Die empirische Relevanz der Competitive-Balance-Hypothese in der Sportökonomie


Bachelorarbeit, 2018

44 Seiten


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundzüge der Sportökonomie
2.1 Die Wertschöpfung der Teams
2.2 Gesetzmäßigkeiten innerhalb der Sportindustrie
2.3 Gegenüberstellung der Nachwuchssysteme in Europa und den USA

3. Theoretisches Modell einer Sportliga
3.1 Formalisierung des Modells
3.2 Kernaussagen des Modells
3.3 Schlussfolgerungen der Modellanalyse

4. Methoden zur Messung der UOH
4.1 Exkurs zur Regressionsanalyse
4.1.1 Schätzung mit OLS und Tobit
4.2 Competitive balance und Stadionbesucher
4.2.1 Einflussfaktoren auf die Stadionnachfrage
4.2.2 Bestimmung der UOO
4.3 Competitive balance und Fernsehzuschauer
4.3.1 Einflussfaktoren auf die Fernsehnachfrage
4.3.2 Bestimmung der UOO
4.4 Competitive balance anhand der CBR

5. Bedeutung der CB
5.1 Ergebnisse für Stadionbesucher
5.2 Ergebnisse für Fernsehzuschauer
5.3 Ergebnisse anhand der CBR

6. Institutionen zur Sicherstellung der CB
6.1 Institutionen in den USA
6.1.1 Regulierungen am Beispiel der MLB
6.2 Institutionen in der deutschen Fußball-Bundesliga

7. Fazit/Ausblick

8. Literaturverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Beschreibung der Regressoren

III. Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Verteilung der Fernsehgelder in der Bundesliga-Saison 18/19

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

"Game 1 of the NBA Finals Is Not Sold Out" (Quelle: Sports Illustrated) Diese Schlagzeile war vor dem ersten Spiel der NBA Finals 2018 zwischen den Cleveland Cavaliers und den Golden State Warriors zu lesen. Die Finalpaarung am Ende der Saison war zum vierten Mal in Folge die Gleiche, die Favoritenrolle bei den Buchmachern war hierbei klar verteilt: für 10€ Einsatz hätte man 11€ ausgezahlt bekommen, wenn man auf einen Sieg der Warriors in der best of seven Serie gesetzt hätte, 60€ Auszahlung waren für den gleichen Einsatz auf die Cavaliers vorgesehen (Quelle gamblingsites.org). Die Ausgangslage versprach vorher also relativ wenig Spannung, das Duell war dementsprechend einseitig und endete nach vier Spielen durch vier Siege der Warriors, die sich damit den dritten Titel in den vergangenen vier Jahren sichern konnten.

All diese Aspekte führen zu der Annahme, dass der Wettbewerb in der NBA relativ unausgeglichen sei. Zwar wurde die oben genannte Schlagzeile später von den Warriors dementiert mit Verweis auf Buchungsfehler und nicht anwesende Dauerkarteninhaber. Jedoch kamen auch Spekulationen auf, dass womöglich mangelnde Ausgeglichenheit des Wettbewerbes zu den leer gebliebenen Plätzen geführt haben könnte. Für Fans und neutrale Zuschauer sei es weniger interessant, eine Serie zu verfolgen, bei welcher die Favoritenrolle von vornherein so klar verteilt ist.

Die Diskussion über die Bedeutung der Ausgeglichenheit eines Wettbewerbes für die Zuschauer wird seit geraumer Zeit geführt. Die Frage, welche Rolle die Unsicherheit eines Spielausganges für die Konsumenten einnimmt, ist für die empirische Forschung ebenso wichtig wie für die Vermarktung einer Liga. Höhere Ausgeglichenheit wird in der Theorie gleichgesetzt mit höherem Nutzen für die Konsumenten, welche sodann bereit seien, mehr für den Konsum der Spiele auszugeben.

Die empirische Forschung zur Bedeutung der UOH, die Simon Rottenberg 1956 erstmals formulierte, ist widersprüchlich: Zur Bedeutung der UOH für die Erklärung von Zuschauerzahlen existieren sowohl Veröffentlichungen, welche die These unterstützen, als auch solche, die sie widerlegen, indem sie der GOU keinen Effekt auf die Zuschauernachfrage nachweisen.

In dieser Arbeit soll die Bedeutung UOH nun genauer untersucht werden, zunächst mit einem Literaturüberblick in Kapitel zwei, welches die drei grundlegenden Veröffentlichungen betrachtet, auf denen das Forschungsfeld der Sportökonomie beruht. Anschließend folgt in Kapitel drei eine Formalisierung der Theorie der Sportökonomie. In Kapitel vier werden verschiedene Methoden betrachtet, mit denen versucht wird, die Zuschauernachfrage zu erklären, dabei werden Methoden zur Messung der CB vorgestellt, sowie weitere Faktoren, welche die Zuschauernachfrage beeinflussen. Im fünften Kapitel sollen die Ergebnisse der jeweiligen Ansätze vorgestellt und interpretiert werden. Anschließend folgt eine Betrachtung der verschiedenen Institutionen, mit denen Sportligen die Ausgeglichenheit des Wettbewerbs sicherstellen möchten, mit besonderem Fokus auf die MLB und die deutsche Fußball-Bundesliga. Abschließend folgt im letzten Kapitel ein Ausblick.

2. Die Grundzüge der Sportökonomie

"The nature of the industry is such that competitors must be of approximately equal size if any are to be successful; this seems to be a unique attribute of professional competitive sports" (Rottenberg 1956, S. 242)

Dieses Zitat von Simon Rottenberg stammt aus seiner Analyse zum Arbeitsmarkt für Baseballspieler im Jahr 1956, welche die Grundlage für den gesamten Forschungsbereich der Sportökonomik legte. Obwohl der Titel einen anderen Fokus erahnen lässt, antizipiert dieser Artikel viele ökonomische Ideen und Konzepte des professionellen Sports, welche seither in der Sportökonomie immer weiter erforscht und entwickelt werden. Zunächst soll in dieser Arbeit jedoch die Theorie der Sportökonomie betrachtet werdet, dazu gibt dieses Kapitel einen Überblick über die Literatur, die für dieses Forschungsfeld grundlegend war.

Professioneller Sport ist ein Industriesektor, innerhalb dessen die Vereine, Clubs, Teams und Individualsportler, die in diesem Sektor agieren, die Firmen darstellen (vgl. Rottenberg 2000, S. 11). Die Marktteilnehmer sind nicht unbedingt ausschließlich an der Maximierung ihrer Profite interessiert, sondern versuchen vor allem, ihren sportlichen Erfolg zu maximieren. Ihre Motivation bestehe also nicht nur aus finanziellen Anreizen, sondern auch aus nicht-monetären Zielen. Professioneller Sport unterscheidet sich von nicht-professionellem Sport dadurch, dass die Sportler für ihre Dienstleistungen bezahlt werden und die Sportart hauptberuflich betreiben. Der Output, den dieser Industriesektor produziert, ist eine Form der Unterhaltung, für die von anderen Industriezweigen imperfekte Substitute produziert werden. Das Produkt, das dabei entsteht, sind einzelne Spiele, Wettbewerbe, Meisterschaften etc., die von den Konsumenten als Zuschauer verfolgt werden können (vgl. Rottenberg 2000, S. 11). Dabei besteht die Möglichkeit, entweder ein Ticket zu kaufen, um direkt am Austragungsort während des Ereignisses live dabei zu sein, oder das Event indirekt per Übertragung im Fernsehen, Radio oder Internet zu verfolgen.

Aus den Erlösen der Industrie kann man das Maß für die Quantität der Unterhaltung, die produziert wurde, ableiten (vgl. Rottenberg 2000, S. 11), alternativ dienen die Kosten für die verwendeten Ressourcen als Maß für die Quantität der Unterhaltung. Die Anzahl der zahlenden Konsumenten, also der Zuschauer am Austragungsort, und die Anzahl derer, die das Event indirekt über Fernsehen, Radio und Internet verfolgen, dient als Proxy für den Output der Industrie. Die Erlöse für die Firmen im professionellen Sport bestehen hauptsächlich aus den Kartenverkäufen für die direkten Zuschauer und dem Verkauf von Übertragungsrechten und Werbefläche.

Um ein Spiel und damit Output zu erzeugen, fusionieren zwei Firmen durch Kombination ihrer Produktionsfaktoren (vgl. Rottenberg 1956, S. 255) zu einer Firma, indem sie gegeneinander antreten und sich in einem sportlichen Wettkampf messen, also ein gemeinsames Produkt erzeugen. Dabei sind die Spielregeln und die Definition von "Gewinnen" vorher festgelegt.

Diese Spiele können von unterschiedlicher Qualität sein. Die Qualität eines Spiels wächst mit dem Talent und den Fähigkeiten der an der Produktion beteiligten Akteure, je bedeutender die erbrachten Leistungen sind und je unsicherer der Spielausgang ex ante und für eine lange Zeit während des Ereignisses ist (vgl. Rottenberg 2000, S. 11). Je geringer die Wichtigkeit und die Ausgeglichenheit des Spiels sind, und je geringer die Fähigkeit der Athleten, körperlich außergewöhnliche Leistungen zu erbringen, ist, desto geringer wird die Qualität des Spiels. Der höchste Grad der GOU tritt auf, wenn die Gewinnwahrscheinlichkeit beider Teams - unentschieden ausgeschlossen - jeweils .5 beträgt.

Wie in jeder anderen Industrie werden endliche Ressourcen verwendet, um den Output zu erzeugen, (vgl. Rottenberg 2000, S. 12). Zu diesen Ressourcen gehören die Kosten für die Gehälter der Sportler und des Verwaltungspersonals, die Sportstätte (bspw. Stadion, Halle), Transportkosten, Sportausrüstung, der Aufwand, der betrieben wird, um die Fähigkeiten der Sportler durch Training zu verbessern, und die Kosten für die Suche nach neuen, talentierten Athleten. Diese Ressourcen werden in anderen Industrien alternativ genutzt.

Die Prinzipien für die soziale optimale Größe der Industrie (vgl. Rottenberg 2000, S. 12) unterscheiden sich nicht von denen, die auch für andere Industrien gelten. Die Quantität der produzierten Unterhaltung solle so hoch sein, dass der Ertrag auf die investierten Ressourcen ähnlich hoch sei, als wenn die Ressourcen für andere Zwecke in alternativen Industrien eingesetzt werden würden. Der soziale Wert der eingesetzten Ressourcen für die Produktion der letzten Einheit an Unterhaltung sollte gleich dem Wert des Nutzens sein, den die Gesellschaft aus dem Konsum der Einheit erhält. "Letzte" stehe im Kontext der Sportindustrie allerdings nicht für eine chronologische Größe, sondern für die Höhe: Es ist ein zufälliges Spiel innerhalb einer Saison, bei der die Qualität der Spiele variieren kann, und nicht unbedingt das letzte Spiel am Ende einer Saison.

Im Allgemeinen ist die Industrie als Koalition in Ligen organisiert (vgl. Rottenberg 2000, S. 12), getrennt nach der jeweiligen Sportart. Eine Liga stellt einen Zusammenschluss von mehreren Teams dar, also eine Fusion der einzelnen Firmen, welche übereinstimmen über die Anzahl der Teilnehmer, Barrieren für den Eintritt neuer Teilnehmer, die Allokation der Ressourcen (Spieler, Geld etc.) innerhalb der Liga, und die Zuteilung von Märkten an die einzelnen Teilnehmer.

Ein Team monopolisiert im Normalfall seinen Markt innerhalb der Liga (vgl. Rottenberg 2000, S. 12). In einer Saison treffen die Teams in einer Serie von Spielpaarungen aufeinander, sodass nicht nur der Gewinn eines Spiels relevant ist, sondern auch der Gewinn einer Saison durch das Erzielen der meisten Punkte bzw. Siege als Meisterschaft definiert ist. Die Erlöse, welche die Liga mit dem Verkauf der Werbefläche und der Übertragungsrechte erzielt, werden unter den Teilnehmern aufgeteilt. Der Verkauf von Karten obliegt den Vereinen selbst, die Erlöse hieraus erhalten sie direkt.

Die optimale Anzahl der Teams in einer Liga wird über die Erfüllung von mindestens drei Bedingungen (vgl. Rottenberg 2000, S. 15) bestimmt. Zunächst einmal sollte gelten, dass a) alle Teams in der Liga annähernd die gleiche Stärke besitzen, und b) sich in einer Saison mit gegebener Länge und gegebener Spielfrequenz alle Teams gleichmäßig oft begegnen, sodass Standardfehler über die Gesamtzahl der Spielausgänge für jede Spielpaarung innerhalb eines "tolerierbaren" Limits gehalten werden. Außerdem sollte c) die Anzahl der Teams nicht so groß sein, dass die Konsumenten den Überblick über die Tabelle, also die Einordnung der aktuellen Leistungsstärke aller Teams nach ihren bisher erzielten Ergebnissen in der Saison, verlieren. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass es nicht die "eine" perfekte Anzahl gibt, vielmehr lassen die Bedingungen eine Auswahl zu, aus denen jede Sportart und Liga ihre Anzahl selbst bestimmen kann.

Um den Output und die Profite zu maximieren, ist es nötig, dass Kartellisierung in Form einer Liga stattfindet. Der maximale Output entsteht, wenn die maximale Qualität eines Spiels mit der höchstmöglichen Unsicherheit des Spielausgangs kombiniert wird. Um dies sicherzustellen, wird eine Liga gegründet, welche ein Monopol für die jeweilige Sportart darstellt. Für die Monopolstellung sei es notwendig, dass die besten Teams einer Sportart dieser Liga bzw. diesem Wettbewerb angehören. Die oben genannten Bedingungen für die optimale Größe einer Liga gewährleisten, dass die Ausgeglichenheit und damit die GOU maximiert werden kann. Nur eine einzelne höchste Liga kann das nützlichste aller Produkte erzeugen: den Meister und damit das beste Team in einer Sportart (vgl. Neale 1964, 7f.). Hier gibt es allerdings noch die Einschränkung von regionalen Titeln, bspw. ist der deutsche Meister im Fußball nicht automatisch das beste Team in Europa oder gar der Welt. Durch die Kartellisierung ist es in den meisten Ligen zudem üblich, Transaktionskosten zu senken durch eine Zentralvermarktung der Übertragungsrechte, was die Verhandlungskosten der Einzelvermarktung durch jedes Team einspart.

Daraus schlussfolgernd, ist das Unternehmen in der Sportökonomie nicht gleich der Unternehmensdefinition aus der Gesetzgebung. Die Firma in der Sportökonomie ist die Liga, da ein Team alleine als Firma keinen Output produzieren könnte. Innerhalb einer Liga herrscht daher eine Interdependenz zwischen den Teams, sie produzieren ein unteilbares Produkt, bei einer Trennung der Liga würde kein Output mehr entstehen. Eine daraus wiederum folgende Konsequenz lautet: Jeder professionelle Sport besitzt ein natürliches Monopol. Die einzelnen Produkte - Spiele - der rechtlich getrennten Firmen sind tatsächlich komplexe Kuppelprodukte einer einzigen Firma, der Liga, und diese Firma ist notwendigerweise eine allumfassende Firma oder ein natürliches Monopol (vgl. Neale 1964, S. 3ff.).

Nach Szymanski (2003, 1155f.) lassen sich für die UOH drei Typen identifizieren, zwischen denen differenziert werden muss. Die erste Form ist die GOU, also die kurzfristige Unsicherheit eines einzelnen Spielausgangs. Als Zweites folgt die mittelfristige bzw. saisonale Unsicherheit. Sie impliziert entweder, dass je mehr Teams im Rennen um die Meisterschaft sind, desto höher die gesamte Zuschauernachfrage nach der Liga ist, oder, je länger ein persönliches Lieblingsteam im Rennen ist, desto höher die Nachfrage nach deren Spielen ist. Als Drittes folgt die langfristige UOO, die sich darauf bezieht, wie stark die Ligaplatzierungen der einzelnen Teams über mehrere Saisons hinweg variieren. Gelingt es einem Team, in mehreren Spielzeiten in Folge einen Wettbewerb zu gewinnen, so ist die CB relativ gering (vgl. Cairns et al. 1986, S. 6). Teams bevorzugen Siege gegenüber Niederlagen, im Gewinnfall bevorzugen sie einen knappen Spielausgang gegenüber eines deutlichen Sieges, (vgl. Rottenberg 1956, S. 255).

Ligen und Wettbewerbe bieten Spiele an und erzielen so über den Verkauf von Tickets und Übertragungsrechten Erlöse. Diese müssen hoch genug sein, sodass sie die Kosten der Produktion decken und einen normalen Return on Investment darstellen. Trifft das zu, so ist das Weiterbestehen der Firmen gewährleistet und der Output der Industrie stellt einen gesellschaftlichen Nutzen dar. Ist das nicht der Fall, dann wird die Produktion eingestellt und die Ressourcen werden anderweitig verwendet (vgl. Rottenberg 2000, S. 12). Teams und Ligen, deren Produkte nicht genügend Nachfrage generieren können, werden also vom Markt verdrängt.

Die Bedingungen für das soziale Optimum (vgl. Rottenberg 2000, 12ff.), die Existenz der gesamten Industrie und die Gesetze des Marktes gelten auch für die Subindustrien, also die einzelnen Sportarten. Vergleicht man zwei Sportarten, so ist diejenige größer, welche mehr Ressourcen zur Produktion der Spiele zur Verfügung hat, bspw. ist die Sportart American Football in den USA größer als Fußball. Da es für den Eintritt und die Existenz einer Subindustrie keine Barrieren gibt, ist eine Sportart größer, wenn die Konsumenten bei gegebenen Produktionskosten bereit sind, für die eine Sportart mehr Zeit und Geld zu investieren als für die andere. Die Marktdisziplin erlaubt es somit nicht, dass dem Fußball in den USA ähnliche hohe Ressourcen wie American Football für die Produktion von Unterhaltung zur Verfügung stehen. Auf dem gleichen Weg bestimmt der Markt auch, ob eine Sportart professionell wird oder nicht. Damit eine Sportart professionell wird, muss der monetarisierte Nutzen aus dem Konsum höher sein als die Kosten der Produktion.

Ein besonderes Merkmal der professionellen Sportindustrie (vgl. Rottenberg 2000, S. 13) ist das psychische Einkommen, welches Investoren für ihre Investitionstätigkeit erhalten. In der ökonomischen Theorie wird zumeist davon ausgegangen, dass Investoren, die einem Unternehmen ihr Kapital zur Verfügung stellen, damit eine monetäre Rendite erzielen wollen. In der Sportindustrie ist das jedoch nicht immer der Fall, anstelle einer zählbaren Rendite erhalten Investoren psychisches Einkommen, da in diesem Fall die Investitionstätigkeit mit einer normalen Konsumaktivität verglichen werden kann. Obwohl auf das eingesetzte Kapital möglicherweise mit Verlusten zu rechnen ist und es in anderen Industrien gewinnbringend eingesetzt werden könnte, werden die Investitionsaktivitäten weiter verfolgt. Wenn sich Eigentümer von Teams trotz finanzieller Verluste nicht aus dem Verein zurückziehen, sondern weiter investieren, dann spricht man von philanthropischem1 Handeln. Die Fans eines Teams und die Zuschauer der Spiele erhalten so Geschenke, indem sie weiterhin zu - im 1 Philanthropie wird als menschenfreundliches Denken und Handeln verstanden, hier als die Weitergabe und Verteilung des persönlichen Reichtums eines Eigentümers an ein Team, deren Fans und die Konsumenten der Spiele.

Vergleich mit dem Investor - geringen Kosten die Spiele betrachten können. Das Einkommen wird so vom Eigentümer an die Sportfans umverteilt. Weil dies auf freiwilliger Basis geschieht, verletzt es nicht die Prinzipien der sozialen Maximierung, wenn solche Teams existieren, selbst wenn die Erlöse kleiner sind als die Kosten.

2.1 Die Wertschöpfung der Teams

Nachdem im vorangegangenen Text die grundsätzliche Struktur der Industrie vorgestellt wurde, soll in diesem Unterkapitel erläutert werden, woraus die Teams ihre Wertschöpfung für ihr Weiterbestehen beziehen. Entscheidend für den Erfolg eines Teams sind die Sportler, die bei ihnen unter Vertrag stehen und die Wettkämpfe bestreiten (vgl. Rottenberg 1956, S. 247). Sie entscheiden mit ihren Fähigkeiten und ihrer Leistung über den Ausgang der Spiele. Das Abschneiden der Athleten hängt von vielen Faktoren ab, die zum Großteil von der Natur gegeben sind, dazu gehören beispielsweise motorische und muskuläre Fähigkeiten des Körpers, außerdem das Talent. Aber auch der Aufwand, der vom Sportler betrieben wird, spielt eine Rolle.

Einen Faktor, der darauf einen relevanten Einfluss habe, stelle das Gehalt des Sportlers dar, hier besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Gehaltes und der Leistungsmotivationsstärke eines Sportlers: Je höher sein Gehalt ist, desto mehr sei der Sportler bereit zu leisten. Außerdem gilt, dass besonders talentierte, zu außergewöhnlichen körperlichen Leistungen fähige Athleten, die besser als ihre Konkurrenten sind, im Normalfall mehr verdienen. Jeder Spieler hat seinen eigenen Reservationspreis, von dem er glaubt, dass er ihn wert ist. Kein Team wird einem Spieler jedoch mehr Gehalt bezahlen, als er für das Team wert ist.

Der Bruttowert eines Spielers (vgl. Rottenberg 2000, S. 16) für ein Team entspricht dem Plus an Erlösen, die das Team durch ihn in Form von Kartenverkauf und dem Verkauf der Rundfunkrechte erzielen kann. Der Nettowert eines Spielers ist die Differenz zwischen dem Bruttowert und den Kosten, die für seine Dienstleistungen anfallen. Dazu gehört der Aufwand für Trainingskosten, das Gehalt des Spielers und die eventuell anfallende Ablösesumme.

Eine Ablösesumme wird fällig, wenn ein Spieler trotz bestehenden Vertrages von einem anderen Team unter Vertrag genommen wird. In der Sportindustrie agieren die Teams als Arbeitgeber und fragen Arbeit nach, die Sportler sind die Arbeitnehmer und bieten ihre Dienstleistungen an. Die Teams verhalten sich monopsonistisch, da es nur wenige Teams, aber viele Sportler gibt, auf der Verkäuferseite herrscht folglich hoher Konkurrenzdruck.

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Details

Titel
Die empirische Relevanz der Competitive-Balance-Hypothese in der Sportökonomie
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Autor
Jahr
2018
Seiten
44
Katalognummer
V446848
ISBN (eBook)
9783668837607
ISBN (Buch)
9783668837614
Sprache
Deutsch
Schlagworte
relevanz, competitive-balance-hypothese, sportökonomie, Uncertainty of outcome, game outcome uncertainty, nachfrage, Unterhaltung, zuschauerzahl, sportliga, wertschöpfung
Arbeit zitieren
Patrick Sachs (Autor), 2018, Die empirische Relevanz der Competitive-Balance-Hypothese in der Sportökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446848

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