Naturkatastrophen im Mittelalter. Das Großfeuer von Frankenberg 1476 und das Erdbeben in Basel 1356


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Quellenlage

3 Die Brände
3.1 Das Erdbeben von Basel
3.2 Der Brand von Falkenberg

4 Diskussion
4.1 Die praktische Bewältigung
4.2 Die interpretierende Verarbeitung

5 Fazit

A. Literaturverzeichnis

B. Anhang

1 Einleitung

Mensch und Natur befinden sich in einem unauflöslichen Wechselspiel. In der Bibel gibt Gott die natürliche Welt den Menschen, auf dass er sie gestalten und verwalten möge, wie es ihm beliebt. Der altgriechische Arzt Hippokrates hatte eine andere Auffassung: In seiner bedeutenden Schrift „Über die Umwelt“ aus dem ausgehenden fünften Jahrhundert vor Christus beschreibt er den Einfluss der natürlichen, regionalen Umwelt auf physische, mentale und kulturelle Besonderheiten ethnischer Gruppen. Die Luft, die der Mensch atmet, das Wasser, das er trinkt, und die Erde, auf der er läuft, bestimmen sein Sein.

Auch heute noch scheint ein Teil dieser These auf den zweiten Blick zu halten. Auch wer im modernen Hochhaus sitzt, dessen Beton sich nicht einmal in der Farbe von dem Hochhaus auf der anderen Seite der Erde unterscheidet, erinnert sich an Völker, deren Existenz von besonderen Umweltfaktoren bestimmt wird. Da sind die schnell aufbaubaren Holz- und Papierhäuser des erdbebengeplagten Japans, die vor Überschwemmung schützenden Stelzenhäuser mancher Amazonasvölker oder die an eine Ernährung aus rohem Fleisch angepassten Inuit. Der Umgang mit natürlichen Bedrohungen wie Erdbeben, Überschwemmung oder Nahrungsknappheit prägt also die Kultur eines jeden Volkes. Deshalb gilt im Umkehrschluss, dass eine Analyse von Naturkatastrophen und des Umgangs mit ihnen einen fundamentalen Einblick in die Kultur der Betroffenen gibt. Naturkatastrophen entreißen dem Alltag seinen gewohnten Trott. Plötzlich liegt das Grundgerüst der sozialen und kulturellen Struktur frei. Welchen Beginn, Verlauf und welches Ende die Katastrophe nimmt, hängt von den zentralen kulturellen Fähigkeiten der Gemeinschaft ab: Gab es technische Präventionsmöglichkeiten oder allgemeine Regeln für Ausnahmezustände? Wer hatte das Sagen und bestimmte den Ablauf? Wie hält die Architektur der Katastrophe stand? Wie viele Menschen sterben und wer war geschützt? Konnte der Wiederaufbau organisiert werden? Wer half? War er erfolgreich in dem Sinne, dass der alte Kulturlevel schnell wieder erreicht werden konnte? Neben diesen praktischen Fragen ergibt sich auch ein weiterer interessanter Aspekt: der der Schuld. Wer wird für den Unglücksfall verantwortlich gemacht? Wird nach dem Einzelnen gesucht, der beim Großbrand das Nachtlicht nicht ausgeblasen hat? Werden Autoritäten angeklagt, die besser hätten verwalten müssen? Oder war es am Ende eine göttliche Strafe?

Ziel dieser Arbeit ist es, das Großfeuer von Falkenberg im Jahr 1476 zu analysieren. Dabei wird das Erdbeben von Basel aus dem Jahr 1356 als Vergleich verwendet, da dem ursprünglichen Erdbeben sowohl ein Stadtbrand als auch eine Überschwemmung folgten. Zuerst werden die relevanten Quellen vorgestellt, und die beiden Katastrophen auf Basis dieser Quellen dargestellt. Im zweiten Teil folgt dann eine Diskussion: Wie gingen beide Städte praktisch mit der Katastrophe um und wie haben sie sie intellektuell bzw. interpretatorisch verarbeitet? Die gewonnenen Erkenntnisse über Parallelen und Differenzen helfen zu einem differenzierten Bild der Kultur des europäischen Spätmittelalters.

2 Quellenlage

Zum Großfeuer in Frankenberg gibt es einen Chronisten, Wigand Gerstenberg. Gerstenberg, dessen richtiger Name wohl eher Bodenbender lautete, lebte von 1457 bis 1522 in Frankenberg und war somit zum Zeitpunkt des Feuers, das er als Augenzeuge miterlebte, 19 Jahre alt.[1] Später, ab 1486, arbeitete er als Altarist in der Frankenberger Pfarrkirche Liebfrauen, er kümmerte sich also um die Altarstiftung der Pfarrei. Er war ebenfalls Kaplan des Landgrafen Wilhelm III. von Hessen, der in Marburg residierte. Durch diese Stellung erhielt er Zugang zu entscheidenden Schriftstücken und verfasste für Wilhelm III. sowohl eine thüringisch-hessische Landeschronik als auch eine Geschichte der Stadt Frankenberg. Die Frankenberger Chronik ist in Gerstenbergs eigener Handschrift überliefert.[2] Wigand Gerstenberg war, wie sein Herausgeber im Jahr 1909 urteilte, in seiner Tätigkeit als Geschichtsschreiber äußerst gründlich und planmäßig und zog für seine Recherche viele unterschiedliche Quellen zu Rate, wie z. B. Augenzeugenberichte, Gedrucktes und Berichte Fremder.[3] Alle diese Quellen übertrug er fast wortgetreu und versah sie mit Angaben. Widersprüchliche Berichte stellte er fraglos nebeneinander.[4]

Das Erdbeben von Basel 1356 hat mehrere Quellen. Die direkteste davon ist der anonyme Bericht im Basler „Rothen Buch“, dem Ratsbuch der Stadt Basel, in dem öffentliche Ereignisse festgehalten wurden. Zwar war das Rote Buch keine wirkliche Stadtchronik, das die Geschichte Basels von den Anfängen bis zur Gegenwart abgebildet hätte, aber immerhin dokumentiert das Ratsbuch wichtige Zeitereignisse.[5] Falls es früher Aufzeichnungen gegeben hatte, die einer Stadtchronik ähnelten, so waren sie wohl bei dem Brand, der dem Erdbeben folgte, untergegangen. Das Stadtbuch, das wenige Monate nach dem Unglück angelegte wurde, enthält einen Bericht über die Katastrophe, vermutlich von einem Augenzeugen.[6] Stadtchroniken, die später, etwa um 1388 angefertigt wurden, erzählen die Geschichte des Erdbebens rückblickend, und haben Daten und Fakten im Nachhinein zusammen getragen.[7] Außerdem sind im Urkundenbuch der Stadt Basel offizielle Entscheide enthalten, die von der Organisation nach dem Brand berichten.[8] Auf der einen Seite gibt es also den detaillierten und zuverlässigen Bericht einer Katastrophe, die aber nur auf einer Quelle beruht, dem Bericht Wigand Gerstenbergs, auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Quellen für das Basler Erdbeben, die aber jeweils nur ihre eigene Seite und die für sie relevanten Informationen darbieten.

3 Die Brände

3.1Das Erdbeben von Basel

Basel liegt am südlichsten Teil der Oberrheinischen Tiefebene. Am anderen Ende dieses Tieflandes befindet sich Frankfurt am Main. Der Oberrheingraben gehört zu einer Grabenbruchzone, die sich von der Nordsee bis zum Mittelmeer erstreckt. Deshalb ist das Gebiet mit erhöhter Erdbebenaktivität verbunden. Das Erdbeben von 1356 wurde nachträglich von Seismologen untersucht, und es wurde ihm eine Stärke von 6,5 auf der Richter-Skala, bzw. von 9 bis 10 auf der MSK-Skala zugeordnet.[9] Es gilt als eines der schlimmsten Beben dieser Region jemals. Fouquet schätzt die Stadt Basel zu dem Zeitpunkt als eine typische kleine Großstadt des späten Mittelalters ein, mit ca. 8000 Bewohnern.[10]

Der Eintrag im Roten Buch beginnt den Bericht mit der Feststellung, dass dieses Erdbeben die Stadt Basel „zerstöret und zerbrochen“[11] hat. Weder Kirche noch Haus noch irgendwas sonst in der Stadt steht und ist nicht der Zerstörung anheimgefallen. Der Tag war ein Lukastag, „an dem cinstag nach sant Gallen tag“[12], wie der Bericht genau feststellt. Während das Erdbeben die Stadt am Tag im Griff hatte, fing es in der Nacht dann auch zu brennen an und das Feuer wütete „wohl acht tag.“[13] Alles, was sich also noch innerhalb der Ringmauer befand, wurde verbrannt, das, was aber außerhalb der Stadt war, wurde noch im Umkreis von vier Meilen[14] von den Erschütterungen des Erdbebens verwüstet.[15] Es blieb „wenig deheinú gantz“[16]. Außerdem gab es kleinere und größere Nachbeben in der Zeit danach.[17]

In den kleineren Basler Annalen wird festgehalten, dass das Feuer sogar ganze fünf Wochen ohne Unterlass wütete.[18] Die Zahl der Todesopfer wird auf 500 Menschen geschätzt.[19] Die einstürzenden Häuser versperrten den Menschen die Flucht.[20] Auch hier wird erwähnt, dass ebenfalls das Umland betroffen war.[21] Fouquet ergänzt auf Basis des Chronisten Heinrich von Diessenhofen, dass der Tag ein 18. Oktober war, das Erdbeben zwischen Mittag und Nachmittag startete und andauerte, und dass selbst am nächsten Tag noch kleinere Stöße wahrgenommen wurden.[22] Das Feuer aber habe nach ihm 10 Tage angedauert.[23] Leute, die in die Stadt liefen, um zu helfen oder ihr Hab und Gut zu sichern, wurden von Feuer und Beben daran gehindert.[24] Weiterhin sei nach dem Dominikaner Konrad von Waltenkofen nach dem Beben und dem Feuer noch die Birsig über die Ufer getreten, da sie durch Trümmer aufgestaut war.[25] Wieder eine andere Quelle erzählte, dass die Basler Bevölkerung außerhalb der Stadt in Zelten auf den Feldern leben musste und Hunger litt.[26]

Fouquet schätzt die Aussagen über das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe als Verschleierung ein.[27] Es gibt unterschiedliche Berichte über Hilfsaktionen von Nachbarstädten und Beschlüssen des Rates über die Verwaltung des Wiederaufbaus.[28] Das Urkundenbuch der Stadt Basel enthält die politischen Dokumente der Stadt, also Ratsbeschlüsse, Verträge mit anderen oder erlassene Beschlüsse. Der erste Eintrag nach der Katastrophe im Oktober fällt in den Dezember und berichtet von der Abzahlung einer Schuld von 5550 Gulden an Graf Rudolf von Neuenburg Herr zu Niedau.[29] Die Stadt muss also das Geld gehabt haben, um diese Schuld zu begleichen. Richtig erwähnt wird das Erdbeben erst in einem Eintrag von 1359, also drei Jahre nach dem Beben, als es um einen im Erdbeben verlorenen gegangenen Schuldschein für ein Haus geht. Da geht es um zwei Beginen, also unverheiratete Frauen, die in einer Gemeinschaft zusammenlebten, und von der Stadt Geld bekommen haben, gemäß einem Brief, der aber „in dem ertpidem verloren hant.“[30] Dieser Brief wird ihnen wieder ausgestellt und das Geld gezahlt. Im März 1360 wird ein weiterer Zins zurückgezahlt.[31] Im selben Jahr gibt es eine Verordnung über einen Rat, der zu fünft (ein Ritter und vier Bürger) über den Wiederaufbau wachen und walten soll.[32] 1361 wird das Erdbeben erneut erwähnt, da die Scherer, Maler, Sattler und Sporer eine neue Zunftordnung ausgestellt bekamen, die das Erdbeben zuvor vernichtet hatte.[33] Der Brief setzt genaue Regelungen über Löhne, Rechnungen, Vorratshaltung und Hierarchie innerhalb der Zunft fest.[34] Damit eine solche Verordnung nötig wurde, muss der Betrieb seit einiger Zeit in immerhin so großem Maße wieder angelaufen sein, dass es Koordinationsschwierigkeiten gab. Man kann also davon ausgehen, dass das Handwerk sich um 1361 bereits zu großen Teilen erholt hatte. Weiter geht es später im Jahr 1361. Die Stadt Basel bezog ihre Haupteinnahmen aus Verbrauchsabgaben an Wein, Getreide, Fleisch und anderen Gütern.[35] Ein Beschluss gibt Basel das Recht, dieses „ungelt“[36] auch in Kleinbasel einziehen zu dürfen. Im Dezember 1362 war die Stadt in der Lage, dem Grafen Rudolf von Habsburg sowie der Stadt Laufenburg das Recht des Wiederkaufs des ihnen verkauften Zinses auszustellen. In der Tat scheint Basel also zu diesem Zeitpunkt wieder eine „prosperierende Kreditpolitik“[37] zu unterhalten.

3.2 Der Brand von Falkenberg

Frankenberg liegt im Oberhessischen, etwa 30 km nördlich von der Universitätsstadt Marburg.[38] Zu der Zeit des Brandes lebten in ihr ca. 1000 Menschen, es gab eine Altstadt und eine Neustadt. Die Stadt diente ursprünglich als Festung im Krieg mit den ansässigen Stämmen der Sachsen.[39] Später ist die Stadt Teil des Zwistes zwischen thüringisch-hessischen Landgrafen und den Erzbischöfen von Mainz.[40] Am Fuße des Berges trafen sich viele Handelsstraßen. 1286 erhielt die Stadt Unabhängigkeit von der Kirche und begann mit dem Bau der Liebfrauenkirche, in der Wigand Gerstenberg später als Altarist tätig sein sollte.[41] Kurz vor dem Feuer blühte Frankenberg und war eine der wichtigsten hessischen Städte, hat sich aber kulturell von der Naturkatastrophe nie wieder völlig erholt.[42] In der Stadtchronik des Wigand Gerstenberg wird von diesen zahlreichen und intensiven Konflikten seit Beginn des sechsten Jahrhunderts nach Christus minutiös berichtet.[43] Das Feuer und dessen Folgen, die auf den jungen Chronisten einen beträchtlichen Einfluss gehabt haben müssen, ist sozusagen der Höhepunkt, in dem die Identität der Stadt als eine, die über konstantes Leid triumphieren muss, ihre Kulmination findet.[44]

Wie auch Fouquet bemerkt,[45] beginnt die Erzählung Gerstenbergs über das Feuer mit der genauen zeitlichen Verortung. Der Tag war ein Donnerstag am neunten Mai und die Uhrzeit war Mittag, „alßs die glocke 1 slug.“[46] Gerstenberg benennt exakt das Haus, in dem das Feuer startete, ein hohes Haus in der Mittelgasse, an dessen Dach keine Leiter ragte.[47] Anstatt Ursachen zu nennen oder zu spekulieren, oder die Leute zu benennen, die in diesem Haus wohnten, berichtet Gerstenberg von den Schwierigkeiten, das Feuer sofort einzudämmen. Nicht nur war das Haus unerreichbar, sondern das Klima war auch zu der Zeit schon länger heiß und trocken gewesen, sodass es in der Stadt an Wasser fehlte[48] und außerdem waren nicht viele Leute zum Helfen da: Sie waren bei der Arbeit auf ihren Feldern und Anwesen und wo immer sie auch zu tun hatten.[49] Und noch einen vierten Grund führt er an: Obwohl eigentlich bisher kein Wind da gewesen sei, „sunder eyn gantz stille heißs tag“, blies just zum Ausbruch des Feuers ein Wind an, der das Feuer in alle Ecken der Stadt verteilte.[50] Leider ist aus der nüchternen Feststellung des plötzlichen Windes nicht festzustellen, ob Gerstenberg hier so etwas wie göttliches Walten, ob Strafe oder Prüfung, sieht, oder schlicht einen Zufall. Es wäre auch möglich, dass er die „durch die Hitze des Brandes ausgelöste Thermik“[51] fehlinterpretiert hat. Doch Gerstenberg beschreibt lieber die Reaktion des Stadtvolks: sie „gosßsen, slugin, leschtin unde werten sichmit gantzem ernste“[52], doch es half leider nichts. Schließlich kamen die Leute von den Feldern angelaufen und halfen mit, doch auch das änderte nichts, das Feuer wurde immer größer.[53] Zum Schluss kamen die Bewohner der benachbarten Dörfer und boten ebenso ihre Hilfe an. Obwohl auch das nichts brachte, werden diese Helfer von Gerstenberg mit ganzen sechs Zeilen bedacht, und jedes einzelne Dorf und jeder Hof, der Hilfe schickte, wird namentlich erwähnt. Gerstenberg lobt dies mit den Worten „getruwelich“ und „ernstlich.“[54] Als das Feuer die Stadt vollends im Griff hatte und die Häuser in den Gassen zusammenfielen, packte es auch das Rathaus. Die Kanonen und Armbrüste und anderes Kriegsgerät verbrannte sowie die Archive mit den Privilegien und Briefen der Stadt, die ihnen ihre städtische Freiheit zusprachen, das städtische Geld und „vil alder kleynode.“[55] Dies schätzt Gerstenberg als „grosßsin verderplichin schaden“[56] ein. Zuletzt, um vier Uhr, brannte auch Gerstenbergs Pfarrkirche.[57] Da der Chorturm der Kirche mit Blei gedeckt war, schmolz das Blei, und regnete an den Wasserspeiern des Dachs geschmolzen herab.[58] Qualvoll beschreibt Gerstenberg, wie jeder einzelne Part der Kirche den Flammen zum Opfer fällt, bis schließlich auch die „kostliche gute groisßse glocke“[59] im tosenden Feuer versinkt. An diesem emotionalen Höhepunkt seiner Erzählung beschreibt er auch, wie die Frauen und Kinder, die am Berg noch Schutz gesucht hatten, vor Hitze und Rauch dahingingen.[60] Gerstenberg kann genau aufzählen, welche Gassen niederbrannten und was stehen blieb. Das Ausmaß war auf jeden Fall so gewaltig, dass die Stadtbevölkerung vor den Toren Zuflucht suchen musste und erst einmal obdachlos war und „keyn essen, keyn drincken“[61] hatte. Kinder und Alte schrien, vor Hunger oder vor Verlust, und auch das Vieh, das an den Bäumen festgebunden wurde, schrie zum Gotterbarmen.[62] Um Mitternacht gingen „gelerte gesellen“, die noch die Heiligtümer retten wollten, in die Kirche und mussten die herabstürzenden, glühenden Balken mit Weihwasser löschen.[63] Am Morgen nach der durchwachten Nacht, als sich das Feuer gelegt hatte, suchten die Leute in ihren Kellern nach Nahrung und sahen die ganze Entsetzlichkeit der Verbrannten und Verschütteten.[64] Danach zogen die Leute wieder in die Stadt, lebten in Kellern, Scheunen und Ruinen. Aber viele gingen auch weg, vor allem die des „jungen ledigen fulckes.“[65] Die Not war groß, bis die Nachbarstadt Treysa einen Wagen voller Kleidung und Brot schickte. Auch das wird von Gerstenberg besonders lobend beschrieben und soll von den Frankenbergern nie vergessen werden.[66] Landgraf Heinrich III. schickte Korn und Bauholz und erteilte ihnen auch wieder ihre verlorenen Privilegien. Die Bürger begannen mit dem Wiederaufbau. Allerdings war der folgende Winter hart, es lag 20 Wochen lang Schnee, schreibt Gerstenberg.[67] Die Menschen litten Hunger und Kälte und das Vieh starb aufgrund mangelnden Unterstandes. Das verbleibende Vieh war so ausgezehrt, überarbeitet und zahlenmäßig gering, dass es nach dem Winter die Felder nicht beackern konnte. Also herrschte nach einer schlechten Ernte weiter Hungersnot.[68] Darauf folgte, dass viele an „seltzin kranckeyden“[69] starben, vermutlich aufgrund von Mangelernährung und schlechter Hygiene.[70] Gerstenberg rezitiert viele Gründe für den schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung, darunter das erfahrene Leid und das abgearbeitete Herz. Es kam also „eyn unglucke nach dem andern“[71] und „nymant enmag den schaden, noit, jamer, elende, bedrupnisßse unde ungemach darvon gentzlichin geschriben.“[72]

[...]


[1] Hermann, Chroniken. 1909: 3.

[2] Pistor, Wigand Gerstenberg. 1892: 10.

[3] Hermann, Chroniken. 1909: 2.

[4] Hermann, Chroniken. 1909: 6-7.

[5] Bernoulli, Chroniken 4. 1890: 1.

[6] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 108.

[7] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 110.

[8] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 110.

[9] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 115.

[10] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 105.

[11] Bernoulli, Chroniken 4. 1890: 17.

[12] Bernoulli, Chroniken 4. 1890: 17.

[13] Ebd.

[14] Etwa 30 Kilometer, nach Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 116.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Bernoulli, Chroniken 4. 1890: 17.

[18] Bernoulli, Chroniken 5. 1895: 57.

[19] Bernoulli, Chroniken 5. 1895: 57. In der „Sächsischen Weltchronik“ sind es 300, nach Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 118.

[20] Bernoulli, Chroniken 5. 1895: 57.

[21] Bernoulli, Chroniken 5. 1895: 57.

[22] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 110.

[23] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 118.

[24] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 110.

[25] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 111.

[26] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 119.

[27] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 119.

[28] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 119.

[29] Wackernagel, Urkunden. 1899: 214.

[30] Wackernagel, Urkunden. 1899: 224.

[31] Wackernagel, Urkunden. 1899: 231.

[32] Wackernagel, Urkunden. 1899: 233.

[33] Wackernagel, Urkunden. 1899: 237.

[34] Ebd.

[35] Isenmann, Stadt im Mittelalter. 2014: 527.

[36] Wackernagel, Urkunden. 1899: 242.

[37] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 119.

[38] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 107.

[39] Internetauftritt der Stadt Frankenberg (o. J.)

[40] Internetauftritt der Stadt Frankenberg (o. J.)

[41] Internetauftritt der Stadt Frankenberg (o. J.)

[42] Internetauftritt der Stadt Frankenberg (o. J.)

[43] Hermann, Chroniken. 1909: 388.

[44] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 126.

[45] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 112.

[46] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 456.

[47] Ebd.

[48] Ebd.

[49] Ebd.

[50] Ebd.

[51] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 112.

[52] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 456.

[53] Ebd.

[54] Ebd.

[55] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 457.

[56] Ebd.

[57] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 458.

[58] Ebd.

[59] Ebd.

[60] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 459.

[61] Ebd.

[62] Ebd.

[63] Ebd.

[64] Ebd.

[65] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 460.

[66] Ebd.

[67] Ebd.

[68] Ebd.

[69] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 461.

[70] Fouquet, Kulturgeschichte der Katastrophen. 2004: 121.

[71] Gerstenberg in Hermann, Chroniken. 1909: 461.

[72] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Naturkatastrophen im Mittelalter. Das Großfeuer von Frankenberg 1476 und das Erdbeben in Basel 1356
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,4
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V446675
ISBN (eBook)
9783668825147
ISBN (Buch)
9783668825154
Sprache
Deutsch
Schlagworte
naturkatastrophen, mittelalter, großfeuer, frankenberg, erdbeben, basel
Arbeit zitieren
Katrin Artmann (Autor), 2017, Naturkatastrophen im Mittelalter. Das Großfeuer von Frankenberg 1476 und das Erdbeben in Basel 1356, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446675

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