Esoterik und "New Age" als religionssoziologische Themen in der modernen Gesellschaft


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen

3. Entwicklung und Charakter

4. Merkmale

5. Populäre Religion

6. Schlussbetrachtung und kritische Würdigung

7. Literatur- und Quellenverzeichnis:

1. Einleitung

Gibt man in Google die Suchbegriffe „Esoterik München“ ein, werden in 0,47 Sekunden ungefähr 1.240.000 Ergebnisse gefunden. Es werden Vorschläge für Geschäfte, Messen, Vortragsreihen, Kurse, Vereine, Online Foren und spirituelle Partnersuche gegeben. Auf der Website der Süddeutschen Zeitung umfasst die Rubrik „Esoterik“ fast 40 Artikel – der Suchbegriff „New Age“ ergibt bei der Münchner Stadtbibliothek mehr als 750 Treffer.

Es wird deutlich: Esoterik ist Alltag in Deutschland – Esoterikalltag. An Volkshochschulen wird Reiki gelehrt, es wird für Heilen durch Handauflegen geworben, Feng-Shui-Berater sind die neuen Innenarchitekten, Yogastudios sprießen wie Pilze aus dem Boden und Enkel gehen online, um über ein Medium Kontakt mit der verstorbenen Großmutter aufzunehmen. Wissenschaftlich betrachtet könnte man sagen, die Deutschen sind nicht mehr ganz dicht.

Doch nicht nur Teile der deutschen Gesellschaft schenken dieser alternativen Weltanschauung zunehmend Aufmerksamkeit. Ein Roman, welcher von der Veränderung des Bewusstseins hin zu einer neuen Welt, welche sich nur transzendental und spirituell beschreiben lassen kann[1], erzählt, hielt sich drei Jahre lang auf der Beststellerliste der New York Times. 1993 erschienen wurden bis 2005 bereits 20 Millionen Exemplare verkauft. Es handelt sich um „Die Prophezeiung der Celestine“ von James Redfield.

Was steckt hinter dem Boom des „New Age“ von Channeling, Lichttherapie, Wahrsagen und vieler weiterer Praktiken? Wie hängen die Begriffe „Esoterik“ und „New Age“ zusammen und was macht sie religionssoziologisch so interessant?

Um fundiert auf das Thema Esoterik und New Age eingehen zu können, ist ein einheitliches Verständnis der Begriffe von Nöten. Nachdem dieses geschaffen wurde, werden Entwicklung und Charakter beschrieben, bevor eingehender auf die Merkmale eingegangen wird. Nach einer Darstellung des Aspekts der populären Kultur schließt diese Arbeit mit einer Schlussbetrachtung und kritischen Würdigung.

2. Begriffsdefinitionen

Der uns heute alltäglich geläufige Begriff „Esoterik“ geht auf das griechische Wort „esôterikós“ zurück, was so viel wie „innerlich“, „nach innen gerichtet“ bzw. „dem inneren Bereich zugehörig“ bedeutet. In seiner ursprünglichen Bedeutung steht der Begriff für eine philosophische Lehre, welche nur einem begrenzten – „inneren“ – Personenkreis zugänglich ist. Ihm gegenüber steht der Bereich der Exoterik, welche sich mit allgemein zugänglichem Wissen beschäftigt.[2]

Heute wird esoterische Religiosität häufig als Denksystem und Lebenspraxis definiert. Trotz eines homogenen Kanons muss dieser jedoch individuell passend gemacht werden. Dies bedeutet, dass Esoterik als weltanschauliches Konzept zur Sinn- und Orientierungsfindung eine persönliche Herstellungsarbeit im Alltag erfordert. Theoretisches muss individualisiert ins persönliche Sinnsystem transferiert und dabei eine Matrix der Esoterik erstellt werden. Das Lebens- und Identitätskonzept wird reziprok formuliert und in die Alltagspraxis eingebaut.[3]

Die Begriffe von Esoterik und New Age sind heute Synonyme. Im 20. Jahrhundert gebräuchlich geworden beschreibt New Age in der esoterischen Szene das erwartete Neue Zeitalter, in welchem Krieg und Entbehrung als beendet gelten und menschliches Zusammenleben und gesellschaftlicher Umgang auf eine neue Stufe gehoben werden. Beteiligte von New Age Bewegungen, möchten durch ihre Herangehensweise die Hoffnung ausdrücken, dass über unsere heutige, bestehende Gesellschaft hinaus eine tiefer greifende Form des Zusammenleben möglich ist.[4] Unter dem Überbegriff von New Age sind eine ganze Reihe von Phänomenen angesiedelt, zu denen Esoterik, Okkultismus, Neognosis, neue spirituelle Bewegungen und viele weitere gezählt werden. Nicht übersehen werden sollte jedoch, dass dieses zusammenhängende Etikett nicht weltweit bestand hat. Vornehmlich in den USA und Europa besteht diese starke Verknüpfung zwischen Esoterik und New Age.[5]

Nachdem ein gemeinschaftlicher Blick auf das Themenbegriffe geschaffen wurde, wird anschließend Entwicklung und Charakter beleuchtet.

3. Entwicklung und Charakter

Hubert Knoblauch, einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Religionssoziologie, weist bei den Themen Esoterik und New Age zunächst auf eine langen Phase der Säkularisierung, von Verweltlichung hin. Er attestiert der Moderne eine „Entzauberung“, spricht von einem „sozialen Bedeutungsverlust und Schwund von Religion“. Diese Abkehr der Gesellschaft von traditionell Bestehendem kann vor allem den Strömungen der Aufklärung, Industrialisierung und des Humanismus zugerechnet werden, welche zeitgeschichtlich in das 17., 18. Und 19. Jahrhundert eingeordnet werden.[6]

Auf dieser Entzauberung basierend sieht Knoblauch die Möglichkeit der Welt eine Art „Wiederverzauberung“, inklusive Wertewandel und postmaterialistischer Weltanschauung, zu attestieren. Von ihm wird es „das unsichtbare neue Zeitalter“ und „zweite (okkulte) Reformation im Zeichen des Wassermanns“ genannt. „Demodernisierung“ stützt sich auf das wachsende „Unbehagen“ der Gesellschaft gegenüber der Moderne. Diese Transition bewirkt das Aufkommen der hier thematisierten neuen spirituellen Bewegungen. Verschiedene Strömungen sind hierbei zu erkennen: Sowohl neue fundamentalistische Bewegungen am Rand und innerhalb etablierter Kirchen sowie auch außerhalb der traditionellen Glaubensrichtungen.[7]

Auch wenn diese Trends gegeben sind, ist Vorsicht geboten. Vielfach wird die Säkularisation dramatischer dargestellt, als sie sich gestaltet. Der „Mythos der Säkularisierung“ übergeht, dass Religion zwar in verschiedenen Bereichen der Moderne ggf. Randphänomen geworden ist, doch niemals völlig an Boden verloren hat, wie oft charakterisiert. Verdeutlicht wird der unverhältnismäßige Ansatz der Säkularisierung meist noch von der Tatsache, dass in der Forschung lange nicht auf sich neu entwickelnde soziale Formen von Religion geachtet wurde. Die Trendwende überrascht somit mehr als Folge empirischer und theoretischer Versäumnisse.[8]

Unabhängig ihres exakten Ursprungs ist New Age keine gänzlich neue Erscheinung, denn der bisher als „unsichtbare Religion“ bezeichnete Ansatz, wird als Wandel sozialer Formen & Inhalte auf internationaler Ebene fortgesetzt.[9] Wesentliche Fundamente der Bewegung wurden in den USA der 60er-Jahre gelegt und sind nicht, wie oft angenommen, ein Produkt der 80er-Jahre. Die Ablösung religiöser durch wissenschaftliche Legitimation spielt hier eine wichtige Rolle.[10] Die Heilserwartung des Neuen Zeitalters verspricht sowohl rettende Gewissheit hinsichtlich innerer Diskrepanzerfahrungen zwischen realer Erfahrung und persönlichem Sinn, sowie sie es vermag die Sehnsucht nach einem Leben in anderen Verhältnissen aufzuzeigen.[11]

Religionssoziologisch und als Gegenstand der Forschung sind Esoterik und New Age Bewegungen jedoch eine noch junge Disziplin. Etwa seit den 90er-Jahren besteht eine systematische Erforschung des Gebietes, zunächst vornämlich durch Antoine Faivre, der von 1979 bis 2001 in Paris die Professur für Histoire des courants ésotériques et mystiques dans l’Europe moderne et contemporaine innehatte.[12] Nichts desto trotz gelang es Experten einige Merkmale von esoterischer und New Age Bewegungen zu definieren. Ebendiese werden im nachfolgenden Kapitel aus verschiedenen Perspektiven dargestellt.

4. Merkmale

Da in der wissenschaftlichen Literatur keine allgemeingültige Auflistung darüber besteht, an welchen Merkmalen eine esoterische Bewegung bzw. Bewegung des New Age zu erkennen ist, werden an dieser Stelle die Ausführungen von zwei Persönlichkeiten der Religionsforschung aufgezeigt. Sowohl Hubert Knoblauch (Religionssoziologe) als auch Antoine Faivre (Religionswissenschaftler) haben sich eingängig mit den Themen beschäftigt und ermöglichen es, eine Antwort auf die Frage „Was macht eine New Age Bewegung aus?“ zugeben.

Hubert Knoblauch beschreibt in seinem Buch die Weltansicht des New Age als einen für den Charakter unsichtbarer Religion typischen unsystematischen Fleckerlteppich. Trotz dieser Varianz ist es ihm gelungen überschneidende Topoi dieser Vision eines heiligen Kosmos zu filtern.[13]

Das offensichtlichste Kennzeichen von New Age Bewegungen ist die Erwartung eines neuen Zeitalters. Im Gegensatz zu apokalyptisch-fundamentalistischen Bewegungen, welche durch ein kompromissloses Festhalten an ideologischen oder religiösen Grundsätzen gekennzeichnet sind, liegt der Fokus hier auf einer Transformation durch individuelles Bewusstsein. Motor dieser Veränderung der Welt ist ein achtsameres Bewusstsein, geprägt durch starken Individualismus, Selbstfindung und ein ganzheitliches Denken. Die Betonung individueller Autonomie führt zu einer „Ganzheitlichkeit“ von Körper, Geist und Seele. Bestreben ist hier im Weiteren die Selbstbestimmung des Menschen für eine Harmonie des Einzelnen mit Gesellschaft, Natur und dem gesamten „Kosmos“. Zugrunde liegt hier die Ausweitung einiger gnostischer Motive, welche nicht mit den Mitteln rationaler, intersubjektiv verifizierbarer und empirischer Erkenntnisse begründet werden können. Allem voran steht hier die Entsprechung von Mikro- und Makrokosmos. Als Stütze dienen die Traditionen der Mystik, Magie und eine mystisch gewendete psychologische Praxis.[14]

Das Motiv eines neuen Zeitalters ist darüber hinaus mit einem gewissen Archaismus verbunden. Ein Interesse an alten Kulturen mit ihren heiligen Orten, Quellen und fast vergessenen Traditionen gilt es wiederzuentdecken. Die im neuen Zeitalter angestrebte Harmonie erlebt so gesehen eine Renaissance, da sie bereits bestand hatte, bevor sie von der Zivilisation verdeckt und überlagert wurde.[15]

Geht man angesichts der Proklamation eines neuen Zeitalters weiter ins Detail, so werden zwei Zeitabschnitte immer wieder genannt: Das Wassermann- und das Fischzeitalter.

[...]


[1] Redfield, Die Prophezeiung von Celestine, 1996, S. 6

[2] Riccabona, Esoterik und New Age, 2016

[3] Barth, Esoterik, 2011, S. 14

[4] Barth, Esoterik, 2011, S. 16

[5] Knoblauch, New Age, 1989, S. 505/506

[6] Knoblauch, New Age, 1989, S. 504

[7] Knoblauch, New Age, 1989, S. 504

[8] Knoblauch, New Age, 1989, S. 504

[9] Knoblauch, New Age, 1989, S. 504/505

[10] Knoblauch, New Age, 1989, S. 505

[11] Barth, Esoterik, 2011, S. 16

[12] Barth, Esoterik, 2011, S. 61

[13] Knoblauch, New Age, 1989, S. 506/507

[14] Knoblauch, New Age, 1989, S. 507

[15] Knoblauch, New Age, 1989, S. 508

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Esoterik und "New Age" als religionssoziologische Themen in der modernen Gesellschaft
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologie)
Veranstaltung
Theorie 2
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V446600
ISBN (eBook)
9783668825420
ISBN (Buch)
9783668825437
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Esoterik, New Age, Religionssoziologie, Aberglaube, Glaube, Soziologie, Mystik, Moderne Gesellschaft
Arbeit zitieren
Inken Bräger (Autor), 2018, Esoterik und "New Age" als religionssoziologische Themen in der modernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446600

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