In dieser Hausarbeit gehe ich der Frage nach: Was kann ein Neugeborenes wahrnehmen? Ursprünglich wollte ich die Zeitspanne des ersten Lebensjahrs betrachten, doch es stellte sich im Laufe meiner Recherche heraus, dass in dieser Zeit immer noch sehr viel Veränderung stattfindet. Da ich mich aber nicht auf eine einzige Wahrnehmungsfähigkeit beschränken wollte, sondern mir die Darstellung der Gesamtheit der Wahrnehmung wichtig war, konzentrierte ich mich auf die ersten beiden Lebenswochen eines Säuglings.
Im Zuge der Quellenarbeit war E.B. Goldsteins „Wahrnehmungspsychologie“ meine erste Anlaufstelle. Dieses Werk beinhaltet auch ein Kapitel, welches mir für meine Arbeit viele Grundsatzinformationen gegeben hat.
Mit dem Internet als Informationsquelle war ich nicht sehr erfolgreich, da die wissenschaftlichen Quellen alle auf kostenpflichtigen Seiten und ansonsten meist nur unwissenschaftliche, pädagogische Seiten, als Hilfe für werdende Eltern, zu finden waren. Daher bevorzugte ich die altbewährte Methode, Bibliotheken aufzusuchen. Hierbei fand ich viele Quellen, die mein Thema mehr oder weniger intensiv behandelten. Die Wahrnehmung bei Neugeborenen wird jedoch meist nur bei der Entwicklungspsychologie in einem kurzen Kapitel behandelt.
Bei gleichen Ergebnissen verschiedener Quellen habe ich nur eine von ihnen aufgeführt, wenn sich Quellen jedoch stark unterschieden, habe ich die älteren Untersuchungen wegen Platzmangel, nur dann erwähnt, wenn sie mir nicht als veraltet oder durch die Neueren besser untersucht erschienen.
Im Folgenden werde ich zuerst frühere Ansichten zum Wahrnehmung bei Neugeborenen erläutern, anschließend die Methoden die zu neuen Ergebnissen geführt haben. Im Hauptteil der Arbeit untersuche ich die verschiedenen Wahrnehmungsfähigkeiten des Neugeborenen in den Bereichen auditive, visuelle, taktile, gustatorische, olfakorische und intermodale Wahrnehmung. Wiederum aus Platzgründen verzichte ich hier auf genaue Versuchsbeschreibungen, da die wichtigsten Methoden bereits weiter oben erläutert wurden. Gelegentlich ergänze ich diese jedoch, wenn es mir wichtig erscheint. Ansonsten konzentriere ich mich auf die Ergebnisse und verweise anhand der Quellenangaben auf genauere Beschreibungen. Zum Schluss fasse ich die verschiedenen Fähigkeiten nochmals zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wahrnehmung bei Neugeborenen
2.1 Frühere Ansichten zum Thema
2.2 Neue Methoden
2.3 Die Sinne
2.3.1 auditive Wahrnehmung
2.3.2 visuelle Wahrnehmung
2.3.3 taktile Wahrnehmung
2.3.4 gustatorische Wahrnehmung
2.3.5 olfaktorische Wahrnehmung
2.3.6 intermodale Wahrnehmung
3 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Wahrnehmungsfähigkeiten von Neugeborenen in den ersten zwei Lebenswochen, um das Bild des Säuglings als kompetentes Wesen wissenschaftlich zu fundieren und die Gesamtheit seiner Wahrnehmung darzustellen.
- Historische Wandlung des Säuglingsbildes
- Wissenschaftliche Methoden der Säuglingsforschung
- Differenzierte Untersuchung auditiver und visueller Wahrnehmung
- Bedeutung der taktilen, gustatorischen und olfaktorischen Sinne
- Intermodale Wahrnehmung als Integrationsleistung
Auszug aus dem Buch
2.2 Neue Methoden
Man musste also einen Weg finden, wie man die Neugeborenen zu ihrer Wahrnehmung „befragen“ kann. Da diese der verbalen Sprache noch nicht fähig sind, muss man andere Möglichkeiten für Fragestellungen finden. Man setzte Säuglinge bestimmten Reizen aus und verstand ihr Verhalten darauf als Antwort. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Fortschritte in der Aufzeichnungstechnologie. Videotechnik und die Verbesserung der Zeitlupentechnik haben vieles erst möglich gemacht (Dornes, M., 1993, S.34). Einige der wichtigsten Methoden, die dazu entwickelt wurden, werden im Folgenden vorgestellt.
Bei der Habituationsmethode macht man sich die Eigenschaft zu nutze, dass nicht nur Erwachsene sondern auch kleine Kinder sich an bekannte Objekte gewöhnen und das Interesse an ihnen verlieren. Man setzt den Säugling also einem Reiz aus und nach einiger Zeit habituiert dieser; die Aufmerksamkeit lässt also nach. Anschließend zeigt man dem Säugling einen neuen Reiz. Dishabituiert der Säugling, also zeigt er wieder mehr Interesse als am vorherigen Reiz, dann geht man davon aus, dass er einen Unterschied zwischen den beiden Reizen feststellen kann.
Während des Versuches misst der Versuchsleiter die Zeitspannen, wie lang der Säugling jeweils Interesse am Reiz gezeigt hat (Dornes, M., 1993, S.36).
Eine andere wichtige Methode ist die Präferenzmethode. Diese testet, ob der Säugling bei der Betrachtung verschiedener Reize einen bevorzugt. Wenn ja, geht man davon aus, dass der Säugling einen Unterschied zwischen ihnen bemerkt. Man zeigt dem Säugling also zwei Reize gleichzeitig und misst die Zeit die er jeweils den einen oder den anderen Reiz fixiert. Eine andere Vorgehensweise ist, dem Säugling erst einen Reiz zu zeigen und die Fixierungsdauer zu messen und hinterher, nach angemessener Pause, die Fixierungsdauer des zweiten Reizes (Dornes, M., 1993, S.34f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach den Wahrnehmungsfähigkeiten von Neugeborenen in den ersten zwei Lebenswochen und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die Quellenrecherche.
2 Wahrnehmung bei Neugeborenen: Dieses Hauptkapitel beleuchtet den historischen Wandel vom Bild des Säuglings als „Reflexwesen“ zum „kompetenten Säugling“, stellt moderne Forschungsmethoden vor und analysiert detailliert die verschiedenen Sinneswahrnehmungen sowie deren intermodale Verknüpfung.
3 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Neugeborene bereits über ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeiten verfügen, die primär auf die Erkennung der Bezugsperson und eine gute Entwicklung ausgerichtet sind.
Schlüsselwörter
Neugeborene, Wahrnehmungspsychologie, Säuglingsforschung, Habituationsmethode, Präferenzmethode, auditive Wahrnehmung, visuelle Wahrnehmung, taktile Wahrnehmung, gustatorische Wahrnehmung, olfaktorische Wahrnehmung, intermodale Wahrnehmung, Kompetenter Säugling, Sprachentwicklung, Gesichtswahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Wahrnehmung von Neugeborenen in ihren ersten beiden Lebenswochen und hinterfragt, welche sensorischen Fähigkeiten sie bereits besitzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die verschiedenen Sinnesbereiche: Hören, Sehen, Tasten, Schmecken und Riechen sowie die Fähigkeit zur intermodalen Wahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Vorurteil des Neugeborenen als „Reflexwesen“ zu widerlegen und aufzuzeigen, wie differenziert ein Säugling bereits kurz nach der Geburt seine Umwelt wahrnimmt.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender psychologischer Forschung, insbesondere auf die Habituations- und die Präferenzmethode.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, die Vorstellung moderner Forschungsmethoden und die detaillierte Untersuchung der fünf Sinne sowie ihrer Integration.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Wahrnehmungspsychologie, kompetenter Säugling, Sinneswahrnehmung und intermodale Integration.
Warum wird in der Arbeit so stark auf die Mutter als Bezugsperson eingegangen?
Die Forschung zeigt, dass die Wahrnehmung von Neugeborenen besonders darauf optimiert ist, die Mutter zu erkennen, was als existenzsichernde Instanz für die Entwicklung des Kindes von entscheidender Bedeutung ist.
Welche Rolle spielt die "visuelle Klippe" in der Argumentation der Autorin?
Sie dient als Beispiel für einen Versuchsaufbau, der für sehr junge Neugeborene ungeeignet ist, da sie noch keine Tiefenangst entwickelt haben, was verdeutlicht, wie komplex die Versuchsplanung bei Säuglingen ist.
Gibt es eine eindeutige Aussage zur Farbwahrnehmung bei Neugeborenen?
Nein, die Autorin arbeitet heraus, dass sich die Fachliteratur uneins ist – einige Quellen sprechen von kategorialer Farbwahrnehmung, andere von einer vorherrschenden Grauempfindung.
- Quote paper
- Andrea Vollbach (Author), 2009, Wahrnehmung eines Neugeborenen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/447324