Das Grundeinkommen und die Idee der Existenzsicherung und Sinnschöpfung


Hausarbeit, 2015
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der geschichtliche Überblick
2.1 Die Historie des Grundeinkommens
2.2 Die (neue) Debatte über das Grundeinkommen

3. Die vier Kriterien des Grundeinkommen
3.1 Existenzsicherung
3.2 Individueller Rechtsanspruch
3.3 Keine Bedürftigkeitsprüfung
3.4 Kein Zwang zur Arbeit

4. Die Verwirklichung des Grundeinkommens
4.1 Arbeitsformen
4.2 Umsetzung der Wohlstandssicherung
4.3 Sinnschöpfung der Arbeit

5. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„An der Schwelle zum dritten Jahrtausend sind die westlichen Wohlstands- und Wohlfahrtsländer gefordert wie nie zuvor: Wachsende Arbeitslosigkeit und sinkende Realeinkommen, niedrige Geburtenraten und steigende Lebenserwartung.“ (Opaschowski, H. W. 2010, S. 13)

Die Mehrheit der Menschen hat im Laufe der Jahrhunderte hindurch für den Lebensunterhalt gearbeitet. In der heutigen Zeit ist das immer noch so. Über der Zukunft der Arbeit unserer westlichen Welt schwebt jedoch zunehmend ein großes Fragezeichen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg in den industrialisierten Ländern. Dies geschah nicht zuletzt im Zuge einer weltweiten Rezession, sondern auch die globale Arbeitsteilung macht viele Beschäftigungsmöglichkeiten zunichte. (vgl. Johada, M. 1986, S. 13)

Der Preis für unser hervorgebrachtes und stetig steigendes Wirtschaftswachstum ist der systematische Abbau von Arbeitsplätzen innerhalb dieser globalen Welt. Daher wird das 21. Jahrhundert als Ende der Arbeitszeitverkürzung in die Geschichte eingehen. Auch zukünftig wird die Produktivität steigen, jedoch schneller als der Absatz und die Nachfrage. (vgl. Opaschowski, H. W. 2010, S.9 ff.) Die Industrieländer konzentrieren sich in ihren Diskussionen zunehmend mehr auf die arbeits- und sozialpolitischen Themen. Hinzu kommen Vorhersagen wie beispielsweise „das Ende der Vollbeschäftigung“ und „das Ende der Arbeit“. Sowohl die fehlenden Arbeitsplätze, als auch die Versorgung derer, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ihre Existenz dadurch jedoch nicht sichern können, bilden große Teilbereiche der Diskussionen. Im Zusammenhang mit dem Ausüben einer Tätigkeit und der oftmals fehlenden Sinnhaftigkeit sowie einer mangelnden Wertschätzung der Arbeit bzw. die damit verbundene fehlende soziale Anerkennung, spricht man auch von „der Krise der Arbeitsgesellschaft“. (vgl. Patry, E. 2010, S. 1) Für diejenigen Menschen, die einer Vollbeschäftigung nachgehen, wird die Arbeit zunehmend intensiver, konzentrierter, zeitlich länger und vor allem auch psychisch belastender. Aus Sicht der Unternehmen wiederum nimmt die Produktivität jedoch dabei zu. (vgl. Opaschowski H.W. 2010, S. 13)

Globalisierung und Industrialisierung entstammen aus dem Wunsch der Menschheitsgeschichte, die Arbeit für den einzelnen Menschen zu minimieren und dadurch immer mehr Freiräume zu schaffen. Heute steht die Gesellschaft hierdurch an einem Scheidepunkt, welcher die Menschen zunehmend zum Umdenken bewegt. Eine moralische Spaltung der Gesellschaft in zwei Teile entsteht. Hier stehen ökonomisch gut gestellte Menschen auf der einen Seite und mit der Armut kämpfende Menschen mit und ohne Erwerbsarbeit auf der anderen Seite. (vgl. Krebs, A. 2002, S. 195)

Die Vision einer Umgestaltung der Gesellschaft hat eine lange Tradition. Seit einigen Jahren entflammt in Deutschland erneut die Diskussion, einen Paradigmenwechsel anzustreben. Aus dem Dilemma - der Weg aus der Krise - tritt das Grundeinkommen erneut als Vision hervor. In meiner Hausarbeit mit dem Thema „Plötzlich frei!? - Existenzsicherung und Sinnschöpfung - eine uralte Idee - das Grundeinkommen“ möchte ich auf diese Vision und den damit verbundenen Erwartungshaltungen ihrer Vertreter eingehen. Unter Punkt 2 wird das Grundeinkommen aus seiner geschichtlichen Perspektive näher beleuchtet und die heutige Definition und Ausdifferenzierung hervorgehoben. In einem weiteren Schritt werden unter Punkt 3 die vier Kriterien des Grundeinkommens erklärt. Die Umsetzung des Grundeinkommens verspricht nicht nur existenzielle Sicherheit für den Einzelnen. Nein, es verspricht vor allem auch eine Sinnfindung des Menschen in seinem Tätig sein. Unter Punkt 4 werde ich anhand der verschiedenen Arbeitsformen über die Wohlstandssicherung hin zur Sinnschöpfung der Arbeit führen. In einem letzten Schritt erfolgt unter Punkt 5 eine kritische Betrachtung meiner gesammelten Erkenntnisse.

2. Der geschichtliche Überblick

Bei der Geschichte des Grundeinkommens handelt es sich um eine Geschichte der Idee von Freiheit! Theoretiker und Politiker sind sich jedoch uneinig, welche Art von Freiheit die Idee beschreibt, die mittels einem Grundeinkommen gewährleistet werden soll. Ausgedrückt wird die Theorie des Grundeinkommens durch eine Vielzahl politischer Gruppen, die aus jeweils verschiedenen Gründen für das Grundeinkommen eintraten und auch heute noch dafür eintreten. Unabhängig von verschiedenen Staaten und Staatsformen entstanden im Laufe der Geschichte ähnliche Konzepte zur Umverteilung der Güter sowie der Trennung von Arbeit und Einkommen. Alle gemeinsam trugen die Vision inne, für soziale Gerechtigkeit und den Ausgleich von Mangel zu sorgen. Das folgende Kapitel stellt einen kurzen historischen Überblick über die Epochen und die jeweiligen Ansichten der Idee des Grundeinkommens hervor. (vgl. Blum, E. M., 2014)

2.1 Die Historie des Grundeinkommens

Im geschichtlichen Rückblick sind verschiedene Ideen angeführt, die die Trennung von Arbeit und Einkommen zu realisieren versuchten. So wurde bereits im sechsten Jahrhundert vor Christus unter den Spatiaten die Einführung eines „Vollbürgers“ und das damit zusammenhängende Recht auf die lebensnotwendigen Güter, unabhängig der jeweiligen Arbeitsleistung, vollzogen. Eine der Bekanntesten Ideen wurde von Thomas Morus verfasst, der in seinem Buch „Utopia“ den Gedanken einer idealen Gesellschaft formulierte. Dieser Sozialtutopist stellte im Jahre 1516 unter anderem die Forderung auf, dass innerhalb eines Staates alle Menschen eine Existenzgrundlage haben müssen. Der französische Staatstheoretiker Charles Montesquieu leitet mehr als zweihundert Jahre später, im Jahr 1748, aus den vielfältigen Aufgaben eines Staates vor allem die Pflicht ab, dass dieser seinen Bürgerinnen und Bürgern ein Existenzminimum zu garantieren hat. Thomas Paine, einer der geistigen Gründungsväter der USA, schrieb 1791 die „Rights of man“ nieder, in denen er auch für eine Art Umverteilungs-Grundeinkommen argumentiert. Im Weiteren beschäftigten sich Reformer aus verschiedenen Ländern wie bspw. Belgien, Frankreich und England im 19. Jahrhundert mit der Idee des Grundeinkommens. So propagierte der französische Gesellschaftstheoretiker Charles Fourier 1836 ein bedingungsloses Grundeinkommen. Da das Grundrecht auf Jagen und Sammeln verloren ging, habe der Mensch seine natürliche Grundversorgung verloren. 1848 vertrat der belgische Jurist Joseph Charlier seine Auffassung, dass jedem Bürger ein bedingungsloses Grundeinkommen zustehe, da jeder Bürger Eigentümer des Staatsgebietes seines jeweiligen Landes sei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befürwortete der englisch Liberale John Stuart Mill als einer der ersten Ökonomen ein bindungsloses Grundeinkommen. Für Mill stellte das Grundeinkommen eine logische Konsequenz aus dem menschlichen Freiheitsstreben dar. Der Sprung hin zu einer breiten öffentlichen Diskussion in Deutschland fand erst in 1980er Jahren statt. Die Debatte war jedoch nicht sehr breit angelegt. Letztlich gingen aus den geführten Diskussionen keinerlei Wirkungen auf Institutionen oder gar Parteien über. Einzig und allein die grüne Partei hatte das bedingungslose Grundeinkommen 1979 in ihr Gründungsprogramm mit aufgenommen, kurze Zeit später jedoch war es verschwunden. (vgl. Werner, G. W., Goehler, A. 2010, S. 21ff.)

2.2 Die (neue) Debatte über das Grundeinkommen

Die Debatte über das Grundeinkommen ist keine Neue! Verschiedene Phänomene in der Gesellschaft haben die Debatte um das Grundeinkommen jedoch erneut entfacht. Einerseits verfügen wir heute über zahlreiche Güter, die im Überfluss vorhanden sind sowie ausreichend Nahrung für die ganze Weltbevölkerung. Andererseits reicht jedoch das Einkommen vieler Familien auch in Deutschland kaum zum Überleben aus. (vgl. Werner, G. W. et al. 2010, S. 111f.) Tritt man quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, so wird schnell deutlich, dass es viele Menschen gibt, die keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Dies begründet sich entweder im Verlust der Arbeit oder aber sie konnten im Berufsleben niemals ankommen. Gegenüber stehen wiederum viele Menschen, die zu viel arbeiten müssen. Auch die Debatte der Chancengleichheit der Kinder- und Jugendlichen und der damit verbundene Druck, sich frühestmöglich auf ein Berufsleben vorbereiten zu müssen, führen zu erneuten Überlegungen zur Umverteilung der Güter. Zusammenfassend lassen sich Schlagworte wie Angst vor: Massenarbeitslosigkeit Armut Befristung in Arbeitsverträgen (Zeitarbeit, Praktika, Jobnomaden usw.) Entwürdigende Arbeit Überflüssige Arbeit Die Ressource Arbeitsplatz wird knapp anführen. (vgl. Werner, G. W., Goehler, A. 2010, S. 23f.)

Aus diesen vorgenannten Gründen muss das Recht auf Arbeit auch in Zusammenhang mit anderen Verbünden gedacht werden. Hierzu gehören das Recht auf freie Berufswahl, das Recht auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und das Recht auf Nicht-Diskriminierung am Arbeitsplatz. (vgl. Krebs, A. 2002, S.195ff.) Das Resultat dieser Spirale zeigt, dass die Angst die Menschen dazu bringt, stetig Fort- und Weiterbildungen zu besuchen, um auf dem Arbeitsmarkt weiterhin attraktiv zu bleiben. Das Ziel des Grundeinkommens stellt die Herstellung der Wohlstandssicherung für alle dar. (vgl. Werner, G. W. et al. 2010, S. 111f.)

Wie bereits erwähnt, ist die Debatte um das Grundeinkommen keine Neue. Es gibt europaweite Initiativen, die Piratenpartei unterstützt die Idee, die grüne Partei debattiert darüber. Es existieren Modellversuche in Namibia. Es gibt eine Vielzahl von Rechenbeispielen, dass der Staat sogar, entgegen aller Denkweisen, weniger Ausgaben hätte, die Bürger zufriedener wären und die Löhne steigen würden, weil Menschen nicht jeden noch so schlecht bezahlten Job annehmen müssen! (vgl. Hampel, L. 2014)

3. Die vier Kriterien des Grundeinkommen

„…Einkommen, das von einem politischen Gemeinwesen an alle seine Mitglieder individuell ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Gegenleistung ausgezahlt wird.“ (Vanderborght/Van 2005, S.37, zit. n. Patry, E. 2010 , S.2 )

Das Grundeinkommen soll und kann wesentlich mehr sein als lediglich ein Mittel zur Versorgung der von uns immer weiter wegrationalisierten Arbeitnehmer. Das Grundeinkommen leitet vor allem einen gesellschaftlich-sozialen wie auch kulturellen Paradigmenwechsel ein. (vgl. Werner, G. W. 2007, S. 74) Götz W. Werner (2007) beispielsweise vergleicht das Grundeinkommen mit einer Art Basislager, von dem aus der Bürger in eigener Absicht und Verantwortung tätig werden kann. Da sein Überleben gesichert ist, bietet dieses Basislager dem Bürger wiederum auch die Möglichkeit, sich, falls notwendig, für eine gewisse Zeit zurückzuziehen. (vgl. ebd., S.77f.)

Um die einzelnen Kriterien des Grundeinkommens näher zu beleuchten, möchte ich das Basic Income Earth Network (BIEN) anführen. Bei dem Basic Income Earth Network (BIEN) handelt es sich um ein globales Netzwerk, das ein Grundeinkommen mit Kongressen, Forschung und Lobbyarbeit voranbringen will. Es bietet eine Plattform, auf welcher sich Akademiker und Aktivisten vernetzen, welche die Idee eines universellen Grundeinkommens unterstützen, verbreiten und darüber aufklären wollen. Es stellt somit einen Verknüpfungspunkt zwischen Einzelnen und Gruppen dar, die sich für ein Grundeinkommen einsetzen, welches auf staatsbürgerlichen Rechten und nicht auf Arbeitsleistung oder Bedürftigkeitsprüfung ruht. (vgl. -. A. o. J, www.basicincome.org) Das Basic Income Earth Network (BIEN) formuliert vier Kriterien für das Grundeinkommen. Es wird nicht klar definiert in welcher Höhe das Grundeinkommen ausbezahlt werden soll, es ist auch nicht auf ein bestimmtes Finanzierungsmodell festgelegt. Im Gegenteil, der Fokus liegt darauf, dass die Existenz eines Jeden gesichert wird. Daher muss das Grundeinkommen existenzsichernd sein, einen individuellen Rechtsanspruch begründen, nicht mit einer Bedürftigkeitsprüfung einhergehen und auch keinem Zwang zur Arbeit unterliegen. (vgl. Werner, G. W., Goehler, A. 2010, S. 37f.)

3.1 Existenzsicherung

Die Höhe des Grundeinkommens muss so hoch sein, dass der Bürger an der Entwicklung der Gesellschaft, am gemeinschaftlichen, sozialen und auch kulturellen Leben teilhaben kann. Die Überlegungen sehen vor, dass alle Sozialleistungen und Sozialversicherungen abgeschafft werden. Das Grundeinkommen ersetzt somit all diese bisherigen existenzsichernden Zahlungen wie beispielsweise Renten- und Arbeitslosenversicherung, Wohn-, Kinder- und Elterngeld. Aus diesem Grund muss es mindestens in dem Umfang liegen, wie die bisherigen Zahlungen der Sozialversicherungen und Sozialleistungen. Bei der Höhe des Grundeinkommens gilt es weiterhin, die Preisentwicklung sowie die Leistungen, die unsere Gesellschaft kostenlos zur Verfügung stellt, zu berücksichtigen. Universitäten, Schulen und gar Museen waren zum Beispiel in der Vergangenheit ein hohes öffentliches Gut, dass staatlich subventioniert wurde. Heute erleben wir immer mehr, dass der Staat auch diese Güter zunehmend privatisiert. Jedoch vollkommen unerheblich davon, in welcher Form und Höhe das Grundeinkommen bemessen und ausbezahlt wird, muss es nicht nur die Existenz sichern, sondern auch eine kulturelle Teilhabe des Bürgers sichern. (vgl. Werner, G. W., Goehler, A. 2010, S. 38f.)

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Grundeinkommen und die Idee der Existenzsicherung und Sinnschöpfung
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V446509
ISBN (eBook)
9783668840713
ISBN (Buch)
9783668840720
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundeinkommen, idee, existenzsicherung, sinnschöpfung
Arbeit zitieren
Maike Peregovits (Autor), 2015, Das Grundeinkommen und die Idee der Existenzsicherung und Sinnschöpfung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446509

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