Der interreligiöse Dialog als Brennpunkt für das Missionsverständnis nach Papst Franziskus


Seminararbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Hinführung

I. Papst Franziskus und die Mission
I.1 Begriffsklärung
I.1.1 Mission
I.1.2 Interreligiöser Dialog
I.2 Die Mission heute: Quomodo vales?

II. Der interreligiöse Dialog: Eine Säule des Missionsverständnisses
II.1 Was macht interreligiöser Dialog in der Mission?
II.2 Voraussetzungen für erfolgreichen interreligiösen Dialog
II.2.1 Ablehnung der Gewalt
II.2.2 Religions- und Glaubensfreiheit
II.2.3 Gegenseitiger Respekt und Solidarität

III. Fazit

Literaturverzeichnis

0. Hinführung

Geht man von der Geschichte der Kirche aus, begreift man, dass man ohne Christus weder über die Kirche noch über die Mission reden kann. Die Inkarnation bildet das Zentrum der Kirche und der Mission. Im Johannesevangelium steht, dass Gott die Welt und die Menschen so sehr geliebt hat und noch liebt, dass er seinen fleischgewordenen Logos gesandt hat, um die gefangenen Menschen von ihren Sünden und Fehlern zu befreien (vgl. Joh 3,16). Durch ihn haben die Menschen erst die Möglichkeit erhalten, über die Kirche und die Mission zu sprechen.

Die Mission ist nicht menschlich, sondern göttlich. Die Mission ist Gottes Mission und wird es auch so bleiben. Die Menschen kooperieren durch Jesus für die Realisation bzw. Verwirklichung dieser Mission. Jesus Christus ist das Fundament der Mission und von ihm erhielten die Menschen diese Aufgabe zu missionieren. Christus selbst sagte: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,18-20). Geht man von dieser Aussage aus, wird deutlich, dass Christus uns die Macht gibt, in seinem Namen zu handeln und das Reich Gottes zu verkünden. Wie der Vater hat auch der Sohn die Welt und die Menschen geliebt. Diese Liebe Christi zu den Menschen ist ein Anliegen des heutigen Papstes Franziskus, der den Menschen in seiner Gesamtheit sieht und seine Würde anerkennt. Aus diesem Grund betont der Papst die Mission unter den Völkern und beseitigt alle Arten von Konflikten innerhalb der Religionen. Er unterstreicht die Einheit der Religionen durch den interreligiösen Dialog. Nun stellt sich die Frage: Was ist Mission und interreligiöser Dialog nach Papst Franziskus?

In dieser Seminararbeit geht es um das Missionsverständnis nach Papst Franziskus, insbesondere um den Aspekt des interreligiösen Dialogs als Brennpunkt seines Missionsverständnisses. Diese Seminararbeit wird zwei wesentliche Punkte beinhalten. Zunächst wird die Bedeutung der Mission nach Papst Franziskus vorgestellt. Danach wird die bedeutende Rolle des interreligiösen Dialogs für die Mission aufgezeigt.

I. Papst Franziskus und die Mission

I.1 Begriffsklärung

I.1.1 Mission

Das Wort „Mission“ stammt ursprünglich aus der lateinischen Sprache „Missio“ und bedeutet übersetzt auf Deutsch „Sendung“. Sendung hat immer einen Auftragscharakter, das heißt, wenn man gesandt ist, hat man eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. In der Sendung geht es darum, dass es einen Sender gibt, der diesen Auftrag erteilt. Im Neuen Testament ist das Wort „Mission“ nicht zu finden. Man verwendet stattdessen den Begriff „Sendung“. Im Griechischen hat das Wort „αποστολή“ die Bedeutung des Dienstes. Dieser Begriff kommt vom Verb „αποστολω“ und dies bedeutet „senden“. Der gesendet ist, heißt dann „ἀπόστολος“. Heutzutage verwendet man den Begriff „Missionar“ und nicht „Apostel“.

Die Sendung zeigt eine engere Beziehung zwischen dem Sender und dem Gesandten. Wenn Gott jemandem den Auftrag bzw. die Mission gibt, dann vertraut Gott ihm und schenkt ihm die Vollmacht. Sie braucht auch eine Erkennung des Senders. Ein/eine Missionar/in hat die Aufgabe, Gott unter seinem Volk zu vertreten. Diesen Aspekt kann man im Leben Jesu Christi deutlich erkennen. Alles, was er gemacht hatte, hatte er im Namen seines Vaters gemacht.

I.1.2 Interreligiöser Dialog

Bei der Verwendung des Begriffs „interreligiöser Dialog“ ist es wichtig und wesentlich, das Konzept zu erläutern und darauf hinzuweisen, in welchem Kontext das Wort oder der Begriff verwendet wird. Zunächst wird der Begriff „Dialog“ in einem interreligiösen Zusammenhang erläutert. Was heißt „Dialog“?

Dialog besteht nicht in dem Versuch, den Anderen unbedingt mit den Argumenten zu überzeugen. Dialog heißt auch nicht, eine Diskussion miteinander zu führen oder sich über die Religion bzw. die Religiosität der Anderen zu informieren. Dialog möchte vielmehr Klarheit in dem Gespräch schaffen in einer guten Atmosphäre.

Der Begriff „Dialog“ leitet sich vom griechischen Substantiv „ διάλογος “ her und er ist ein Derivat des Verbs „ διαλέγεσθαι “. Dies bedeutet „sich etwas im Nachdenken auseinanderlegen, überdenken, erwägen.“[1] Dialog bezeichnet einen Prozess, in dem nicht etwas direkt erreicht werden möchte, sondern vielmehr Zeit gelassen wird, bis das Problem geklärt bzw. gelöst ist. Dialog ist eine Form des Gespräches, die Toleranz und Offenheit benötigt. Von daher muss Dialog sich von anderen Arten des Gespräches unterscheiden. Er ist kein Monolog, sondern ein Zwiegespräch, das heißt ein Gespräch miteinander. Er ist unterschieden von der Debatte und auch vom Fachgespräch, das zum Streit führen kann und sich über etwas systematisch und methodisch auseinandersetzt. Dialog hingegen vermeidet alle Arten der Auseinandersetzungen, die die Anderen erschüttern könnten und den Inhalt untersuchen müssen.[2] Er ist ein freies Gespräch und bedeutet viel mehr als nur eine einfache Konversation. Er versucht friedlich die Missverständnisse zu beseitigen, ohne dabei die Gefühle der Anderen zu verletzen.

In diesem Kontext sollte Dialog die Beziehung zu den anderen Menschen bzw. anderen Konfessionen bedeuten. Dabei handelt es sich um eine „ICH-DU-BEZIEHUNG“, wie Martin Buber sagt[3]. Dialog sollte respektvoll sein und die Anerkennung der Freiheit des Anderen gewährleisten. Dialog sollte nicht die Anderen instrumentalisieren, sondern „ist damit ein thematisches, sach- und teilnehmerorientiertes Gespräch über strittige Fragen von existenzieller Bedeutung. Dieser Prozess des sich Einander-Aussetzens und sich Miteinander-Auseinandersetzens kann zu einer Erkenntnis der anliegenden Probleme und zu einer Entwicklung der persönlichen Einstellung und Identität führen.“[4]

Der interreligiöse Dialog ist keine Auseinandersetzung von vielen Religionen, sondern ein Gespräch zwischen unterschiedlichen Religionen. Es geht darum, die anderen Menschen in ihrem Glauben kennenzulernen und gemeinsam nach richtigen Wegen zu suchen. Beim interreligiösen Gespräch erwartet man keine Rechtfertigung anderer Religionen bzw. Glaubensgemeinschaften, warum sie Gott anders ehren als andere Religionen. Es geht vielmehr darum, diese Andersartigkeit herauszufinden und anzuerkennen. Interreligiöses Gespräch nimmt jede Glaubensform ernst und respektiert das Veto der anderen Religionen.

I.2 Die Mission heute: Quomodo vales?

Das Dekret über die Mission „Ad Gentes“ stellt bereits am Anfang das Wesen der Kirche dar und schreibt: „die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach ‚missionarisch’ (d.h. als Gesandte unterwegs), da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters.“[5]

Spricht man über die Mission heute, sind zwei wesentliche Aspekte zu berücksichtigen. Dabei geht es erstens um die „Partikularität der christlichen Heilsvorstellung“ und zweitens entspricht dies der „Universalität des Heilswillens bzw. des Heilswirkens Gottes.“ Dieses Partikularitäts- und Universalitätsverständnis des Heils beinhalten zwei Fragen: „Muss ein Mensch das Evangelium angenommen haben, um gerettet zu werden und stellen andere Religionen mögliche alternative Wege zum Heil dar?“[6] Diese Fragen verdeutlichen das damalige und das heutige Missionsverständnis. Die Kirche verstand das Heil in einem sehr engen Zusammenhang. Nur der Mensch, der das Evangelium angenommen hat und sich zu Christus bekehrt hat, konnte das Heil bekommen, da sich Gott durch und in Jesus Christus geoffenbart hat und außer durch Christus kann man Gott nicht erkennen[7]. Die Universalität widerspricht dieser Vorstellung, da sie verschiedene Wege sieht, um das Heil zu bekommen. Aus diesen beiden grundlegenden Theorien entwickelt Bernhardt drei Postulate: Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus, die er in folgendem Schema darstellt:

[...]


[1] Vött, Matthias: Interreligiöse Dialogkompetenz. Ein Lernprogramm für den muslimisch-christlichen Dialog. Frankfurt am Main 2002. 72.

[2] Vgl. ebd., 72-73.

[3] Vgl. Buber, Martin: Das dialogische Prinzip. 13. Aufl., München 2014. 10.

[4] Vött, Matthias, 74.

[5] Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz: Statut der Päpstlichen Missionswerke. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls. Nr. 175, Bonn 2006. 8.

[6] Stängle, Gabriel: Mission und interreligiöser Dialog. Bd. 3, Frankfurt am Main 2003. 54.

[7] Zu diesem Punkt kann man das Evangelium von Johannes lesen: Joh 14,6. Dabei hat sich Jesus als den Weg, die Wahrheit und das Leben verstanden. Wenn man ausschließlich davon ausgeht, kann man erkennen, dass Jesus selbst andere Möglichkeiten zum Heil ausgeschlossen hat. Aber wenn man darüber hinausgeht, sagt Jesus auch nicht, dass andere Glaubensgemeinschaften keine Möglichkeit hätten, zum Heil zu gelangen. Diese Interpretation der Aussage Jesu war nicht so sehr kategorisch gewesen, wie die Kirche diese über einen langen Zeitraum realisiert hatte. Es wäre auch zu extrem zu affirmieren, dass nur die Christen die Erlösung bzw. das Heil erlangen werden. Dabei frage ich mich, ob nicht eher der gelebte Glaube das Heil erreichen wird oder die Taufe die einzige Voraussetzung ist, um erlöst zu werden?

Meiner Meinung nach ist das gelebte Leben entscheidend zur Heilserlangung Es geht nicht um die Prädestinationstheorie. Es geht es auch nicht darum, dass sich das Christentum als die einzige, wahre und beste Kirche überhaupt in der Welt sieht. Christus ist in die Welt gekommen nicht zuerst für die Gerechten, sondern für die Ungerechten (vgl. Mt 9,13). Die Lehre Jesu ist Liebe, aber nicht Gewalt, wie die Kirche es damals praktiziert hatte. Die Kirche hat kein Recht, die Menschen zu zwingen, sich zum Christentum zu bekehren. Außerdem ist die Bekehrung die Aufgabe des Heiligen Geistes.

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Details

Titel
Der interreligiöse Dialog als Brennpunkt für das Missionsverständnis nach Papst Franziskus
Hochschule
Philosophisch-Theologisch Hochschule Sankt Augustin
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V446390
ISBN (eBook)
9783668826670
ISBN (Buch)
9783668826687
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interreligiöser Dialog, Missionsverständnis
Arbeit zitieren
Simon Mputu Ngimbi (Autor), 2018, Der interreligiöse Dialog als Brennpunkt für das Missionsverständnis nach Papst Franziskus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446390

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