Der europaweit evidente demografische Wandel zeichnet sich in Wien anhand einer überproportional wachsenden alten Bevölkerung (über 75-Jährige), einer in Europa vergleichsweise rapiden Bevölkerungsentwicklung aller Altersklassen und einer „Umpolung“ der Altersverteilung von den Wiener Innenbezirken in die Stadtperipherie ab. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen dieser demografischen Vorgänge auf die Struktur der Nutzer im öffentlichen Personennahverkehr und zeigt auf, welche Ansprüche künftige Nutzergruppen an das öffentliche Verkehrsnetz Wiens haben werden. Um die Eingangsthese zu bestätigen, werden ÖV-Nutzer erst anhand ihres überwiegenden Mobilitätsmotivs kategorisiert. Nachdem eruiert werden konnte, welche Nutzergruppen den größten Einfluss auf die Verkehrsnachfrage im öffentlichen Personennahverkehr haben, werden demografische Trends in einen räumlichen Kontext gebracht, um sich weiters mit der Frage auseinanderzusetzen, vor welchen Herausforderungen der öffentliche Personennahverkehr der Stadt steht. Schließlich werden Handlungserfordernisse zur Anpassung des Angebots im öffentlichen Personennahverkehr anhand von räumlichen, zeitlichen und betrieblichen Aspekten vorgelegt.
Das Ziel der Arbeit ist es, basierend auf den Bestrebungen der Stadt Wien zur Verbesserung des Modal-Splits, einen Situationsüberblick zu schaffen und mögliche Wege in Richtung einer zukunftsfähigen Gestaltung der Angebotsstruktur im öffentlichen Personennahverkehr zu weisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung, These und Forschungsfrage
1.2 Aufbau und Methodik
1.3 Ziele, Umfang und Abgrenzung
2. Alltagsmobilität im urbanen Raum mit Blick nach Wien
2.1 Begriffserklärung „Mobilität“
2.2 Definition und Bedeutung des ÖPNV
2.3 Geschichte und Trends des Mobilitätsverhaltens in Wien
3. Die Nutzerstruktur des öffentlichen Personennahverkehrs in Wien
3.1 Einflüsse der Bevölkerungsstruktur auf die Verkehrsnachfrage im ÖPNV
3.2 Einflüsse auf die Verkehrsmittelwahl im Alltag
3.2.1 Objektive Einflüsse
3.2.2 Subjektive Einflüsse
3.3 Nutzergruppen des ÖPNV
3.3.1 Wahlfreie Nutzergruppen
3.3.2 ÖV-gebundene Nutzergruppen
4. Bevölkerungsstrukturen und der demografische Wandel in Wien
4.1 Begriffserklärung „Demografie“ und „demografischer Wandel“
4.2 Europaspezifische demografische Trends
4.3 Die Bevölkerungsstruktur und der demografische Wandel in Wien
4.3.1 Bevölkerungsentwicklung
4.3.2 Altersentwicklung, Fertilität und Lebenserwartung
4.3.3 Migration
5. Auswirkungen der neuen Nutzerstruktur auf die öffentliche Verkehrsnachfrage in Wien
5.1 Neue Rahmenbedingungen für den ÖPNV in Wien
5.2 Herausforderungen des demografischen Wandels für den ÖPNV
5.2.1 Verkehrsnachfrage und Nachfrageverschiebungen
5.2.2 Barrierefreiheit und Sicherheit
6. Beispielhafte Handlungserfordernisse in der Angebotsstruktur des öffentlichen Personennahverkehrs in Wien
6.1 Flexible Bedienung durch den Richtungsbandbetrieb
6.2 Einsatz neuer Fahrzeuge und Serviceleistungen
6.3 Information barrierefrei gestalten und Sicherheit vermitteln
6.4 Barrierefreie Erschließung und Verkehrssicherheit gewährleisten
7. Schlussfolgerung und Chancen für die Zukunft
8. Fazit der analytischen Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Bachelorarbeit analysiert die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Nutzer- und Angebotsstruktur des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) am Beispiel der Stadt Wien. Ziel ist es, basierend auf der zukünftigen demografischen Entwicklung und den daraus resultierenden Veränderungen der Verkehrsnachfrage, konkrete Handlungsempfehlungen für eine zukunftsfähige Gestaltung der Angebotsstruktur im ÖPNV abzuleiten.
- Demografischer Wandel und Bevölkerungsentwicklung in Wien
- Einflussfaktoren auf die Verkehrsmittelwahl und Nutzergruppen im ÖPNV
- Herausforderungen durch eine alternde Gesellschaft und "immobilere" Nutzer
- Anpassungsstrategien für die Angebotsstruktur (z.B. Richtungsbandbetrieb, Barrierefreiheit)
Auszug aus dem Buch
3.1 Einflüsse der Bevölkerungsstruktur auf die Verkehrsnachfrage im ÖPNV
Nach Schönfelder ist die Bevölkerungsstruktur und deren Entwicklung nur ein Baustein in der Zusammensetzung des Mobilitätsverhaltens und der Prognosen zur Verkehrsnachfrage. Exakte Prognosen des Verkehrsgeschehens berücksichtigen in der Regel die Entwicklung weiterer wichtiger Rahmenbedingungen, wie etwa politische Vorgaben der sektoralen Bereiche Finanz-, Infrastruktur- oder Siedlungswesen, technologische Neuerungen, Preise oder Pfade der Wirtschaftsentwicklung. Alle zu berücksichtigenden Einflussfaktoren zeigt Abbildung 3.
In der im Jahre 2000 erschienen „Mikroanalyse der Alltagsmobilität in Städten“ beschreibt Zängler Verkehr als unerwünschte Nebenwirkung von Mobilität. Private Haushalte gelten als Verursacher dieser Nebenwirkung. Im Jahr 2000 konnten in Deutschland 88% der zurückgelegten Wege auf sozial- oder ökonomisch-motivierte Mobilität privater Haushalte zurückgeführt werden.
Das Mobilitätsverhalten, und damit die Verkehrsmittelwahl, von Haushalten kann nach Zängler als Teil des Konsumverhaltens betrachtet werden. Dort spielen vor allem physische und soziale Komponenten eine wesentliche Rolle. In der Verkehrsmittelwahl haben deshalb Motive (Bedürfnisse – bspw. der Wegezweck) und Präpositionen (Einstellungen – bspw. die grundlegende Abwehrhaltung gegenüber einem Verkehrsmittel) zentrale Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung des demografischen Wandels ein, definiert die zentrale These der Arbeit und legt den methodischen Aufbau sowie die Forschungsziele dar.
2. Alltagsmobilität im urbanen Raum mit Blick nach Wien: Das Kapitel definiert grundlegende Begriffe wie Mobilität und ÖPNV und betrachtet die historische Entwicklung sowie aktuelle Trends des Mobilitätsverhaltens in Wien.
3. Die Nutzerstruktur des öffentlichen Personennahverkehrs in Wien: Hier werden die Einflussfaktoren auf die Verkehrsmittelwahl untersucht und Nutzergruppen basierend auf objektiven und subjektiven Kriterien identifiziert.
4. Bevölkerungsstrukturen und der demografische Wandel in Wien: Das Kapitel analysiert die demografischen Rahmenbedingungen und Trends in Europa und Wien, insbesondere hinsichtlich Altersentwicklung und Migration.
5. Auswirkungen der neuen Nutzerstruktur auf die öffentliche Verkehrsnachfrage in Wien: Hier wird untersucht, wie die veränderte Bevölkerungsstruktur die Nachfrage im ÖPNV beeinflusst und welche Herausforderungen sich für das städtische Verkehrsnetz ergeben.
6. Beispielhafte Handlungserfordernisse in der Angebotsstruktur des öffentlichen Personennahverkehrs in Wien: Dieses Kapitel schlägt konkrete Maßnahmen wie den Richtungsbandbetrieb und barrierefreie Infrastrukturlösungen vor, um den ÖPNV an die neuen Bedürfnisse anzupassen.
7. Schlussfolgerung und Chancen für die Zukunft: Hier werden die Ergebnisse synthetisiert und der Ausblick auf eine zukunftsfähige Gestaltung der städtischen Mobilität unter Berücksichtigung planerischer Aspekte gegeben.
8. Fazit der analytischen Betrachtung: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die Relevanz der abgeleiteten Handlungsfelder für die Planung.
Schlüsselwörter
ÖPNV, Wien, demografischer Wandel, Nutzerstruktur, Verkehrsnachfrage, Alltagsmobilität, Barrierefreiheit, Bevölkerungsentwicklung, Mobilitätsverhalten, städtischer Verkehr, Infrastruktur, Richtungsbandbetrieb, Verkehrsplanung, Altersstruktur, Angebotsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der demografischen Alterung auf die Nutzerstruktur des öffentlichen Personennahverkehrs in Wien und wie das Angebot an diese Veränderungen angepasst werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die demografische Entwicklung in Wien, die Analyse von Verkehrsnachfrage und -verhalten sowie die Erarbeitung von Strategien zur flexiblen und barrierefreien Gestaltung des öffentlichen Verkehrs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Auswirkungen die neuen Rahmenbedingungen der Nutzerstruktur auf die Verkehrsnachfrage im Wiener ÖPNV haben und welche Anpassungen der Angebotsstruktur daraus abgeleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer inhaltsanalytischen Literaturrecherche, ergänzt durch Daten aus amtlichen Statistiken, Studien und Berichten, um die Entwicklungen fundiert zu untermauern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Mobilität, die Nutzersegmentierung, die demografische Analyse für Wien und die konkreten Auswirkungen auf die Verkehrsnachfrage sowie daraus resultierende Handlungserfordernisse für den ÖPNV-Betrieb detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ÖPNV, Wien, demografischer Wandel, Nutzerstruktur, Verkehrsnachfrage, Barrierefreiheit und Angebotsstruktur charakterisiert.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Nutzergruppen des ÖPNV?
Die Unterscheidung erfolgt in wahlfreie Verkehrsteilnehmer (nutzen ÖV aus Überzeugung oder Nutzenkalkül) und gebundene Verkehrsteilnehmer (wie immobile Personen oder Schüler), die aufgrund physischer oder sozialer Umstände weniger Wahlmöglichkeiten haben.
Welche Rolle spielt der "Richtungsbandbetrieb" in der Arbeit?
Der Richtungsbandbetrieb wird als eine flexible Bedienungsform vorgestellt, die sich besonders für Gebiete mit geringerer oder schwankender Verkehrsnachfrage eignet, um den öffentlichen Verkehr effizienter zu gestalten.
- Quote paper
- B.Sc. Felix Wernisch (Author), 2018, Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Nutzer- und Angebotsstruktur des öffentlichen Personennahverkehrs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446862