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Das bekommen-Passiv im Deutschen

Title: Das bekommen-Passiv im Deutschen

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Maxim Pimanyonok (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Das Deutsche verfügt über eine Konstruktion, die von Grammatikern als bekommen-Passiv, Dativpassiv, Adressatenpassiv, Rezipientenpassiv oder indirektes Passiv bezeichnet wird. Sie weist ein auxiliar verwendetes bekommen/kriegen/erhalten plus Partizip II und enthält ein grammatisches Subjekt, das einem Aktivsatz-Dativ entspricht (Leirbukt 1987).

Die Einordnung der Konstruktion des Typs “Er bekommt ein Buch geschenkt“ als Passiv wird auch heutzutage noch kontrovers diskutiert. Die Verfasser der Grammatik der deutschen Sprache (Zifonun u.a. 1997) sind der Meinung, dass die bisher vorgebrachten Argumente für die Annahme eines bekommen-Passivs im Deutschen stärker ins Gewicht fallen als die Argumente dagegen. Im Rahmen ihrer Grammatik nehmen Zifonun u.a. daher ein bekommen-Passiv an, ordnen es jedoch eher der Peripherie der Konstruktion zu, weil nicht alle für das Passiv konstitutiven Bedingungen hier erfüllt sind.

In ihren Grammatiken stufen Helbig und Buscha (1998) so eine Konstruktion als eine Passiv-Paraphrase und Hentschel und Weydt (1994) als eine Passivperiphrase ein. Helbig und Buscha schreiben: „Passiv-Parahrasen sind Konkurrenzformen des Passivs, sind aktivische Formen mit passivischer Bedeutung, d.h. solche aktivische Formen, bei denen das Subjekt nicht das Agens ausdrückt und denen eine reguläre Passivform entspricht.“ (Helbig/Buscha 1998) und teilen die Konstruktion mit bekommen/erhalten/kriegen + Partizip II in die Gruppe der Konkurrenzformen des Passivs ohne Modalfaktor ein.

Im Lexikon der Sprachwissenschaft (Bußmann 2002) wird das bekommen-Passiv als der Gruppe des Vorgangspassivs zugehörend angesehen.

Engel (1996) stuft in seiner Grammatik das bekommen-Passiv in die Gruppe „Volles Passiv“ ein, zu der auch werden-Passiv, sein-Passiv und gehören-Passiv zählen.

In dieser Arbeit möchte ich die Restriktionen des bekommen-Passivs untersuchen, d.h. die Fälle, in denen diese Konstruktion nicht bildbar ist. Ob das bekommen-Passiv eine vollendete grammatische Konstruktion ist oder es sich in einer Übergangsphase befindet? Dieses wird im zweiten Kapitel behandelt, welches den Problemen der Grammatikalisierung des bekommen-Passivs gewidmet ist. Weiter versuche ich die Distribution der Hilfsverben bekommen/kriegen/erhalten zu beschreiben, d.h. von welchen Kriterien die Wahl einer der drei Hilfsverbvarianten abhängt. Zum Schluss untersuche ich den Gebrauch des bekommen-Passivs in der heutigen journalistischen Prosa.

Excerpt


Gliederung

Einleitung

1. Restriktionen des bekommen-Passivs

2. Grammatikalisierung des bekommen-Passivs

3. Die Hilfsverben des bekommen-Passivs

4. Das bekommen-Passiv in der journalistischen Prosa

Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das sogenannte bekommen-Passiv im Deutschen unter linguistischen Gesichtspunkten, insbesondere hinsichtlich seiner grammatischen Bildungsrestriktionen, seines Grammatikalisierungsprozesses und der Distribution der beteiligten Hilfsverben.

  • Grammatische Beschränkungen und Restriktionen der Konstruktion
  • Prozess der Grammatikalisierung und Stufen der Entwicklung
  • Semantische und stilistische Analyse der Hilfsverben bekommen, kriegen und erhalten
  • Gebrauch des bekommen-Passivs in der aktuellen journalistischen Sprache

Auszug aus dem Buch

2. Grammatikalisierung des bekommen-Passivs

Unter Grammatikalisierung versteht man einen „Sprachwandelprozess, in dessen Verlauf eine autonome lexikalische Einheit allmählich die Funktion einer abgängigen grammatischen Kategorie erwirbt“ (Bußmann 2002:260). Heine (1993:27) macht im Zusammenhang mit der Grammatikalisierung folgende Bemerkungen:

• Die Entstehung und Entwicklung von grammatischen Kategorien führt von lexikalischen zu grammatischen und von grammatischen zu stärker grammatischen Formen, verläuft also unidirektional.

• Dieser Übergang von lexikalischen zu grammatischen Formen ist durch Kontinuität gekennzeichnet und kann formelhaft beschrieben werden: A? AB? B, wobei A die konkrete Ausgangsform und B die stärker abstrakte Endform symbolisiert. AB ist eine Übergangsform, die durch das gleichzeitige Nebeneinander der Ausgangs- und der Endform gekennzeichnet ist, das so etwas bedeutet, dass sprachliche Ausdrücke der Übergangsform doppeldeutig sind, da sie sowohl als der Ausgangsform A als der Endform B zugehörig angesehen werden können.

• Diese Entwicklung spiegelt sich nicht nur in einer diachronen, sondern auch gleichzeitig in einer synchronen Form einer Sprache wieder, indem die drei genannten Stufen A, AB und B vorkommen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des bekommen-Passivs und der unterschiedlichen Einordnungen in der grammatischen Fachliteratur sowie Darlegung des Untersuchungsgegenstandes.

1. Restriktionen des bekommen-Passivs: Analyse der Bedingungen, unter denen die Konstruktion nicht bildbar ist, insbesondere im Hinblick auf die Valenz der Verben.

2. Grammatikalisierung des bekommen-Passivs: Untersuchung der Entwicklung von einer autonomen lexikalischen Einheit hin zur grammatischen Kategorie anhand eines Stufenmodells.

3. Die Hilfsverben des bekommen-Passivs: Differenzierung der Hilfsverben bekommen, kriegen und erhalten nach syntaktischen, semantischen und stilistischen Kriterien.

4. Das bekommen-Passiv in der journalistischen Prosa: Empirische Untersuchung zur Häufigkeit und Verwendung der Konstruktion in einem Nachrichtenmagazin.

Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse zu Restriktionen, Grammatikalisierung, Hilfsverbverteilung und journalistischem Sprachgebrauch.

Schlüsselwörter

bekommen-Passiv, Dativpassiv, Grammatikalisierung, Hilfsverben, Sprachwandel, Syntax, Valenz, Restriktionen, Rezipientenpassiv, journalistische Prosa, linguistische Analyse, Sprachgebrauch, Diathesen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Konstruktion des bekommen-Passivs im Deutschen, die häufig auch als Dativ- oder Rezipientenpassiv bezeichnet wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf den bildungsrelevanten Restriktionen, dem theoretischen Grammatikalisierungsprozess sowie der differenzierten Verwendung der Hilfsverben bekommen, kriegen und erhalten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, ob das bekommen-Passiv eine vollendete grammatische Konstruktion darstellt oder sich noch in einer Übergangsphase befindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär genutzt?

Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Analyse der Fachliteratur und vergleicht diese mit konkreten Beispielen sowie einem korpusbasierten Ansatz in der journalistischen Prosa.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung syntaktischer Restriktionen, die theoretische Herleitung der Grammatikalisierung und die stilspezifische Distribution der Hilfsverbvarianten.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Dativpassiv, Sprachwandel, Grammatikalisierung, Valenz und die drei Hilfsverben bekommen, kriegen sowie erhalten.

Wie unterscheiden sich die drei Hilfsverben in ihrer Verwendung?

Während bekommen stilistisch neutral ist, wird erhalten oft dem Behördenstil zugeordnet, und kriegen ist primär auf die mündliche oder umgangssprachliche Ebene beschränkt.

Welches Ergebnis liefert die Untersuchung in der journalistischen Prosa?

In der Analyse des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" konnte das bekommen-Passiv nur sehr selten nachgewiesen werden, was auf einen begrenzten Gebrauch in dieser Textsorte hindeutet.

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Details

Title
Das bekommen-Passiv im Deutschen
College
University of Hannover  (Fachbereich Literatur- und Sprachwissenschaften)
Course
Hauptseminar: Diathesen
Grade
1,0
Author
Maxim Pimanyonok (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V44776
ISBN (eBook)
9783638423076
ISBN (Book)
9783638763486
Language
German
Tags
Deutschen Hauptseminar Diathesen Passiv bekommen-Passiv Grammatikalisierung Dativpassiv Rezipientenpassiv indirektes Passiv Passivperiphrase Passivform Passivformen Verb Verben Verbformen Grammatik deutsche Grammatik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maxim Pimanyonok (Author), 2004, Das bekommen-Passiv im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44776
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