Folgende Frage wird in der Hausarbeit beantwortet: Inwiefern spiegelt sich in der Bundesrepublik Deutschland im Bereich des Crowdworkings die Individualisierung nach Beck und Beck-Gernsheim wider?
Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst zum Verständnis der Begriff Crowdworking ausführlich definiert. Da Werneke mit seiner Aussage impliziert, dass das Phänomen Crowdworking ein Effekt der Digitalisierung darstellt, wird im darauffolgenden Kapitel erklärt, in welchem zeitlichen Zusammenhang Crowdworking mit der Digitalisierung beziehungsweise der Vollautomatisierung gesehen werden kann. Um tiefer in das Phänomen einzusteigen, wird in Kapitel 2.3 erläutert, wie genau ein Arbeitsprozess auf solchen Plattformen aussieht. Damit auch aus der Perspektive der CrowdworkerInnen selbst herausgefunden werden kann, welche Aspekte der Individualsierung sich widerspiegeln, wird in Kapitel 2.4 zusammengefasst, welche Motive und Arbeitsbedingungen CrowdworkerInnen aufweisen. In Kapitel 2.5 werden die Hauptaspekte der Theorie zusammengefast. Das Kapitel wurde gewählt, damit ein grober Überblick über die Theorie erlangt werden kann. In den darauffolgenden Kapiteln erfolgt letztendlich die Analyse mit dem Hinblick auf die Beantwortung der oben genannten Forschungsfrage. Bei der Analyse wird ein deduktives Vorgehen gewählt. Es werden Hypothesen aus der Theorie abgeleitet, die mit Aussagen aus den vorherigen Kapiteln getestet werden. Im Fazit werden noch einmal die Erkenntnisse zusammengefasst und versucht die Forschungsfrage zu beantworten. Angeschlossen wird das Fazit mit dem Ausblick auf noch offene Forschungsfragen zum Themenfeld.
Nach aktuellsten Erkenntnissen ist die Durchführung des Crowdworkings bis heute noch eine Minderheit der Unternehmen in Deutschland. Jedoch ist erkennbar, dass sich diese Minderheit in einem wachsenden Prozess befindet, weswegen davon ausgegangen werden kann, dass diese Arbeitsform bei Unternehmen weiterhin an Bedeutung gewinnen wird.
Die zu beantwortende Forschungsfrage wurde gewählt, da dieses Themenfeld in der Literatur bisher rar vorhanden ist. Dies kann insbesondere darauf zurückzuführen sein, weil sich die Durchführung des Crowdworkings noch als eine Minderheit darstellt. Deshalb soll in dieser Hausarbeit ein erster Ausblick über Crowdworking und der nach Werneke vermeintlich einhergehenden Individualisierung geliefert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Definition Crowdworking
2.2 Crowdworking als Zwischenstufe der Vollautomatisierung
2.3 Arbeitsprozess beim Crowdworking
2.4 Motive und Arbeitsbedingungen der CrowdworkerInnen
2.5 Individualisierung in modernen Gesellschaften nach Beck/Beck-Gernsheim
2.6 Crowdworking im Spiegel der Individualisierung in modernen Gesellschaften
2.6.1 Auflösung vorgegebener sozialer Lebensformen
2.6.2 Handlungsanreize beim Crowdworking
2.6.3 Von der Normalbiographie zur Bastelbiographie
2.6.4 Individualisierung fordert Eigenleistung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern sich die soziologische Theorie der Individualisierung nach Beck und Beck-Gernsheim im Kontext des Crowdworkings in Deutschland widerspiegelt. Ziel ist es, zu analysieren, ob moderne digitale Arbeitsformen wie Crowdworking neue Lebensformen und Handlungslogiken für Individuen erzeugen.
- Grundlagen des Crowdworkings und dessen Einordnung als Zwischenstufe der Vollautomatisierung.
- Analyse der Arbeitsbedingungen und Motive von CrowdworkerInnen.
- Überprüfung der Theorie von Beck und Beck-Gernsheim anhand der digitalen Erwerbsarbeit.
- Untersuchung von Handlungsanreizen, Bastelbiographien und geforderter Eigenleistung im Crowdworking.
Auszug aus dem Buch
2.2 Crowdworking als Zwischenstufe der Vollautomatisierung
Es lässt sich nicht abstreiten, dass sich durch die Digitalisierung die Art der Arbeit grundlegend verändert hat. Dies zeigt sich vor allem mit der Verbreitung des Internets, was heutzutage von Individuen nicht mehr nur für Freizeitaktivitäten benutzt wird, sondern auch für das Berufsleben. Auch bei Unternehmen zeigt sich eine Veränderung bei der Benutzung des Internets. Es werden heute nicht nur Produkte über das Internet verkauft, sondern es dient auch zur Leistungserstellung, wodurch für Unternehmen innovative Formen zur Aufgabenentwicklung entstehen. Bei der Leistungserstellung werden Arbeitsaufgaben an eine große Menge von Individuen ausgelagert. Ein Resultat dieser innovativen neuen Arbeitsformen stellt letztendlich das Crowdsourcing beziehungsweise das Crowdworking dar. (Vgl. Leimeister et. al. 2015a: 120)
Die Digitalisierung trägt also zu innovativen Arbeitsorganisationsmodellen bei, wie in diesem Fall, die des Crowdworkings, was sich in den letzten Jahren als ernstzunehmende Alternative zur Aufgabenbewältigung in Unternehmen entwickelt hat (vgl. ebd.: 119). Weiterhin lässt sich erkennen, dass Crowdworking nicht nur von Unternehmen genutzt wird, um leichter an benötigte Innovationen heranzukommen, sondern auch um ihre gesamte Organisation in Richtung eines netzwerkartigen Typs zu erweitern (vgl. Al-Ani/Stumpp 2018: 241). Al-Ani und Stumpp nennen die Art von Unternehmen, die sich gerade in diese Richtung erweitern und neben traditionellen Strukturen auch schon Dienstleistungen und Produkte über Internetplattformen entwickeln und vertreiben, hybride Organisationsformen oder Netarchien (vgl. ebd.: 239). Der Ausbau in Richtung einer netzwerkartigen Organisationsform sollen die Vorteile einer traditionellen Hierarchie widerspiegeln. Dazu gehört beispielsweise die von der Crowd zumeist präferierten geringfügigen kooperativen Arbeitsverhältnisse oder auch der Vorteil, dass auf Crowdworkingplattformen Kenntnisse, aber auch Fähigkeiten ausgebaut werden können, welche bei einer traditionellen Hierarchie nicht ausgebildet werden können. (Vgl. ebd.: 241) Daraus wird ersichtlich, dass Crowdworking bei dessen Nutzern auch neue Lernverhalten auslösen kann: Erstens brauchen Crowdworker neue Lernpfade, die sie bei einer traditionellen Hierarchie nicht benötigt hätten und zweitens geben Crowdworkingplattformen Möglichkeiten, andere Lernerfahrungen zu erzeugen (vgl. ebd.: 243).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Individualisierung durch Digitalisierung ein und stellt die Forschungsfrage zur Relevanz der Theorie von Beck und Beck-Gernsheim im Bereich Crowdworking.
2. Hauptteil: Der Hauptteil definiert den Begriff Crowdworking, analysiert den Arbeitsprozess und beleuchtet Motive der CrowdworkerInnen, um diese anschließend mit der soziologischen Theorie der Individualisierung in Bezug zu setzen.
2.1 Definition Crowdworking: Dieses Kapitel erläutert den Begriff Crowdworking durch Abgrenzung zum Crowdsourcing und erklärt die grundlegende Funktionsweise der Aufgabenvergabe über Internetplattformen.
2.2 Crowdworking als Zwischenstufe der Vollautomatisierung: Das Kapitel beschreibt Crowdworking als neue, innovative Arbeitsorganisationsform, die Unternehmen ermöglicht, netzwerkartige Strukturen (Netarchien) zu entwickeln.
2.3 Arbeitsprozess beim Crowdworking: Hier wird der Arbeitsprozess in fünf Phasen unterteilt, von der Aufgabenbestimmung über die Selektion der Crowdworker bis hin zur Vergütung.
2.4 Motive und Arbeitsbedingungen der CrowdworkerInnen: Dieses Kapitel untersucht Vergütungsmodelle, Leistungskontrollen und Möglichkeiten der Weiterbildung sowie die Motive der CrowdworkerInnen.
2.5 Individualisierung in modernen Gesellschaften nach Beck/Beck-Gernsheim: Vorstellung der Theorie, die Individualisierung als Auflösung alter Lebensformen und Entstehung neuer Zwänge sowie Handlungsanreize definiert.
2.6 Crowdworking im Spiegel der Individualisierung in modernen Gesellschaften: Synthesekapitel, das die theoretischen Aspekte von Beck und Beck-Gernsheim direkt auf die Erkenntnisse zum Crowdworking anwendet.
2.6.1 Auflösung vorgegebener sozialer Lebensformen: Untersuchung, ob beim Crowdworking alte Traditionen zerbrechen und neue Organisationsformen entstehen.
2.6.2 Handlungsanreize beim Crowdworking: Analyse der auf den Plattformen vorhandenen Anreizstrukturen wie Vergütung und Reputationssysteme.
2.6.3 Von der Normalbiographie zur Bastelbiographie: Diskussion darüber, wie das Individuum seine eigene Handlungslogik zwischen verschiedenen Aufgabenarten (Mikro- vs. Makroaufgaben) herstellen muss.
2.6.4 Individualisierung fordert Eigenleistung: Betrachtung der Erfordernisse an Anpassungsfähigkeit, Risikomanagement und Eigenleistung bei CrowdworkerInnen.
3. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage unter Berücksichtigung der theoretischen Analyse.
Schlüsselwörter
Individualisierung, Crowdworking, Digitalisierung, Beck und Beck-Gernsheim, Netarchie, Arbeitsbedingungen, Handlungsanreize, Bastelbiographie, Eigenleistung, Risikobiographie, Crowdsourcing, Erwerbsarbeit, Arbeitsprozess, Wissensgesellschaft, Plattformökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich gesellschaftliche Individualisierungsprozesse – beschrieben von Beck und Beck-Gernsheim – in der modernen, digitalisierten Arbeitsform des Crowdworkings widerspiegeln.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Definition von Crowdworking, die Analyse von Arbeitsprozessen auf digitalen Plattformen sowie die soziologische Theoriebildung zur Individualisierung von Lebensformen und Erwerbsbiographien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage: Inwiefern spiegelt sich in der Bundesrepublik Deutschland im Bereich des Crowdworkings die Individualisierung nach Beck und Beck-Gernsheim wider?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein deduktives Vorgehen, bei dem theoretische Hypothesen aus dem Werk "Riskante Freiheiten" abgeleitet und mit den empirischen Beobachtungen und Daten zum Crowdworking getestet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Einführung, eine Prozessanalyse des Crowdworkings, eine Darstellung der soziologischen Theorie sowie eine detaillierte Analyse der Schnittmengen zwischen diesen beiden Bereichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Individualisierung, Bastelbiographie, Netarchie, Handlungsanreize, Eigenleistung und die Unterscheidung zwischen Mikro- und Makroaufgaben.
Wie unterscheidet sich Crowdworking von klassischen Beschäftigungsformen hinsichtlich der Risikoverteilung?
Während in traditionellen Gesellschaften Risiken oft kollektiv getragen werden, verlagert Crowdworking diese verstärkt auf das Individuum, wobei dies je nach Arbeitsform (wettbewerbsbasiert vs. zusammenarbeitsbasiert) variiert.
Welche Rolle spielen Bewertungssysteme für CrowdworkerInnen?
Bewertungssysteme fungieren als Handlungsanreize und Regulierungsinstrumente; sie bestimmen den Zugang zu besser bezahlten Makroaufgaben und üben gleichzeitig einen gewissen Leistungsdruck auf die Worker aus.
- Arbeit zitieren
- Jan-Peter Schütz (Autor:in), 2018, Individualisierung durch Digitalisierung. Wie sich die Individualisierung am Beispiel des Crowdworkings widerspiegelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/447055