Hochbegabung. Hochbegabte und ihre Umwelt. Über Diagnose, Fördermöglichkeiten und Ansehen in der Gesellschaft


Hausarbeit, 2017
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffliche Annäherung und Diagnose
2.1 Begriffsdefinition Intelligenz, Begabung, Hochbegabung und Modelle
2.2 Diagnosemöglichkeiten und Studien

3. Hochbegabung in der Gesellschaft
3.1 Einflussfaktoren auf Hochbegabte
3.2 Interaktion mit ihrer Umwelt: Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensauffälligkeiten
3.3 Ansehen von Hochbegabung in unserer Gesellschaft
3.4 Fördermöglichkeiten in der Familie, Schule und anderen gesellschaftlichen Institutionen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff der Hochbegabung kann sich laut dem „Marland-Report“, der sich auf die Förderung Hochbegabter im amerikanischen Schulsystem bezieht, in sechs verschiedene Kategorien teilen lassen: „Allgemeine Intellekt, spezifische akademische Fähigkeiten, Kreativität, Führungsfähigkeit, bildnerische und darstellende Künste und Psychomotorik.“ (Preckel/Vock, 2013: 12-13) Diese wissenschaftliche Hausarbeit beschäftigt sich dabei weitestgehend mit der intellektuellen Hochbegabung und soll einen Beitrag zum wissenschaftlichen Standpunkt über Hochbegabung, sowie zur empirischen und qualitativen Bildungsforschung leisten.

Um diese Ziele zu erreichen, wird zunächst ein Überblick über die Begrifflichkeiten der Hochbegabung gegeben, indem eine Definition von den Begriffen Intelligenz, Begabung und Hochbegabung angeführt wird. Im Anschluss wird eine kurze Einführung zu den verschiedenen Modellen der Hochbegabung gegeben um die Komplexität des Themas erkennbar zu machen. Zusätzlich werden verschiedene Diagnosemöglichkeiten vorgestellt, sowie Hochbegabungsstudien, die mit Vorurteilen und Klischees aufräumen, gleichzeitig aber auch auf die Notwendigkeit neuer repräsentativer Studien hinweisen.

Daran anknüpfend geht der Fokus auf die gesellschaftlichen und sozialen Aspekte der Hochbegabung, indem zunächst die Einflussfaktoren der Eltern, Bekannten, Lehrpersonen, sowie der Einfluss der Genetik vorgestellt werden. Darauffolgend steht die direkte Interaktion Hochbegabter mit der Umwelt im Vordergrund, indem Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensauffälligkeiten angesprochen werden, auch im Vergleich zu Normalbegabten. Um Hochbegabung dann in einen größeren Kontext, als den familiären oder unmittelbar sozialen, einzuordnen, wird auf das Ansehen von Hochbegabung in der Gesellschaft eingegangen, indem Theorien und Begründungen dargelegt werden. Zuletzt rücken die Fördermöglichkeiten in Familie, Schule und außerschulischen Institutionen in den Fokus, dabei werden verschiedene Förderansätze vorgestellt, die zusammen mit der anfänglichen theoretischen Übersicht den Rahmen dieser wissenschaftlichen Hausarbeit bilden.

2. Begriffliche Annäherung und Diagnose

2.1 Begriffsdefinition Intelligenz, Begabung, Hochbegabung und Modelle

Es gibt keine allgemeingültige Definition von Intelligenz, jedoch eine neurowissenschaftlich sehr interessante Unterscheidung zwischen fluider, d.h. flüssiger Intelligenz und kristalliner, das heißt fester Intelligenz. Als fluide Intelligenz wird dabei die gesamtheitliche geistige Leistungsfähigkeit des Menschen benannt, „dazu zählen etwa das logische Schlussfolgern, die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen, die Konzentration, das Lernvermögen, die Merkfähigkeit oder auch das Arbeitsgedächtnis.“ (Neuronation, o.J.) Kristalline Intelligenz bezeichnet das Geschick, diese gegebenen Fähigkeiten zu nutzen, es geht somit um Fähigkeiten, die durch Erlernen und Bildung erworbene werden. Die Intelligenz ist kein Erkennungszeichen, das beobachtet werden kann, es ist ein Konstrukt, das sich aus verschiedenen Einzelheiten zusammensetzt. (vgl. Pickel/Vock, 2013: 28; Baudson/Pickel, 2013: 32)

Die Begabung, auch Talent oder Gabe genannt, zeichnet sich durch die natürliche Anlage zu besonderen Leistungen auf einem Gebiet aus, sowohl körperlicher, als auch geistiger Art. In Abgrenzung dazu zeichnet Hochbegabung ein extrem hoch ausgeprägtes leistungsbezogenes Potenzial eines Menschen aus. Hochbegabung lässt sich allerdings nicht kurz in einem Ausschnitt definieren, ihre Komplexität lässt sich nur im Kontext von verschiedenen Theorien und Modelle erfassen. (vgl. Baudson/Prickel, 2013: 10; Strangl Lexikon o.J.)

Bei der Erkenntnisgewinnung von Hochbegabung werden sowohl implizite Theorien, als auch explizite Theorien herangezogen. Implizite Theorien, die auf persönlichen Annahmen, Einstellungen oder auch Überzeugungen basieren, treten meist unterbewusst auf und sind hochgradig subjektiv. Dennoch sind sie wichtig für die Diagnose von Hochbegabung, da sie durch ihre unterbewusste Tätigkeit zum einen großen Einfluss auf die Wahrnehmungsprozesse nehmen und zum anderen Geltung finden, indem sie von mehreren Personen geteilt werden. Gerade hier spielen Lehrpersonen durch ihren alltäglichen Umgang mit Schülern und Schülerinnen eine besondere Rolle bei der Identifikation. (vgl. Preckel/Vock, 2013: 15-16) Explizite Theorien dagegen, ziehen ihre Fakten aus wissenschaftlichen Befunden. Es gibt zwar keine einheitliche Definition von intellektueller Hochbegabung, jedoch zahlreiche Modelle, da Hochbegabung ein vielseitiges Spezifikum ist, gleichzeitig aber auch ein theoretischer Begriff von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zur Erläuterung bestimmter bemerkenswerter Phänomene. Verschiedene Forscher und Forscherinnen beschäftigen sich mit der Kompetenzdefinition, der Performanzdefinition, eindimensionalen, sowie mehrdimensionalen Definitionen von Hochbegabung. (vgl. Preckel/Vock, 2013: 18-19)

Die Kompetenzdefinition besagt dabei, dass es eine Anlage gibt, z.B. die Intelligenz. Die Hochbegabung besteht bereits von Anfang an und im Zusammenwirken mit der Umwelt und bestimmten Charakteristika kommt es zu sichtbaren Leistungen. Das bedeutet, dass Hochbegabung hier anhand von außergewöhnlichen Potenzial bestimmt wird. Die Performanzdefinition dagegen geht von einer Anlage, z.B. Intelligenz aus, die in Zusammenwirken mit der Umwelt und bestimmten Charakteristika erst die Hochbegabung als sichtbare Leistung schafft. Das bedeutet, dass Hochbegabung hier anhand von erbrachten Leistungen benannt und nicht von Beginn an vorhanden ist. (vgl. Preckel/Vock, 2013: 18-19)

Eindimensionale Modelle, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert finden, setzen hohe Begabung mit hoher Intelligenz gleich, daraus resultiert die große Wichtigkeit des Intelligenzquotienten. Diese Modelle können sich sowohl als Kompetenzdefinition, sowie auch als Performanzdefinition definieren, ihr Schwerpunkt liegt allerdings darin, Hochbegabung in einem einzigen Bereich zu formulieren, in dem der intellektuellen Hochbegabung und genau dies lässt sie aufgrund der Vielseitigkeit von Hochbegabung oft in Kritik stehen. (vgl. Preckel/Vock, 2013: 20-21) Mehrdimensionale Modelle hingegen, folgen dem Leitbild eine Abbildung zu schaffen, die mehr an Entwicklung orientiert ist, als an Statik, wie man beispielhaft an Joseph Renzullis „Drei-Ringe-Modell“ erkennen kann. Renzulli veröffentlichte dieses Modell in den 70er Jahren als erstes mehrdimensionales Hochbegabtenmodell:

„In diesem Modell ergibt sich Hochbegabung als Schnittmenge dreier Personenmerkmale: überdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten, Aufgabenverpflichtung (im Sinne von Leistungsmotivation, Ausdauer, selbstregulativen Fähigkeiten) und Kreativität (im Sinne eines originellen, produktiven, flexiblen und individuell-selbstständigen Vorgehens)“ (Preckel/Vock, 2013: 21)

Aus verschiedenen Definitionen, eindimensionalen und mehrdimensionalen Modellen zur Hochbegabung ergeben sich selbstverständlich verschiedene Diagnosemöglichkeiten und zahlreiche Studien, die zum Teil die Vorurteile gegenüber Hochbegabung schüren, während andere wiederum Aufklärungsarbeit leisten, nah an repräsentativen Fakten. Diese sollen im nächsten Abschnitt behandelt werden.

2.2 Diagnosemöglichkeiten und Studien

Da die Begriffe „Begabung“ und „Hochbegabung“ verwendet werden um eine besondere Leistung hervorzuheben, stellt sich die Frage ab welchem Punkt solch eine außergewöhnliche Begabung festgelegt werden kann. Dafür gibt es beispielsweise verschiedene Kriterien zur Beurteilung von Hochbegabung nach Sternberg und Zhang. So gibt es zum einen das Exzellenzkriterium, das besagt, dass eine Person sich in einem oder mehreren Bereichen durch deutliche Überlegenheit im Vergleich zu anderen auszeichnet. Auch das Seltenheitskriterium kann dabei benannt werden. Es zeichnet sich durch eine auffällig hohe Ausprägung eines bestimmten Merkmals einer Person im Vergleich zu anderen aus. Das Beweisbarkeitskriterium prüft wie der Begriff andeuten lässt, die Leistung anhand von gültigen Prüfverfahren, zuletzt kann auch das Wertekriterium herangezogen werden, bei dem eine Person großes Potenzial in einem oder mehreren Bereichen aufweist, das große Wertschätzung von seiner Umgebung und Kultur erfährt. (vgl. Sternberg/Zhang, 2004; Preckel/Vock, 2013: 13)

Wichtig bei der Diagnose von Hochbegabung ist jedoch zu erkennen, dass es sich nicht um zwei Typen von Menschen handelt, es gibt nicht die eine Gruppe, die hochbegabt ist und die andere, die es nicht ist. Auch wenn sich quantitativ bessere Leistungen bei Hochbegabten messen lassen, gilt das gleiche nicht auch für qualitative Lebenssituationen. Hochbegabte lassen sich nicht als homogene Gruppe einordnen, da mit steigender Tendenz zu außergewöhnlichen Leistung auch das Spektrum an Begabungsschwerpunkten steigt, das macht die Klassifizierung in zwei Kategorien unmöglich. (vgl. Baudson/Preckel, 2013: 25-26)

Für die Diagnose der Hochbegabung ist die Entwicklungsperspektive unumgänglich, denn Hochbegabung im Kindesalter ist nicht gleichzusetzen mit Hochbegabung im Erwachsenenalter. Frühe Anzeichen die auf eine lebenslange Hochbegabung hindeuten existieren somit nicht. Während Hochbegabung in der Kindheit noch relativ unbestimmt ist, da Kinder in vielen Bereichen ein hohes Reservoir aufweisen, differenzieren sich diese Bereiche mit zunehmenden Alter, besonders in der Jugendzeit.

„Im Erwachsenenalter nimmt diese Fokussierung oft noch zu. Hochbegabung im Erwachsenenalter kann daher auch als hochdifferenzierte Expertise, also als Resultat langjähriger Übung und Erfahrung in einem bestimmten Bereich, verstanden werden.“ (Baudson/Preckel, 2013: 29) Daraus lässt sich schließen, dass man sich bei der Diagnose von Hochbegabung im Kindesalter nicht zu sehr auf bestimmte Befähigungen konzentrieren sollte, sondern ihr Potenzial in ihrer Breite erkennen muss. Mit steigendem Alter rücken dann nicht mehr Begabungen, sondern konkrete Ergebnisse in den Vordergrund.

Die Testverfahren können unterschiedlich aussehen. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass alle Tests nur einen Ausschnitt der Fülle menschlicher Denkfähigkeit abbilden können, kein Test kann alle Aspekte von Intelligenz erfassen. Psychologische Testverfahren erfolgen beispielsweise in Form eines Intelligenztests, der anhand einer Abweichungs-IQ-Skala veranschaulicht, inwiefern der Intelligenzquotient eines potenziellen hochbegabten Menschen von der repräsentativen Altersgruppe abweicht. Eine durchschnittliche Intelligenz liegt bei einem Wert von 90 bis 109 vor, eine hohe bis sehr hohe Intelligenz ab einem Wert von 110 bis 129. Als Hochbegabt wird man ab einem Wert von 130 bis 159 eingestuft. Intelligentestes sollten allerdings immer mit dem Hintergrund der Beantwortung einer spezifischen diagnostischen Frage erfolgen und nicht als Hauptindikator für Hochbegabung gelten. (vgl. Erdmann, o.J.)

Des Weiteren gibt es Tests des divergenten Denkens, bei denen es nicht um eine konkrete Lösungsstrategie geht, sondern um facettenreiche Lösungsansätze, beispielsweise bei Gebrauchsmöglichkeiten von Gegenständen oder Figuren. Divergenten Denken schließt dabei Kreativität, Flexibilität und Originalität ein, konvergentes Denken eher Intellektualität, die Fähigkeit zu schlussfolgern und zu urteilen. Der Test des divergenten Denkens wird dabei in vier Phasen aufgeteilt: „(1) Erkennen eines Problems; (2) Produzieren einer Vielzahl von problembezogenen Ideen; (3) Auswählen der für die Problemlösung relevantesten Ideen; (4) problemrelevantes Schlussfolgern.“ (Baudson/Preckel, 2013: 34-35) Zusätzlich werden Fragebögen zu Persönlichkeitseigenschaften, Selbst- und Fremdeinschätzungen seitens der Eltern, Lehrer, Bekannten, sowie Schulnoten als diagnostische Verfahren eingesetzt. Bei dieser Reihe an Diagnosemöglichkeiten geht es vielmehr um alltägliche Situationen, dennoch unterliegen all die Kriterien der Objektivität, Gültigkeit und Zuverlässigkeit. (vgl. Baudson/Preckel, 2013: 35) Besonders das Selbstkonzept, d.h. die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, sowie die kognitive Motivation sind dabei von Bedeutung. Spielen beide Faktoren zusammen, lässt sich die Wissbegierde einer bestimmten Person leicht erläutern, dennoch ist die Selbsteinschätzung ein schwieriges Unterfangen: „Verschiedene Begabtenförderprogramme […] erlauben Selbstvorschläge. Diese setzen allerdings voraus, dass jemand die eigenen Fähigkeiten und Leistungen angemessen einschätzen kann. […] die Bilanz (ist) eher ernüchternd: Nur knapp zehn Prozent der Unterschiede in den Testleistungen können über die selbst eingeschätzte Intelligenz erklärt werden.“ (Freund/Kasten, 2012; Baudson/Prickel, 2013: 40).

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Hochbegabung. Hochbegabte und ihre Umwelt. Über Diagnose, Fördermöglichkeiten und Ansehen in der Gesellschaft
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V446970
ISBN (eBook)
9783668828049
ISBN (Buch)
9783668828056
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochbegabung, Fördermöglichkeiten
Arbeit zitieren
BA Lilly Lehmann (Autor), 2017, Hochbegabung. Hochbegabte und ihre Umwelt. Über Diagnose, Fördermöglichkeiten und Ansehen in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/446970

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