Die erste inflationsindexierte Anleihe wurde 1780 im Staat Massachusetts ausgegeben. Inflationsindexierte Anleihen wurden historisch hauptsächlichen in einem Umfeld hoher Inflationsraten emittiert. Der heutige Markt ist in einem Umfeld niedriger Inflation entstanden. 1981 emittierte Großbritannien die erste indexgebundene Gilt. Die „Gilt 2% Index-Linked Treasury September 1996“ war an den britischen Konsumentenpreisindex RPI gebunden. Der Markt für inflationsindexierte Anleihen ist seitdem überproportional gewachsen. Durch die parallele Entwicklung des Marktes für inflationsindexierte Derivate wurden die Absicherungs- und Handelsmöglichkeiten von Inflationsrisiken ausgeweitet. Der Markt für inflationsindexierte Derivate ist größtenteils ein Swap-Markt, obwohl auch inflationsindexierte Optionen existieren. Mit der Ankündigung der deutschen Finanzagentur inflationsgeschützte Anleihen zu begeben, emittieren in Kürze alle führenden Wirtschaftsnationen Schuldtitel dieser Kategorie.
Für Inflation-Linked-Bonds (ILB) ist es charakteristisch, dass sie in ihrer Definition, Berechnung und Struktur an einen unterlegten Index gebunden sind. Aufgrund der Indexierung an die Inflationsrate besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Zahlungsstrom der Inflationsanleihe und der Inflation. Diese Korrelation besteht bei Aktien oder konventionellen Anleihen nicht oder in einer weniger signifikanten Form.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 INFLATIONSINDEXIERTE ANLEIHEN
2.1 CHARAKTERISTIK UND AUSGESTALTUNG
2.2 DAS KANADISCHE MODELL
2.3 DURATION, KONVEXITÄT UND BREAKEVEN-INFLATIONSRATE
2.3.1 Duration
2.3.2 Breakeven-Inflationsrate
2.3.3 Konvexität
2.4 DER MARKT FÜR INFLATIONSINDEXIERTE ANLEIHEN INNERHALB DER EUROPÄISCHEN WÄHRUNGSUNION
2.4.1 Öffentliche Emittenten der Eurozone
2.4.2 Inflationsgebundene Derivate
3 UNTERSUCHUNG
3.1 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
3.1.1 Regressionsanalyse
3.1.2 Modell von BARR und CAMBPELL
3.1.3 Modell von KOTHARI und SHANKEN
3.2 DATENGRUNDLAGE
3.3 HERGANG DER UNTERSUCHUNG
3.4 DESKRIPTIVE STATISTIK
3.4.1 Inflations- und Zinssätze
3.4.2 Renditen von inflationsindexierten und konventionellen Anleihen
3.4.3 Französische inflationsindexierte Kuponanleihen und hypothetische inflationsindexierte Nullkuponanleihen
4 INFLATIONSINDEXIERTE ANLEIHEN IN EINEM PORTFOLIOUMFELD
4.1 KORRELATION
4.2 RISIKOREDUKTION
4.3 RENDITEERWARTUNG
4.4 PERFORMANCEANALYSE
4.5 DIVERSIFIKATION
5 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eigenschaften inflationsindexierter Anleihen und deren Eignung als Anlageklasse in Deutschland. Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines hypothetischen Index für inflationsgeschützte Anleihen nach dem Modell von Kothari und Shanken, um zu analysieren, ob die Integration dieser Papiere die Risiko-Rendite-Struktur eines Portfolios unter Einbeziehung von Aktien nachhaltig verbessern kann.
- Strukturelle Analyse inflationsgebundener Anleihen in der EWU
- Berechnung eines hypothetischen Inflationsindex für Deutschland
- Empirische Untersuchung von Korrelationen und Volatilitäten
- Optimierung von Aktien-Anleihe-Portfolios zur Risikoreduktion
- Vergleich zwischen nominalen und realen Renditeprofilen
Auszug aus dem Buch
2.1 Charakteristik und Ausgestaltung
Inflationsindexierte Anleihen gehören zur Gruppe der Index-Anleihen. Unter Index-Anleihen werden Anleihen verstanden, deren Verzinsung an einen Index geknüpft ist. Inflationsgebundene Anleihen setzen sich zusammen aus Nennwert, Kupon und Inflationszuwachs. Die Anleihen sind mit einem festen realen Zinssatz ausgestattet. Bei der Gestaltung der Struktur wird fast ausschließlich das so genannte „kanadische Modell“ einer kapitalindexierten Anleihe verwendet. Der Nennwert wird mittels des Verbraucherpreisindex kontinuierlich an die Entwicklung der Inflationsentwicklung angepasst. Zusätzlich beinhalten inflationsgebundene Anleihen meist einen Deflationsschutz, eine Untergrenze für den Nennwert. Dieser so genannte Pari-Boden ähnelt einer Option.
Die Bewertung der Einzelbestandteile inflationsindexierter Anleihen kann zum einen durch die Barwertmethode für die Nullkuponanleihebewertung geschehen und zum anderen mit Hilfe der Black-Scholes-Formel für Optionspreise.
Bei inflationsindexierten Anleihen ist, im Gegensatz zu konventionellen Anleihen, der reale Wert von Nennwert und Kupon bekannt, der nominale Wert ist abhängig von der zukünftigen unsicheren Entwicklung des Verbraucherpreisindexes. Die Indexierung an den Verbraucherpreisindex (VPI) erfolgt mit einer Verzögerung von drei Monaten, dies gründet in der Ermittlungsdauer des Index. Die Indexverzögerung bewirkt, dass ILB’s kurz vor Fälligkeit der Inflation ausgesetzt sind. Hierdurch sind inflationsindexierte Anleihen dem Risiko ausgesetzt, dass es bei verzerrten Markterwartungen zu einer Abweichung von Erwartungswert und inflationsindexiertem Wert kommt. Allerdings bieten inflationsgebundene Anleihen im Vergleich zu Geldmarkt, Aktien, Immobilien oder Rohstoffen eine effizientere Absicherung gegen Inflationsrisiken.
Die Entwicklung des Marktes für inflationsgebundene Anleihen ist gekennzeichnet durch einen Mangel an Liquidität, welches zu einer Liquiditätsprämie führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die historische Entwicklung und die grundlegende Funktionsweise inflationsgeschützter Anleihen sowie Zielsetzung der Arbeit.
2 INFLATIONSINDEXIERTE ANLEIHEN: Detaillierte Erläuterung der Charakteristika, des kanadischen Modells der Indexierung und der Besonderheiten des europäischen Marktes für diese Wertpapiere.
3 UNTERSUCHUNG: Methodische Erläuterung der ökonometrischen Modelle zur Inflationsprognose und Schätzung der Renditen für die Datenbasis der Arbeit.
4 INFLATIONSINDEXIERTE ANLEIHEN IN EINEM PORTFOLIOUMFELD: Analyse der Korrelationsvorteile und des Beitrags dieser Anleihen zur Portfoliooptimierung und Risikoreduktion.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Fazit der Ergebnisse hinsichtlich der Eignung von inflationsgeschützten Anleihen zur Verbesserung der Rendite-Risiko-Struktur.
Schlüsselwörter
Inflationsindexierte Anleihen, Inflation-Linked Bonds, Portfoliomanagement, Realverzinsung, Diversifikation, Breakeven-Inflationsrate, Konsumentenpreisindex, Konvexität, Duration, Risikoreduktion, Aktien-Anleihe-Portfolio, Fisher-Hypothese, Kapitalmarkt, Anleihebewertung, Eurozone.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht das Potenzial von inflationsindexierten Anleihen als Anlageklasse und deren Beitrag zur Optimierung eines Portfolios, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Inflationsschutzes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die technische Ausgestaltung nach dem kanadischen Modell, der Markt für solche Papiere in der Eurozone sowie die statistische Analyse von Renditen und Korrelationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, ob die Einführung eines hypothetischen deutschen Index für inflationsgeschützte Anleihen nach dem Kothari/Shanken-Modell die Rendite-Risiko-Struktur von Portfolios verbessern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine ökonometrische Regressionsanalyse verwendet, um erwartete Inflationsraten und reale Renditen auf Basis historischer Daten und Zinsstrukturkurven zu schätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Modellierung, die Datengrundlage, deskriptive Statistiken sowie die konkrete Analyse der Performance und Diversifikationseffekte im Portfolioumfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Inflation-Linked Bonds, Realzins, Portfoliooptimierung, Korrelationsanalyse, Sharpe-Ratio und das kanadische Indexierungsmodell.
Wie wirkt sich die Indexierungsverzögerung (Timelag) auf die Anleihen aus?
Die Verzögerung von drei Monaten bedeutet, dass die Anleihen in den letzten drei Monaten ihrer Laufzeit nicht vollständig vor der aktuellen Inflationsentwicklung geschützt sind.
Welche Rolle spielt die Liquiditätsprämie bei diesen Anleihen?
Aufgrund der geringen Marktliquidität bei inflationsgebundenen Anleihen fordern Investoren eine Liquiditätsprämie, was sich in der Differenz zwischen Geld- und Briefkursen niederschlägt.
Warum dominieren inflationsindexierte Anleihen in bestimmten Portfolios?
Sie ermöglichen durch eine geringere Korrelation mit Aktien eine signifikante Verbesserung des effizienten Randes, was bei einer taktischen Portfoliostrukturierung zur Risikoreduktion führt.
- Quote paper
- Nadine Wellermann (Author), 2004, Inflationsindexierte Anleihen als Assetklasse in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44698