Der Gleichgewichtssinn spielt in unserem Leben eine entscheidende Rolle. Ohne die Schwerkraftrezeptoren im Ohr, wäre es uns nicht möglich aufrecht zu gehen. Im Laufe der Evolution hat sich das vestibuläre System zu einer komplexen Struktur entwickelt, die aber auch störanfällig sein kann. Gleichgewichtsstörungen können das Leben eines Menschen stark beeinträchtigen. Schwindel, motorische Fehlleistungen, Sprach- und Lernstörungen können beispielsweise die Folge sein. Daher ist es besonders wichtig schon in der Kindheit die Voraussetzungen für eine gesunde und harmonische Entwicklung des Gleichgewichts zu schaffen, da während dieser Zeit neuronale Komplikationen oder sensorische Integrationsstörungen besser beseitigt werden können als im Erwachsenenalter. Im Kindesalter werden noch viele synaptische Verbindungen ausgebildet, die wichtig für eine vielseitige sozial-kognitive und motorische Entwicklung sind. Es ist deswegen besonders wichtig, auch einen positiven Beitrag im Schulsport zu leisten.
Diese Hausarbeit gliedert sich grob in einen theoretischen und praktischen Teil. Der theoretische Teil beschäftigt sich mit der scheinbar „veränderten Kindheit“ und dessen Auswirkungen auf die motorische Leistungsfähigkeit, den anatomischen Grundlagen des Ohres und des Vestibularapparates, der Bedeutung von Haltung und Bewegung, der Entwicklung des Gleichgewichtssinns, verknüpft mit möglichen sensorischen Störungen und der Bedeutung des Gleichgewichts aus koordinativer Sicht.
Der praktische Teil beinhaltet die Therapiemöglichkeiten und das Training der Gleichgewichtsfähigkeit und die Darstellung und Bewertung eines eigenen Gleichgewichtstest auf Basis verschiedener repräsentativer Untersuchungen. Am Ende der Arbeit gibt es noch einen Überblick über diverse Übungsformen zur generellen Verbesserung des Gleichgewichtsvermögens, die selbst von mir im Unterricht erprobt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Zielsetzung der Arbeit
2. Kindheit
2.1 Veränderte Kindheit
2.1.1. Verinselung und Verhäuslichung
2.1.2 Verändertes Medienverhalten
2.2 Motorische Leistungsfähigkeit
2.2.1 Untersuchungen von Zimmer
2.2.2 Untersuchungen von Sigrid Dordel
2.2.3 Studie von Eggert
3. Anatomische Grundlagen
3.1 Der Vestibularapparat
3.1.1 Das Propriozeptive System
3.1.2 Das Visuelle System
3.1.3 Der Utriculus und der Sacculus
3.1.5 Die Bogengänge
3.2 Bewegung
3.2.1 Motorik
3.2.2 Sensorik
3.2.3 Sensorische Verarbeitung im ZNS
3.3 Die motorische Entwicklung des Gleichgewichtssinns
3.3.1 In der Schwangerschaft
3.3.2 Als Neugeborenes
3.3.3 Gleichgewichts-Reflexe
3.3.4 Ab dem 6. Monat
3.3.5 Mit ungefähr einem Jahr
3.3.5 Mit zwei bis drei Jahren
3.3.6 Mit drei bis vier Jahren
3.3.7 Das Vorschulalter
3.3.8 Grundschulalter
4. Koordinative Grundlagen
4.1 koordinative Fähigkeiten
4.1.2 Differenzierungsfähigkeit
4.1.3 Kopplungsfähigkeit
4.1.4. Reaktionsfähigkeit
4.1.5 Orientierungsfähigkeit
4.1.6 Rhythmisierungsfähigkeit
4.1.7 Umstellungsfähigkeit
4.2 Die Gleichgewichtsfähigkeit
4.2.1 Physikalisches Gleichgewicht
4.2.2 Sensomotorisches Gleichgewicht
4.2.3 Objektgleichgewicht
4.3. koordinatives Körpergleichgewicht
4.4 Stütz- und Zielmotorik
5.1 Allgemeine Störungen in der motorischen Entwicklung
5.1.1 Allgemeine Hirnstörungen
5.1.2 Allgemeine Koordinationsschwächen
5.1.3 Übergewicht
5.1.4 Bewegungsmangel
5.1.5 Emotionale und psychosoziale Auffälligkeiten
5.2. Entwicklungsstörungen des Gleichgewichtssinns
5.2.1 In der Schwangerschaft
5.2.1 Die ersten Lebensjahre
5.2.2 Entwicklungsstörungen beim Krabbeln
5.2.3 Entwicklungsstörungen beim Gehen
5.3 Sensorische Integrationsstörungen
5.3.1 Anpassungsregulationen des vestibulären Systems
5.3.2 Einflüsse auf die Augen und die Halsmuskulatur
5.3.3 Nystagmus
5.3.4 Einflüsse auf die Körpermuskulatur
5.3.5 Raumvorstellungen
5.3.6 Haltungs- und Gleichgewichtsreaktionen
5.3.7 Bewegungen zur Stabilisierung der Haltung
5.3.8 Kokontraktionen
5.3.6 Unterfunktion vestibulärer Reaktionen
5.3.7 Überfunktion vestibulärer Reaktionen
6. Therapieverfahren von Gleichgewichtsstörungen
6.1 A. Jeane Ayres Konzept der sensorischen Integration
6.1.1 Verwendete Geräte in der sensorischen Integrationsbehandlung:
6.1.2 Das Rollbrett
6.1.3 Die Schwebeschaukel
6.2 Psychomotorik
6. 2.1 Psychomotorik als Konzept
6.3 Sportförderunterricht
7.Durchführung eines eigenen Gleichgewichtstests
7.1 Testverfahren
7.1.1 Dynamisches Gleichgewicht- KTK
7.1.2 Statisches Gleichgewicht- Schwebestehen
7.1.3 Rotatorisches Gleichgewicht – Frenzel-Brille
7.4 Durchführung Hauptschule
7.2.1 Ergebnisse Rückwärts Balancieren
7.2.2 Einordnung der Ergebnisse anhand der Normenwerte
7. 3 Einbeiniger Schwebestand
7.3.1 Einordnung der Ergebnisse Schwebestehen
7.4 Interpretation der Ergebnisse
7.5 Durchführung Grundschule
7.5.1. Ergebnisse Rückwärts Balancieren
7.5.2 Einordnung der Ergebnisse anhand der Normenwerte
7.6 Einbeiniger Schwebestand
7.6.1 Einordnung der Ergebnisse Schwebestehen
7.7. Nystagmusuntersuchung mit der FRENZEL-Brille
7.7.1 Interpretation der Ergebnisse
7.8 Gesamtbewertung der Ergebnisse aus dem KTK
7.9 Gesamtbewertung der Ergebnisse des Schwebestandes
8. Gleichgewicht im Sportunterricht
8.1. Bedeutung des Gleichgewichts im Sportunterricht
8.2 Trainierbarkeit der Gleichgewichtsfähigkeit
8.3 Vermittlung der Gleichgewichtskompetenz
8.4 Übungsbeispiele für den Unterricht
8.4.1 Standgleichgewicht
8.4.2 Balanciergleichgewicht
8.4.3 Drehgleichgewicht
8.4.4. Fluggleichgewicht
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die fundamentale Bedeutung des Gleichgewichtssinns für die kindliche Entwicklung sowie die Auswirkungen von Entwicklungsstörungen auf die senso-motorische und kognitive Leistungsfähigkeit aufzuzeigen und Strategien zur therapeutischen sowie schulsportlichen Förderung darzulegen.
- Bedeutung des Vestibularapparats für die motorische Entwicklung
- Analyse der "veränderten Kindheit" und deren Einfluss auf die Motorik
- Diagnostik von Gleichgewichtsstörungen mittels KTK und Nystagmus-Untersuchungen
- Therapeutische Ansätze durch sensorische Integration und Psychomotorik
- Didaktische Möglichkeiten zur Förderung im Sportunterricht
Auszug aus dem Buch
3.1.5 Die Bogengänge
Die drei Bogengänge stehen ungefähr im rechten Winkel zueinander in den drei Raumebenen. Es gibt einen vorderen und hinteren vertikalen und einen seitlich horizontalen Bogengang. Der Ursprung und das Ende befinden sich jeweils im Vorhofbereich. Die Bogengänge sind mit Endolymphe gefüllt, einer trägen Flüssigkeit. Jeder Bogengang ist am Ende zu einer Ampulle erweitert. In ihrem Inneren befinden sich die Sinneszellen des Bogengangssystems. Sie sind ähnlich aufgebaut wie beim Utriculus und Sacculus, nämlich Haarzellen, die von Stützzellen umgeben sind und in eine gallertartige Masse hinein ragen, die Cupula. Die Cupula ist fest mit dem Schädel verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Der Abschnitt erläutert die Bedeutung des Gleichgewichtssinns für den Menschen und skizziert den Aufbau der Hausarbeit in Theorie und Praxis.
2. Kindheit: Dieses Kapitel thematisiert den Wandel der Kindheit in der modernen Gesellschaft und dessen negativen Einfluss auf die motorische Entwicklung.
3. Anatomische Grundlagen: Hier werden der Aufbau des Ohrs, des Vestibularapparats sowie die Entwicklung des Gleichgewichtssinns von der Schwangerschaft bis zum Grundschulalter detailliert dargestellt.
4. Koordinative Grundlagen: Dieser Teil definiert die koordinativen Fähigkeiten und differenziert zwischen statischem, dynamischem und objektbezogenem Gleichgewicht.
5. Störungen in der Entwicklung des Gleichgewichts: Kapitel 5 beleuchtet Ursachen und Erscheinungsformen von Entwicklungs- und sensorischen Integrationsstörungen.
6. Therapieverfahren von Gleichgewichtsstörungen: Hier werden Ansätze wie das Konzept der sensorischen Integration nach A. Jeane Ayres und die Psychomotorik als Therapiemöglichkeiten vorgestellt.
7.Durchführung eines eigenen Gleichgewichtstests: Der Autor präsentiert die Methodik und Ergebnisse eigener Untersuchungen zum Gleichgewicht an Haupt- und Grundschulen.
8. Gleichgewicht im Sportunterricht: Dieser Bereich bietet didaktische Empfehlungen und konkrete Übungsbeispiele zur Förderung der Gleichgewichtskompetenz.
9. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Relevanz der frühzeitigen Diagnose und Förderung von Gleichgewichtsdefiziten zusammen.
Schlüsselwörter
Gleichgewichtssinn, Vestibularapparat, Sensorische Integration, Motorische Entwicklung, Kindheit, Bewegungsmangel, Nystagmus, Psychomotorik, KTK, Koordination, Sportunterricht, Stützmotorik, Haltungskontrolle, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Gleichgewichtssinns im Kindesalter, analysiert die Folgen von Entwicklungsstörungen und zeigt Wege zur Förderung durch Therapie und Sport auf.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die anatomischen Grundlagen, die motorische Entwicklung, die Auswirkungen veränderter Lebensbedingungen auf Kinder sowie Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin aufzuzeigen, dass Komplikationen in der motorischen Entwicklung entscheidend für die kognitive und senso-motorische Leistungsfähigkeit eines Kindes sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer eigenen empirischen Untersuchung an einer Haupt- und einer Grundschule mittels standardisierter Tests.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des vestibulären Systems, die Analyse von Entwicklungsstörungen sowie den praktischen Teil mit Testdurchführungen und Übungskonzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gleichgewichtssinn, Sensorische Integration, Motorische Entwicklung und Sportförderung maßgeblich charakterisiert.
Was genau ist die "veränderte Kindheit"?
Dieser Begriff beschreibt die negativen Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen, wie etwa Bewegungsarmut, Verinselung der Lebensräume und verstärkten Medienkonsum, auf das Aufwachsen von Kindern.
Warum wird der Nystagmus als Indikator genutzt?
Die Nystagmusuntersuchung mit der Frenzel-Brille dient als Diagnosewerkzeug, um sensorische Gleichgewichtsstörungen zu identifizieren, da die Nystagmusdauer Rückschlüsse auf die Signalverarbeitung im Gehirn zulässt.
Welche Rolle spielt der Sportunterricht laut Autor?
Der Sportunterricht soll nicht nur die Gesundheit fördern, sondern gezielt motorische Defizite kompensieren und den Spaß an der Bewegung neu vermitteln.
- Quote paper
- Mario Fismer (Author), 2005, Die Bedeutung des Gleichgewichts im Kindesalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44708