Die Berücksichtigung des nicht finanziellen Nutzens bei der Unternehmensbewertung


Hausarbeit, 2018
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Abgrenzung der Bewertung von finanziellen und nicht-finanziellen Nutzen

3. Erweiterung der klassischen Unternehmensbewertung durch Bewertung von nicht- finanziellen Nutzen
3.1 Einführung in die ethische Unternehmensbewertung
3.2 Der Frankfurter-Hohenheimer Leitfaden (FHL)
3.3 Ethisch-ökologisches Rating

4. Nutzwertverfahren bei der Mehrfachzielsetzung
4.1 Grundlagen der Nutzwertverfahren
4.2 Nutzwertanalyse (NWA)
4.3 Analytic Hierarchy Process (AHP)

5. Thesenförmige Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Nutzen aus einer Investition in ein Unternehmen stellen finanzielle und nicht-finanzielle Vorteile dar, die dem Unternehmenseigner aus dem Unternehmen zufließen, und spiegeln den Wert eines Unternehmens wider.[1] Finanzielle und nicht-finanzielle Nutzen des Unternehmenseigners zu bewerten, ist das grundsätzliche Ziel einer Unternehmensbewertung.[2] Jedoch besteht bei der Bewertung von Nutzen die Schwierigkeit, die Nutzengrößen in monetäre Einheiten umzuwandeln, da sowohl quantitative als auch qualitative Faktoren eine Rolle spielen.[3]

Aus diesem Grunde werden Investitionsprojekte oft ausschließlich anhand von monetären Kriterien beurteilt. Als Beispiel dazu dient der Kapitalwert oder der Gewinn. Bei einer betriebswirtschaftlichen Fragestellung ist es jedoch nicht ausreichend, nur ein Kriterium in Betracht zu ziehen. Um eine Investitionsentscheidung treffen zu können, sollen in der Bewertung nicht nur monetäre Zielsetzungen, sondern auch die nicht monetären Aspekte, beispielweise Umweltbelastung oder Marktstellung des Unternehmens, einbezogen werden.[4] In der traditionellen Unternehmenstheorie bleiben solche Aspekte oft nicht berücksichtigt.[5]

Das Ziel dieser Arbeit liegt darin, die Möglichkeiten zur Berücksichtigung nicht-finanzieller Aspekte, die durch schwere Messbarkeit gekennzeichnet sind, in einer Unternehmensbewertung zu analysieren. Die resultierenden Ergebnisse der Bewertung sollen Entscheidungen über Investitionen sowie strategische und operative Alternativen unterstützen und müssen nicht unbedingt quantitativ sein.[6] Es wird auf die Rolle der ethischen Unternehmensbewertung für die oben erwähnte Problematik erläutert und auf die konkreten Ansätze bzw. Verfahren zur Bewertung nicht-finanzieller Nutzen eingegangen.

2. Abgrenzung der Bewertung von finanziellen und nicht-finanziellen Nutzen

Unter der klassischen Unternehmensbewertung wird die Ermittlung eines ökonomischen Unternehmenswertes verstanden. Die klassischen Methoden der Unternehmensbewertung basieren nur auf den finanziellen Nutzen. Dabei wird davon ausgegangen, dass bei einer Investitionsentscheidung rein monetäre Ereignisse eine Rolle spielen.[7]

Der Unternehmenswert wird aus der Sicht eines konkreten Käufers oder Verkäufers ermittelt und ist dadurch sehr subjektiv. Wenn einem Käufer aus dem zu erwerbenden Unternehmen z. B. Vorteile aus der Synergie zufließen würden, wäre er dafür bereit, mehr im Vergleich zum anderen Käufer zu zahlen, der keine oder wenige Vorteile aus dem Erwerb ziehen würde.[8] Die Nutzen sind ein Beitrag, der das Bewertungsobjekt für Eigentümer erreicht, um angestrebte Ziele zu erreichen.[9]

Die ersten Bewertungsansätze basieren auf der Bewertung einzelner Vermögensgegenstände abzüglich Schulden. Preise für Vermögensgegenstände, aus denen sich das Unternehmen zusammensetzt, sind auf dem Markt beobachtbar und lassen sich für alle nachvollziehen. Der sogenannte Substanzwert ist ermittelbar, wenn alle Vermögensgegenstände identifizierbar und bewertbar sind. Problematisch ist jedoch bei der Ermittlung des Unternehmenswertes die Bewertung solcher wertbeeinflussender Faktoren wie Know-how der Mitarbeiter, Qualität von Kundenbeziehungen, Image etc. Aus diesem Grunde sind die sogenannten Gesamtbewertungsverfahren entstanden, die das Unternehmen als eine Einheit bewerten.[10] Besonderes bekannt sind in Deutschland Gesamtbewertungsverfahren wie Ertragswertmethode und Discounted-Cashflow-Methode. Diese Methoden basieren auf den erwarteten, den Investoren künftig zufließenden Zukunftserfolgen.[11]

Da sich ein Übernahmewert des Unternehmens ohne Einbeziehung von Synergien nicht berechnen lässt, ist es notwendig, aus der Akquisition resultierende Synergieeffekte zu quantifizieren und die entstehenden Zukunftserfolge analog zum Gesamtbewertungsverfahren zu diskontieren. Dadurch entsteht ein Gesamtwert. Dieser soll um die Kosten der Transaktion reduziert und schließlich mit einem Risikoabschlag versehen werden.[12]

Die klassische Unternehmensbewertung berücksichtigt jedoch nicht alle relevanten Aspekte, die für eine Investitionsentscheidung notwendig sind. Vor allem die Integration von Nachhaltigkeitskomponenten in die klassische Unternehmensbewertung ist aus Investorensicht von Bedeutung.

Es gibt verschiedene Bewertungsverfahren, die die Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Aspekte vorsehen (z. B. Environmental Shareholder Value oder Environmental Value Added).[13] Jedoch spielen im Rahmen eines Unternehmens neben den ökologischen auch soziale und ethische Aspekte eine wichtige Rolle.[14] Vor diesem Hintergrund wurde der Sustainable-Value-Ansatz entwickelt, der nicht nur ökonomische und ökologische Aspekte eines Unternehmens bewertet, sondern auch soziale und ethische Komponenten in der Bewertung vorsieht.[15]

Der Sustainable Value ist ein Opportunitätskosten-Ansatz, der den finanziellen Nutzen aus der Investition in die Nachhaltigkeit bewertet.[16] Während bei der klassischen Unternehmensbewertung nur der Einsatz von ökonomischen Ressourcen einen Mehrwert schafft, werden im Rahmen von Sustainable Value auch ökologische und soziale Ressourcen als wertschaffend betrachtet. Die Kosten für eine Ressource lassen sich dabei durch die Höhe des entgangenen Ertrages beim alternativen Einsatz bewerten.[17] Somit stellt der Sustainable Value einen umfassenden Ansatz dar, der den finanziellen Nutzen aus allen vom Unternehmen eingesetzten Ressourcen ermittelt, wobei lediglich die quantifizierbaren Ressourcen bewertet werden können.[18]

Die oben beschriebenen ökonomischen Bewertungsverfahren können im Rahmen der Ermittlung einer optimalen Aquisitionsstrategie (z. B. interner Wachstum oder externer Wachstum) nur bedingt angewendet werden. Denn in diesem Fall entstehen wiederholt Entscheidungssituationen, in denen strategieabhängige Unternehmenskonfigurationen als Alternativen miteinander verglichen werden sollen. Die wesentliche Aufgabe besteht darin, die bestmögliche Alternative zu bestimmen, wobei der konkrete Unternehmenswert nicht unbedingt als Entscheidungsbasis dienen muss. Zum Einsatz können multikriterielle Bewertungsverfahren herangezogen werden, denen keine einheitliche Bezugsgröße - nämlich in Form eines Unternehmenswertes - als Entscheidungsgrundlage zugrunde liegt. Bei der Entscheidungsfindung wird hingegen eine Reihe von Informationen und Einschätzungen, die nicht nur quantitativer, sondern auch qualitativer Natur sein können, berücksichtigt. Dabei können Zielkonflikte entstehen, die zu multikriteriellen Entscheidungsproblemen führen. Diese können mit Hilfe entsprechender multikriterieller Bewertungsverfahren gelöst werden, wobei die entstehenden Handlungsalternativen bezüglich mehrerer Ziele bzw. Kriterien mit dem Ziel, die beste Alternative mit dem höchsten Nutzen zu identifizieren, untereinander verglichen werden. Der Unterschied zwischen den einzelnen multikriteriellen Ansätzen besteht darin, inwieweit der Entscheidungsträger bei der Festlegung der Arten- und Höhenpräferenzen methodisch unterstütz wird.[19]

Kapitel 4 dieser Arbeit fokussiert sich auf die oben beschriebenen multikriteriellen Bewertungsverfahren, die bei mehrfacher Zielsetzung sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Nutzen bewerten. Vor allem auf die Nutzwertanalyse (NWA) und den Analytic Hierarchy Process (AHP) wird im späteren Verlauf der Arbeit detaillierter eingegangen.

3. Erweiterung der klassischen Unternehmensbewertung durch Bewertung von nicht- finanziellen Nutzen

3.1 Einführung in die ethische Unternehmensbewertung

Eine Investition in ein Unternehmen verbindet in der Regel sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Ziele des potenziellen Unternehmenseigentümers. Die Bewertung unterstützt den Anleger bei Entscheidungen über die Investitionen und strategische sowie operative Alternativen, wobei das Ergebnis nicht zwangsläufig eine quantitative Größe darstellen muss.[20]

Wie bereits in den vorherigen Kapiteln erwähnt, berücksichtigt der umfassende Sustainable-Value-Ansatz lediglich quantifizierbare Ressourcen im Unternehmenswert. Die ethische Unternehmensbewertung erfasst ökologische, ethische und soziale Aspekte, die nicht-finanzielle Nutzen darstellen, und ergänzt, aber nicht ersetzt die finanzielle Unternehmensbewertung. Der Wert des Nutzens hängt von den subjektiven Wertvorstellungen des Investors ab.[21] Zur Unterstützung der Investitionsentscheidungen stehen Investoren unterschiedliche ökologische und ethische Ratings zur Verfügung, die auf bestimmten vordefinierten Kriterienkatalogen basieren.

Verschiedene Ratingverfahren zeichnen sich durch durchaus identische ökologische Bewertungskriterien aus, während bei sozialen und ethischen Aspekten eine Vielzahl an unterschiedlichen Faktoren berücksichtigt wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine passende Ratingagentur zu finden, deren ethische und moralische Vorstellungen mit denjenigen des Anlegers weitgehend übereinstimmen.[22]

Die Projektgruppe „Ethisch-ökologisches Rating“ entwickelte einen Kriterienkatalog, der ein breites Spektrum an möglichen Bewertungskriterien zur Unterstützung der ethischen Unternehmensbewertung umfasst. Er verortet ökologische, soziale und ethische Aspekte im umfassenden Sinne und wird als Frankfurter-Hohenheimer Leitfaden (FHL) bezeichnet. Zur möglichst umfangreichsten Anwendung der oben genannten Kriteriologie wurde in Zusammenarbeit mit der Ratingagentur oekom research AG das Corporate-Responsibility-Rating-Konzept entwickelt, das etwa 800 Unternehmen aus über 25 Branchen analysiert.[23]

3.2 Der Frankfurter-Hohenheimer Leitfaden (FHL)

Der FHL wurde von Ökonomen, Philosophen, Ethikern und Theologen zur ethischen Unternehmensbewertung entwickelt.[24] Ihm liegt die Wertbaumanalyse von Ortwin Renn zu Grunde, die die drei Hauptkriterien Kulturverträglichkeit, Sozialverträglichkeit und Naturverträglichkeit umfasst.[25]

[...]


[1] Vgl. Ballwieser, W. (1990), S. 5-7.

[2] Vgl. Schultze, W. (2003), S. 293-295.

[3] Vgl. Serfing, K. / Pape, U. (1995), S. 811.

[4] Vgl. Lillich, L. (1992), S. 1.

[5] Vgl. Heinen, E. (1976), S. 49.

[6] Vgl. Loderer, C. / Jörg, P. / Pichler, K. u. a. (2007), S. 13.

[7] Vgl. Schultze, W. (2003), S. 23.

[8] Vgl. Klein, R. (2003), S. 130.

[9] Vgl. Schultze, W. (2003), S. 19.

[10] Vgl. Schultze, W. (2003), S. 18f.

[11] Vgl. Schultze, W. (2003), S. 71f.

[12] Vgl. Klein, R. (2003), S. 131-135.

[13] Vgl. Coenenberg, A. / Schultze, W. / Wahl, M. (2010), S. 122.

[14] Vgl. Schneider, H. (2001), S. 15.

[15] Vgl. Coenenberg, A. / Schultze, W. / Wahl, M. (2010), S. 122.

[16] Vgl. Prammer, H. (2010), S. 58.

[17] Vgl. Behrendt, S. (2010), S. 133.

[18] Vgl. Figge, F. / Hahn, T. / Liesen, A. u. a. (2007), S. 74f.

[19] Vgl. Klein, R. (2003), S. 133-135.

[20] Vgl. Loderer, C. / Jörg, P. / Pichler, K. u. a. (2007), S. 13.

[21] Vgl. Enderle, G. / Homann, K. / Honecker, M. (1993), S. 1108-1112.

[22] Vgl. Schneider, H.-A. (2001), S. 202f.

[23] Vgl. Hoffmann, J. / Scherhorn, G. (2002), S. 5.

[24] Vgl. Balz, B. / Döpfner, C. / Forthmann, K. u. a. (2002), S. 18.

[25] Vgl. Balz, B. / Döpfner, C. / Forthmann, K. u. a. (2002), S. 22.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Berücksichtigung des nicht finanziellen Nutzens bei der Unternehmensbewertung
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Unternehmensbewertung
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V447331
ISBN (eBook)
9783668829664
ISBN (Buch)
9783668829671
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Berücksichtigung des nicht finanziellen Nutzens bei der Unternehmensbewertung
Arbeit zitieren
Oksana Neigum (Autor), 2018, Die Berücksichtigung des nicht finanziellen Nutzens bei der Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/447331

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