Kooperation zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie

Welche Aufgaben stellen sich in diesem Zusammenhang dem Sozialdienst in der Psychiatrie?


Hausarbeit, 2018

8 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Kooperation zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie

2 Strukturelle Konflikte in der Zusammenarbeit
2.1 Zwischen Kindeswohl und „Elternwohl“
2.2 Zwischen Hilfe und Kontrolle

3 Möglichkeiten einer Zusammenarbeit und die Aufgaben des Sozialdienstes

Literaturverzeichnis

1 Kooperation zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie

Sowohl die Erwachsenpsychiatrie als auch die Kinder- und Jugendhilfe arbeiten in ihrem Alltag mit Familien, in denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist. Dennoch gibt es in der Praxis bislang nur wenig kooperative Ansätze zwischen beiden Handlungsfeldern. Für die Jugendhilfe ist es besonders wichtig, einen frühzeitigen Zugang zu den betroffenen Familien zu erhalten und Vertrauen aufzubauen, um präventiv arbeiten zu können und somit das Kindeswohl zu sichern. Ohne die psychiatrische Versorgung des erkrankten Elternteils ist es kaum möglich die Familie zu stabilisieren. Für die Einschätzung der Erziehungsfähigkeit und die Ausgestaltung der Hilfen zur Erziehung ist das Wissen um die Symptome und Krankheitsverläufe psychischer Krankheiten und somit das Wissen und die Kompetenzen der psychiatrischen Fachkräfte für die Jugendhilfe unverzichtbar (vgl. Kölch/Schmid 2014, S. 130; Wagenblass 2018, S. 1231 f.). Die Effektivität der psychiatrischen Versorgung ist unter anderem davon abhängig, inwieweit es gelingt, das erkrankte Elternteil in seiner bzw. ihrer Elternrolle wahrzunehmen, die sich daraus ergebenden Probleme zu erkennen und entsprechende Unterstützung und Entlastung anzubieten. Somit zeigt sich, dass eine enge Kooperation zwischen der Erwachsenenpsychiatrie und der Jugendhilfe unabdingbar ist, um die betroffenen Familien zu unterstützen und ihren Hilfebedarf ganzheitlich wahrnehmen zu können (vgl. ebd.).

Eine psychische Erkrankung belastet nicht nur die erkrankte Person, sondern das gesamte Familiensystem. Sie verändert die Lebenssituation aller Familienmitglieder und konfrontiert diese mit vielfältigen Herausforderungen. Eine psychische Erkrankung eines Elternteils stellt besonders für die Kinder einen hohen Belastungs- und Risikofaktor dar. In den vergangenen Jahren wurden die Bedürfnisse dieser Kinder zunehmend wahrgenommen, dennoch gibt es immer noch psychiatrische Institutionen, die nichts von den Kindern ihrer Patientinnen und Patienten wissen. Des Weiteren gibt es noch zu wenig Hilfs- und Unterstützungsangebote für Kinder psychisch kranker Eltern. Gründe hierfür sind unter anderem fehlende finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen (vgl. Wagenblass/Schone 2001, S. 580 ff.; Wagenblass 2012, S. 222). Die Hilfen nach dem SGB V, SGB VIII und dem SGB XII lassen sich nur bedingt in Kombination anbieten, so verpflichtet beispielsweise das SGB VIII zu einer Zusammenarbeit mit dem Gesundheitswesen. Während auf Seiten der Erwachsenenpsychiatrie keine gesetzliche Verpflichtung zur Zusammenarbeit besteht (vgl. Wagenblass 2018, S. 1234 f.). Eine besondere Rolle spielen des Weiteren die strukturellen Konflikte und Spannungsfelder zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie, auf die im folgenden Kapitel näher eingegangen wird.

2 Strukturelle Konflikte in der Zusammenarbeit

2.1 Zwischen Kindeswohl und „Elternwohl“

Mit der Erwachsenenpsychiatrie und der Jugendhilfe treffen zwei Systeme mit unterschiedlichen Aufträgen sowie unterschiedlichen Zielgruppen aufeinander. Im Mittelpunkt der Jugendhilfe stehen die Bedürfnisse und Interessen der Kinder. Ihre Aufgabe ist es, das Wohl der Kinder und Jugendlichen zu schützen. Der Fokus der Psychiatrie hingegen liegt auf ihren Patientinnen und Patienten und auf der Behandlung und Genesung dieser. Die professionellen Helfer_innen stehen sich gegenüber, wenn es um das Wohl des Kindes bzw. der Patientinnen und Patienten geht (vgl. Wagenblass/Schone 2001, S. 582). Wagenblass und Schone (2001, S. 584) machen dieses Spannungsfeld mit einem Satz deutlich, den ein Psychiater zu einer Sozialarbeiterin sagte: „Nehmen Sie der Frau um Gottes Willen nicht das Kind weg. Es ist der letzte Halt, den sie noch hat.“ (ebd.) Das Spannungsfeld entsteht somit dort, wo sich das Kindeswohl und das „Elternwohl“ derart gegenüberstehen, sodass einem von beiden ein Schaden droht. An dieser Stelle ist es wichtig, dass sich beide Systeme gegenseitiges Verständnis entgegenbringen und gemeinsam nach Lösungswegen suchen, ohne die Interessen des jeweils anderen zu verletzen (vgl. ebd.).

2.2 Zwischen Hilfe und Kontrolle

Gemäß § 1 Abs. 3 SGB VIII ist die Jugendhilfe verpflichtet, das Wohl des Kindes zu schützen und die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Die Jugendhilfe bietet neben ihren kontrollierenden Aufgaben eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten für die Kinder und ihre Familien an, wenn Eltern vorübergehend oder längerfristig ihren Erziehungsauftrag nicht wahrnehmen können (vgl. Wagenblass/Schone 2001, S. 581). Viele Eltern begegnen der Jugendhilfe, insbesondere dem Jugendamt, mit negativen Einstellungen. Gleichermaßen ist auch das Verhältnis von Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie durch Vorurteile gekennzeichnet, weshalb die Kontaktherstellung zum Jugendamt seitens der Psychiatrie solange wie möglich vermieden wird. Somit wird das Jugendamt häufig erst in Krisensituationen eingeschaltet (vgl. Wagenblass 2018, S. 1235). Dann geht es jedoch häufig schon um die Frage, ob das Kind in der Familie bleiben kann oder nicht. Kommt es aufgrund der akuten Krisensituation zur Inobhutnahme des Kindes verstärkt sich die Sichtweise der Eltern und der psychiatrischen Fachkräfte, was wiederum dazu führt, dass das Jugendamt seitens der Psychiatrie auch weiterhin nicht präventiv einbezogen wird (vgl. ebd.). Aufgabe der Erwachsenenpsychiatrie ist es, die Eltern über ihre Rechte auf Inanspruchnahme von Hilfen und über die dazugehörigen Fachdienste ausführlich in Kenntnis zu setzen (vgl. Wagenblass/Schone 2001, S. 582). Des Weiteren geht aus der Fachliteratur hervor, dass es ein Wunsch der Eltern ist über die Hilfsangebote, wie beispielsweise Elterngruppen oder die Erziehungsberatung informiert zu werden (vgl. Wagenblass 2012, S. 224). Seitens des Jugendamtes wird häufig die Meinung vertreten, dass die Psychiatrie die Kinder in den Behandlungsprozess einbezieht, ohne auf diese Rücksicht zu nehmen (vgl. Wagenblass/Schone 2001, S. 583). Bevor das Kind in den Behandlungsprozess des Elternteils einbezogen wird sollte es, seitens der psychiatrischen Fachkräfte, zunächst in Abstimmung mit den Eltern altersgerecht über das Krankheitsbild des betroffenen Elternteils informiert werden. An dieser Stelle ist es wichtig, dass der Sozialdienst dem Kind vermittelt, dass es keine Schuld an der Erkrankung des Elternteils trägt und nicht für dessen Situation verantwortlich ist (vgl. Wagenblass 2012, S. 224 f.).

Die auf beiden Seiten bestehenden verzerrten Wahrnehmungen stellen ein Hindernis für eine gelingende Kooperation dar (vgl. Wagenblass/Schone 2001, S. 1242).

3 Möglichkeiten einer Zusammenarbeit und die Aufgaben des Sozialdienstes

Neben den zuvor genannten Differenzen gibt es jedoch auch Gemeinsamkeiten. Sowohl die Erwachsenenpsychiatrie als auch die Kinder- und Jugendhilfe haben einen Versorgungsauftrag. Des Weiteren haben beide Systeme die Erhaltung und Stärkung der vorhandenen Strukturen und Ressourcen zum Ziel. Aufgabe beider Handlungssysteme ist es, verstärkt auf die Lebenssituation von ihren Klientinnen und Klienten sowie von Kindern zu achten. Aufgabe des Sozialdienstes der Psychiatrie ist es, den Hilfebedarf der Familien frühzeitig zu erkennen und sie mit der Jugendhilfe in Kontakt zu bringen (vgl. Franz/Kettemann 2014, S. 146). Die Fachkräfte der Psychiatrie sollten zunächst feststellen, wie das soziale Umfeld ihrer Patientinnen und Patienten aussieht und ob diese Kinder haben (vgl. Kölch/Schmid 2014, S.135). Des Weiteren sollten die psychiatrischen Fachkräfte der Jugendhilfe einen Rückgriff auf ihre eigenen psychiatrischen Kompetenzen geben, da das Verhalten und die oft verwirrenden Verhaltensweisen der psychisch kranken Eltern nicht immer nachvollziehbar und einschätzbar für die Fachkräfte der Jugendhilfe sind. Insbesondere bei einer Einschätzung zur Kindeswohlgefährdung ist die Jugendhilfe auf die Unterstützung des Sozialdienstes der Psychiatrie angewiesen (vgl. Kölch/Schmid 2014, S. 128; Wagenblass 2018, S. 1243). Eine Möglichkeit das psychiatrische Fachwissen einzubringen wären beispielsweise regelmäßige multiprofessionelle Teamberatungen, Fallberatungen, Supervisionen oder die Vernetzung in Fachgremien. In diesen sollten Ziele, Rollen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Handlungsstrategien abgestimmt sowie das Leistungsangebot beider Systeme transparent gemacht werden. Grundlegend für diese Formen der Vernetzung ist ein Mindestmaß an gemeinsamen Zielen und Überzeugungen. Dies kann jedoch nicht einfach vorausgesetzt werden, vielmehr sind hierfür Diskussionen notwendig, welche die Bereitstellung von zeitlichen Ressourcen voraussetzen (vgl. Wagenblass 2018, S. 1243).

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Kooperation zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie
Untertitel
Welche Aufgaben stellen sich in diesem Zusammenhang dem Sozialdienst in der Psychiatrie?
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Veranstaltung
Professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
8
Katalognummer
V446759
ISBN (eBook)
9783668840829
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kooperation, jugendhilfe, erwachsenenpsychiatrie, welche, aufgaben, zusammenhang, sozialdienst, psychiatrie
Arbeit zitieren
Jessica Voet (Autor:in), 2018, Kooperation zwischen Jugendhilfe und Erwachsenenpsychiatrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446759

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