Diese Arbeit erklärt die Unterschiede zwischen objektiver und subjektiver Lärmbelastung. Dazu greift sie auf bereits gängige Erklärungsansätze aus der psychologischen und epidemiologischen Lärmforschung zurück, zu denen die Ergebnisse empirischer Forschung bisher aber teils widersprüchlich und teils von fraglicher Validität sind.
Eine der untersuchten möglichen Einflussgrößen ist die Lärmempfindlichkeit, ein Konstrukt, welches gemeinhin als bedeutender Faktor für die subjektive Lärmbelastung gesehen wird, dessen gängige Messung mit der WNS-Skala allerdings kritikwürdig ist. Des Weiteren werden verschiedene Einstellungsaspekte zu Lärm, dessen Quellen und Folgen untersucht.
Die Möglichkeit der Minderung oder Verschärfung der Wahrnehmung von Umgebungslärm durch andere Umweltaspekte wird in Betracht gezogen, sowie ein Einfluss des Gerechtigkeitsempfindens und die Möglichkeit eines für die bisherige Environmental Justice-Forschung womöglich problematischen Einflusses des Sozialstatus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffe und Konzeptionelles
3 Theorien und Hypothesen
4 Forschungsstand
5 Erhebungsdesign
6 Empirische Analysen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von objektiv messbarer Lärmbelastung und subjektiver Wahrnehmung durch die Bevölkerung in Mainz. Ziel ist es, akustische und nicht-akustische Mediatoren zu identifizieren, um zu klären, inwieweit subjektive Lärmbelastungsurteile als Proxy für objektive Lärmbelastung in der epidemiologischen Forschung und Umweltgerechtigkeitsdebatte dienen können.
- Analyse des Einflusses akustischer vs. nicht-akustischer Determinanten auf die Lärmbelästigung.
- Untersuchung psychologischer Faktoren wie Lärmempfindlichkeit (indirekt über Schlafstörung und psychische Belastung gemessen).
- Erfassung einstellungsbezogener Variablen und deren Auswirkung auf die Lärmwahrnehmung.
- Überprüfung soziodemografischer Einflüsse unter Berücksichtigung von Umweltgerechtigkeits-Hypothesen.
- Empirische Untersuchung der Lärmquellen Flug-, Straßen- und Straßenbahnlärm.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Lärmforscher gehen davon aus, dass sich die Belästigung durch Lärm nur etwa zu einem Drittel auf dessen akustische Eigenschaften zurückführen lässt, ein weiteres Drittel sei durch persönliche und soziale Variablen bestimmt (Guski 1999). Dies stellt zunächst ein Problem für alle planerischen Aufgaben dar, die mit Lärm in Zusammenhang stehen, z.B. Routenplanungen an Flughäfen, Straßenbau, oder den Bau verschiedener Einrichtungen zum Schutz gegen Lärm. Deren objektive akustische Wirkung kann zwar präzise berechnet werden, dennoch gibt es des öfteren Überraschungen, was den Einfluss auf die Zufriedenheit der Bevölkerung angeht. So blieb z.B. die belästigungsreduzierende Wirkung von Lärmschutzwällen und Schallschutzfenstern in der Vergangenheit häufig hinter dem vorhergesagten Ausmaß zurück (Bosshardt 1988: 12).
Selbst der Einfluss auf die Gesundheit der Menschen bleibt ungewiss. Da die Lautstärke von Umgebungslärm, wie er in deutschen Wohngegenden gegenwärtig auftritt, generell nicht hoch genug ist, um zu Hörschäden zu führen (Bartels 2014: 16), ist Lärm hier nur als Stressor – mit negativem Einfluss auf die Psyche, die Schlafqualität und möglicherweise positivem Einfluss auf bestimmte kardiovaskuläre Erkrankungen – gesundheitsrelevant. Das Stressorpotential von Lärm wird aber nur zu einem Teil durch seine akustischen Eigenschaften bestimmt. Es hängt, ebenso wie die Lärmbelästigung, von Merkmalen der Betroffenen, wie z.B. der persönlich und sozial bedingten Bewertungen der Lärmquelle, der Strategie, wie damit umgegangen wird (Coping) oder dem Ausmaß der Störung von Aktivitäten ab. Insofern könnte das Stressorpotential den subjektiven Angaben zur Lärmbelastung näher sein, als objektiven akustischen Maßen der Lärmbelastung vor Ort. Allerdings gibt es auch Gründe zu der Annahme, dass die subjektive Lärmbelastung, wie sie in Surveys erhoben wird, sich nur bedingt als Indikator für diese Form der Belastung eignet: Befragte können ihre Antwort auf die Frage nach ihrer Lärmbelastung auch als Instrument begreifen, mit dem sie etwas gegen ihre Lärmbelastung unternehmen können, und dementsprechend ihre Belastung übertreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen objektiver und subjektiver Lärmbelastung und leitet die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen her.
2 Begriffe und Konzeptionelles: Es erfolgt eine begriffliche Abgrenzung von Lärm und Lärmbelästigung sowie die Erläuterung der verwendeten Indikatoren für objektive Lärmbelastung.
3 Theorien und Hypothesen: Das Kapitel diskutiert theoretische Ansätze zu nicht-akustischen Determinanten wie Lärmempfindlichkeit und Einstellung, woraus spezifische Hypothesen für die empirische Analyse abgeleitet werden.
4 Forschungsstand: Hier werden bisherige Lärmstudien, deren Ergebnisse und Probleme im Hinblick auf soziale und persönliche Einflussfaktoren zusammengefasst.
5 Erhebungsdesign: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die Methodik der Stichprobenziehung für die postalische Befragung in Mainz sowie die Integration der Geodaten.
6 Empirische Analysen: In diesem Hauptteil werden die Regressionsmodelle für Flug-, Straßen- und Straßenbahnlärm vorgestellt und die Ergebnisse diskutiert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, gleicht sie mit den Hypothesen ab und diskutiert Implikationen für zukünftige Planungen.
Schlüsselwörter
Lärmbelästigung, Objektiver Lärm, Subjektive Wahrnehmung, Lärmempfindlichkeit, Fluglärm, Straßenlärm, Umweltgerechtigkeit, Coping, Soziodemografie, Regressionsanalyse, Mainz, Survey, Umweltbelastung, Lärmschutz, Mittelungspegel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum die subjektive Wahrnehmung der Lärmbelästigung oft nicht exakt mit den objektiv messbaren akustischen Werten übereinstimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Differenz zwischen objektiver und subjektiver Belastung, der Einfluss persönlicher Faktoren wie Lärmempfindlichkeit sowie soziale Aspekte der Umweltgerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist die Identifikation nicht-akustischer Mediatoren, um zu verstehen, ob subjektive Belastungsurteile als zuverlässiger Indikator für objektive Lärmbelastungen in der Forschung taugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Analyse auf Basis einer postalischen Haushaltsbefragung in Mainz durchgeführt, deren Daten mittels multipler OLS-Regressionen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der empirischen Analyse von Flug- und Straßenlärmdaten unter Berücksichtigung von Kontrollvariablen und psychologischen Einflüssen auf die Belästigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Lärmbelästigung, Lärmempfindlichkeit, Umweltgerechtigkeit, Regressionsanalyse und akustische Determinanten.
Warum spielt das Alter der Befragten eine Rolle?
Das Alter wird als Kontrollvariable genutzt und zeigt in den Analysen häufig einen tendenziell umgekehrt U-förmigen Zusammenhang mit der Lärmbelastung.
Welche Rolle spielen Einstellungen gegenüber der Lärmquelle?
Einstellungen, wie etwa die Einschätzung der Notwendigkeit einer Lärmquelle oder das Gerechtigkeitsempfinden, werden als mögliche Verstärker oder Minderer der subjektiven Lärmwahrnehmung untersucht.
- Arbeit zitieren
- Ingmar Ehler (Autor:in), 2018, Objektiver und subjektiver Lärm. Akustische und nicht-akustische Faktoren der Belästigung durch Lärm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/447301