Die Frage nach personaler Identität ist als solche eine vieldiskutierte, welche sich in philosophischen Kreisen unterschiedlicher Ansätze und Denkrichtungen bedient. Besonderes Interesse gilt ihr, da sie zur Auseinandersetzung mit Thematiken, die sich auf die Unsterblichkeit oder grundgenerell auf ein Leben nach dem Tod beziehen, als wesentlicher Bestandteil oder gar Voraussetzung gesehen werden muss. Ein entscheidender Punkt dieser Frage, mit welcher sich bekannte Philosophen wie Hegel, Locke oder Perry beschäftigten, ist die Suche nach einer Begriffsklärung, welche, in Bezug auf die personale Identität, einhergeht mit der Trennung oder Zusammensetzung von Körper und Seele, und letztendlich das Problem, das sich durch polarisierende Ansichten und zwiespältige Meinungen zwischen den einzelnen Philosophen daraus ergibt.
Die schriftliche Untersuchung soll unter Berücksichtigung deontologischer und konsequentialistischer Aspekte der Moralphilosophie klären, inwiefern sich die von John Perry vorgestellten Modelle zur Identität eignen, um moralische Verantwortung zu zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Grundlegendes zum moralischen Aspekt
3. Identitätsmodelle
3.1 Modell der Zweigsprache
3.2 Modell der Personenstadien
4. Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung moralischer Verantwortung im Kontext der von John Perry vorgestellten Identitätsmodelle. Dabei wird analysiert, inwiefern diese Modelle – unter Einbeziehung deontologischer und konsequentialistischer Aspekte der Moralphilosophie – dazu geeignet sind, Verantwortung für Handlungen zu begründen, insbesondere wenn Identitätsspaltungen oder zeitliche Abgrenzungen vorliegen.
- Personale Identität und die Abgrenzung von Körper und Bewusstsein
- Analyse des Modells der Zweigsprache nach Perry
- Analyse des Modells der Personenstadien
- Deontologische Bewertung moralischen Handelns
- Konsequentialistische Ansätze in der Moralphilosophie
- Herausforderungen der Verantwortungszuschreibung bei komplexen Identitätskonstrukten
Auszug aus dem Buch
3.1 Modell der Zweigsprache
In der Zweisprache verbinden sich verschiedene Personenstadien zu einer Relation R, wenn alle Elemente der Menge in R zueinanderstehen. Am exemplarischen Beispiel der Kurzgeschichte bilden also alle Personenstadien von Jones einen Zweig, welcher sich auch nach der Operation fortsetzt, da das Gehirn von Jones jeweils in Brown und in Smith weiter existiert. Nach diesem Prinzip kann Jones als ursprünglicher Ast beschrieben werden, aus welchem nun zwei neue Zweige hervorgehen, nämlich zum einen die Verbindung Brown-Jones als ein Zweig, zum anderen Smith-Jones als ein anderer Zweig. Diese Zweige haben zwar den selben Identitätsursprung (Jones), spalten sich aber in zwei voneinander unabhängige Identitäten.
Das Problem, das sich aus dem Modell der Zweigsprache ergibt, ist dieses, dass man unter der Voraussetzung der Mentalen Analyse, nach welcher alle Bestandteile des Geistes entscheidend sind, keine zeitlichen Relationen der Person eindeutig festlegen kann. Bei der Betrachtung einer Person kann nicht gesagt werden, dass es sich dabei um zwei oder mehrere Personen handelt. Das gilt auch für das hier angebrachte Beispiel, denn genauso wenig konnte vor der Operation festgelegt werden, mit vielen ein, zwei oder drei Personen Jones unterwegs war. Rückblickend kann man deshalb auch nicht sagen, dass Jones sich als Einzelner geteilt hat. Vielmehr müsste man die Gesamtheit der Personen in die Aussage mit einbeziehen: „Ihr habt euch geteilt“, anstelle von „Du hast dich geteilt.“ Da wir allerdings keinerlei Aussagen darüber machen können, was in Zukunft passiert, ist eben dieses „Ihr“ kein eindeutiges oder bestimmbares, als vielmehr ein zufälliges und unkontrollierbares Element.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel erläutert die philosophische Debatte um personale Identität und führt in die zentralen Thematiken sowie die fiktive Gehirnverjüngungskur ein.
2. Grundlegendes zum moralischen Aspekt: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Deontologie und des Konsequentialismus gegenübergestellt, um das Handeln moralisch bewerten zu können.
3. Identitätsmodelle: In diesem Hauptteil werden die beiden Modelle nach Perry detailliert auf ihre Eignung zur Begründung moralischer Verantwortung analysiert.
3.1 Modell der Zweigsprache: Das Kapitel untersucht, wie Identitätsspaltungen in der Zweigsprache moralisch und juristisch bewertet werden können.
3.2 Modell der Personenstadien: Dieses Kapitel kritisiert die Schwierigkeit der zeitlichen Abgrenzung bei Personenstadien und die daraus resultierenden Probleme für die Verantwortungszuschreibung.
4. Abschluss: Der Abschluss reflektiert die Komplexität moralischen Handelns und betont, dass individuelle menschliche Identität nicht nach einer einfachen Schablone zu erfassen ist.
Schlüsselwörter
Personale Identität, John Perry, Moralphilosophie, Deontologie, Konsequentialismus, Verantwortung, Zweigsprache, Personenstadien, Bewusstsein, Identitätsspaltung, Gehirnverjüngung, Ethik, Handlungsmotiv, Mentale Analyse, Individuum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Theorien der personalen Identität nach John Perry und den ethischen Grundprinzipien der Moralphilosophie.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Definition personaler Identität, die Unterscheidung zwischen dem psychischen und dem körperlichen Kriterium sowie die Anwendung moralischer Bewertungssysteme auf fiktive Identitätsszenarien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie die Modelle der "Zweigsprache" und der "Personenstadien" dazu dienen können, moralische Verantwortung für Handlungen zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine philosophische Analyse vorgenommen, die theoretische Identitätsmodelle an einem fiktiven Beispiel (Gehirnverjüngungskur) prüft und mit moralethischen Systemen abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Einführung der moralphilosophischen Richtungen sowie die detaillierte Untersuchung der Identitätsmodelle inklusive ihrer moralischen Implikationen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Personale Identität, Deontologie, Konsequentialismus, Verantwortung, Zweigsprache, Personenstadien und die Analyse von Identitätssplitting.
Wie bewertet der Autor die Realisierbarkeit der Personenstadien-Theorie?
Der Autor argumentiert, dass eine exakte Einteilung in Personenstadien aufgrund fließender Übergänge zwischen geistigen und kognitiven Zuständen praktisch nicht zu realisieren ist.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit hinsichtlich der moralischen Verantwortung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der Komplexität des Menschen und seiner Identität keine allgemein gültige moralische Richtlinie existiert, die jeden Einzelfall widerspruchsfrei abdeckt.
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- Jessica Bauer (Author), 2017, Personale Identität und die Bedeutung der Verantwortung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446506