Systemische Sozialarbeit. Der systemische Ansatz nach Peter Lüssi


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Peter Lüssi - Kurzbiographie

3. Die sozialarbeiterische Berufsaufgabe
3.1 Soziale Arbeit und ihre vier Funktionen
3.2 Das soziale Problem
3.3 Problemlösungsfindung

4. Systemtheorie
4.1 Von der linearen zur systemischen Sozialarbeitstheorie
4.2 Einblick in die Systemtheorie

5. Die sozialarbeiterische Berufsaufgabe aus Systemischer Perspektive
5.1 Die Systemtheorie hinsichtlich der Sozialen Arbeit
5.1.1 Systemzugehörigkeit
5.1.2 Systemfunktionalität
5.1.3 Systembeziehung
5.2 Systemische Problemkonzeption
5.3 Problemrelevante Personen im System

6. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die Theorie bestimmt, was wir beobachten.“ (Einstein, A. o.J. zit. n. Becker, S. 2008, S. 5)

Systemische Sozialarbeit bezeichnet die Soziale Arbeit basierend auf der Systemtheorie. Die systemische Sozialarbeit wird mit dem Namen Peter Lüssi eng verbunden. Bis zu den 1980er Jahren wurde überwiegend der lineare Denkansatz in der Sozialarbeit angewendet. Dieser wurde aus der Therapie in Anlehnung an die Persönlichkeitstheorie von Freud übertragen. Diese Persönlichkeitstheorie förderte zur Problemlösung eine Ich-Stärkung des Klienten. Zunehmend verbreiteten sich jetzt systemische Ansätze. Im Fokus stand nunmehr nicht nur der Klient und sein Problemfall, auch das soziale Umfeld wurde mit einbezogen. Peter Lüssi formulierte schließlich einen handlungsorientierten systemischen Ansatz für die Sozialarbeit. Unter dem Blickwinkel der systemischen Sozialarbeit erläutert Peter Lüssi die Sozialarbeitslehre, zu welcher Aufgaben, Mittel und Methoden gehören. Peter Lüssi hat die systemische Sozialarbeit in Deutschland mitgeprägt und etabliert. Meine Zielsetzung liegt darin, die im Lehrbuch von Peter Lüssi vorgestellte Systemtheorie bezugnehmend auf die elementare Berufsaufgabe der Sozialen Arbeit zu betrachten.

In einem ersten Schritt wird unter Punkt 2 Peter Lüssi, der Autor des Buches „Systemische Sozialarbeit, Praktisches Lehrbuch der Sozialberatung“, vorgestellt. Wie bereits erwähnt, bezieht das praktische Lehrbuch die Sozialarbeit mit ihrer Aufgabe, ihren Mitteln und ihren Methoden ein. Das zentrale Thema der Hausarbeit stellt die Systemtheorie hinsichtlich der praktischen, sozialarbeiterischen Aufgabe dar. Die Systemtheorie bildet das Grundmodell der sozialarbeiterischen Haltung im Rahmen von Theorie und Praxis. Daher wird unter Punkt 3 die sozialarbeiterische Berufsaufgabe näher beleuchtet, welche als zentrale Aufgabe das Lösen sozialer Probleme eines jeden Einzelnen beinhaltet. Im Anschluss werde ich die Systemtheorie unter Punkt 4 in Bezug auf die systemische Sozialarbeitstheorie vorstellen und einen Einblick in die Systemtheorie geben. Die Sozialarbeitslehre behält ihre Tragfähigkeit auch in der systemischen Sozialarbeit, jedoch unter Einbeziehung der Systemtheorie. Unter Punkt 5 wird somit die sozialarbeiterische Berufsaufgabe aus systemischer Perspektive beleuchtet. Hier geht es vorrangig um die Systemtheorie hinsichtlich der Sozialen Arbeit sowie die systemische Problemkonzeption und die problemrelevanten Personen im System. Ausgehend von diesem systemischen Ansatz nach Peter Lüssi erfolgt in einem letzten Schritt eine kritische Betrachtung meiner gesammelten Erkenntnisse.

2. Peter Lüssi - Kurzbiographie

Peter Lüssi, geboren 1946, studierte an der Universität Zürich Recht, Theologie, Philosophie und Tiefenpsychologie. Von 1962 bis 1969 engagierte er sich in der kirchlichen Jugendarbeit und während des Studiums war er teilzeitlich als Lehrer tätig: an der Berufsschule Zürich (Recht und Deutsch) und an einer Psychiatriepflegeschule (Tiefenpsychologie). Im Jahr 1976 promovierte er an der theologischen Fakultät der Universität Zürich mit dem Buch „Atheismus und Neurose“. (vgl. Lüssi, P. 1998, S. 4)

Von 1977 bis 1990 arbeitete er als Sozialarbeiter in verschiedenen sozialarbeiterischen Funktionen. Daneben machte er am Institut für Management und Kaderbildung in Zürich eine zweijährige Ausbildung als Manager. 1983 gründete er zusammen mit Berufskollegen die Vereinigung Sozialarbeiter in politischen Gemeinden (SPG), bis 1990 war er deren Vorsitzender. Die Vereinigung diente der Weiterbildung und der Interessenvertretung der Sozialarbeiter in den Züricher Gemeinden. (o. A. 19.12.2014, www.inforapid.org)

Von 1990 bis 2006 war Peter Lüssi in Bern Professor für Sozialarbeitstheorie an der Hochschule für Sozialarbeit (HSA) der Berner Fachhochschule. 1991 erschien im Verlag Haupt in Bern sein Lehrbuch Systemische Sozialarbeit. Im Jahr 2006 ließ er sich, mit sechzig Jahren, emeritieren. (o. A. 19.12.2014, www.inforapid.org)

3. Die sozialarbeiterische Berufsaufgabe

Die Soziale Arbeit wird einerseits als Sammelbegriff aller sozialen Berufe wie z.B. Altenpflege, Erzieher, Heilerziehungspfleger usw. bezeichnet. Kennzeichnend wird die Soziale Arbeit in der Wissenschaft als Oberbegriff der beiden Berufsgruppen der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit verwendet. Die Sozialpädagogik stammt ursprünglich aus der Jugendfürsorge, Jugendhilfe und der Jugendpflege (vgl. Griesehop, H.R. 2011, S. 7). Sie wird durch die Merkmale gekennzeichnet, dass vor allem der Lebensraum bzw. der Alltag mit dem Klienten, Kind usw. geteilt wird. Der Fokus liegt hier hauptsächlich im erzieherischen Handeln. Die Sozialarbeit hingegen entstand geschichtlich aus der Erwachsenenfürsorge/Armenfürsorge und ist durch die ambulante Begleitung geprägt. (vgl. ebd. S. 7f.)

Abschließend lässt sich beschreiben, dass Soziale Arbeit als Oberbegriff sozialpädagogischen und sozialarbeiterischen Handelns definiert wird und beide Perspektiven, die der Sozialarbeit sowie die der Sozialpädagogik, einschließt. (vgl. ebd. S. 8)

3.1 Soziale Arbeit und ihre vier Funktionen

Ein jeder Beruf ist durch die Aufgabe, die Mittel und die Methode des Berufs gekennzeichnet. Alle drei zusammen definieren den Beruf. Die einzelnen Berufselemente müssen nicht zwangsläufig typisch für den jeweiligen Beruf sein, in Ihrer Gesamtheit jedoch müssen diese den Beruf charakterisieren und kennzeichnen. Wäre dies nicht der Fall, würden die einzelnen Berufselemente keinen in seiner Eigenschaft unverwechselbaren, genau festgelegten Beruf bestimmen. Die Sozialarbeitslehre ist eine Berufstheorie. Sie beinhaltet entsprechend den drei berufsbestimmenden Elementen laut Peter Lüssi (im Folgenden mit „Lüssi“ abgekürzt) drei Teile. Es handelt sich um die Lehre von der Aufgabe, die Lehre von den Mitteln und die Lehre von der Methode der Sozialarbeit. (vgl. Lüssi, P. 1998, S. 78)

Innerhalb der Sozialarbeitslehre definiert sich der Sozialarbeiter (im Folgenden wird die männliche Sprachform „der Sozialarbeiter“ verwendet, da ein dauerhaftes Abwechseln zwischen männlicher und weiblicher Form verwirrend wäre) anhand von vier Funktionen. Es handelt sich hierbei um die mediatorische (vermittelnde), die kompensatorische (ausgleichende), die protektive (schützende) sowie die motivatorische (verhaltensbeeinflussende) Funktion. Mit diesen vier Funktionen wird die Aufgabe der Sozialarbeit grundlegend beschrieben bzw. erklärt und somit vor einer möglichen Interpretationswillkür geschützt. Durch das Vermitteln zwischen bestimmten Personen, durch das Ausgleichen von Mängeln, durch das Schützen von Menschen und letztlich durch die Bewegung von Menschen zu problemlösendem Verhalten löst die Sozialarbeit soziale Probleme. (vgl. Lüssi, P. 1998, S. 120f.) „Wer anders, nicht in einer dieser Funktionsweisen, ein soziales Problem „löst“, macht nicht Sozialarbeit.“ (Lüssi, P. 1998, S. 121)

Bei den vier Funktionen der Sozialarbeit handelt es sich somit um Kriterien, an denen gemessen werden kann, ob das jeweilige Handeln als Sozialarbeit gilt oder nicht. Hierbei geht es nicht um eine Einzelbetrachtung einer Handlung des Sozialarbeiters, sondern hauptsächlich darum, ob die sozialarbeiterischen Handlungen im Großen und Ganzen eine (oder mehrere) der sozialarbeiterischen Funktionen erfüllen. (vgl. Lüssi, P. 1998, S. 120f.) Die vier Funktionen bilden das Gerüst der Sozialen Arbeit. Mit Unterstützung verschiedener Mittel und Methoden kann die Umsetzung nach den oben genannten Kriterien erfüllt werden. Die soziale Problemlösungsfindung steht hier als zentrales Thema im Vordergrund. Die Problemlösungsfindung ist laut Lüssi die Generalfunktion der Sozialarbeit und somit die sozialarbeiterische Berufsaufgabe. (vgl. ebd. S. 120)

3.2 Das soziale Problem

Die Problematiken jedes Einzelnen liegen als objektives Faktum dem Sozialarbeiter in seinem Handlungsfeld zugrunde. Soziale Probleme bilden sich immer aus der Realität des jeweiligen Betroffenen heraus. (vgl. Lüssi, P. 1998, S.18) Es wird dann von einem sozialen Problem gesprochen, wenn bestimmte Merkmale des Einzelnen dem sozialen Problem zugrunde liegen. Laut Lüssi wird ein soziales Problem in drei Merkmale untergliedert. Diese sind Not, Subjektive Belastung sowie Lösungsschwierigkeiten. (vgl. ebd. 84ff.) Spezielle Problemlagen können durch Faktoren wie Armut, Erwerbslosigkeit, Integrationsprobleme, psychosoziale Designation, chronische Erkrankung, Verhaltensauffälligkeiten, fehlende soziale Unterstützungsnetzwerke und vieles mehr entstehen. Häufig geht mit den speziellen Problemlagen ein Mangel an ökonomischen, kulturellen und psychischen Ressourcen einher. (vgl. Griesehop, H.R. 2011, S. 10) Der soziale Sachverhalt spielt hierbei eine große Rolle. Ein soziales Problem stellt der soziale Sachverhalt dar, wenn er eine begriffsgenügende Problematik vorweist. Der soziale Sacherhalt ergibt sich aus den sog. sozialen Bedürfnisobjekten des einzelnen Menschen. Die Bedürfnisobjekte werden als lebensnotwendig angesehen, obwohl sie sich nicht alle auf derselben Ebene betrachten lassen. Die acht sozialen Bedürfnisobjekte sind Unterkunft/Obdach, Nahrung, Geld, Erwerbsarbeit, Erziehung, Betreuung und ein funktionelles Verhältnis zu der notwendigen Bezugsperson (vgl. Lüssi, P. 1998, S.81ff.) Lüssi beschreibt an dieser Stelle, dass ein sozialer Sachverhalt ein soziales Problem darstellt, wenn dieser von einem Defizit oder einem Konflikt geprägt ist. Dem sozialen Sachverhalt müssen dabei die drei Momente Not, subjektive Belastung und Lösungsschwierigkeiten innewohnen. Liegen diese drei sog. Problem- Merkmale vor, spricht man von einem sozialen Problem. Entweder ein soziales Defizitproblem oder ein soziales Konfliktproblem.

3.3 Problemlösungsfindung

Alle Aufgabengebiete der Sozialen Arbeit haben die Lösungsfindung sozialer Probleme im Fokus ihres Handelns. Dazu zählen alle sozialen Problemlösungen in den jeweiligen Facetten des sozialen Problems mit denen sich der Sozialarbeiter befasst. Somit definiert Lüssi die Aufgabe als professionelles Lösen sozialer Probleme. (vgl. Lüssi, P. 1998, S. 79ff.) „Allein die Sozialarbeit betreibt soziale Problemlösung.“ (Lüssi, P. 1998, S. 119) Jedem Sozialarbeiter wird im Laufe seines Berufslebens eine umfassende Problemlösungsverantwortung übertragen. Die Bereiche werden in der Problemlösungsfindung jedoch nicht klar definiert. Dem Sozialarbeiter fällt somit laut Lüssi eine „diffuse Allzuständigkeit“ zu. (vgl. ebd. S.24f.) Auch Gesellschaft, Politik und Staat tragen zu der Festlegung sozialer Probleme bei. Der Sozialarbeiter befindet sich immer in einem Interessenkonflikt zwischen den Bedürfnissen des Klienten und dem Staat. (vgl. Griesehop, H.R. 2011, S.11 ) Anders ausgedrückt wird er als Vermittler zwischen Individuum und Gesellschaft betrachtet. (vgl. ebd. S. 10) Typologisch gesehen grenzt der Begriff Soziale Arbeit die Soziale Arbeit von allen anderen Berufen ab. Kein anderer Beruf macht soziale Problemlösung in diesem Sinne, mag er auch im Nebeneffekt zur sozialen Problemlösung beitragen. Der Begriff soziale Problemlösung wird also sozialarbeitsspezifisch verstanden. Daher wird deutlich, dass es sich um eine professionelle Tätigkeit handelt. Professionell bedeutet an dieser Stelle, dass die Tätigkeit aufgrund einer speziell qualifizierenden Ausbildung beruflich ausgeübt wird. Hinsichtlich sozialer Probleme und ihrer Lösung verfügt der Sozialarbeiter über qualifiziertes Wissen und vor allem spezifisches methodisches Können. Somit schließt die Professionalität die Fachkompetenz ein. (vgl. ebd. S. 119) „Der Sozialarbeiter ist der Fachmann für soziale Problemlösung.“ (Lüssi, P. 1998, S. 119) Nachdem in einem ersten Schritt die sozialarbeiterische Berufsaufgabe unter den Aspekten „die vier Funktionen der Sozialen Arbeit“, „der Problemlösungsfindung“ und „dem sozialen Problem“ betrachtet wird, werde ich im nächsten Schritt die Systemtheorie vorstellen.

4. Systemtheorie

Es entstanden im Laufe der Zeit verschiedene Varianten der Systemtheorie wie z.B. systemische kybernetische Familientherapie, Lösungsorientierte Kurztherpie, Reflecting Team usw. Systemisches Denken und Handeln unterliegt bis heute einem ständigen Wandel. Daher gibt es keine alleinige Definition. (vgl. v. Schlippe, A., Schweitzer, J. 2002, S. 24.) Das Fachlexikon der sozialen Arbeit definiert die Systemtheorie als eine soziologische Grundlage der Sozialen Arbeit. (vgl. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. 2011, S.894) Systemisch kann nicht nur gedacht werden. Es kann durchaus auch systemisch gehandelt werden. Das systemische Denken steht daher mit dem systemischen Handeln in einer effektiven Wechselwirkung zueinander. Die Systemhypothese verlangt grundsätzlich ein Handeln. Dieses Handeln wiederum fördert erst die Beurteilung und das Verstehen realer systemischer Zusammenhänge. Somit stellt die Systemik ein praktisches Prinzip dar.

4.1 Von der linearen zur systemischen Sozialarbeitstheorie

Im 20. Jahrhundert wird die lineare Denkweise, welche bislang das wissenschaftliche Denken bestimmte, zwar nicht außer Kraft gesetzt, jedoch von der systemischen Denkweise überholt. Lineares Denken ist daher weiterhin möglich und durchaus gültig. Was immer jedoch in linearer Perspektive erkannt wird, untersteht ab sofort der Kontrolle aus der umfassenderen Systemperspektive. Ist eine abweichende Erkenntnis das Ergebnis dieser Prüfung, so gilt das linear Erkannte als bloß teilweise wahr oder sogar nicht wahr. Es geschieht an dieser Stelle die Gültigkeitsprüfung bzw. die Widerlegung von Ergebnissen linearen Denkens mittels dem Systemdenken, nicht aber das Umgekehrte. Daran zeigt sich die Dominanz der systemischen Denkweise. (vgl. Lüssi, P. 1998, S. 57f.)

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Systemische Sozialarbeit. Der systemische Ansatz nach Peter Lüssi
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V446508
ISBN (eBook)
9783668836525
ISBN (Buch)
9783668836532
Sprache
Deutsch
Schlagworte
systemische, sozialarbeit, ansatz, peter, lüssi
Arbeit zitieren
Maike Peregovits (Autor), 2015, Systemische Sozialarbeit. Der systemische Ansatz nach Peter Lüssi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446508

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