Die Bedeutung von sozialen Netzwerken im späten Erwachsenenalter und deren Gestaltung in strukturschwachen Regionen


Bachelorarbeit, 2018
52 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Soziale Netzwerke
2.2 Beziehungsformen
2.3 Lebensqualität
2.4 Alterstheorien
2.5 Altern, Lebensqualität und soziale Netzwerke in ländlichen Regionen
2.6 Fragestellung dieser Arbeit

3. Methode
3.1 Stichprobe
3.2 Das narrative Interview
3.3 Die Netzwerkkarte
3.4 Durchführung
3.5 Auswertungsmethode

4. Ergebnisse
4.1 Ergebnisse des offenen Kodierens
4.2 Ergebnisse Netzwerktabellen

5. Diskussion
5.1 Diskussion der Ergebnisse
5.2 Methodenreflexion
5.3 Ausblick

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Strukturierte und standardisierte Netzwerkkarte nach Kahn & Antonucci (1980)

Abbildung 2 - Darstellung der Zusammenhänge der Hauptkategorien

Abbildung 3 - Ergebnisse Netzwerkkarten

Abbildung 4 - Gegenüberstellung Netzwerkgrößen.

1. Einleitung

Jeder Mensch altert und findet sich im Laufe seines Lebens in der Phase des späten Erwachsenenalters wieder. Somit ist der Prozess des Alterns und das Altsein, ein Teil unseres Lebens. Der demografische Wandel zeigt, dass das Thema des Älterwerdens aktueller denn je ist. Es zeichnet sich ein wachsender Anteil der älteren Bevölkerung ab und auch in Zukunft kann mit einer weiteren Zunahme gerechnet werden (BMFSFJ, 2002). Man könnte meinen, die länger werdende Lebensspanne wird als positiver Zugewinn von Lebenszeit, mit vielen Möglichkeiten, das eigene Leben auszugestalten, gesehen. Da nicht mehr nur die frühen Lebensphasen, wie Kindheit, Jugend und das junge Erwachsenenalter das Leben definieren, sondern es eine starke Zunahme an Lebenszeit im späten Erwachsenenalter gibt. Allerdings wird der große Anteil an älteren Menschen nicht nur positiv aufgefasst und das Erreichen der späten Lebensphase geht häufig mit Angst einher. Denn der Alterungsprozess wird von Vielen mit Defiziten, wie Mangel an Gesundheit, Einschränkungen in der Beweglichkeit und kognitiven Einbüßen in Verbindung gebracht (BMFSFJ, 2002). Die immer älter werdende Gesellschaft wird als problematischer Kostenfaktor eingestuft, welcher politische Maßnahmen, wie die Erhöhung des Rentenalters nach sich zieht. Die steigende Lebenserwartung wird als problematische Überalterung der Gesellschaft gesehen. Diese Themen führen zu einer einseitigen und negativen Sicht auf das hohe Alter, sodass der Prozess des Alterns, für Viele mit der Abnahme an Lebensqualität assoziiert wird.

Somit ist die Frage nach der Lebenssituation im Alter und der Gestaltung später Lebensphasen gerechtfertigt. Für die Forschung ist von Interesse, wie Menschen ihre Lebensqualität im späten Erwachsenenalter bewahren und zufrieden altern können. Da eine gute soziale Integration einen wichtigen Aspekt für das erfolgreiche Altern darstellt, ist es wichtig zu untersuchen, ob Menschen im späten Erwachsenenalter sozial integriert bleiben. Diese Bachelorarbeit mit dem Thema „Soziale Netzwerke in strukturschwachen Regionen - Die Bedeutung von sozialen Kontakten im späten Erwachsenenalter“, setzt sich mit dem sozialen Umfeld von Menschen in der späten Lebensphase auseinander und welche Rolle dieses bezüglich der Lebensqualität einnimmt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Auswirkungen, die ein strukturschwacher Wohnraum auf die Veränderung von sozialen Netzwerken hat.

2. Theoretische Grundlagen

Der folgende Abschnitt befasst sich mit den theoretischen Grundlagen, die zum allgemeinen Verständnis der vorliegenden Arbeit essentiell sind. Im ersten Teil wird auf die Bedeutung der Begrifflichkeiten, soziale Netzwerke, Lebensqualität und auf unterschiedliche Beziehungsformen eingegangen, um ein einheitliches Verständnis zu schaffen. Anschließend werden verschiedene alterstheoretische Ansätze erläutert, die sich auf den Prozess des erfolgreichen Alterns beziehen und diesen näher beleuchten.

2.1 Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke stellen einen großen Forschungsteil in der Psychologie dar. Nach der Definition von Jansen (2006) ist ein soziales Netzwerk, ein Geflecht aus Beziehungen zwischen Menschen, in denen unterschiedliche Formen von Beziehungen zu finden sind. Menschen können untereinander vernetzt sein durch Verwandtschaft oder nicht familiäre, selbst gewählte Beziehungen. Soziale Netzwerke haben viele funktionale Aspekte. Sie bieten praktische, emotionale und kognitive Unterstützung in Belastungssituationen und können in Krisensituationen als Ressource dienen (Veiel & Baumann, 1992). Als ein Unterstützungsnetzwerk wird jenes Netzwerk bezeichnet, aus welchem eine Person Unterstützung in kritischen Lebensereignissen ziehen kann (Thoits, 1982). Ein weiterer oft verwendeter Begriff, ist der, der sozialen Integration. Darunter werden das Vorhandensein und die Anzahl intimer Beziehungen verstanden. Merkmale sozialer Integration sind, unter anderem, die Anzahl der sozialen Rollen, die ein Mensch innehat und die Kontakthäufigkeit mit Freunden, Verwandten und anderen Kontaktpartnern (Thoits, 1982). Soziale Netzwerke sind keine festen Gebilde, sondern verändern sich stetig. Studien haben gezeigt, dass Netzwerke im Verlauf des Lebens zunächst durch den Gewinn von Freunden und Bekannten, sowie den Berufseintritt, Hochzeiten und die Geburt der eigenen Kinder, größer werden und im letzten Lebensabschnitt kleiner werden, aufgrund von zunehmenden Kontaktverlusten (Fischer, 1982). Der Verlust des Ehepartners, die Pensionierung oder alters- und krankheitsbedingte Einschränkungen, die beispielsweise Auswirkungen auf die Mobilität haben, führen zu Veränderungen innerhalb eines Netzwerkes. (Thoits, 1982). Cohen und Wills (1985), verbinden kleine Netzwerke mit erheblichen Beeinträchtigungen. Sie führen dies auf das Fehlen enger Beziehungen und den regelmäßigen Austausch mit Kontakten zurück. Große Netzwerke können ebenfalls das Wohlbefinden beeinträchtigen, da von den meisten Menschen nur eine begrenzte Anzahl an Kontakten handhabbar sind (Rook, 1984). Defizitäre Netzwerkstrukturen schließen das Fehlen von intimen sozialen Beziehungen ein, welches die soziale Isolation zur Folge haben könne (Petzold 1995).

Die Untersuchung von sozialen Netzwerken wird als Netzwerkanalyse bezeichnet. Sie dient als Methode zur Untersuchung sozialer Gefüge und Unterstützungssysteme, sowie den zwischenmenschlichen Prozessen. Die Netzwerkanalyse ermöglicht die Fokussierung auf Verbindungen zwischen den Akteuren (Hass & Petzold, 1999).

In der Forschung gibt es verschiedene Netzwerktypen, welche unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Für die vorliegende Untersuchung ist das egozentrische Netzwerk zentral. Dieses beschreibt die soziale Umwelt aus der Sicht einer einzelnen Person (Herz, 2012). Dabei steht die interessierende Person (Ego) in der Mitte und wird zu ihren Netzwerkpartnern (Alteri) befragt (Herz, 2012). Hierbei geht es nicht um die gegenseitige Befragung zu den Beziehungen, sondern lediglich um die Perspektive einer einzelnen Person (Tesch-Römer, 2010).

2.2 Beziehungsformen

Wie bereits erwähnt, stellt ein soziales Netzwerk die verschiedenen Beziehungen, die Menschen untereinander pflegen, dar. Nach Hinde (1979) ist eine zwischenmenschliche Beziehung als eine Serie von Interaktionen zwischen zwei Menschen, über einen größeren Zeitraum hinweg, zu verstehen. Nach Auhagen (1993), ist die Grundlage jeder Beziehung der Kontakt. Dabei kann die Art und Weise, sowie die Intensität des Kontaktes sich unterscheiden (Auhagen, 1993). Um die Art einer Beziehung zu beschreiben, nennt Hinde (1997) einige Charakteristika, die den Prozess der Beziehung näher beleuchten. Zum einen ist die Art und der Inhalt einer Interaktion bezüglich ihrer Qualität entscheidend. Dies umfasst den wechselseitigen Umgang der Akteure, die in einer Beziehung zueinanderstehen. Dabei können die Interaktionen von verbaler oder nonverbaler Natur sein. Zudem weist Hinde (1997) auf die Qualität der Interaktion und der Kommunikation hin. So kann eine Beziehung positive, aber auch negative Auswirkungen auf die beiden Akteure haben. Neben der Qualität der Interaktionen, ist auch deren Häufigkeit und Kontinuität entscheidend. Denn eine Interaktion ist die Folge der vorausgegangenen Interaktion und beeinflusst wiederum die nachfolgende Interaktion. Demnach geben die Variablen, Kontinuität und Kontakthäufigkeit, Qualität der Kommunikation und Art der Unternehmungen, sowie das Ausmaß der Hilfestellung, Auskunft über die Qualität einer Beziehung. die Menschen verbindet (Heidbring, Lück & Schmidtmann, 2009). Soziale Beziehungen, die eine positive oder negative Qualität aufweisen, haben unterschiedliche Bedeutungen für die Akteure. Bei Beziehungen die primär negativ erlebt werden, liegt keine positive Beziehungsqualität vor. Im Gegensatz dazu, können Beziehungen die von guter Qualität sind, als Ressource genutzt werden und weisen meist einen hohen Grad an sozialer Unterstützung auf (Uchino, Holt-Lunstad, Smith & Bloor, 2004).

Soziale Beziehungen lassen sich grob in familiäre und außerfamiliäre Beziehungen unterteilen (Wagner, Schütze & Lang, 2010). Darunter zählen Bekanntschaften, Freundschaften, Nachbarschaften, Liebesbeziehungen, Beziehungen innerhalb der Familie, wie zum Beispiel die Eltern-Kind-Beziehungen oder andere Verwandtschaften, wie angeheiratete Verwandte oder Geschwisterbeziehungen (Auhagen & Salisch, 1993). Beziehungen erfüllen unterschiedliche Funktionen.

Während Verwandte am ehesten emotionale und instrumentelle Unterstützung leisten und sich als verlässliche Instanz in Krisensituationen bewähren, wie zum Beispiel bei der Pflege kranker oder alter Angehöriger, dienen freundschaftliche Kontakte meist als Vertrauenspersonen für persönliche Gespräche und kognitive Unterstützung (Walker, MacBride &Vachon, 1977).

Partnerschaft meint eine eheliche oder nichteheliche Lebensgemeinschaft zwischen Menschen. Häufig wird sie gleichgesetzt mit der emotionalen Beziehung zu einer Person (Heidbrink, Lück & Schmidtmann, 2009). Der Partner ist die Person im Leben eines Menschen, die diesem am nächsten steht. Eine Liebesbeziehung wirkt sich positiv auf verschiedene Bereiche aus (Tesch-Römer, 2010). So berichten Menschen, die sich in festen Partnerschaften befinden, eine höhere Lebenszufriedenheit und schätzen ihren Lebensstandard positiver ein, als Menschen die keinen Partner haben (Heidbrink, Lück & Schmidtmann, 2009). Heidbrink, Lück und Schmidtmann (2009) führen dies auf den Aspekt der sozialen Unterstützung in einer Partnerschaft zurück, welche schon dabei beginnt, den Alltag gemeinsam zu bewältigen und Lebensentscheidungen gemeinsam zu treffen. Neben dem Partner gibt es noch weitere Familienangehörige, die sich im sozialen Netzwerk einer Person befinden. Unter anderem befinden sich dort die Beziehungen zu den Geschwistern, Kindern, Enkelkindern und eigenen Eltern. Die Eltern-Kind-Beziehung ist von beiden Seiten von großer Bedeutung (Tesch-Römer, 2010). Das Verhältnis von Eltern zu ihren erwachsenen Kindern ist durch wechselseitige Zuneigung und Vertrauen gekennzeichnet (Schütze, 1993). Auch wenn die eigenen Kinder nicht mehr im Haushalt der Eltern leben, ist die Beziehung meist von vertrauensvoller und intensiver Verbundenheit (Höpflinger, 1999). Diese generationsübergreifenden Beziehungen werden durch die Geburt von Enkelkindern erweitert (Höpflinger, 1999). Durch den demografischen Wandel sind Dreigenerationenbeziehungen keine Seltenheit mehr (Petzold, 1999).

Wie bereits erwähnt, befinden sich in einem sozialen Netzwerk nicht nur familiäre Kontaktpartner, sondern auch außerfamiliäre Kontakte. Hierzu zählen unter anderem Freunde, Nachbarn und Bekannte. Freundschaften entstehen durch einen langjährigen Prozess und zeichnen sich durch einen hohen Grad der gegenseitigen Vertrautheit aus (Simmel, 1992). Diesbezüglich unterscheiden sie sich von Bekanntschaften, welche eine schwache Form der sozialen Beziehung darstellen und einen Mangel an Intimität aufweisen (Simmel, 1992). Da die Kontakthäufigkeit für den Aufbau und den Erhalt einer sozialen Beziehung wichtig ist, ist es wahrscheinlicher, dass Menschen, die eine freundschaftliche Beziehung pflegen, in unmittelbarer Nähe zueinander leben. So ist es zu beobachten, dass Kinder vermehrt Freundschaften aus der Nachbarschaft berichten. Allerdings unterliegen Freundschaften einem selektiven Prozess (Heidbrink, Lück & Schmidtmann, 2009). Erwachsene weisen beispielsweise nur zu einem kleinen Teil freundschaftliche Kontakte in der Nachbarschaft auf. Heidbrink, Lück und Schmidtmann (2009) begründen dieses Phänomen damit, dass Freunde meist nach der Ähnlichkeit zu einem selbst ausgewählt werden und Nachbarn sehr unterschiedlich sein können. Die Gemeinsamkeiten müssen allerdings nicht auf alle Lebensbereiche zutreffen. So haben Menschen unterschiedliche Freunde für verschiedene Aktivitäten. Und teilen mit unterschiedlichen sozialen Kontakten andere Erfahrungen, Vorlieben oder Abneigungen. (Heidbrink, Lück, Schmidtmann, 2009).

Ein häufig untersuchter funktionaler Aspekt von Beziehungen, ist die Unterstützung (Veiel & Baumann, 1992). Ein Unterstützungsnetzwerk ist der Teil des Netzwerkes, von dem eine Person Unterstützung im Bedarfsfall erwarten kann (Thoits, 1982). Ein weiterer oft verwendeter Begriff ist die soziale Integration. Damit ist zumeist die Anzahl sozialer Beziehungen gemeint, aber auch Merkmale, wie das Vorhandensein intimer Beziehungen, die Zahl der sozialen Rollen, deren Träger man ist, die Kontakthäufigkeit mit Freunden und Verwandten oder Mitgliedschaften in Gruppen und Organisationen, wurden als Kriterien herangezogen (Thoits, 1982).

2.3 Lebensqualität

Unter Lebenszufriedenheit versteht man die Einschätzung der aktuellen Lebenslage durch die eigene Person, sowie die Bilanzierung eines längeren Zeitraumes mit einer darauffolgenden Bewertung. Lebenszufriedenheit kann sich auf verschiedene Bereiche beziehen, wie zum Beispiel die Bewertung der Partnerschaft, den Beruf oder die Gesundheit. Somit kann sie sowohl bereichsspezifisch, als auch global erfragt werden (Diener, Luca & Scollon 2006). Lebenszufriedenheit beinhaltet kognitive und emotionale Dimensionen (Boothe & Ugolini, 2003). Nach Ferring (2008) resultiert Zufriedenheit aus der Bewertung der wahrgenommenen Wirklichkeit und dem Anspruch, die eine Person an das Leben hat. Je nachdem wie groß die Diskrepanz des Ist-Soll-Zustandes ist, resultieren unterschiedliche Bewertungen der Zufriedenheit. Lebenszufriedenheit und ihr Erhalt spielen das ganze Leben über eine wichtige Rolle. Aufgrund von einem negativen Gleichgewicht der Gewinn- und Verlusterfahrungen im höheren Alter, liegt die Vermutung nahe, dass das subjektiv berichtete Wohlbefinden im Laufe des Lebens abnimmt (DZA, 2002). Entgegen dieser Annahme beobachteten Baltes und Baltes (1993) einen Adaptionsprozess bei Menschen im späten Erwachsenenalter. Trotz einer objektiven Verschlechterung der Lebensbedingungen im hohen Alter, wurde keine Reduktion der Zufriedenheit berichtet. Dieses sogenannte Wohlbefindensparadox wird zurückgeführt auf eine Veränderung der Bewertungsmaßstäbe und auf die übermäßige Betonung von den Gewinnen, die das hohe Alter mit sich bringt (Baltes & Baltes, 1993). So wirken sich beispielsweise die Pensionierung und die Geburt von Enkelkindern positiv auf die Lebenszufriedenheit aus (DZA, 2002). In der letzten Lebensphase werden vermehrt Rückblicke und Bilanzierungen des eigenen Lebens vorgenommen (Staudinger, 1990). Hierbei bemühen sich Menschen darum, das Resümee möglichst positiv ausfallen zu lassen (Staudinger, 1990). Die positive Bewertung erlaubt dem Individuum das Leben und dessen näher rückendes Ende zu akzeptieren, welches im Endeffekt zu einer positiv ausfallenden Lebensqualität führt (Staudinger & Dittmann-Kohli, 1994).

2.4 Alterstheorien

Um die mit der Alterung einhergehenden Prozesse zu beschreiben, existieren zahlreiche Theorien und Modelle. Im Folgenden werden theoretische Grundsätze bezüglich der Alterungsprozesse vorgestellt. Die präsentierten Modelle beruhen auf der Annahme, dass die Alterungsprozesse von Menschen identisch ablaufen.

Mit der Aktivitätstheorie postuliert Tartler (1961), dass es einen Zusammenhang zwischen der Lebensqualität und dem Grad der sozialen Aktivität eines Menschen gibt (Martin & Kliegel, 2008). Um erfolgreich zu altern, müssen sich Menschen im hohen Lebensalten bemühen, trotz altersbedingter Einschränkungen, einen aktiven Lebensstil beizubehalten und soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten. Die späte Lebensphase ist von Verlusten und Defiziten geprägt, besonders im Hinblick auf den Verlust von Rollen und Kontaktpersonen. Diese verlorengegangenen Beziehungen und Rollen sollten neu besetzt werden (Martin & Kliegel, 2008), um einer Abnahme an Lebensqualität entgegenzuwirken. Nach Havinghurst, Neugarten und Tobin (1964) müssen gegebenenfalls Ersatzaktivitäten gesucht werden, die den körperlichen und kognitiven Veränderungen, die das Alter mit sich bringt, entsprechen.

Als Gegenstück zur Aktivitätstheorie steht die Disengagementtheorie von Cumming und Henry (1961). Sie beruht auf den Beobachtungen, dass Menschen im hohen Alter, sich zunehmend aus der Gesellschaft zurückziehen und dadurch eine größere Distanz zum sozialen Umfeld entsteht (Oswald, Gatterer & Fleischmann, 2008). Durch dieses Disengagement weisen Menschen in der späten Lebensphase weniger Sozialpartner auf und ziehen sich aus den gesellschaftlichen und sozialen Verpflichtungen zurück. Durch die mit dem Alter ansteigende Wahrscheinlichkeit Verluste und Defizite zu erleben, reduziert sich die Bereitschaft zur sozialen Integration und es folgt eine Wendung nach Innen. Nach Luong, Charles und Fingerman (2010) wird diese Isolation nicht als negativ erlebt, sondern von den Betroffenen bewusst herbeigeführt und bewirkt einen zufriedenstellenden Alterungsprozess. Dabei ist der Rückzug sowohl von der betroffenen Person, als auch von der Umwelt angestrebt (Martin & Kliegel, 2008). Innerhalb der Disengagementtheorie wird differenziert zwischen dem gesellschaftlichen Disengagement und dem persönlichen Disengagement. Das gesellschaftliche Disengagement zeichnet sich durch die Entlassung aus gesellschaftlichen Rollen und sozialen Verpflichtungen aus, wie zum Beispiel der Austritt aus der Erwerbstätigkeit. Das persönliche Disengagement bezeichnet das Phänomen, dass Menschen im hohen Alter sich von ihren Interaktionspartnern zurückziehen und sich zunehmend auf sich selbst konzentrieren (Lehr, 2007).

Eine Weiterentwicklung der zuvor genannten Theorien stellt die Sozioemotionale Selektionstheorie dar. Die Sozioemotionale Selektionstheorie beruht auf der Annahme, dass die Motive und Prioritäten eines Menschen nicht konstant sind, sondern sich im Laufe des Lebens verschieben (Carstensen, 2006). In den frühen Lebensphasen steht die Informationssuche im Vordergrund, während in den späten Lebensphasen der Fokus auf den emotional bedeutsamen Aspekten liegt, insbesondere im Hinblick auf die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen. Im Laufe des Lebens, wird das Umfeld eines Menschen von diesem aktiv mitgestaltet und an dessen Motive angepasst (Erlemeier, 2002). Der Mensch gestaltet sein soziales Umfeld insofern mit, als dass die wichtigen Sozialpartner erhalten und die weniger wichtigen Beziehungen aufgebeben werden. Beziehungen, die negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden einer Person haben, werden aus dem Netzwerk verbannt. So verkleinert sich das soziale Umfeld eines Menschen mit dem ansteigendem Alter von einem großen, teilweise oberflächlichen Netzwerk, auf wenige, jedoch qualitative hochwertige Beziehungen. Diese Selektion steht im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden im Alter. Aufgrund der Anpassung des Umfeldes an die Prioritäten eines Menschen, kommt es zum Erhalt von überwiegend helfenden und unterstützenden Beziehungen, so dass der größtmögliche Nutzen aus dem Netzwerk gezogen werden kann (Erlemeier, 2002).

Das SOK Modell behandelt die altersbedingten Veränderungen eines Menschen und ist als Weiterentwicklung der Alterstheorien zu verstehen. Das Modell beruht auf der Annahme, dass jede Lebensphase von Gewinnen und Verlusten geprägt ist, welche sich mit jeder Phase des Lebens verändern. Die späte Lebensphase ist überwiegend geprägt von Verlusten durch gesundheitlichen und altersbedingten Einbußen, sowie Todesfälle nahestehender Personen. Durch die im SOK Modell beschriebenen Anpassungsprozesse wird, trotz der zunehmenden Verluste im späten Erwachsenenalter, eine positive Entwicklung ermöglicht (Freund & Baltes, 2002). Nach dem SOK Modell enthält jeder Entwicklungsprozess die drei Verhaltensweisen Selektion, Optimierung und Kompensation.

Selektion umfasst, das Definieren und Umformulieren von Zielen, sowie aus den vorhandenen Ressourcen jene auszuwählen, die realisierbar sind. Dadurch werden die Lebensziele eines Menschen, an dessen Lebenskontext angepasst. Wenn aufgrund von Ressourcenverlust die Ziele nicht mehr aufrechterhalten werden können, kommt es zur Umstrukturierung der Ziele. In diesem Fall werden neue Prioritäten gesetzt und man spricht von der verlustbasierten Selektion.

Unter Optimierung wird der Prozess der Zielverfolgung verstanden. Der Erwerb von Fertigkeiten und Ressourcen, sowie die Investition von Zeit und Energie dient dem Optimierungsprozess.

Bei der Kompensation wird den Verlusten entgegengewirkt. Durch das Einsetzen von Strategien werden Defizite im Lebens ausgeglichen und infolgedessen kann das Ziel trotz der Verluste erreicht werden. Hierzu dienen bisher ungenutzte Ressourcen, Hilfsmittel oder die Unterstützung anderer Personen.

Zur positiven Bewältigung von Ressourcenverlust bietet das SOK Modell zwei Erklärungsansätze, die verlustbasierte Selektion und der Prozess der Kompensation. Die späte Lebensphase eines Menschen geht häufig einher mit der Multimorbidität, da krankheits- und altersbedingte Einschränkungen meist unumgänglich sind. Durch die Teilschritte Selektion, Optimierung und Kompensation kann diesen Funktionsverlusten entgegengewirkt werden, woraufhin das Wohlbefinden wiederhergestellt oder gesteigert werden kann. Dadurch sollen Gewinne maximiert und Verlust minimiert werden (Martin & Kliegel, 2014).

2.5 Altern, Lebensqualität und soziale Netzwerke in ländlichen Regionen

Die aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass Lebensqualität eine große Rolle spielt. Gerade wenn im späten Erwachsenenalter der Verlust der Lebenszufriedenheit, durch Verlusterfahrungen und Defizite wie körperliche Einschränkungen und nachlassende kognitive Fähigkeiten, droht (BMFSFJ, 2002). Höpflinger (2009) kommt zu dem Ergebnis, dass es für die Betroffenen von Vorteil ist, wenn sie sich in einem unterstützenden sozialen Netzwerk befinden, da dieses die altersbedingten Defizite kompensieren kann. Laut Rohr-Zänker und Müller (1998) sind für die sozialen Netzwerke engere familiäre, freundschaftliche und nachbarschaftliche Kontakte von Bedeutung. Sie dienen der Kommunikation, Einbindung in die Gesellschaft und können Hilfestellung in Notsituationen geben (Rohr-Zänker & Müller, 1998). Fühlen sich Menschen in ein zuverlässiges soziales Netzwerk eingebunden, kann dieses als Ressource bei kritischen Lebensereignissen und Alltagsproblemen dienen, welches sich positiv auf das subjektiv empfundene Wohlbefinden auswirkt (Baltes & Baltes, 1993). Das soziale Umfeld eines Menschen verändern sich im Laufe des Lebens und hat in der späten Lebensphase unterschiedliche Bedeutungen für das Individuum (Minnemann, 1994). Dabei kann das Vorhandensein von Partnerschaft und Familie im hohen Lebensalter eine positive Auswirkung auf die Lebenszufriedenheit haben (Tesch- Römer, Engstler & Wurm, 2006). Dies ist vor allem durch die soziale Unterstützung der Familienmitglieder zu erklären (Tesch-Römer, 2010). Laut Stosberg (1991) ist es allerdings nicht von Vorteil, wenn ältere Menschen ihr soziales Netzwerk ausschließlich auf die Familie ausrichten. Begründet wird dies zum einen mit dem Rückgang der Kinderzahl, welches zu einer Verringerung möglicher Sozialpartner führt, sowie dem kritischen Lebensereignis der Verwitwung, welches dazu führt, dass die Anzahl der Alleinlebenden, ab dem 70 Lebensjahr, zunimmt. Ein funktionierendes außerfamiliäres Netzwerk kann demnach von großer Bedeutung sein (Tesch-Römer, 2010). Suanet, van Tilburg und van Groenou (2013) behaupten, dass freundschaftliche Beziehungen, für Personen im späten Erwachsenenalter, ein zentraler Bestandteil im sozialen Umfeld sind. Sie sind besonders bedeutsam für die soziale Unterstützung (Huxhold, Mahne, & Naumann, 2010). Die Anzahl an Bezugspersonen aus dem außerfamiliären Netzwerk nimmt jedoch mit dem steigenden Lebensalter ab, so Stosberg (1991). Verantwortlich dafür sind unter anderem die Berufsaufgabe, gesundheitliche Beeinträchtigungen, Einschränkungen in der Mobilität, sowie der Tod von nahestehenden Netzwerkmitgliedern, welches zur Folge hat, dass das Aufrechterhalten von Beziehungen im hohen Alter erschwert wird (Otto, 2005). Das Vorhandensein weniger Beziehungspartner ist allerdings nicht gleichzusetzen mit Einsamkeit. So berichten ältere Personen mit wenigen Sozialkontakten nicht zwangsläufig Isolationsgefühle (Lowenthal & Robinson, 1976).

Wedemeier und Wilke (2014) zufolge, sind ländlich-dörfliche Regionen dünn besiedelt. Sie behaupten, dass Infrastruktur- und Dienstleistungsangebote begrenzt und Kultur- und Freizeitangebote auf die Ballungszentren verlagert sind, so dass längere Wegstrecken zurückgelegt werden müssen um Aktivitäten nachzugehen. Aufgrund der vermehrten Abwanderung junger Menschen verkleinert sich die ländliche Bevölkerung und zurück bleiben die älteren Generationen (Wedemeier & Wilke, 2014). Vor dem Hintergrund der zunehmend eingeschränkten Mobilität älterer Menschen stellt sich die Frage, wie es den Betroffenen gelingt sich in ihre Umwelt zu integrieren und welche Bedeutung mögliche Netzwerkveränderungen für sie haben.

Eine erste explorative Studie zu diesen Zusammenhängen stellte Molenda (2012) vor. Sie führte hierzu eine Querschnittsstudie mit 12 Personen im ländlichen Wohnraum Ostdeutschlands durch. Molenda kam zu dem Ergebnis, dass der strukturschwache Wohnraum keinen Einfluss auf die Netzwerkgröße im hohen Alter hat. Es konnte eine gute Einbettung in das soziale Umfeld festgestellt werden, mit hervorstechender Familienfokussierung, welche sich durch Nähe und Intimität zwischen den Familienmitgliedern auszeichnet und dadurch von anderen Beziehungspartnern abhebt. Durch die engen Bindungen erfahren die Betroffenen ein eng verbundenes und unterstützendes soziales Netzwerk, mit dessen Hilfe selbst kritische Lebensereignisse positiv zu bewältigen sind (Molenda, 2012).

2.6 Fragestellung dieser Arbeit

Die erste Literaturdurchsicht zeigte, dass der Alterungsprozess ein weitläufiger und viel beforschter Gegenstand ist. Ebenso sind soziale Beziehungen im Kontext der Altersforschung zentral. Allerdings gibt es zu dem Themengebiet der sozialen Netzwerke, speziell von älteren Menschen die in strukturschwachen Wohnregionen leben, kaum Studien. Diese Aspekte führen zu den Forschungsfragen dieser Arbeit. Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit den sozialen Netzwerken von Menschen im späten Erwachsenenalter, welche im ländlichen Wohnraum Ostfrieslands leben. Näher beleuchtet werden dabei die sozialen Netzwerke und die Mechanismen zur Aufrechterhaltung von Beziehungen im späten Erwachsenenalter, unter dem Gesichtspunkt der Weitläufigkeit des ländlichen Wohnraumes. Explizit liegen der Arbeit folgende Fragestellungen zugrunde:

1: Wie gestalten Menschen im späten Erwachsenenalter ihre sozialen Beziehungen in strukturschwachen Regionen?
2: Welche Bedeutung nehmen die sozialen Beziehungen älterer Menschen im Hinblick auf ihre subjektive Lebensqualität ein?
3. Methode

In diesem Abschnitt wird zunächst auf die untersuchte Stichprobe und den Zugang in das Forschungsfeld eingegangen. Anschließend wird die Erhebungsmethode und deren Vorteile für diese Untersuchung beschrieben, sowie die Durchführung der Studie erläutert. Zum Schluss erfolgt die Beschreibung der Auswertungsmethodik.

3.1 Stichprobe

Für die Stichprobe der vorliegenden Bachelorarbeit sollten Menschen im späten Lebensalter ohne psychische oder neurologische Erkrankungen befragt werden. Die Teilnehmer sollten bei klarem Verstand, ansprechbar und kommunikationsbereit sein. Die Alterspanne begann mit dem Erreichen des 70. Lebensjahres und war nach oben offen. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl der Stichprobe war, dass die Teilnehmer im ländlich- dörfliche Raum leben und sich somit im strukturschwachen Raum befinden. Wichtig war hierbei, dass die Personen nicht in einer stationären Pflegeeinrichtung leben und somit ihr soziales Umfeld frei gestalten können. Zudem sollten die Personen seit mindestens fünf Jahren berentet sein, wodurch sichergestellt werden sollte, dass das soziale Umfeld frei gewählt und nicht durch die beruflichen Beziehungen beeinflusst ist. Es kamen sowohl Männer, als auch Frauen für die Stichprobe in Frage, welche zum Zeitpunkt der Erhebung allein oder mit einem Lebenspartner zusammenwohnten. Die Stichprobe, die in dieser Untersuchung bearbeitet wurde, besteht aus vier Frauen und zwei Männern im späten Erwachsenenalter. Die Stichprobe bestand aus verheirateten Personen und einer verwitweten Person. Sie wurde aus dem Patientenstamm einer allgemeinmedizinischen Arztpraxis in Dornum/Niedersachsen gezogen. Um eine Randomisierung zu gewährleisten, wurden die Personen durch Losverfahren aus der Patientenkartei gewonnen. Ein Vorteil dieser Einbettung des Forschungsvorhabens, war der vereinfachte Zugang zum Feld, so dass über die Arztpraxis Albers vorerst telefonisch Kontakt zu den ausgelosten Personen aufgenommen werden konnte und die Bereitwilligkeit zur Durchführung eines Interviews abgeklärt wurde. Anschließend wurde ein zeitnahes Datum zur Durchführung der Interviews besprochen.

3.2 Das narrative Interview

Für die qualitative Datengewinnung dieser Untersuchung wurde das narrative Interview herangezogen. Voraussetzung, um das narrative Interview durchführen zu können, ist das vorhandene Interesse seitens des Forschenden sowie die Bereitschaft der Interviewteilnehmer, über empirisch relevante Lebensphasen zu erzählen (Glinka, 2009). Bei dem Narrativen Interview von Schütze (1983) handelt es sich um ein nicht-standardisiertes Erhebungsinstrument, welches ein in der qualitativen Forschung häufig verwendetes Interviewverfahren darstellt. Das Interview greift in der Regel auf keinen Fragenkatalog oder Leitfaden zurück, sondern basiert auf der Generierung von Erzählungen zu bestimmten Lebensphasen des Interviewteilnehmers. Durch das offene Design eignet sich das Interview besonders zur Erfassung von biografischen Prozessen, indem der Interviewte im Rahmen einer Stegreiferzählung über die empirisch relevanten Lebensphasen erzählt (Hermanns, 1995). Es besteht die Annahme, dass die Erzählstrukturen in einer Stehgreiferzählung homolog sind. Aufgrund von Zugzwängen, welche beim Erzählen zum Tragen kommen, wird eine sequentielle Struktur der Abläufe des Geschehens ersichtlich. Dadurch ist der Erzählende darum bemüht, seine Geschichte detailliert, nachvollziehbar und von Beginn bis zum Ende zu berichten (Mey & Mruck, 2011). Dabei werden in der Auswertung keine vorab formulierten Hypothesen bestätigt oder verworfen, sondern das Ziel ist es, vor der Forschung formulierte Forschungsfragen zu beantworten. Dadurch bekommt die Untersuchung einen explorativen Charakter. Das Narrative Interview gliedert sich in drei Abschnitte. Die Eröffnungsphase, der Nachfrageteil und die Bilanzierung (Mey & Mruck, 2011).

Die Eröffnungsphase wir eingeleitet mit einer offenen Erzählaufforderung. Dadurch soll der Interviewteilnehmer dazu angehalten werden, über die lebensgeschichtlich relevanten Ereignisse zu berichten. Während des Interviewverlaufes wird auf Kommentare und Zwischenfragen, ausgehend vom Interviewer, verzichtet, um den Erzählfluss und die Zugzwänge des Erzählens nicht zu unterbrechen, wodurch die Gestaltung der Erzählung allein dem Interviewpartner obliegt. Es werden lediglich Aufmerksamkeitsbekundungen durch Mimik und Gestik gegeben, welche kommunikationsstützend wirken sollen und das Interesse am Erzählten ausdrücken. Die Erzählphase wird von dem Erzählenden mittels einer Erzählcoda beendet. Anschließend folgt der zweite Teil des narrativen Interviews. Dieser Teil stellt den erzählgenerierenden Nachfrageteil dar. Hier bietet sich Möglichkeit des Interviewers erzählauffordernde Nachfragen an den Interviewten zu stellen. Aspekte die in der vorangegangenen Narration vage oder ungenau angesprochen wurden, können in diesem Teil des Interviews weiter ausgeführt werden und Zusammenhänge erschlossen werden. Wichtig ist, dass die Fragen zu weiteren Erzählsequenzen anregen, welche erneut nicht vom Interviewer unterbrochen werden sollen. Die Bilanzierung stellt den letzten Teil des Interviews dar. Zusammenhänge und Abläufe können durch gezielte Fragen an den Interviewteilnehmer besprochen werden. Zum Schluss findet eine Bilanzierung des Erzählten seitens des Interviewers statt (Faltermeier, 2001). Sind die drei Phasen des narrativen Interviews durchlaufen, ist die Datenerhebung beendet. In der vorliegenden Untersuchung wurde die Vorgehensweise der Methode des narrativen Interviews den Forschungsfragen und der Stichprobe entsprechend angepasst und darüber hinaus um den Einsatz der Methode der Netzwerkkarte erweitert.

3.3 Die Netzwerkkarte

Als weiterführendes und vertiefendes Instrument der Datenerhebung wurde die strukturierte und standardisierte Netzwerkkarte eingesetzt. In Abbildung 1 ist die Netzwerkkarte dargestellt. Diese umfasst vier Kreise. Im Mittelpunkt der Karte steht das Wort „Ich“. Es bietet sich dem Befragten die Möglichkeit, Personen aus dem sozialen Umfeld, im Hinblick auf die jeweilige Beziehungsqualität zu kategorisieren (Wehner & Werner, 2008). Die Entfernung der eigetragenen Personen zum Mittelpunkt, zeigt an, wie Verbunden sich der Befragte mit der Person fühlt (Hollstein, 2002).

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Strukturierte und standardisierte Netzwerkkarte nach Kahn & Antonucci (1980)

Anhand Abbildung 1 ist zu erkennen, dass der innere Kreis, welcher dem „Ich“ am nächsten liegt, für Personen bestimmt ist, welche besonders wichtig im Leben des Befragten sind. In den mittleren Kreis werden Personen eingetragen, denen ebenfalls eine besondere Wichtigkeit zukommen, deren Beziehung allerdings von geringerer Nähe gekennzeichnet ist, als zu jenen, die sich in dem ersten Kreis befinden. Dementsprechend befinden sich in dem äußersten Kreis die Kontakte, von geringster Wichtigkeit. Außerhalb der Kreise können Personen eingetragen werden, zu denen das Verhältnis problematisch ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von sozialen Netzwerken im späten Erwachsenenalter und deren Gestaltung in strukturschwachen Regionen
Hochschule
MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
52
Katalognummer
V446885
ISBN (eBook)
9783668827622
ISBN (Buch)
9783668827639
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, netzwerken, erwachsenenalter, gestaltung, regionen
Arbeit zitieren
Illa Albers (Autor), 2018, Die Bedeutung von sozialen Netzwerken im späten Erwachsenenalter und deren Gestaltung in strukturschwachen Regionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446885

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