erfolgt in interdisziplinären Frühförderstellen und Sozialpädiatrischen Zentren. Ziel dieser interdisziplinären Leistung ist es, dass die ärztlichen und die nichtärztlichen Leistungen zum Wohl der betroffenen Kinder aus einer Hand und unter gezielter Einbeziehung des familiären Umfelds erbracht werden.[8]

Demnach können sich die Eltern mit ihren Kindern sowohl an die Krankenkassen als auch an die Träger der Jugend- und Sozialhilfe wenden und werden mit zusätzlichen Antragsaufgaben nicht weiter belastet.

Die Grundlage für die Finanzierung von Komplexleistungen wurde mit der Verabschiedung der Frühförderverordnung (FrühV) festgelegt. Was unter solchen Komplexleistungen zu verstehen ist, regelt § 8 FrühV. Demnach entscheiden die Sozialhilfeträger in der Regel über die Komplexleistungen in den interdisziplinären Frühförderstellen und die Krankenkassen über die Leistungen in den Sozialpädiatrischen Zentren. Da die Finanzierung Ländersache ist, schlägt die Verordnung allerdings nur eine Rahmenempfehlung vor. Die konkrete Auslegung dieser Verordnung wurde den einzelnen Bundesländern überlassen, die dieser Verpflichtung in unterschiedlicher Form und mit mehrjähriger Verzögerung nachkamen.[9]

[...]


[1] Vgl. Thurmair/Naggl, 2007, S. 13.

[2] BeckOK SozR/Jabben, SGB IX, § 30, Rn. 5.

[3] Vgl. Sarimski, 2017, S. 10.

[4] Sarimski, 2017, S. 10.

[5] Vgl. Sohns, 2000, S. 79.

[6] Vgl. Thurmair, Martin/Naggl, Monika, 2007, S. 22.

[7] BeckOK SozR/Knispel, SGB V, § 27, Rn. 28.

[8] Knickrehm/Kreikebohm/Waltermann/Kohte, SGB IX, § 30, Rn. 8.

[9] Sarimski, 2017, S. 15.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Früherkennung und Frühförderung bei Kindern mit Behinderung
Hochschule
Hochschule Fulda
Veranstaltung
Ausgewählte Aspekte des Sozialversicherungsrechts
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V446337
ISBN (eBook)
9783668825703
ISBN (Buch)
9783668825710
Sprache
Deutsch
Schlagworte
früherkennung, frühförderung, kindern, behinderung
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Früherkennung und Frühförderung bei Kindern mit Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446337

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