Das Leben des Paul Johann Anselm von Feuerbach war eines der Extreme: Gelebt in einer Phase des Aufbruchs, geprägt von der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der politischen und philosophischen Strömungen seiner Zeit und von jenen Spannungen fast zerrissen, erstreckte sich der Bereich seines Wirkens von der Philosophie, mit der er seine wissenschaftliche Laufbahn begann und der bis zuletzt seine Liebe galt , bis zur Jurisprudenz, in der er nicht nur als "Denker, Gesetzgeber und Richter" wahrlich Großes leistete, sondern auch an den Grundlagen der Kriminalpsychologie forschte und mit großem literarischen Talent seine Ergebnisse festhielt, so daß sie uns noch heute sowohl inhaltlich, als auch stilistisch wertvolle Dokumente sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Teil: Über Leben und Philosophie des Paul Johann Anselm von Feuerbach
I. Kurzbiographie
II. Allgemeine Darstellung der Philosophie P.J.A. Feuerbachs
2. Teil: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts
I. Aufbau und Systematik des Lehrbuchs, 11. Auflage
1.) Philosophischer oder allgemeiner Teil des peinlichen Rechts
a.) Lehre vom psychologischen Zwang
b.) Höchste Prinzipien des Strafrechts
c.) Feuerbachs Theorie der strafrechtlichen Schuld
2.) Positiver oder besonderer Teil des peinlichen Rechts
3.) Pragmatischer Teil des peinlichen Rechts
II. Zielrichtung des Lehrbuchs Feuerbachs
III. Die posthumen Auflagen des feuerbachschen Lehrbuchs – exemplarischer Vergleich anhand der von C.J.A. Mittermaier herausgegebenen 14. Auflage
1.) Über die Person C.J.A. Mittermaiers
2.) Die Bearbeitung des Lehrbuchs durch Mittermaier im Vergleich zu Feuerbachs Ausgaben
3. Teil: Bedeutung der Person P.J.A. Feuerbachs und seines Werkes
I. Zeitgenössische Betrachtungen
II. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Leben sowie das juristische und philosophische Wirken von Paul Johann Anselm von Feuerbach, mit besonderem Fokus auf sein wegweisendes „Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts“ und dessen wissenschaftliche Rezeption durch C.J.A. Mittermaier.
- Biographische Einordnung von Paul Johann Anselm von Feuerbach als Jurist und Denker.
- Analyse der strafrechtlichen Philosophie und der Lehre vom psychologischen Zwang.
- Systematische Untersuchung des „Lehrbuchs des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts“.
- Kritische Gegenüberstellung der ursprünglichen Lehre Feuerbachs mit den posthumen Bearbeitungen durch Mittermaier.
- Bewertung der zeitgenössischen und historischen Bedeutung von Feuerbachs Wirken für das deutsche Strafrecht.
Auszug aus dem Buch
b) Höchste Prinzipien des Strafrechts
„Jede rechtliche Strafe im Staat ist die rechtliche Folge eines Gesetzes, das eine Rechtsverletzung mit einem Übel bedroht“ – dies stellt für Feuerbach das wichtigste strafrechtliche Prinzip dar, da dies seinen Grund in der Ermöglichung und Sicherung der Entfaltung der sittlichen Freiheit des Menschen, also dem Staatszweck, findet.
Hieraus entwickelt Feuerbach in drei elementaren Sätzen seinen „kriminalpolitischen Leitgedanken“, der, als Ausdruck der verfassungsmäßigen Garantie der Freiheit der Bürger, Schutz vor staatlicher Willkür bewirken soll: „Nulla poena sine lege“ – allein das Gesetz begründet den Begriff und die rechtliche Möglichkeit der Strafe; „Nulla poena sine crimine“ – es darf nur dann gestraft werden, wenn ein gesetzlich normierter Tatbestand erfüllt wurde; „Nullum crimen sine poena legali“ – nur dieses ist ein Verbrechen, das durch Gesetz hierzu erklärt wurde.
Diese, auf die Magna Charta zurückzuführenden Grundsätze, bilden den wichtigsten Teil Feuerbachs Lehre, erteilt er der Allmacht des Staats so doch eine ganz klare Absage und entspricht hiermit den Forderung seiner Zeit: dem aufkommenden Nationalgefühl, den Anfängen liberalistischer und demokratischer Politik – weg vom absolutistisch geprägten Polizeistaat hin zu einem Rechtsstaatsystem, dessen Leitidee Rechtssicherheit und liberale Freiheit bedeutet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Teil: Über Leben und Philosophie des Paul Johann Anselm von Feuerbach: Dieses Kapitel skizziert die biographische Entwicklung Feuerbachs und stellt die philosophischen Einflüsse dar, die sein späteres rechtswissenschaftliches Denken maßgeblich prägten.
2. Teil: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts: Hier wird der systematische Aufbau von Feuerbachs Hauptwerk analysiert, insbesondere seine Straftheorie, die Lehre vom psychologischen Zwang sowie die kritische Auseinandersetzung mit der von C.J.A. Mittermaier bearbeiteten 14. Auflage.
3. Teil: Bedeutung der Person P.J.A. Feuerbachs und seines Werkes: Das letzte Kapitel reflektiert die zeitgenössische Wahrnehmung Feuerbachs und zieht ein abschließendes Resümee über seine bleibende Bedeutung als Begründer moderner strafrechtlicher Konzepte.
Schlüsselwörter
Paul Johann Anselm von Feuerbach, Strafrechtsgeschichte, Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts, psychologischer Zwang, Nulla poena sine lege, Rechtsstaat, Kriminalpsychologie, C.J.A. Mittermaier, Strafrechtstheorie, Gesetzmäßigkeit, Aufklärung, Rechtssicherheit, Strafprozess, Deliktsystem, Rechtsphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte wissenschaftliche Analyse des Lebens, der Philosophie und des strafrechtlichen Gesamtwerkes von Paul Johann Anselm von Feuerbach.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Strafrechtstheorie Feuerbachs, der Systematik seines „Lehrbuchs“ sowie der kontroversen Rezeption durch seinen Kollegen C.J.A. Mittermaier.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, Feuerbachs Beitrag zur Etablierung des Rechtsstaatsprinzips und zur Systematisierung des Strafrechts aufzuzeigen und die Transformation seiner Lehren durch spätere Bearbeitungen kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche und analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung des „Lehrbuchs“ und zeitgenössischer sowie rechtswissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird das „Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts“ detailliert in seinem philosophischen und systematischen Aufbau analysiert und dessen Rolle innerhalb des zeitgenössischen Rechtsdiskurses beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rechtsstaat, psychologischer Zwang, Nulla poena sine lege, Strafrechtsgeschichte und die systematische Ordnung des materiellen Strafrechts.
Inwiefern beeinflusste die Zusammenarbeit mit Mittermaier das Lehrbuch Feuerbachs?
Mittermaier übernahm zwar Feuerbachs Text, kritisierte ihn jedoch stark und ergänzte ihn durch zahlreiche Anmerkungen, was laut der Autorin die ursprüngliche Klarheit und Systematik des Werkes beeinträchtigte.
Warum gilt Feuerbach heute als Begründer der modernen Kriminalpsychologie?
Dies begründet sich durch Feuerbachs intensives Interesse am Täter, dessen Psyche und dem konkreten Tatvorgang, wie es sich in seinen späteren Werken wie der „Aktenmäßigen Darstellung merkwürdiger Verbrechen“ manifestierte.
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- Danila Drischmann (Author), 2001, Zu: Paul Johann Anselm Feuerbach - "Lehrbuch des gemeinen in Deutschland gültigen peinlichen Rechts", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4471