Eine kritische Analyse der Chancen und Risiken von Bitcoins aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht


Bachelorarbeit, 2018

43 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Evolution des Geldes – Die Funktionsweise des Bitcoin
2.1 Die Blockchain – Die dezentrale Datenbank
2.2 Mining – Konsensus erzeugen
2.3 Verwaltung und Erwerb von Bitcoins
2.4 Sicherheit

3 Chancen und Risiken aus volkswirtschaftlicher Sicht
3.1 Chancen des Bitcoin
3.1.1 Geldfunktionen
3.1.1.1 Tauschmittel- und Zahlungsmittelfunktion
3.1.1.2 Recheneinheit
3.1.1.3 Wertaufbewahrungsfunktion
3.1.1.4 Bitcoin – Ein Vergleich mit Geld
3.1.2 Inflationsbekämpfung durch den Bitcoin
3.1.2.1 Inflation – Theoretische Grundlagen
3.1.2.2 Venezuela – Ein Land vor dem Kollaps
3.1.3 Vertrauensverlust in die Finanzsysteme
3.1.3.1 Zusammenbruch Lehmann Brothers
3.1.3.2 Vertrauensentwicklung nach der Finanzkrise
3.2 Risiken des Bitcoin
3.2.1 Regulierungen & Verbote
3.2.2 Der Bitcoin-Hype und die Folgen für die Umwelt

4 Chancen und Risiken aus betriebswirtschaftlicher Sicht
4.1 Geschäftspotenziale und Herausforderungen
4.1.1 Kundenorientierung
4.1.2 Transaktionskosten
4.2 Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle
4.2.1 Finanzsektor
4.2.2 E-Commerce

5 Sonstiges
5.1 Steuerliche Behandlung
5.1.1 Umsatzsteuerliche Behandlung
5.1.2 Ertragssteuerliche Behandlung im Privatvermögen
5.1.3 Bitcoin im Betriebsvermögen – Bilanzierung und Steuern

6 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung einer Blockchain

Abbildung 2: Interesse an Bitcoin nach Regionen weltweit

Abbildung 3: Vertrauensentwicklung in Banken in den Jahren 2014-2016

Abbildung 4: Transaktionskosten Bitcoin vs. Banken

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Der Bitcoin erfreut sich zurzeit großem medialen Interesse. Recherchiert man nach dem Begriff in der Suchmaschine Google, erhält man rund 268.000.000 Treffer. Doch was hat es mit dem Bitcoin auf sich? Seinen Ursprung fand der Bitcoin im Jahr 2008, ein Jahr in dem die Finanzkrise die Welt beinah lahmlegte. Der Bitcoin, eine Währung, die ohne die staatliche Kontrolle einer Zentralbank auskommt, gewann so in kürzester Zeit das Vertrauen der Bevölkerung. Dabei setzt der Bitcoin auf eine Technik, die das Potenzial hat das Finanzsystem zu revolutionieren und zudem die Grundlage für weitere Innovationen zu schaffen.

Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, den Lesern einen kompakten und verständlichen Überblick über die wesentlichen Grundlagen und Anwendungsgebiete des Bitcoin zu verschaffen. Des Weiteren soll mittels Gegenüberstellung von Chancen und Risiken hinsichtlich volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Aspekte, eine Aussage über die Zukunftsfähigkeit des Bitcoin getroffen werden.

Das Kapitel 2 versucht dem Leser auf verständliche Weise die Funktionsweise des Bitcoin näher zu bringen. Die Chancen und Risiken des Bitcoin aus volkswirtschaftlicher Sicht bildet den Schwerpunkt von Kapitel 3 und vergleicht im ersten Schritt unser herkömmliches Geld mit dem Bitcoin. Im Anschluss betrachten wir die Auswirkungen einer Inflation auf das Land Venezuela und wie der Bitcoin den dort lebenden Menschen eine Chance bieten kann. Der Vertrauensverlust der Menschen und Auswirkungen möglicher Verbote und Regulierungen sind weitere Themen des Kapitel 3, bevor wir schlussendlich zu den Auswirkungen auf die Umwelt kommen, die mit der Nutzung des Bitcoin einher gehen. Das Kapitel 4 betrachtet die Chancen und Risiken aus betriebswirtschaftlicher Sicht und geht zunächst auf die potenziellen Geschäftspotenziale und Herausforderungen, die mit der Nutzung des Bitcoin einher gehen, ein. Die Auswirkungen auf den Finanzsektor und den E-Commerce bilden einen weiteren Punkt von Kapitel 4. Zum Schluss wird der Bitcoin aus steuerlicher Sicht betrachtet.

Am Ende sei hier noch angemerkt, dass die der Öffentlichkeit zugängigen Informationen über den Bitcoin äußerst kurzlebig und bereits kurz nach Ihrer Veröffentlichung veraltet sein können. Bei der Erstellung dieser Arbeit wurde mit großer Sorgfalt auf die Aktualität der verarbeiteten Informationen geachtet.

2 Die Evolution des Geldes – Die Funktionsweise des Bitcoin

Im Jahre 2008, genauer gesagt am 31.10.2008 der Tag des Weltsparens, veröffentlichte der bis heute unbekannte Entwickler „Satoshi Nakamoto“ sein bahnbrechendes Whitepaper mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“[1]. Bereits im Folgejahr veröffentlichte Nakamoto die erste Version der Bitcoin Implementierung im Internet und machte Sie somit für jedermann zugänglich[2].

Inmitten der größten Bankenkrise der jüngeren Zeit, ausgelöst durch waghalsige Spekulationen und des Platzens der Immobilienblase in den USA, schuf Nakamoto ein Zahlungsinstrument für die Öffentlichkeit, welches ohne die Mitwirkungen von Banken und Institutionen auskommt. Ein Zahlungsinstrument, welches die Macht des Geldes zurück an die Menschen gibt und Vertrauen überflüssig macht. Die sogenannte Blockchain (zu Deutsch: Block-Kette) erlaubt es Computern im Bitcoin Netzwerk miteinander zu kommunizieren und digitale Werte untereinander zu verschicken, ohne dabei auf einen Mittler in Form einer Bank angewiesen zu sein[3].

2.1 Die Blockchain – Die dezentrale Datenbank

Die Blockchain bildet das Herzstück des Bitcoin-Netzwerks und kann als eine dezentral organisierte Datenbank gesehen werden[4]. Innerhalb der Blockchain findet sich Blöcke die eine unveränderliche, transparente und vollständige Historie sämtlicher im Bitcoin-Netzwerk durchgeführten Transkationen enthalten[5]. Abgespeichert wird die Blockchain auf allen Knotenpunkten im Bitcoin-Netzwerk, bei den sogenannten Nodes[6]. Die Aufgabe der Miner besteht in der Validierung neuer Transaktionen mit Hilfe sogenannter Konsens-Algorithmen und das Fortführen der Blockchain, indem ständig neue Blöcke generiert und an die Blockchain angehängt werden[7].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung einer Blockchain[8]

Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung einer Blockchain zeigt in vereinfachter Darstellung die Funktionsweise einer Blockchain. Neue Transaktionen werden zunächst über die Bitcoin-Nodes zu den Minern weitergeleitet und mittels eines festgeschriebenen Algorithmus auf Gültigkeit überprüft (mehr in Kapitel 2.2)[9]. Nachdem die Gültigkeit bewiesen wurde, wird die Transaktion in einem Block geschrieben und chronologisch an das Ende der Blockchain angehängt[10]. Schlussendlich wird die Transaktion durchgeführt und der Empfänger erhält die geforderten Bitcoins.

2.2 Mining – Konsensus erzeugen

Als Mining bezeichnet man den Prozess, in dem die Miner in einem dezentralen Netzwerk einen Konsensus erzeugen[11]. Konsensus bedeutet Zustimmung und ist die Einigung darüber, was passiert und was nicht passiert. In unseren herkömmlichen Finanzsystemen wird dies von einer Institution wie einer Zentralbank durchgeführt und im Bitcoin-Netzwerk durch die Miner.

Um einen Konsensus zu erzeugen, nutzen die Miner die Rechenleistung ihrer Mining-Hardware. Die Rechenleistung wird benötigt, um Rechenoperationen in Form komplexer kryptographischer Rätsel zu lösen und somit berechtigt zu sein die Transaktionen zu validieren[12]. Der Block am Ende der Blockchain beinhalten einen Hash-Wert, der eine Serie von Nullen enthält. Je mehr Nullen ein Block enthält, desto schwieriger wird es für die Miner, das Rätsel zu lösen. Nun müssen die Miner durch ständiges testen von zufälligen Werten (Nonce), die Nullen ersetzen und somit den korrekten Hast-Wert finden. Nur wenn der korrekte Hast-Wert gefunden wurde, wird der Block als valide angesehen[13]. Diese Art, die richtige Nonce zu finden, wird als „Proof-of-Work“ bezeichnet[14]. Als monetären Anreiz zum Weiterführen der Mining Tätigkeit erhält derjenige, der das Rätsel als erster gelöst und einen neuen Block generiert hat, eine Belohnung in Form einer festgelegten Anzahl an Bitcoins[15].

Zu Beginn wurden Notebooks genutzt, die Mittels ihrer Central Processing Unit (CPU) die Rätsel lösten. Aufgrund des stetig steigenden Schwierigkeitsgrades, welcher konstruktionsbedingt ist, wurde das Mining durch CPUs unrentabel[16]. Aktuell nutzt die überwiegende Anzahl an Miner Grafikkarten, um die komplexen Rätsel zu lösen[17].

Neben dem vom Bitcoin verwendeten Proof-of-Work Algorithmus, existieren weiter Algorithmen, die von alternativen Kryptowährungen genutzt werden. Einer davon ist der sogenannte Proof-of-Stake Algorithmus[18]. Im Gegensatz zum Proof-of-Work Algorithmus, entscheidet beim Proof-of-Stake Ansatz nicht die Rechenleistung über den Ausgang, sondern der Anteil an der insgesamten Menge an vorhandenen Coins, die vom Nutzer gehalten werden[19]. Durch eine gewichtete Zufallsauswahl, die sich an der gehalten Menge Coins richtet, wird ermittelt, welcher Nutzer den nächsten Block minen darf[20]. Beide Algorithmen erreichen dasselbe Sicherheitsniveau aufgrund der ökonomischen Hürde, die ein potenzieller Angreifer überwinden muss, um die Blockchain verändern zu können[21]. In beiden Fällen muss der Angreifer über 50% der Rechenleistung (Proof-of-Work) bzw. über 50% der insgesamt vorhandenen Coins einer Kryptowährung besitzen (Proof-of-Stake), um einen erfolgreichen Angriff durchzuführen.

Bei dem sogenannten Double-Spending versucht ein Angreifer seine Bitcoins mehrfach auszugeben. Diese Manipulation wird ebenfalls durch die Miner unterbunden, in dem nur die erste der beiden Transaktionen in die Blockchain aufgenommen und durch alle weiteren Miner wahrgenommen wird[22]. Wird eine weitere Transkation durchgeführt, obwohl der Versender kein Guthaben aufweisen kann, erkennen die Miner dies aufgrund der nach Vollziehbarkeit aller jemals getätigten Transaktionen in der Blockchain und erklären nachfolgende Transaktionen als ungültig.

2.3 Verwaltung und Erwerb von Bitcoins

Um Bitcoins erwerben und verwalten zu können, benötigen Einsteiger zunächst eine sogenannte Wallet. Eine Wallet ist eine Art digitale Geldbörse mit der sich unendlich viele Schlüsselpaare, die jeweils aus einem öffentlichen und einem passenden privaten Schlüssel, erstellen und speichern lassen[23]. Der private Schlüssel ist eine Art Pin für jede Bitcoin-Adresse[24]. Der öffentliche Schlüssel kann mit der IBAN eines gewöhnlichen Girokontos verglichen werden.

Es existieren verschiedene Formen von Wallets. Ein Software-Wallet lässt sich auf dem heimischen PC oder dem eigenen Smartphone installieren[25]. Weitaus unkomplizierter ist die Erstellung eines Online-Wallets, bei einem der zahlreichen Drittanbietern im Internet[26]. Bei dieser Art von Wallet muss keine Installation erfolgen und die Einrichtung ist in der Regel mit wenigen Klicks abgeschlossen. Der Anbieter des Online-Wallets kümmert sich zudem um die administrative Handlungen im Hintergrund und ist somit für unerfahrene Nutzer geeignet. Die großen Nachteile liegen in der vorhandenen Abhängigkeit gegenüber dem jeweiligen Anbieter und des eventuellen Verlustes der Bitcoins bei Insolvenz oder einer Cyberattacke[27]. Einen guten Kompromiss zwischen Sicherheit und Bedienbarkeit bieten sogenannte Hardware-Wallets. Dies sind kleine Geräte, die meist einem USB-Stick ähneln und ausschließlich für die Aufbewahrung der digitalen Währung entworfen wurden[28].

Im Wesentlichen existieren drei Möglichkeiten, um Bitcoins zu erwerben. Zunächst einmal werden Bitcoins als Belohnung für das Mining an die Miner ausgezahlt, wie bereits im Kapitel 2.2 beschrieben wurde. Diese Variante ist aber aufgrund der enormen Energiekosten, die durch das Mining verbraucht werden, nur für wenige Personen und Organisationen rentabel. Des Weiteren existieren zahlreiche Internet-Marktplätze, auf denen angemeldete Benutzer per Kreditkarte, PayPal oder Überweisung Bitcoins erwerben können[29]. Eine weitere Möglichkeit besteht, in dem man seine Dienstleistungen oder Produkte anbietet und als Gegenleistung Bitcoins akzeptiert.

2.4 Sicherheit

Nicht wenige Personen haben durch den Erwerb und der extremen Preissteigerung von Bitcoin in den letzten Monaten horrende Gewinne einstreichen können. Umso mehr steigt das Interesse der Nutzer an Sicherheit, um das eigene Vermögen zu schützen. Ein Nachteil des Bitcoin ist mitunter die technische Anfälligkeit der Wallets, wodurch die digitale Währung ein beliebtes Ziel für Hacker darstellt[30]. Die Blockchain als solches konnte bis dato nicht durch eine Cyberattacke zerstört oder böswillig verändert werden (Stand: 12.11.2018). Bei einem Hacker Angriff 2014 wurde dem zu der Zeit größten Handelsplatz für Kryptowährungen Mt. Gox rund 850.000 Bitcoins entwendet. Das bedeutete für das Unternehmen die Insolvenz[31]. Liegen die Bitcoins auf einem Online-Wallet (Kapitel 2.3), haben die Anbieter Zugang zu den privaten Schlüsseln der Wallets. Diese Kontrolle über die Schlüssel bringt zunächst Vorteile durch die Erhöhung der Zugriffszeiten, doch geht dies einher mit einer signifikanten Erhöhung des Sicherheitsrisikos[32]. Durch Attacken auf die Datenbank des Anbieters, können Angreifer die Schlüssel auslesen und haben somit Zugriff auf den Bitcoin-Bestand der Kunden. Durch die nicht gesetzlich nicht vorgeschriebene Einlagensicherung liegt das Verlustrisiko in der Regel bei dem Nutzer der Online-Wallet und nicht beim Anbieter[33]. Ein weiteres Problem liegt in der Unumkehrbarkeit der getätigten Transaktionen. Die Bitcoin-Börse „Huobi“ versendete aufgrund falscher Empfängeradressen einige Bitcoins und war am Ende auf die Gutmütigkeit der Empfänger angewiesen, die Ihre irrtümlich erhaltenen Bitcoins zurücksenden sollten[34]. Aufgrund einiger Vorfälle haben die Entwickler reagiert und sowohl Software- als auch Hardwaremaßnahmen durchgeführt. Neben der Verschlüsselung und der Anfertigung von Sicherheitskopien der Wallets, setzen vor allem Bitcoin-Börsen auf die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung, die auf die Notwendigkeit zweier unabhängiger Faktoren zur Bestätigung der Identität des Nutzers setzt[35]. Am Ende sind aber vor allem die Benutzer selbst angehalten ihre Daten zu schützen.

„Denn sind wir mal ehrlich, einem Fremden würden Sie Ihren Pin zu Ihrem Girokonto auch nicht anvertrauen“

3 Chancen und Risiken aus volkswirtschaftlicher Sicht

Die rasante Entwicklung in der Computertechnologie macht den Vormarsch von Kryptowährungen wie dem Bitcoin möglich. Nicht wenige Stimmen behaupten, dass der Bitcoin am Ende unser konventionelles Geld verdrängen wird. Doch was ist überhaupt Geld und kann ein Bitcoin auch Geld sein und welche Chancen und Risiken bietet der Bitcoin unserer Volkswirtschaft?

3.1 Chancen des Bitcoin

Die Chancen die der Bitcoin in Form der Blockchain der Volkswirtschaft bietet, sind der Mittelpunkt des folgenden Kapitels.

3.1.1 Geldfunktionen

Kaum ein Mensch kann den Begriff des Geldes genau definieren und dass obwohl Geld ein essentieller Bestandteil unseres täglichen Lebens ist. Eine einheitliche Definition des Begriffes „Geld“ existiert auch in der Fachliteratur nicht. Um der Definition Leben zu geben, müssen daher die Funktionen von Geld benannt und erläutert werden[36]. Dabei lassen sich drei wesentliche Funktionen feststellen, die erfüllt sein müssen, damit man von Geld sprechen kann[37].

- Tauschmittelfunktion
- Recheneinheit
- Wertaufbewahrungsfunktion[38].

3.1.1.1 Tauschmittel- und Zahlungsmittelfunktion

Geld erfüllt eine wichtige Aufgabe in unserer Wirtschaft. Es stellt einen Vermögenswert da, der allgemein zur Durchführung sämtlicher Transaktionen in einer Wirtschaft akzeptiert wird[39]. In der Naturalwirtschaft tauschten die Handelspartner dazu Waren untereinander aus. In der heutigen Zeit übernimmt Bargeld diese Funktion und wird von den Zentralbanken als gesetzlich festgelegtes Zahlungsmittel eingesetzt[40]. Diese Zahlungsmittel müssen von Gesetztes wegen akzeptiert werden, um offene monetäre Forderungen begleichen zu können[41]. Des Weiteren lässt sich Geld nicht auf seine physische Form reduzieren. Waren Gold und Silber zu Lebzeiten von Charles Dickens noch allgegenwärtige Zahlungsmittel, nutzen die Menschen von heute das digitale Angebot der Banken um Geld elektronisch zu verwenden[42].

Durch den Einsatz eines gesetzlichen Zahlungsmittels ist es möglich, die Transaktionskosten auf ein Minimum zu reduzieren, indem es einen Tauschakt in zwei voneinander unabhängige Tauschakte zerlegt, die sich nicht simultan vollziehen müssen (indirekter Tausch)[43]. Transaktionskosten sind Kosten, die im Zusammenhang mit einem Geschäftsabschluss stehen und beinhalten unter anderem Such-, Informations-, Verhandlungs-, Entscheidungs-, Durchsetzungs- und Überwachungskosten[44].

3.1.1.2 Recheneinheit

Eine weitere Senkung der Transaktionskosten und somit eine Vereinfachung des Tauschvorgangs wird dadurch erzielt, dass Geld als Recheneinheit fungiert. Mit Blick auf die Naturalwirtschaft, in der für jeden Tauschvorgang eine Austauschrelation stattfindet muss, um den Wert der eigenen Ware festzulegen, wird in der Geldwirtschaft unter Verwendung von Geld als Recheneinheit eine feste Relation gebildet. Das soll bedeuten, dass die Preise eines Landes im Allgemeinen in der Währung des Landes ausgedrückt werden und somit als Maßstab für den Wert einer Leistung, Güter und für Forderungen stehen[45].

3.1.1.3 Wertaufbewahrungsfunktion

Damit man von Geld sprechen kann, muss das Zahlungsmittel seinen Wert auch über mehrere Tage, Wochen und Jahre aufrecht erhalten können[46]. Durch die Wertaufbewahrung lässt sich der Gegenwert eines Gutes in Geld speichern und an einem anderen Ort für ein anderes Gut einlösen[47].

Würde eine zu hohe Volatilität des Wertes vorliegen, würde jeder versuchen das Geld direkt abzustoßen[48]. In einer gesunden Volkswirtschaft spielt die Wertstabilität in der Regel keine Rolle, doch wird die Wertaufbewahrungsfunktion untergraben, wenn die Inflationsraten in regelwidrige Höhen gelangen. Somit kann ein Zahlungsmittel nur mit einer gesunden Wertstabilität funktionieren, weshalb die Inflationskontrolle zu den wesentlichsten Aufgaben der Wirtschaftspolitik zählt.

3.1.1.4 Bitcoin – Ein Vergleich mit Geld

Stand im Fokus der vorherigen Kapitel die Identifizierung und Erläuterung der klassischen Geldfunktionen, vergleichen wir diese mit den Eigenschaften des Bitcoin, um zu ergründen, ob der Bitcoin die Rolle eines Zahlungsmittels einnehmen kann.

Tauschmittel und Zahlungsfunktion: Generell ist der Bitcoin geeignet, als Tausch- und Zahlungsmittel zu fungieren. Bereits heute werden Waren und Dienstleistungen gegen den Bitcoin eingetauscht und Transaktionen werden in steigender Quantität weltweit praktiziert[49]. Allerdings akzeptieren bis heute nur sehr wenige Länder den Bitcoin als ein anerkanntes Zahlungsmittel, allen voran die Regierung von Japan. Seit dem Jahr 2017 ist das digitale Geld als Zahlungsmittel zugelassen und gibt den Kunden so die Möglichkeit in unzähligen Geschäften mit Bitcoin zu bezahlen[50]. Die Zentralbank aus Russland hingegen, wies ausdrücklich darauf hin, die nationale Währung des Rubel, als einziges gesetzliches Zahlungsmittel zu akzeptieren, wohin gegen mit Bulgarien ein weiteres Land die digitale Währung offiziell anerkannt hat und dem Steuerzahler Vergünstigungen auf Kapitalerträge einräumte[51].

Allerdings akzeptiert bis heute kein Land der Welt den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel. Somit handelt es sich bei dem Bitcoin um eine Komplementärwährung[52]. Dies bedeutet, dass ein Gläubiger den Bitcoin als Gegenwert für eine Schuld akzeptieren kann, aber nicht gesetzlich dazu verpflichtet ist[53].

Betrachtet man weitere Beispiele aus der Schweiz, China, Australien, Großbritannien, Deutschland, Indien und zahlreichen weiteren Ländern kommt man zu dem Entschluss, dass die Betrachtung gegenüber dem Bitcoin auf den subjektiven Haltungen der einzelnen Regierungen beruht. Die Funktion eines Tauschmittels und der daraus resultierenden Zahlungsfunktion erfüllt der Bitcoin definitiv.

Wertaufbewahrungsfunktion: Zwar ist es dem Empfänger einer Transaktion von Bitcoins möglich diese auf einem Wallet zu speichern und somit den Tauschakt in zwei unabhängige Akte zu zerlegen, doch besteht das wohl größte Problem des Bitcoin in seiner enormen Wertschwankung. Wertschwankungen von 20 Prozent innerhalb eines Tages sind aktuell keine Seltenheit. Die Funktion der Wertaufbewahrung kann somit als Achillesverse des Bitcoins gesehen werden. Durch das Mining werden kontinuierlich neue Bitcoins geschaffen, bis dahin steigt mit jeder geschaffenen Einheit die Komplexität und somit der Aufwand um eine Nonce zu lösen (Kapitel 2.2). Der Markt des Bitcoin befindet sich aktuell in einer sehr frühen Entwicklungsphase und starke Schwankungen sind auf diesen Märkten keine Seltenheit. Mit weiterer Adaption und der Erhöhung der Marktkapitalisierung kann mit einer Verringerung der Wertschwankungen gerechnet werden.

Recheneinheit: Grundsätzlich dient eine Rechnungseinheit dazu Werte für Produkte oder Dienstleistungen durch eine Mengeneinheit auszudrücken. Diese Eignung ist prinzipiell für jedes Gut gegeben. So kann ein Preis, der in einem Online-Shop aufgerufen wird, genauso in Obst oder Gemüse aufgewogen werden. Somit hängt die Funktion als Recheneinheit nicht von der Verfügbarkeit oder Handhabbarkeit ab. Folgerichtig wurde der Bitcoin im September 2011 durch die BaFin nach Gesprächen mit dem Bundesministerium und Bundesbank daher als Rechnungseinheit eingestuft[54].

3.1.2 Inflationsbekämpfung durch den Bitcoin

Das Schreckgespenst Inflation schürt die Angst der Bevölkerung vor der Entwertung ihrer Ersparnisse. Der Bitcoin bietet Schutz vor der Entwertung und erfreut sich deshalb großer Beliebtheit in Südamerika und Afrika.

3.1.2.1 Inflation – Theoretische Grundlagen

Unter dem Begriff einer Inflation versteht man den anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, oder anders ausgedrückt das Absinken der Kaufkraft[55]. Ausgelöst durch eine expansive Geldmengenpolitik, wird eine Inflation im Allgemeinen am Preisindex für die Lebenshaltung der privaten Haushalte, dem Verbraucherpreisindex (VPI) und dem Harmonised Index of Consumer Prices (HICP) gemessen, um die Steigerungsraten auf Europäischer Ebene vergleichbar zu machen[56]. Des Weiteren können wir Inflationen hinsichtlich ihrer zeitlichen Entwicklung unterscheiden. Haben wir es mit einer signifikanten Steigerung des allgemeinen Preisniveaus innerhalb von sehr kurzer Zeit zu tun, sprechen wir von einer Hyperinflation bzw. einer galoppierenden Inflation[57].

Gründe für eine Inflation können dabei von unterschiedlicher Natur sein.

- Eine steigende Geldmenge führt zu einer erhöhten Nachfrage nach Dienstleistungen und Gütern. Die Nachfrage übersteigt das Angebot und begünstigt somit eine inflationäre Entwicklung[58].
- Anleger werden durch eine Geldmengenexpansion verunsichert und flüchten aus monetären Anlagen in Sachwerte wie Wohnungen bzw. Häuser[59]. Die Preise für Sachwerte steigen enorm und haben Einfluss auf Mieten, welche das Preisniveau zusätzlich antreiben[60].
- Angetrieben durch die Erwartung einer Geldmengenexpansion, verlangen Tarifparteien in der Regel höhere Nominallöhne. Höhere Löhne haben einen Einfluss auf das allgemeine Preisniveau und begünstigen somit eine weitere inflationäre Entwicklung[61].

Eine Inflation mit leicht positiver Steigungsrate ist ideal für eine gesunde Volkswirtschaft da aufgrund der Erwartung steigender Preise, Verbraucher Dienstleistungen und Produkte vermehrt nachfragen, bevor das allgemeine Preisniveau zu stark ansteigt.

3.1.2.2 Venezuela – Ein Land vor dem Kollaps

Warum eine leichte Inflation für eine Volkswirtschaft positiv ist, wurde im vorherigen Kapitel (3.1.2.1) beleuchtet. Problematisch wird es, wenn die Inflation in eine Hyperinflation abgleitet und durch die maßlose Vermehrung der Geldmenge und des resultierenden Kaufkraftverlustes in sich zusammenbricht[62]. Eine Hyperinflation liegt vor, wenn die monatliche Inflationsraten 50% übersteigen[63]. Als Beispiele zu nennen sind etwa Brasilien in 80er Jahren oder Deutschland in den 1920er Jahren[64]. Gegenwärtig befindet sich Venezuela in einer Phase der Hyperinflation und weist im Jahr 2017 Inflationsraten gegenüber dem Vorjahr von über 650% auf[65].

Der Grund für die Hyperinflation in Venezuela ist der starke Rückgang des Ölpreises, wodurch es dem Staat an Einkommen mangelt. Venezuela ist das Land mit den weltweit größten Ölreserven und ist entscheidend von den Einnahmen durch den Handel mit Öl abhängig[66]. Durch gesunkene Einnahmen, können Schulden im Ausland nicht mehr bedient werden, weswegen die Regierung massiv Geld drucken lässt, wodurch die Inflationsraten enorm steigen. Kurzfristig betrachtet mag eine hohe Inflationsrate die einfachste Methode zu einem Schuldenabbau zu sein, doch geht sie einher mit langfristig extrem hohen Kosten und negativen Einflüssen auf die dortige Volkswirtschaft[67]. Langfristig günstigere Methoden sind meist politisch nicht gewollt oder nur mit großem Aufwand durchführbar und scheitern meist an fehlender Zustimmung[68].

Eine Möglichkeit, um der Entwertung ihrer gesparten Gelder zuvorzukommen, ist die Flucht in Fremdwährungen oder Sachwerte wie Immobilien[69]. Eine weitere momentan praktizierte Möglichkeit, ist die Flucht in den Bitcoin. Durch die Begrenzung der maximalen Anzahl auf 21 Millionen Einheiten und die daraus resultierende Eigenschaft einer leicht deflationären Währung, nutzen viele Menschen den Bitcoin, um ihr Vermögen vor der drohenden Entwertung zu retten. Dass der Bitcoin in Gebieten mit instabilen politischen Systemen gefragt ist, zeigt die folgende Grafik (Abbildung 1: Interesse an Bitcoin nach Regionen weltweit).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Interesse an Bitcoin nach Regionen weltweit[70]

Aus der Grafik können wir entnehmen, dass der Bitcoin vor allem in Entwicklungs- oder Schwellenländern in den Regionen der Welt gefragt ist, in denen vermeintlich dysfunktionale Finanzsysteme vorherrschen. Zwar stellt der Handel mit Kryptowährungen in diesen Ländern einen kleinen Markt dar, doch die wachsende Bedeutung und Entwicklung hilft den Menschen in ihrer misslichen Lage. Ein weiterer positiver Effekt könnte auch Einfluss auf die Politik nehmen, denn kein Land der Welt verliert gerne die Kontrolle über das eigene Finanzsystem.

[...]


[1] Vgl. Nakamoto (2008).

[2] Vgl. Rueß (2018), S. 38.

[3] Vgl. Sixt (2017), S. 1.

[4] Vgl. Rueß (2018), S. 38.

[5] Vgl. Rueß (2018), S. 38.

[6] Vgl. Sixt (2018), S. 30.

[7] Vgl. Rueß (2018), S. 38.

[8] Vereinfachte Darstellung einer Blockchain selbst erstellt Quelle: Eigene Darstellung

[9] Vgl. Rueß (2018), S. 39.

[10] Vgl. Rueß (2018), S. 39.

[11] Vgl. Meisner (2017), S. 168.

[12] Vgl. Sixt (2017), S. 30.

[13] Vgl. Sixt (2017), S. 40.

[14] Vgl. Meisner (2017), S. 168.

[15] Vgl. Sixt (2017), S. 41.

[16] Vgl. Sixt (2017), S. 42.

[17] Vgl. Sixt (2017), S. 42.

[18] Vgl. Achenbach/Baumgart/Rill (2017), S. 675.

[19] Vgl. Sixt (2017), S. 114.

[20] Vgl. Achenbach/Baumgart/Rill (2017), S. 675.

[21] Vgl. Achenbach/Baumgart/Rill (2017), S. 676.

[22] Vgl. Sixt (2017), S. 41.

[23] Vgl. Sorge/Krohn-Grimberghe (2012), S. 480.

[24] Vgl. Sorge/Krohn-Grimberghe (2012), S. 480.

[25] Vgl. Pospiech (2018).

[26] Vgl. Meißner (2017), S. 168-169.

[27] Vgl. Pospiech (2018).

[28] Vgl. Pospiech (2018).

[29] Vgl. Martin (2017).

[30] Vgl. Höfling (2017).

[31] Vgl. Sobiray (2018).

[32] Vgl. Sixt (2017), S. 92.

[33] Vgl. Sixt (2017), S. 92.

[34] Vgl. Sixt (2017), S. 93.

[35] Vgl. Sixt (2017), S. 94.

[36] Vgl. Herger (2016), S. 56.

[37] Vgl. Engelkamp/Sell (2005), S. 116.

[38] Vgl. Herger (2016), S. 56-61.

[39] Vgl. Herger (2016), S. 56.

[40] Vgl. Herger (2016), S. 56.

[41] Vgl. Herger (2016), S. 56.

[42] Vgl. Herger (2016), S. 56.

[43] Vgl. Lachmann (2006), S. 251.

[44] Vgl. Gischer/Herz/Menkhoff (2012), S.4.

[45] Vgl. Herger (2016), S. 57.

[46] Vgl. Herger (2016), S. 60.

[47] Vgl. Engelkamp/Sell (2005), S. 117.

[48] Vgl. Herger (2016), S. 60.

[49] Vgl. Blockchain (2018).

[50] Vgl. Holtermann et. Al (2017), S. 2.

[51] Vgl. Sixt (2017), S. 138.

[52] Vgl. Sixt (2017), S. 120.

[53] Vgl. Sixt (2017), S. 120.

[54] Vgl. Sorge/Krohn-Grimberghe (2012), S. 484.

[55] Vgl. Engelkamp/Sell (2005), S. 134.

[56] Vgl. Korn/Kruse (2003), S. 351-352.

[57] Vgl. Fischer/Meinolf (2007), S. 152.

[58] Vgl. Hinze/Straubhaar (2009), S. 508.

[59] Vgl. Hinze/Straubhaar (2009), S. 508.

[60] Vgl. Hinze/Straubhaar (2009), S. 508.

[61] Vgl. Hinze/Straubhaar (2009), S. 508.

[62] Vgl. Herger (2016), S. 6.

[63] Vgl. Mallad (2000), S.97.

[64] Vgl. Herger (2016), S. 6.

[65] Vgl. IMF (2018).

[66] Vgl. BP (2018).

[67] Vgl. Hinze/Straubhaar (2009), S. 504.

[68] Vgl. Hinze/Straubhaar (2009), S. 504.

[69] Vgl. Hinze/Straubhaar (2009), S. 508.

[70] Interesse an Bitcoin nach Regionen weltweit (2016).

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Eine kritische Analyse der Chancen und Risiken von Bitcoins aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht
Note
1,9
Autor
Jahr
2018
Seiten
43
Katalognummer
V446794
ISBN (eBook)
9783668827103
ISBN (Buch)
9783668827110
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bitcoin, Kryptowährungen, Analyse
Arbeit zitieren
Nicolas Schäfer (Autor:in), 2018, Eine kritische Analyse der Chancen und Risiken von Bitcoins aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446794

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