Quellenkritik des 5. Briefes des Cyprian von Karthago


Quellenexegese, 2017
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einführung

2. Quellenkritik
2.1 Quellenbeschreibung
2.2 Äußere Quellenkritik
2.3 Innere Quellenkritik
2.3.1 Tendenzkritik
2.3.2 Traditionskritik
2.3.3 Redaktionskritik

3. Inhaltsangabe und Quelleninterpretation
3.1 Inhaltsangabe
3.2 Interpretation und Beantwortung der Fragen an die Quellenkritik

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Buchrecherche
5.2 Internetrecherche

6. Anhang

1.Einführung

Diese Quellenkritik beschäftigt sich mit dem 5. Brief von Cyprian von Karthago, Bischof von Karthago. Nach einer kurzen Quellenbeschreibung kläre ich zunächst die Gegebenheiten von Ort, Zeit, Verfasser und Adressat. Es folgt anschließend die sachliche Aufschlüsselung und eine Einordnung in den historischen Hintergrund der Quelle. Dieses führt dann zu einer Inhaltsangabe und einer anschließenden Interpretation des Briefes. Letztlich erfolgt im Fazit die Reflexion der gewonnenen Ergebnisse.

Nach der Sichtung von Quelle und Literatur stellten sich zwei Fragen, die ich mit Hilfe der Quellenkritik beantworten möchte. Die erste Frage wäre „Warum mahnte Cyprian von Karthago in seinem 5. Brief an den Klerus zu Ruhe und Besonnenheit“? Die zweite Frage, die sich mir stellte war „Was lässt sich aus der Quelle über die Aufgaben der Amtsträger in der decianischen Christenverfolgung herausfinden“. Dieses sind die beiden Fragen, die ich mit Hilfe dieser Quellenkritik beantworten möchte.

2. Quellenkritik

2.1 Quellenbeschreibung

Der 5. Brief Cyprians stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Frühjahr 250 und kommt somit aus der Zeit der decianischen Christenverfolgung. Cyprian sendete den Brief aus einer unbekannten Zufluchtstätte und ist war den Klerus der Hauptstadt Karthago gerichtet. Er mahnte darin den Klerus zur Ruhe und Besonnenheit und darauf, die Bekenner, die ins Gefängnis geworfen wurden, nur unter größter Vorsicht zu besuchen. Des Weiteren legte Cyprian dem dortigen Klerus ans Herz, den Armen und Schwachen zu helfen und für sie zu sorgen. Ebenfalls kann man dem Brief auch entnehmen, wie sich der Klerus in dieser Zeit zu verhalten hatte. Seien es die alltäglichen Aufgaben im Dienst des Herrn oder auch die Versorgung und Verpflegung der Armen und Schwachen.[1]

Eine schriftliche Kopie des besagten Briefes kann heute in der „Bibliothek der Kirchenväter“ online eingesehen werden.[2] Ein Ausdruck dieser Kopie befindet sich im Anhang dieser Arbeit.

2.2 Äußere Quellenkritik

Thascius Caecilius Cyprianus war Mitglied einer wohlhabenden und alteingesessenen Familie aus Karthago. Er erhielt eine gute Ausbildung und wirkte als erfolgreicher Advokat, Lehrer der Rhetorik und war ein guter Redner. In seiner Wissenschaft bildete er junge Menschen aus. Das Christentum wurde Ihm durch seinen Freund Caecilianus nahegebracht. Im Jahre 246 ließ sich Cyprian taufen und wurde Priester. Nach nur drei weiteren Jahren wurde er zum Bischof von Karthago geweiht. Die theologischen Vorstellungen Cyprians wurden von Tertullian geprägt. Cyprian prägte die Tradition und Lehre des westlichen Christentums sehr entscheidend. Im Gegensatz zu Tertullian, oder auch Augustinus von Hippo stieß Cyprian auch im Osten auf Zustimmung. Im Jahr 250 floh Cyprian aus Karthago aufgrund der decianischen Christenverfolgung. Seine Flucht brachte ihm Feigheit und Kritik ein.[3] Man geht davon aus, dass unter den afrikanischen Bischöfen ein geheimes Abkommen für den Primas bestand. Dieses wird dadurch belegt, dass immer, wenn Cyprian in seinen Schriften auf seine Flucht einging deutliche Hintergründe zu spüren sind.[4] Er stärkte aber durch seine Briefe die Gemeinden und machte ihnen so Mut. In der zweiten Verfolgungswelle unter Kaiser Valerian wurde Cyprian verbannt nach Curubis. Dieses geschah im Jahr 257. Er wurde als sich die Verfolgungen verschärften nach Karthago zurückgeholt und enthauptet. Nach den neueren Forschungen war Karthago in der Zeit Cyprians ein Mittelpunkt für etwa 150 Bistümer. An der leider unvollständigen Korrespondenz Cyprians kann man sehen, wie weit das Feld der Tätigkeiten reichte. Es sind alleine 81 Briefe erhalten. 59 von diesen Briefen stammen von Cyprian. Die sechs karthagischen Synodalschreiben stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls von ihm. Die anderen 16 Briefe stammen zwar nicht von Cyprian, aber die Verfasser standen im engen Verhältnis zu Cyprian. Man kann somit sagen, dass der 5. Brief Cyprians eine Primärquelle ist. Leider kann man abgesehen davon, dass der Brief in der Nähe von Karthago verfasst wurde nichts genaueres zum Entstehungsort sagen, da Cyprian ihn aus einem unbekannten Zufluchtsort heraus schrieb und sandte. Der Fundort des Briefes ist leider unbekannt. Allem Anschein nach handelt es sich nicht um eine Fälschung. Die Briefe Cyprians kann man in folgende Kategorien einteilen.

„1. Briefe vor der Flucht Cyprians (249-250) [Brief 1-4]“
„2. Briefe aus der Zeit der ersten Verfolgung unter Decius und der Flucht Cyprians (250-251) [Brief 5-43]“
„3. Der Briefwechsel mit den Päpsten Cornelius u. Lucius: Das Schisma des Novatianus (251-254) [Brief 44-61; 64, 66]“
„4. Briefe aus der Zeit des Papstes Stephanus: Der Ketzertaufstreit(254-256) [Brief 67-75]“
„5. Die valerianische Verfolgung und Cyprians letzte Verbannung (257-258) [Brief 76-81]“[5]

An der Datierung der Briefe und insbesondere des fünften Briefes kann man sagen, dass der Inhalt des Briefes zur historischen Situation passt, weil er auch in der in ihm selbst beschrieben Zeit geschrieben wurde. Es gibt außerdem nach heutigem Forschungsstand keinerlei Hinweise darauf, dass der Brief nachträglich verändert wurde und so erhalten ist wie er ursprünglich verfasst wurde.

2.3 Innere Quellenkritik

2.3.1 Tendenzkritik

Zur Syntaktik des Briefes kann man sagen, das Cyprian wie auch in seinen anderen Schriften darlegte, ein Meister des rhetorischen Stils und des lateinischen zu sein. Die verwendete Sprache weist eine Art Schönheit auf. Dieses setzte sich dem Stil Tertullians, welcher Cyprians Lehrer war, entgegen. Nicht zuletzt dieser sprachlichen Schönheit ist es zu verdanken, dass Cyprians Schriften beinahe Kanonisches Ansehen bis ins Mittelalter erhielten. Ein weiteres Merkmal ist, das Cyprian gegenüber seinen Brüdern sehr besonnen, aber dennoch mit festem Willen und auffordernd schreibt. Besonderen Glanz erhielten Cyprians Worte nach seinem Märtyrertod, den er nach seinem Zehn Jahre andauerndem Episkopat erlitt[6].

Zur Semantik kann man sagen, dass es zwei Sinnlinien in dem Brief gibt. Die erste Sinnlinie sind die Aufgaben und Verhaltensregeln an den oder die Leser. In diesem Fall ist es der Klerus. Diese Sinnlinie ist auch gleichzeitig das Thema, welches im Brief behandelt wird. Die Hauptaufgabe des Klerus war hierbei die Fürsorge der Armen und Schwachen. Ein Aspekt in Cyprians theologischem Verständnis ist das Verhältnis zwischen Laien und Klerus, dass Cyprian häufig im biblischen Sinn verwendete. Gemeint ist das Verhältnis von einem Hirten und einer Herde. Hierbei stehen die Schafe für das Volk der Gemeinde und der Hirte steht für Christus.[7] Für Cyprian waren Erde und Himmel ein Reich, dass bei ihm den Namen Kirche hatte[8]. Im Gegensatz zu Tertullian und Irenäus hatten bei Cyprian die Bischöfe die gleiche Stellung wie die Apostel. Cyprian unterschied sich auch in der Art der Bedeutung der Glaubensregel welche für die Kirche wichtig ist. Er übergab diese in die Fürsorge der Bischöfe. Wenn es so sei, dass ein Bischof die gleiche Würde und Gewichtigkeit der Apostel habe, bleibt Cyprian mit dieser Handlung konsequent. Es wäre demnach ja dasselbe, ob ein Apostel oder ein Bischof die Glaubensregel formuliert, da es ja auch derselbe Heilige Geist wäre, der den Apostel oder den Bischöfen innewohnt.[9] Somit ist auch gerechtfertigt, dass Cyprian dem Klerus die Fürsorgepflicht eines Hirten anvertraute. Man kann somit belegen, dass Cyprians theologisches Denken und Handeln im eigens verfassten Brief wieder gespiegelt wird. Im Inhalt des Briefes mahnte er immer wieder darum nicht aufzufallen und Ruhe zu bewahren. Ebenfalls sollte der Klerus sich bei den Besuchen der inhaftierten Christen ständig abwechseln. Am Anfang des Briefes erwähnte Cyprian, dass er froh sei, dass es seinen Brüdern, den Priestern und Diakonen gut gehe. Ebenfalls erwähnte er, dass die momentane Lage ihm nicht erlaube selbst bei seinen Brüdern in Karthago zu weilen[10]. Damit griff Cyprian die dortige momentane politische Lage auf. Die Christenverfolgungen im Römischen Reich sollten eine Maßname sein, den immer größer werdenden Einfluss des Christentums im Römischen Reich klein zu halten. Zu Zeiten Kaiser Decius um ca. 249-250 fing es mit spontanen und örtlich begrenzten Unterdrückungen und anderen Maßnamen gegen das immer weiter wachsende Christentum an. Dieses waren die ersten vom Kaiser befohlenen und systematischen Christenverfolgungen im Römischen Reich. Als diese Maßnamen nicht den gewünschten Erfolg hatten und zudem noch ein neuer Kaiser an die Macht kam, kam es zu kaiserlich angeordneten und Landesweiten blutigen Verfolgungen. Unter dem neuen Kaiser Valerian kam es zum Höhepunkt der Christenverfolgungen. Valerian ließ die christlichen Bischöfe gefangen nehmen und richtete sie anschließend ohne einen Prozess hin. All dieses diente dazu, das Christentum am Wachstum zu hindern und die Strukturen der Kirche zu vernichten.[11]

Wenn man das Augenmerk auf die Pragmatik des Briefes wirft wird deutlich, dass der Brief genau dazu genutzt wurde wofür er ursprünglich verfasst wurde. Der Brief sollte den Klerus durch die Aufforderungen Cyprians darin bestärken, an ihrem Glauben festzuhalten. Seine Reden machten Mut und sorgten dafür, dass die aufgetragenen Aufgaben wahrgenommen und erfüllt wurden. Cyprian sprach in seinem Brief ganz gezielt die Bischöfe und Diakone an. Er erteilte ihnen nicht nur sich um die Armen und Schwachen zu kümmern, sondern auch ihn selbst zu vertreten. Des Weitern erwähnte er, dass es die Pflicht eines jeden Bischofs und Diakons sei mit Demut, Milde und Ruhe für das Wohl der Menschen zu sorgen. Zur Argumentationsstruktur des Briefes kann man sagen, dass Cyprian es schaffte, den Klerus davon zu überzeugen, dass Sie auf ihn als Autoritätsperson vertrauen und die ihnen erlegten Aufgaben und Pflichten erfüllten. Dieses schafft Cyprian indem seine Worte alleine schon ein Autoritätsargument sind. Die Worte Cyprians wurden in der Welt als lebendiges Vorbild und auch als Führerwort verstanden. Nicht zuletzt deswegen, weil Cyprian es schaffte, sich und auch seine Worte den aktuellen Lebensbedingungen anzupassen[12]. Ebenso verwendete Cyprian ein Argumentum ad populum, indem er auf die Gefühle der Leser einging. Dieses gelang Cyprian dadurch, dass er noch mal verdeutlichte, dass Menschen, die dem Christentum angehören und an eine gute Sache glauben gefangengenommen wurden und im Gefängnis saßen. Er begründete sein Handeln und seine Worte damit, das es die Pflicht eines jeden Christen ist, für etwas Gutes und auch für das Wohl des Volkes einzutreten.

[...]


[1] G. Emmenegger, Bibliothek der Kirchenväter, https://www.unifr.ch/bkv/kapitel1945.htm

[2] G. Emmenegger, Bibliothek der Kirchenväter, https://www.unifr.ch/bkv/kapitel5513.htm

[3] J. Schäfer , Aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon, https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Cyprian_von_Karthago.htm

[4] J. Ludwig, Der heilige Märtyrerbischof Cyprian von Karthago, 29

[5] G. Emmenegger, Bibliothek der Kirchenväter, https://www.unifr.ch/bkv/kapitel5513.htm

[6] A. Beck, Römisches Recht bei Tertullian und Cyprian, 111

[7] A. Hoffmann, Kirchliche Strukturen und römisches Recht bei Cyprian von Karthago, Band 92, 163f

[8] J. Ludwig, Der heilige Märtyrerbischof Cyprian von Karthago, 46

[9] Ebd 48f

[10] G. Emmenegger, Bibliothek der Kirchenväter, https://www.unifr.ch/bkv/kapitel5513.htm

[11] M. Hartl, A. Merkt, Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft, https://www.bibelwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religionspaedagogische-lexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/christenverfolgungen-im-fruehen-christentum/ch/7f323249b79ce47ae48f6069a1febf5d/

[12] A. Beck, Römisches Recht bei Tertullian und Cyprian, 107

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Quellenkritik des 5. Briefes des Cyprian von Karthago
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für alte Kirchengeschichte)
Veranstaltung
Grundthemen und Methoden der Kirchengeschichte. Entstehung der Ämter und Strukturen SS 2017
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V446720
ISBN (eBook)
9783668826083
ISBN (Buch)
9783668826090
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit wird ein genauer Blick auf den 5. Brief des Cyprian von Karthago geworfen und genau analysiert.
Schlagworte
Cyprian, Quellenkritik, Qellenexegese, Exegese, Karthago, Brief, 5.Brief, Analyse, Neues Testament, NT, Religion, Religionsunterricht, Lehrer, Sekundarstufe 2, Sekundarstufe II, Cyprian von Karthago, Historisch, Historisch methodisch, Quelle, Antike, Textanalyse, Kirchengeschichte, Alte Kirchengeschichte, Amt, Ämter und Strukturen
Arbeit zitieren
Bachelor Jan-Niklas Brüggemann (Autor), 2017, Quellenkritik des 5. Briefes des Cyprian von Karthago, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446720

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