Neue Geschäftsmodelle von Energieunternehmen


Term Paper (Advanced seminar), 2018
26 Pages, Grade: 2,0

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Energieunternehmen

3 Geschäftsmodelle
3.1 Definition und Allgemeines
3.2 Konventionelle Geschäftsmodelle von Energieunternehmen

4 Neue Anforderungen an Geschäftsmodelle
4.1 Erneuerbare Energien
4.1.1 Gesetze und Abkommen
4.1.2 Finanzierung
4.1.3 Dezentralisierung
4.1.4 Risiken und Hemmnisse
4.2 Sonstige Anforderungen

5 Geschäftsmodell-Innovationen
5.1 Innovationen allgemein
5.2 Smart Energy
5.3 Elektro-Mobilität
5.4 Virtuelle Kraftwerke

6 Bewertung der Innovationen
6.1 Smart Energy
6.2 Elektro-Mobilität
6.3 Virtuelle Kraftwerke
6.4 Erneuerbare Energien

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Business Model Canvas

Abb. 2: Innovationsausgaben in der Branche Energieversorgung

1 Einleitung

Der 11. März 2011 ist uns allen ein Begriff. An diesem Tag traf eine 14 Meter hohe Tsunami-Welle auf das japanische Atomkraftwerk bei Fukushima und löste somit eine Kernschmelze in mehreren Reaktorblöcken aus. Dieser Super-GAU führte jedoch nicht nur in Japan zu gravierenden Veränderungen für Mensch und Natur, auch in Deutschland begann die Bevölkerung unruhig zu werden. Die Folge: Eine Reaktion der deutschen Politik in Form des 2011 verabschiedeten Beschlusses zum Atomausstieg und der damit einhergehenden Energiewende.

Mit dieser Entscheidung der Bundesregierung entstanden rasante Veränderungen für den deutschen Energiemarkt und somit immense Herausforderungen für die beteiligten Akteure. Doch auch aus anderen Bereichen – wie beispielsweise der Digitalisierung – drängen Veränderungen auf die Energieunternehmen ein, sodass E.ON, EnBW und Co. sich zum Handeln gezwungen sehen.

Ausgehend von dieser Problematik leitet sich das Thema der vorliegenden Arbeit „Neue Geschäftsmodelle von Energieunternehmen“ ab. Hierbei stellt sich die Frage, mit welchen Anforderungen genau sich die Energieunternehmen Deutschlands konfrontiert sehen und wie sie darauf reagieren sollen. Zuerst müssen hierzu die wesentlichen großen Energieunternehmen der heutigen Zeit definiert und erläutert werden. Dann können, dem chronologischen Ablauf folgend, die traditionellen Geschäftsmodelle der aufgeführten Unternehmen vorgestellt werden, um im Anschluss die entstehenden Veränderungen näher zu betrachten. Zu diesen neuen Anforderungen gehören sowohl die Herausforderungen, welche die erneuerbaren Energien mit sich bringen, als auch beispielsweise die Gefahr der zunehmenden Anzahl neuer Wettbewerber auf dem Markt.

Im Anschluss an die in Kapitel Vier beschriebenen Marktveränderungen werden mögliche Geschäftsmodell-Innovationen aufgezeigt und erläutert, deren heutiger Stand im Kapitel darauf untersucht und bewertet werden kann.

Im Fazit dieser Arbeit sollen somit die Risiken und Chancen, sowie die heutige und zukünftige Entwicklung der deutschen Energieunternehmen aufgezeigt worden sein.

2 Energieunternehmen

Wenn von Energieversorgungsunternehmen gesprochen wird, so ist in Deutschland meist von den vier größten Konzernen die Rede, welche den Markt dominieren und weitestgehend unter sich aufteilen: die E.ON SE, die EnBW AG, die Vattenfall GmbH und die RWE AG. Diese Unternehmen beherrschen zusammen 36% des Marktes (vgl. Statista (1) 2014). Zum Teil wird der Strom auch durch Tochtergesellschaften unter anderem Namen vertrieben. Ein Beispiel hierfür stellt die „eprimo GmbH“ dar, welche zur RWE AG gehört.

Den Energieversorgungsunternehmen, die im Folgenden mit EVU abgekürzt werden, kann man drei verschiedene Aufgaben zuordnen. Zum einen muss der Strom produziert werden. Hierfür nutzen die Konzerne diverse Arten von Kraftwerken. Diese Unternehmen stellen den Strom für die deutschen Endverbraucher und die Industrie zur Verfügung. Die zweite Aufgabe besteht somit darin, den Strom zum Verbraucher zu transportieren. Hierfür sind die Netzbetreiber zuständig. Die dritte Aufgabe stellt der Vertrieb dar, der wie bereits erläutert von Tochtergesellschaften durchgeführt werden kann. In diesem Fall tauchen die EVU beim Endverbraucher unter anderem Namen auf (vgl. RWE AG 2018).

In Deutschland kann man die EVU in überregionale Versorger, die auch die Hochspannungsnetze betreiben, und regionale Versorgungsunternehmen, die ihrerseits häufig wieder Tochterunternehmen der großen EVU sind, unterteilen.

3 Geschäftsmodelle

3.1 Definition und Allgemeines

In der Literatur gibt es heutzutage viele Ansätze für die Definition von Geschäftsmodellen. Einige Autoren versuchen, diese zu einer einheitlichen Definition zusammenzufassen. Nach Schallmo ist ein Geschäftsmodell eine Beschreibung dafür, wie ein Unternehmen Nutzen generiert, was dies kostet und welche Einnahmen dadurch für das Unternehmen generiert werden können. Dabei sind die Kunden-, Nutzen-, Wertschöpfungs-, Partner-, und die Finanzdimension zu berücksichtigen. Die Dimensionen werden so miteinander kombiniert, dass ein maximaler Wettbewerbsvorteil entsteht (vgl. Schallmo 2014, 6).

Ein weitverbreiteter Ansatz zur Modellierung von Geschäftsmodellen ist das „Business Model Canvas“ nach Osterwalder und Pigneur. Dieses gliedert ein Geschäftsmodell in Neun Bereiche, welche in Abb. 1 dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Business Model Canvas (aus: Osterwalder und Pigneur 2010, 44)

3.2 Konventionelle Geschäftsmodelle von Energieunternehmen

„Die klassische Wertschöpfungskette in der Energiewirtschaft führt von der Erzeugung (zentral und/oder dezentral) über den Energiehandel, das Transport- und Verteilnetz bis zum Vertrieb.“ (Löbbe und Hackbarth 2017, 14). Sogenannte integrierte Energieversorgungsunternehmen sind in mehreren Bereichen dieser Wertschöpfungskette vertreten (vgl. ebenda, 15). Da die größten deutschen Energieversorger ebenfalls auf mehreren Stufen der Wertschöpfungskette tätig sind, werden im Folgenden die Elemente des Business Model Canvas für integrierte Energieversorgungsunternehmen kurz dargestellt.

Nach Löbbe und Hackbarth beinhalten die Kundensegmente alle Endkunden von Privatabnehmern über Industrie, bis hin zu Kommunen. Ihnen werden unter anderem eine sichere Energieversorgung, Energieberatung und weitere Dienstleistungen angeboten. Die Kundenbeziehungen sind oft langfristig und erfolgen unter anderem über Verträge, Webseiten und Apps, wobei viele verschiedene Kanäle genutzt werden (vgl. Löbbe und Hackbarth 2017, 15 f.).

Zu den Schlüsselaktivitäten gehören die Erzeugung, Verteilung und Vermarktung der Energie, sowie das Regulierungsmanagement der Netze und die Beziehungspflege mit den Kunden. Dabei dienen die Anlagen, IT und finanzielle Mittel als Schlüsselressourcen. Netzbetreiber als auch Gemeinschaftskraftwerke können Schlüsselpartnerschaften darstellen (vgl. ebenda, 17 f.).

Die Einnahmequellen ergeben sich beispielsweise aus dem Verkauf von Energie, Netznutzungsentgelten und aus erbrachten Energiedienstleistungen. Auf der anderen Seite gehören hohe Fixkosten durch den Besitz der Anlagen, sowie Personalkosten und die Beschaffung der Energie zur Kostenstruktur von integrierten Energieversorgungsunternehmen (vgl. Löbbe und Hackbarth 2017, 18).

Für EVU allgemein liegen große Schwierigkeiten in der Notwendigkeit, Stromerzeugung und Stromverbrauch in gleicher Höhe zu halten. Dieser Anspruch resultiert aus der schlechten Speicherbarkeit von Elektrizität (vgl. Zeller 2014, 57) und der fluktuierenden Einspeisung aus erneuerbaren Energien (vgl. Roß 2012, 288). Ein weiteres Problem bildet die fehlende Differenzierbarkeit des Produktes Elektrizität (vgl. Zeller 2014, 61) und die dadurch erschwerte Abhebung von Konkurrenzunternehmen.

4 Neue Anforderungen an Geschäftsmodelle

4.1 Erneuerbare Energien

4.1.1 Gesetze und Abkommen

Die deutsche Politik versucht durch Förderung und Gesetze den Anteil der erneuerbaren Energien (im Folgenden durch eE abgekürzt) zu steigern. Doch warum diese Bemühungen? Verschiedene Faktoren bewegen die Politik zu diesen Schritten: Zum einen fiel auf, dass die Ressourcen durch fossile Energieträger zu stark verbraucht werden. Eine Antwort auf diese Problematik schien zunächst die Atomenergie dazustellen. Doch nicht erst seit Fukushima weiß man, dass auch die Atomenergie ihre Gefahren birgt. Zum anderen reagierte die Legislative auf den hohen Ausstoß von CO2. Aus diesen Gründen schloss die Regierung der Bundesrepublik ein Abkommen mit der Europäischen Union, um die eE zu fördern. Im Jahre 2000 trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (im Folgenden durch EEG abgekürzt) in Kraft. Das damals festgelegte Ziel: den Anteil der eE bis 2010 zu verdoppeln. Dieses Ziel wurde auch erreicht. Heute strebt man die 80%-Marke an, um eine nachhaltige Energieversorgung in Deutschland garantieren zu können. Bis 2050 will man dieses Ziel erreichen. Doch die Quote ist kein Selbstzweck und soll verschiedene Effekte erzielen: Die Kosten für die Verbraucher sollen verringert werden, die Ressourcen geschont und die Technologieentwicklung im Bereich der eE vorangetrieben werden (vgl. EEG 2017).

Doch wie sollen diese Vorhaben konkret umgesetzt werden? Inhaltlich besagte die erste Gesetzesvorlage des EEG, dass eE vorrangig gegenüber den konventionellen Energien genutzt werden sollen. Das Gesetz soll den Stromerzeugern und den Netzbetreiber finanzielle Sicherheit verschaffen. Wer Strom aus eE fördert, erhält eine finanzielle Förderung vom Staat. Stromnetzbetreiber müssen den Strom aus eE in ihr Netz aufnehmen und vergüten. Da der Strom abgenommen werden muss, refinanziert sich so die klimafreundliche Investition der Produzenten. Das EEG regelt den finanziellen Ausgleich der Netzbetreiber, falls sie mehr zahlen müssten, als den gehandelten Preis am Markt. Es wurde über die Jahre hinweg regelmäßig angepasst (vgl. Wörlen 2010, 65 ff.). Die aktuellste Version ist das EEG 2017.

4.1.2 Finanzierung

Im vorherigen Kapitel wurde die Finanzierung der eE bereits angesprochen. Falls die Netze überlastet sind, können die Netzbetreiber die EEG-Anlagen abschalten. Das stellt den Sonderfall dar. Aus diesen Gründen entstehen größere Investitionssicherheiten und damit bessere Bedingungen für eE-Erzeuger.

Fraglich ist es, ob sich eE langfristig selbst finanzieren. Dafür müssten die Vollkosten der eE unter das Niveau der fossilen Energieträger sinken, was durch den technologischen Fortschritt und die damit gesteigerte Effizienz unterstützt wird (vgl. Kopp et al. 2012, 243 ff.).

Andererseits stellt man fest, dass die Investitionskosten der eE sich deutlich von denen der fossilen Energieträger unterscheiden. Bei erneuerbaren Energien entstehen vor allem zu Projektbeginn mit dem Bau der Anlagen hohe Kosten, was zu einem Hemmnis für die Energieversorgungsunternehmen werden kann. Windparks werden beispielsweise über Projektfinanzierung ermöglicht. Danach zeichnen sich eE durch geringe laufende Kosten aus, da Sonneneinstrahlung etc. keine Kosten aufwerfen. Konventionelle Energieträger dagegen verursachen höhere laufende Kosten.

Wie bereits erwähnt, werden Anlagen zur Erzeugung von eE häufig durch Projektfinanzierungen ermöglicht. Somit wendet man sich von der klassischen Unternehmensfinanzierung ab. Der Kreditgeber zahlt bei dieser Form der Finanzierung in eine Projektgesellschaft ein, die dann den Kreditnehmer darstellt. Der Eigenkapitalgeber oder auch Sponsor ist wiederrum auch an der Projektgesellschaft beteiligt. Somit gibt es nicht den klassischen Kreditgeber und Kreditnehmer, sondern die Projektgesellschaft stellt den Kreditnehmer dar. Dies bedeutet, dass kein einzelnes Unternehmen die Risiken alleine tragen muss, sondern das Projekt an sich. Das Vorhaben und dessen Cashflow stehen für die Finanzierung des Projekts ein. Zusammenfassend lassen sich also drei Merkmale festhalten: Die oben genannte Cashflow-Orientierung, die Risikoteilung der Projektteilnehmer und die Verbuchung der Projektrendite in die Projektgesellschaft. Die Energieunternehmen allein können dies nicht finanzieren, da ihnen dazu die Mittel fehlen (vgl. Böttcher 2009, 14 ff.).

4.1.3 Dezentralisierung

In Deutschland gibt es viele zentrale Kraftwerke, die eine große Leistung in die Höchst- und Hochspannungsnetze einspeisen. Im Zuge der Energiewende kommen jedoch immer mehr kleinere, dezentrale Anlagen hinzu (vgl. Schlemmermeier und Drechsler 2015, 134). Da diese dezentralen Anlagen meist in ländlicheren Gebieten liegen, in welchen das Stromnetz nicht ausreichend ist, führt dies zu einer Notwendigkeit des Netzausbaus (vgl. Wörlen 2010, 88). Zusätzlich müssen zum Beispiel neue Offshore-Windparks an das Festland angebunden werden und der hier erzeugte Strom aus der Peripherie zu den verbrauchsstärkeren Gebieten transportiert werden (vgl. Böttcher 2009, 18), was ebenfalls in einer Notwendigkeit des Netzausbaus resultiert.

Ein weiterer Aspekt der Dezentralisierung ist die dadurch erleichterte Kombination von erneuerbaren Energien und Elektro-Mobilität, welche in Kapitel 5.3 näher erläutert wird (vgl. Ringel 2015, 312).

[...]

Excerpt out of 26 pages

Details

Title
Neue Geschäftsmodelle von Energieunternehmen
College
Pforzheim University
Grade
2,0
Author
Year
2018
Pages
26
Catalog Number
V446474
ISBN (eBook)
9783668829985
ISBN (Book)
9783668829992
Language
German
Tags
neue, geschäftsmodelle, energieunternehmen
Quote paper
Sebastian Kohler (Author), 2018, Neue Geschäftsmodelle von Energieunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446474

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Title: Neue Geschäftsmodelle von Energieunternehmen


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