Das Französische in Marokko. Ein historischer Abriss und die aktuelle Sprachverwendung


Bachelorarbeit, 2017
37 Seiten, Note: 3,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 KÖNIGREICH MAROKKO
2.1 Das Land der Gegensätze
2.2 Die Geschichte des französischen Kolonialstaats

3 DIE SPRACHENVIELFALT
3.1 Die Hochsprachen
3.1.1 Hocharabisch
3.1.2 Französisch
3.2 Die Volkssprachen
3.2.1 Die Berbersprachen
3.2.2 Marokkanisch-Arabisch
3.2.3 Französische Varietäten

4 DIE VERWENDUNG DER SPRACHEN
4.1 Sprachkontakt vs. Mehrsprachigkeit
4.2 Bildungssystem
4.3 Literatur und Theater
4.4 Medien
4.4.1 Presse
4.4.2 Fernsehen
4.5 Religion

5 BEISPIELE FÜR ANALYSEN

6 SCHLUSSBETRACHTUNG

7 LITERATURVERZEICHNIS

8 ANHANG

1 EINLEITUNG

Die vorliegende Arbeit hat ihren Ursprung in den vom Autor geführten Re- cherchen über das Thema des französischen Einflusses in Marokko. Die Ausarbei- tung basiert auf der Darstellung eines historischen Abrisses (1912-1956) und be- schäftig sich mit der Fragestellung, inwieweit die französische Sprache die ma- rokkanische Gesellschaft beeinflusst und geprägt hat. Weiterhin wird die For- schungsfrage mit dem Ziel untersucht, herauszufinden, inwiefern die französische Sprache ein fester Bestandteil der marokkanischen Identität ist und warum dem Französischen ein hohes Maß an Prestige zugeordnet wird. Im Rahmen der vorlie- genden Arbeit liegt das Augenmerk auf der heutigen Bestandsaufnahme französi- scher Varietäten in Marokko und behandelt das dort vorhandene linguistische Re- pertoire. Darüber hinaus ist es wichtig zu klären, inwiefern die Vorstellung der tatsächlichen Verbindung auf kultureller und sprachlicher Ebene zu Europa be- steht.

Die Arbeit ist wie folgt strukturiert. Zu Beginn dieser Arbeit wird zunächst eine Einführung über die Geschichte der Kolonialisierung Marokkos gegeben. Ziel ist es, dem Leser1 die nötigen Informationen zu geben, um die soziokulturellen und soziolinguistischen Gegebenheiten und Zusammenhänge von den Anfängen der Kolonialisierung, über die Unabhängigkeitserklärung, bis hin zur heutigen Be- standsaufnahme der Sprachverhältnisse aufzuzeigen. Im nächsten Schritt werden grundlegende Fakten dargestellt, um danach ein Kapitel einzuleiten, welches den Sprachkontakt und die Mehrsprachigkeit auf soziolinguistischer Ebene beschreibt. Darauf aufbauend wird in Kapitel 4 die Verwendung der Sprachen, mit dem Fokus auf die verschiedenen Varietäten des Französischen, dargestellt. Im weiteren Ver- lauf dieser Arbeit werden Analyseansätze über die Zugehörigkeit der französi- schen Varietäten vorgestellt. In Kapitel 6 werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengebracht, und die Zielsetzung der Arbeit wird erneut aufgegriffen und diskutiert.

2 KÖNIGREICH MAROKKO

Nachdem bereits die Struktur und die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit vorge- stellt wurde, sollen in diesem Kapitel zum besseren Verständnis zunächst wichtige grundlegende Fakten in Bezug auf die geographische Lage und die soziolinguistische Besonderheit Marokkos, gegeben werden. Da der geschichtliche Hintergrund in der Gedankenarbeit eine zentrale Rolle spielt, wird dieser im Folgenden erläutert.

2.1 Das Land der Gegensätze

Marokko, auf Arabisch Al-Maghreb, was übersetzt der Westen, aber gleichzeitig auch der Sonnenuntergang bedeutet, ist ein Land, welches sich im Nordwesten des afrikanischen Kontinents befindet. Im Norden ist das Königreich durch das Mittel- meer begrenzt, im Osten befindet sich die Grenze zu Algerien, im Süden grenzt das Land an Mauretanien und im Westen befindet sich der Atlantik. Über das marokkani- sche Territorium erstreckt sich die Bevölkerung, jedoch zu sehr ungleichmäßigen Teilen. Ein Grund dafür ist die große Fläche der Sahara, welche mehr als die Hälfte des Landes bedeckt. Das nordafrikanische Königreich ist seit 1956 unabhängig und gemäß der Verfassung von 1992 eine konstitutionelle Monarchie, mit dem Regie- rungssitz und der Residenz des Königs in der Hauptstadt Rabat.

Pierre Vermeren beschreibt dieses Land als „juxtaposition de régions, de peuples, de villes et de couches sociales qui coexistent sans toujours se rencontrer“ (Vermeren 2001, 10). Es ist von einer Nebeneinanderstellung von Regionen, Völker, Städte und sozialen Schichten, die miteinander leben, ohne sich zeitlebens zu sehen, die Rede. Gemeint sind hier die beispielsweise sehr verschiedenen Wohnorte wie die Großstäd- te, die Gebirge und die Wüste. Es ist ein Land der Kontraste. Des Weiteren bezeich- net Vermeren Marokko als „ pays de pays “ und „ pays des contraires “ (ebd.). Er be- zieht sich damit auf die Komplexität des nordafrikanischen Königreichs in Anbe- tracht der soziolinguistischen Ebene und der ursprünglich verschiedenen Ethnien (vgl. ders. 13). C.R. Pennell2 beschreibt Marokko als Mosaik, hinsichtlich der Mi- schung verschiedenster Sprachen für den informellen Gebrauch und der hoch literari-

2. Königreich Marokko

schen Sprache, „the spoken version of the written language“ (Pennell 2000, 382), die im formalen Kontext angewandt wird. Teilhabe am Spracheneinfluss haben auch die noch spanischangehörigen Städte auf marokkanischem Territorium Ceuta und Melilla. Durch die Jahrzehnte lange Koexistenz kam es zu direkten und indirekten Einflüsse, in dem Fall auf die Berbersprache.

2.2 Die Geschichte des französischen Kolonialstaats

Marokko ist eines der Länder, welches annektiert wird und zur großen Kolonial- macht Frankreich gehört. Die Berber sind das erste und somit das Urvolk Marokkos und ihre Sprache wurde somit als erstes auf dem Territorium verbreitet. Angesichts der Tatsache des nicht vorhandenen Schreibsystems, sind nur wenige Spuren vorhan- den, die ein Verständnis über die Kultur vor der Ankunft der ersten Kolonialisten hergeben. Den ersten Kontakt mit Europa hegt Marokko im siebten Jahrhundert, als die Araber ab 622 über Nordafrika, Spanien zu erobern beginnen und im Jahre 711 das Reich Al-Andalus gründen. Der zweite Kontakt besteht mit Spanien und Frank- reich im 19. Jahrhundert. Im Jahre 1830 treffen Franzosen aus Algerien ein, um Druck auf Marokko auszuüben, während die Spanier die nördliche Stadt Tétouan besetzen.

In der Zeit des Protektorats (1912-1956), beginnt Frankreich mit der Änderung des nordafrikanischen Königreichs durch eine aktive Interventionspolitik. Durch die Ko- lonialmacht werden die großen Städte erweitert und das Schulsystem, welches bis zu diesem Zeitpunkt auf das Unterrichten des Islams und der arabischen Sprache basiert, geändert. Durch die Umgestaltung soll sich die Gesellschaft nun auf das Lehren der französischen Sprache und Werte fokussieren. Jedoch versucht das neue System, Araber von Berbern zu trennen, was Aufstände mit sich bringt und mit der Unabhän- gigkeitserklärung sein Ende nimmt. Im Jahre 1956 wird er marokkanische Staat un- abhängig und Mohamed V. erklärt sich zum König des nordafrikanischen Landes.

Frankreich fordert am 30. März 1912 einen Vertrag des Protektorats an Sultan Mou- lay Hafid, jedoch widersetz dieser sich und so kommt es zu jahrzehntelangen militä- rischen und diplomatischen Konflikten, welche die Teilung des Königreichs in zwei Zonen mit sich bringt (Vermeren 2001, 20). Zur selben Zeit entscheidet sich Spanien ebenfalls dazu, Marokko zu kolonialisieren. Das marokkanische Territorium ist daher in drei Teile geteilt: Der Norden und die Region der Sahara ist Spanien vorbehalten und der restliche, „nützliche“ Teil Marokkos wird Frankreich zugeteilt (ders. 171). Des Weiteren wird das Königreich in Zivil- und Militärzonen unterteilt, geleitet von „des contrôleurs civils“3 (Mouilleau 2000, 278) und Oberoffizieren (vgl. dies. 22).

Das Protektorat als Instrument franz ö sischer Kolonialpolitik und als Konzeption und Doktrin, die sich grunds ä tzlich von Integration und Assimilation un terscheidet, ja im Gegensatz zu diesen steht, ist unl ö sbar mit der Person und dem Einfluss Marschall Lyauteys verbunden, dem bedeutendsten Prokonsuln Frankreichs (Albertini 1966, 397).

Marschall Lyautey fordert eine Modernisierung Marokkos und ersetzt Sultan Moulay Hafid durch seinen eigenen Bruder Moulay Youssef. Ausgelöst durch die Aufstände in Fès im Jahre 1911, entscheidet sich Lyautey, die Hauptstadt nach Rabat zur atlantischen Küste zu verlagern, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Hier wird von der Pazifizierung Frankreichs gesprochen, also einer Herstellung des Friedens. Dieser Prozess nimmt jedoch mehr als 20 Jahre Zeit in Anspruch und fordert die Kapitulation der letzten Stämme im Hohen Atlas im Jahre 1934 (Ver- meren 2001, 20).

Die Unterzeichnung des Protektoratsvertrages erzeugt Aufstände in der marokkanischen Gesellschaft. Der wohl bekannteste ist der Rif-Krieg (1921-1926), geleitet von der wichtigsten Person der marokkanischen Geschichte, Gründer der kurzlebigen „République du Rif“ (ders. 21) Mohamed Ben Abdelkarim El Khattabi, der im Auge der marokkanischen Gesellschaft, heldenhaft gegen die Spanier in Anoual kämpft (Marchat 1971, 84). Auf den Fall Lyauteys im Jahre 1925 folgt eine Zeit der Instabilität. Von 1925-1956 treten dutzende Thronfolger an. Vor allem die Thronbesteigung von Sidi Mohamed im Jahre 1927 verändert die Lage, jedoch wird dieser erst nach der Unabhängigkeit Marokkos (1956), unter dem Namen Mohamed V., 1957 offiziell zum König des Landes gekrönt (Vermeren 2001, 21).

3 DIE SPRACHENVIELFALT

Im Folgenden Kapitel werden die wichtigsten Sprachen des nordafrikanischen Kö- nigreichs vorgestellt. Die Auseinandersetzung mit der Sprachsituation in Marokko des 19. Jahrhunderts ist durch die ständige Konfrontation zwischen den französischen Kolonialisten und der marokkanischen Bevölkerung und dem damit einhergehenden sozialen, kulturellen und politischen Umbruch gekennzeichnet. Das Französische hat damals großen Einfluss auf die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des Landes, des- sen Spaltung die linguistische Instabilität selbst bis in die Gegenwart hinein prägt. Was sind die Volkssprachen bzw. was sind die Hochsprachen Marokkos? Im Fol- genden wird eine klare definitionsähnliche Trennung zwischen Hochsprachen und Volkssprachen vorgenommen.

3.1 Die Hochsprachen

In diesem Abschnitt soll auf die Hochsprachen Marokkos eingegangen und anhand von Beispielen ihr Status und Gebrauch erläutert werden.

3.1.1 Hocharabisch

Das Hocharabische, heute auch als klassisches Arabisch bezeichnet, basiert auf religiöse Verbindungen. Mit der Offenbarung des heiligen Korans von Gott (ara- bisch: Allah) an den letzten Propheten Mohamed, wird die gottgegebene Norm des Arabischen fixiert. Dadurch erlangt das Arabische den Status einer Sprache des Pres- tiges. Fouzia Benzakour beschreibt diese Sprache weiterhin als Sprache der religiö- sen Einheit, aber auch als muslimische Kultursprache der arabischen Welt. Es ist jedoch eine reine Schriftsprache, auch wenn sie zur Predigt oder zum Lehren ver- wendet wird, ist es die Muttersprache keiner Gemeinschaft. Demnach wird das Ara- bische nicht zur Verkehrssprache bzw. Alltagssprache gezählt, ausgenommen in for- mellen Anliegen, in der Politik und der Religion. Dadurch, dass sich die morphosyn- taktischen Strukturen seit über vierzehn Jahrzehnte nicht verändert hat, wird es als klassisch qualifiziert (vgl. Benzakour/Gaadi/Quéffelec 2000, 67).

3.1.2 Französisch

Erst im Jahre 1912 wird das Französische in Marokko eingeführt und als offiziel- le Sprache der Institutionen mit der Aufstellung des französischen Regimes festge- legt. Auch nach der marokkanischen Unabhängigkeit bleibt die Sprache in der Ge- sellschaft präsent und wird als Kontakt und Öffnung zum Abendland angesehen. Je- doch wird hier von einem besonderen Status gesprochen. Es ist laut der Konstitution weder die offizielle Sprache, noch eine rein ausländische Sprache. Das Französische ist die erste fremdländische Sprache Marokkos und wird als moderne Verkehrsspra- che gesehen. Die französische Sprache wird in formellen Situationen, sowie für den Alltag verwendet. Diese Sprache ist in allen Gesellschaftsschichten auffindbar, vom Bereich der Kultur und Bildung, bis hin zur Agrarwirtschaft (vgl. dies. 70 ff.).

Zwar ist das Französische nach der Unabhängigkeit weiterhin ein Symbol des Prestiges, dennoch wird eine Verletzung der Identität verspürt. Daher dauert es nicht lange, bis es zu Schwankungen kommt, da die Arabisierung (vor der Kolonialisierung) angehalten und ersetzt wird. Die traditionell arabischsprachigen Muslime stört vielmehr die Funktion der französischen Sprache als Sprache des Unterrichtens, weniger die Präsenz im Bereich der Administration. Moderne Technokraten4 gehen dessen ungeachtet davon aus, dass sie die so sehr gewünschte Modernität, einzig und allein mit der Beibehaltung des Französischen erreichen. Dieser ideologische Konflikt erlaubt bilingualen Sprechern (Französisch-Arabisch) weiterhin, in der Bildung und in der Gesellschaft akzeptiert zu werden (Benzakour 2007, 50).

3.2 Die Volkssprachen

Nachdem die Hochsprachen vorgestellt wurden, werden im folgenden Abschnitt die Varietäten und Sprachen dargestellt, die eine detaillierte Auskunft über die dialektale Unterteilungen bietet. Es handelt sich in erster Linie um den Stellenwert der Sprachen, ebenso wie um die Entwicklung individueller und gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit unter besonderer Berücksichtigung von Diglossien.

3.2.1 Die Berbersprachen

Die Sprache amazighe 5, oder auch Berberisch genannt, bedeutet „Sprache der freien Leute“ (Benzakour/Gaadi/Quéffelec 2000, 63). Sie fungiert einerseits als Verkehrssprache für ländliche Gemeinschaften, andererseits hat es auch einen zentralen Charakter, denn sie ist eine Regionalsprache mit einheimischem Wert. Das amazighe ist die älteste Sprache Marokkos und im gesamten Maghreb vorzufinden (Boukous 1995, zit. In: ebd.). Die Sprecher sind meist mindestens zweisprachig (Berberisch und Arabisch) im außerfamiliären Gebrauch mit den Sprechern des Arabischen (vgl. Benzakour 2007, 49). In diesem Zusammenhang wird von Diglossie gesprochen. Es lassen sich anhand der Sprache keine sozialen Schichten unterscheiden, da in jeder dieser Gesellschaftsschichten gleich gesprochen wird.

Des Weiteren ist die Sprache der Gruppe dem „libyco-berbère“ (Cohen 1968, zit. In: Benzakour/Gaadi/Quéffelec 2000, 64) zuzuordnen. Das amazighe besitzt eine eigene Phonologie, Syntax und Vokabular, jedoch sind diese nicht mit einer expliziten Grammatik systematisch standardisiert. Das tifinnagh, das nach einer langen Zeit wieder aufgegriffene Schriftsystem, ist dem Alphabet des aus der Sahara stammen- den, berberisch-sprechenden Stammes der Touareg zuzuordnen. Die Schrift ist im Wesentlichen konsonantisch und beherbergt Phoneme, die weder im Romanischen noch im Arabischen existieren. Diese Schrift gibt als einziges Alphabet sämtliche in den Berbersprachen vorhandenen Lauten wieder. Weiterhin wird in drei dialetkale Bereiche unterteilt: das tarifite, das tamazighte und das tachelhite.

Das tarifite, im Französischen auch rifain genannt, wird generell im Nordosten und im Rifgebirge gesprochen, woher auch die Namensgebung stammt. Das tamazighte deckt das gesamte Gebiet des Mittleren Atlas und den östlichen Teil des Hohen Atlas ab. Dieser Name ist einerseits der Eigenname des Dialekts, gleichzeitig aber auch fasst der Begriff tamazighte alle Berbersprachen auf. Das tachelhite beherbergt die südlichen Zonen des Hohen Atlas und den gesamten Antiatlas (vgl. ders. 64 ff.). Der genaue Ursprung dieser Sprache bleibt unklar. Gewiss ist jedoch, dass das Berberi- sche mit zahlreichen anderen Sprachen in Kontakt war, wie beispielsweise mit der punischen Sprache, mit dem Lateinischen während der römischen Vormacht, mit dem Arabischen durch die Eroberung Nordafrikas und mit dem Französischen und Spanischen während der Phase der Kolonialisierung (vgl. Mokrim 2010, 92).

3.2.2 Marokkanisch-Arabisch

Benzakour beschreibt das moderne Arabisch als eine grammatikalisch gelockerte Abwandlung des klassischen Arabischs. Diese Form des Arabischen findet, gemein- sam mit dem klassischen Arabisch, Verwendung in der Religion und der Kultur und hat als einzige arabische Varietät einen juristischen Status. Das Dialektarabische be- inhaltet rein regionale Varietäten (Regiolekte), die sogenannten maghrebinischen Dialekte. Die Namensgebung deckt alle gesprochenen Dialekte arabischen Ursprungs auf marokkanischem Gebiet ab (vgl. dies. 44 ff.). Mokrim benennt den Unterschied zwischen dem klassischem Arabisch und dem Dialektarabisch wie folgt:

[ … ] ce sont deux langues avec deux syst è mes sp é cifiques aux niveaux phono logique, grammatical et lexical, m ê me s ´ il y a entre elles une relation de pa rent é é troite et des contacts permanents (dies. 43).

Das Dialektarabische beruht zwar auf dem klassischen Arabisch und weist infolgedessen Merkmale der selben Sprachfamilie auf, dennoch ist das linguistische System sehr verschieden. Das Dialektarabische ist nicht kodifiziert und weist mannigfache Variationen auf. Wird die diatopische Dimension betrachtet, erscheint es als verschiedene Mundart in den jeweiligen Regionen. Wie im Berberischen, wird auch hier in drei Dialekte unterteilt: Die städtische Sprache, die Sprache der Bergregionen und die Beduinensprache. Diese Vielfalt hemmt jedoch nicht das Verständnis untereinander, da die Dialekte linguistisch miteinander verbunden oder in unmittelbarer Nachbarschaft sind (vgl. Benzakour/Gaadi/Quéffelec 2000, 68 ff.).

Dennoch hält Forkel in einigen Punkten die negative Einstellung zum Dialektarabi- schen in Marokko fest. Der Dialekt sei ein verkommenes Hocharabisch, regellos, der arabischen Einheit entgegenstehend, keine entwickelte Schrift- und Hochsprache und zuletzt sei es „französisiert“ und „hispanisiert“, da viele französische und spanische Lehnwörter enthalten sind und dadurch an die Kolonialvergangenheit erinnere (vgl. Forkel 1980, 29). Im Gegensatz zum klassischen Arabisch, welches in Wort und Schrift an Schulen gelehrt wird, dominiert das Dialektarabische den informellen

[...]


1 Ich habe mich bemüht, nach Möglichkeit beide Geschlechter in der Formulierung zu berücksich- tigen, oder eine geschlechterneutrale Formulierung zu verwenden. Sollte dies nicht in allen Fällen zufrieden stellend gelungen sein, bitte ich um Nachsicht.

2 C.R. Pennell ist Autor und Dozent an der Universität von Melbourne für Geschichte im Nahost.

3 Kontrolleure der Zivilbevölkerung waren, in der Zeit nach dem Protektorat, die administrative Ein- teilung der Regierung. Sie sind „unsichtbar“ und ermöglichen die Ausbreitung der französischen Zivilbevölkerung im Land.

4 Technokrat: jemand, der auf technokratische Weise handelt, entscheidet technokratisch: (abwertend) allein von Gesichtspunkten der Technik und Verwaltung bestimmt und auf das Funktionieren gerichtet.

5 Für das amazighe werden je nach Autor auch die Begriffe tamazight oder tamazighte gebraucht.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Das Französische in Marokko. Ein historischer Abriss und die aktuelle Sprachverwendung
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
3,0
Jahr
2017
Seiten
37
Katalognummer
V447313
ISBN (eBook)
9783668833616
ISBN (Buch)
9783668833623
Sprache
Deutsch
Schlagworte
französische, marokko, abriss, sprachverwendung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Das Französische in Marokko. Ein historischer Abriss und die aktuelle Sprachverwendung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/447313

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