Mediation zwischen Therapie und Beratung am Beispiel der Trennungs- und Scheidungsmediation


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein Konflikt

3. Das Konfliktstufenmodell
3.1. Stufe eins: Verhärtung
3.2. Stufe zwei: Debatte und Polemik
3.3. Stufe drei: Taten statt Worte
3.4. Stufe vier: Sorge um Image und Koalition
3.5. Stufe fünf: Gesichtsverlust
3.6. Stufe sechs: Drohstrategien
3.7. Stufe sieben: begrenzte Vernichtungsschläge
3.8. Stufe acht: Zersplitterung
3.9. Stufe neun: Gemeinsam in den Abgrund

4. Mediation
4.1. Die Position von Mediation im Konfliktstufenmodell

5. Therapie
5.1. Die Position der Therapie im Konfliktstufenmodell

6. Beratung
6.1. Die Position der Beratung im Konfliktstufenmodell

7. Zusammenfassung

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft ist die Scheidung mittlerweile ein akzeptierter Weg zur Lösung von Konflikten in der Ehe geworden. Dies beweisen die Scheidungsraten, welche in der Bundesrepublik seit 1970 kontinuierlich angestiegen sind. Jede dritte Ehe in den alten Bundesländern wird geschieden, in den neuen Bundesländern beinah jede zweite.

Ehescheidungen sind eine komplexe Angelegenheit: zu den ohnehin schon schwierigen Themen wie Kinder, Unterhalt, Wohnen und Vermögensaufteilung, kommen noch starke emotionale Komponenten wie Angst, Enttäuschung, Kränkung und Wut hinzu. Ohne Konsens kommt es zur gerichtlichen Auseinandersetzung mit all ihren Folgen und Unsicherheiten. Ein Prozess dauert lang, kostet viel Geld und beide Parteien gehen am Ende völlig zerstritten heraus: einer als Verlierer, der andere als Gewinner. In solch einer Krisenzeit ist es oftmals hilfreicher sich professionellen Rat und Unterstützung durch einen Mediator, einen Berater oder einen Therapeuten zu holen.

Um auf das Problem der Konfliktlösung einzugehen, werde ich in der vorliegenden Arbeit als erstes der Frage nachgehen, was genau ein Konflikt ist, sowie die neun Stufen eines Konfliktes von der Verhärtung bis hin zum gemeinsamen Sturz in den Abgrund erläutern. Dies werde ich anhand Glasl´s Konfliktstufenmodell erläutern, welches den größten Teil meiner Arbeit einnimmt.

Anhand dieses Konfliktstufenmodells werde ich zum Schluss, unter dem besonderen Aspekt der Scheidung, auf die Begriffe Beratung, Therapie und Mediation eingehen, wo deren Unterschiede liegen und vor allem ab welcher Stufe eines Konflikts es sinnvoll ist, einen Berater, einen Therapeuten oder einen Mediator zu konsultieren.

2. Was ist ein Konflikt

Berlow (1977 in Beck/Schwarz 1995, S. 21) sieht einen Konflikt als gegeben, „wenn man untereinander eine Uneinigkeit hat“. Weiterhin bezeichnet ein Konflikt jede Beziehung von Elementen, „die sich durch objektive (latente) oder subjektive (manifeste) Gegensätzlichkeit auszeichnet“ (vgl. Dahrendorf 1961 in Beck/Schwarz 1995, S. 21). Kriegsberg (1973, in Beck/Schwarz 1995, S. 22) geht diesbezüglich auch auf die Anzahl der Mitglieder des Konfliktes ein: „Social conflict is a relationship between two or more parties who (or whose spokesmen) believe they have incompatible goals“. Ein Konflikt im engeren Sinne entsteht nach Röhl (1987b, S. 453) dann, wenn mindestens einer der Beteiligten das ursprüngliche Ziel über den Umweg Behinderung, Schwächung oder Eliminierung des anderen Beteiligten verfolgt. Ein Konflikt kann aber auch innerhalb einer Person auftreten (vgl. Beck/Schwarz 1995, S. 22).

Glasl (2004, S.14f) definiert einen sozialen Konflikt als „eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen, usw.), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeit im Denken, Vorstellen, Wahrnehmen, und/oder Fühlen und /oder Wollen mit dem anderen Aktor (anderen Aktoren) in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolgt“.

Demnach sind unvereinbare Interessen und Ziele Merkmale eines Konfliktes, aber auch Wahrnehmungen, Gefühle, Verhalten und Ergebnisse, durch die eine Seite sich verletzt oder gefährdet sieht, spielen hierbei eine Rolle.

Konflikte können unterschieden werden nach ihren Streitgegenständen (z.B. Geld, Kinder), nach ihrem Erscheinungsbild (latent/manifest, schwach/ extrem, institutionalisiert/formgebunden, symbolisch/ ritualisiert/ reglementiert) sowie nach den Eigenschaften der Konfliktparteien (intrapersonell/ interpersonell, intra-Gruppenkonflikt/ inter-Gruppenkonflikt)(vgl. Beck/Schwarz 1995, S. 22ff).

3. Das Konfliktstufenmodell

Glasl stellt den Eskalationsprozess als eine Abwärtsbewegung dar: „Es ist eine Bewegung über Stromschnellen, die zu einer zunehmenden sozialen Turbulenz führt“ (vgl. Glasl 2004, S. 233). Mit der Abwärtsbewegung soll ausgedrückt werden, „dass der Weg der Eskalation mit einer zwingenden Kraft in Regionen führt, die große unmenschliche Energien aufrufen, die sich jedoch auf die Dauer der menschlichen Steuerung und Beherrschung entziehen“ (vgl. ebd.), da sich die Konfliktparteien einerseits auf einem abschüssigen, steilen und wenig Halt bietenden Gelände bewegen und andererseits durch ihr Verhalten Energien wecken, welche zu einer Verstärkung und Beschleunigung des Geschehens führen. Durch diesen entstandenen Geschwindigkeits- und Bewegungsrausch schwindet die Fähigkeit der Steuerung (vgl. ebd.).

3.1. Stufe eins: Verhärtung

Die erste Stufe der Eskalation unterscheidet sich kaum von den alltäglichen Spannungen und Reibungen im Umgang mit anderen: Es kristallisieren sich Standpunkte und Meinungen heraus und nehmen starre Formen an. Diese Standpunkte verfestigen sich und beginnen sich gegenseitig auszuschließen. Die Parteien verzerren in ihrer Wahrnehmung die Dinge und Geschehnisse, sie entwickeln einen schärferen Blick für alles, was die verschiedenen Gruppen voneinander unterscheidet und stufen die Qualität des eigenen Standpunktes höher ein, als die der Gegengruppe. Auf Grund dessen kristallisieren sich verschiedene Rollenerwartungen der beteiligten Personen heraus, was wiederum Einseitigkeiten im Auftreten sowie Festschreibungen im Funktionieren des einzelnen fördert.

Die Zielrichtungen der Parteien weichen in vielerlei Hinsicht voneinander ab und unterschiedliche Grundhaltungen und anderes Erleben sind gegeben. Die Wahrnehmungsfähigkeit für solche Reibungen nimmt zu und verstärkt sich beim Auftreten solcher Gegensätze, was zur Folge hat, dass bei der nächsten Gespanntheit das Auftreten der Störung erwartet wird.

Die verschiedenen Ich-Positionen korrespondieren auf dieser Stufe und sind komplementär. Die Parteien bedienen sich verbaler Mittel zur Auseinandersetzung und gegenseitigen Beeinflussung und versuchen durch den Einsatz rhetorischer Mittel und logischer Operationen die Gegenseite intellektuell unter Druck zu setzen und damit deren Zustimmung zu erwirken. Dies verschärft die Positionen und provoziert Polarisation im Denken und im Verhältnis zwischen den Parteien. Weiterhin setzen die Parteien Taktiken ein, die auf die Gefühle der gegenseitigen Partei einwirken. Dies führt zu Vieldeutigkeit in der Kommunikation, was zu Fehlinterpretationen und somit zu einer Erweiterung des Konfliktes führen kann.

3.2. Stufe zwei: Debatte und Polemik

Ist es den Parteien nicht gelungen das gelegentliche Abgleiten zu unterbinden, so werden in dieser Phase rigorose Haltungen eingenommen, harte verbale Kommunikation wird nicht gescheut und es wird sich schärferer Mittel bedient um seinen Standpunkt durchzusetzen. Durch die einerseits gemeinsamen Ziele und Interessen und andererseits konkurrierenden Interessen und Ideen, treten bei den Parteien gemischte Gefühle auf. Es kommt zu einer Mischung von kooperativen und kompetitiven Einstellungen.

Ab hier wird die Verteidigung dieser Standpunkte zur reinen Prestigesache. Jetzt geht es nicht nur noch darum welches der bessere Standpunkt ist, sondern auch wer diesen besser vertritt. Eine wesentliche Änderung des sozialen Klimas unter den Parteien ist nun zu beobachten. Kritische Vorbehalte, Argwohn, Misstrauen sowie Irritationen herrschen vor. Die Interaktion zwischen den Parteien erlangt somit das Ziel des Behauptens und Wiederherstellens des Gleichgewichtes.

Auf dieser Stufe des Konfliktes geht es den Parteien hauptsächlich um die Haltung des Dominierens, um der Gegenseite zu imponieren, womit die Gegenseite mit Parieren antwortet. Gelingt dies, gewinnt die Partei an Achtung. Die Gespräche werden mehr und mehr zu Debatten. Die Gegenseite beharrt auf dem Standpunkt und versteift sich auf ein abweisendes Verhalten. Verletzungen bestehender Normen werden aufgegriffen und der Gegenseite vorgeworfen, was den gegenseitigen Argwohn und die Befangenheit verstärkt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Mediation zwischen Therapie und Beratung am Beispiel der Trennungs- und Scheidungsmediation
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Familienmediation, 2. Semester
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V44791
ISBN (eBook)
9783638423212
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Therapie, Beratung, Beispiel, Trennungs-, Scheidungsmediation, Familienmediation, Semester
Arbeit zitieren
Nicole Burghardt (Autor), 2005, Mediation zwischen Therapie und Beratung am Beispiel der Trennungs- und Scheidungsmediation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44791

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