Bei einem Wortfeld handelt es sich im Wesentlichen um eine gewisse Menge von Wörtern, die derselben grammatischen Kategorie angehören, einen gleichen bis ähnlichen Bedeutungskern haben und in Folge dessen in Beziehung zueinander stehen. Über die Sprachgeschichte hinweg sind Wortfelder nicht beständig, sondern erfahren im Laufe der Zeit zahlreicher Veränderungen. Dies ist bei Verwandtschaftsbezeichnungen der Fall.
Diese Arbeit soll zunächst in aller Kürze wichtige Grundlagen zur Wortfeldtheorie darstellen. Dabei wird zu Beginn eine Begriffsbestimmung vorgenommen und anschließend die Entwicklung der Wortfeldtheorie grob vorgestellt. Hauptaugenmerk in dieser Arbeit gilt dem Wandel von Verwandtschaftsbezeichnungen des Deutschen, als auch einiger romanischen Sprachen. Aufgrund der durchaus komplexen Sachlage, kann dem Leser/der Leserin nur ein äußerst grober Überblick über diese Thematik vermittelt werden. Als Grundlage für die Auswertungen dienen hierbei Birgit Eders Publikation „Ausgewählte Verwandtschaftsbeziehungen in den Sprachen Europas“ und Andreas Blanks „Prinzip des lexikalischen Bedeutungswandels am Beispiel romanischer Sprachen“.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriff und Theorie des Wortfeldes
3 Verwandtschaftsbezeichnungen im deutschen Sprachraum
4 Verwandtschaftsbezeichnungen im romanischen Sprachraum
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel von Verwandtschaftsbezeichnungen im deutschen und romanischen Sprachraum, eingebettet in die theoretischen Grundlagen der Wortfeldforschung.
- Grundlagen und Definition der Wortfeldtheorie
- Etymologische Entwicklung von Elternbezeichnungen
- Wandel von Verwandtschaftsbezeichnungen im Deutschen
- Vergleichende Analyse im romanischen Sprachraum
- Bedeutungsverschiebungen und soziokulturelle Einflüsse
Auszug aus dem Buch
3 Verwandtschaftsbezeichnungen im deutschen Sprachraum
Für die Bezeichnung des Vaters gilt als Quelle im indoeuropäischen Sprachraum die ie. Form pətēr, was ‚Haupt der Großfamilie‘ bedeutet. (Vgl. Eder 2004, 87) Neben dem got. fadar, dem eng. foeder, dem lt. pater entstand auch das ahd. Wort fater aus dieser Wurzelform. Der indogermanische Laut p verschob sich in den germanischen Sprachen zum Laut f. Die älteste Etymologie von pətēr ist jedoch nicht restlos geklärt und daher umstritten. Für den Germanisten Manfred Mayrhofer war die Schwächung zu pətēr bzw. matér im Singular Grund für die unterschiedliche Entwicklung der möglichen Ursprungsformen von Vater und Mutter. Alois Walde lehnt eine Rückführung auf aind. pati (schützt) bzw. ie. poi (schützen) ab und nimmt als Ursprung das Lallwort pa(pa) an. (Vgl. Walde 2004, 92) Bei Lallwörtern handelt es sich um Produkte eigenständiger Sprachentwicklungen aus dem frühkindlichen Sprechen. Für die deutsche Sprache gilt festzuhalten, dass das ie. Lallwort atta dem ahd. atto (Vater, Vorfahr) zu Grunde liegt. (Vgl. Walde 2004, 92)
Die Wurzel ie. *ta(t) dient als Quelle von vielen indoeuropäischer Lallwortbildungen wie zum Beispiel ta(t)-/tata oder dhē-/dhē-dh/ē. Hierbei ist interessant, dass neben ihrer Funktion zur Bezeichnung für den Vater damit auch weibliche Personen bezeichnet wurden. So bezeichnet dt. tate oder ostfr. tatte den Vater, aber schwed. titta die Tante oder eine alte unverheiratete Frau. (Vgl. Eder 2004, 93) Eine interessante Verbreitung in Europa hatten Lallwortbildungen der Gruppe papa und baba. Für die deutsche Sprache gilt, dass sich das Kosewort dt. papa erst ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch das Entlehnen aus dem Französischen etablierte. (Vgl. Eder 2004, 94f.) Zu dieser Zeit galt papa als eine vornehme Bezeichnung für den Vater.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert den Gegenstand der Wortfeldforschung und umreißt die Untersuchung des Wandels von Verwandtschaftsbezeichnungen.
2 Begriff und Theorie des Wortfeldes: Das Kapitel erläutert die theoretischen Ansätze der Wortfeldtheorie nach Jost Trier und anderen Forschern.
3 Verwandtschaftsbezeichnungen im deutschen Sprachraum: Hier wird die etymologische Herkunft der Bezeichnungen für Eltern und Verwandte im Deutschen analysiert.
4 Verwandtschaftsbezeichnungen im romanischen Sprachraum: Dieses Kapitel betrachtet die Entwicklung und den Bedeutungswandel lateinischer Wurzeln in den romanischen Sprachen.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über den sprachgeschichtlichen Wandel der untersuchten Wortfelder.
Schlüsselwörter
Wortfeldtheorie, Verwandtschaftsbezeichnungen, Sprachwandel, Etymologie, Indoeuropäisch, Germanisch, Romanisch, Semantik, Lallwörter, Jost Trier, Bedeutungswandel, Wortgeschichte, Lexem, Sprachgeschichte, Sprachvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sprachgeschichtlichen Entwicklung und dem Wandel von Verwandtschaftsbezeichnungen in der deutschen und romanischen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Wortfeldtheorie, die etymologische Herkunft von Verwandtschaftsnamen sowie deren strukturelle Umschichtung im Laufe der Jahrhunderte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Einblick in den Wandel der Bezeichnungen innerhalb von Verwandtschaftsebenen zu geben und diesen grob zu skizzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, die theoretische Grundlagen der Linguistik mit etymologischen Auswertungen bestehender Fachpublikationen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Wortfeldforschung dargestellt, gefolgt von einer detaillierten etymologischen Analyse der Verwandtschaftsbezeichnungen in beiden Sprachräumen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wortfeldtheorie, Sprachwandel, Etymologie, Semantik und historische Linguistik charakterisiert.
Welche Rolle spielen Lallwörter bei der Bezeichnung der Eltern?
Lallwörter wie "papa" oder "mama" fungierten als Grundlage für viele Verwandtschaftsbezeichnungen und etablierten sich teilweise erst spät durch Entlehnungen in der jeweiligen Zielsprache.
Warum änderte sich die Bedeutung von "Neffe" und "Enkel"?
Aufgrund von Polysemie der zugrunde liegenden Begriffe kam es zu Verschiebungen, bei denen Bezeichnungen ihre Generationenzugehörigkeit veränderten.
Wie beeinflusste der Rückgang der Großfamilie die Sprache?
Der Rückgang der Großfamilie führte dazu, dass spezifische Differenzierungen, wie die Trennung nach väterlicher und mütterlicher Linie, im Alltag an Bedeutung verloren und verschwanden.
- Arbeit zitieren
- Gregor Wolfsberger (Autor:in), 2018, Wortfelder und Verwandtschaftsbeziehungen im deutschen und romanischen Sprachraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446873