Diese Arbeit untersucht vor dem Hintergrund des Familienrechts den Fall des Aufenthalts von Kindern getrennt lebender Familien.
Die gesetzliche Regelung des Sorgerechts und als Teil von diesem die Bestimmung des Kindeswohnorts steht, trotz einer ganzen Kette vergangener Reformen, im Zusammenhang mit den so genannten Wechselmodellen erneut in intensiver Diskussion.
Im Rahmen dieser Arbeit soll neben einer, angesichts der Fülle des aktuellen Materials notwendig nur skizzenhaften Darstellung des aktuellen Diskussionsstands, der Versuch einer Synthese der gegensätzlichen Positionen unternommen werden.
Gelenkt durch die aktuellen Erläuterungen des Bundesverfassungsgerichtes wird insofern die These untersucht, ob angesichts der alles überstrahlenden Stellung des individuellen Kindeswohls, bei allen Problemen einer vorurteilsfreien Behandlung dieses Begriffs der teils heftig geführte Streit, insbesondere um die Frage des gesetzlichen Leitbilds, nicht letztlich obsolet ist.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einordnung der Problematik
- I.1. Die aktuelle Diskussion und ihre Historie
- I.2. Modellbezeichnungen und ihre Suggestionen
- I.3. Rechtsvergleichendes
- I.4. Einige Randfragen
- II. Die Rechtslage zu Residenz und Wechselmodell
- II.1. Residenzmodell als klassischer Standardfall
- II.2. Einvernehmliches Wechselmodell gemäß Art. 6 (2) GG als gesellschaftlich zunehmend gelebte Alternative
- II.2.1. Inkompatibilität mit §1687
- II.2.2. Unterhalt
- II.2.3. Kindergeld, Schule, sonstige Problemfälle
- II.3. Der Diskurs zur gerichtlichen Anordnungsmöglichkeit eines Wechselmodells bei Dissens der Eltern
- II.3.1. Analoge Anwendung § 1671
- II.3.2. Sorgelösung
- II.3.3. Umgangslösung
- II.3.4. Anordnung im Rahmen des §1666
- II.3.5. Einige aktuelle Entscheidungen
- III. Typische Kindeswohlargumentationen zu Residenz- und Wechselmodell
- III.1.1. Kontinuitätsgrundsatz
- III.1.2. Belastung durch häufigen Wechsel
- III.1.3. Elterliche Voraussetzungen
- III.1.4. Bindungstoleranz
- III.1.5. Kindeswille
- III.1.6. Belastung durch den Elternkonflikt
- III.1.7. Sonstige Argumente zu Residenz und Wechselmodell
- IV. Diskussion und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Thema des Aufenthalts von Kindern getrennt lebender Familien. Sie analysiert die aktuelle Rechtslage, identifiziert Probleme und diskutiert alternative Modelle.
- Die aktuelle Diskussion und ihre Historie
- Die Rechtslage zu Residenz und Wechselmodell
- Typische Kindeswohlargumentationen zu Residenz- und Wechselmodell
- Alternative Modelle und deren Rechtlichkeit
- Fazit und kritische Würdigung
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I führt in die Thematik ein und beleuchtet die aktuelle Diskussion sowie deren historische Entwicklung. Es werden verschiedene Modellbezeichnungen und deren implizite Suggestionen betrachtet. Zudem wird ein rechtsvergleichender Überblick gegeben und einige Randfragen des Themas beleuchtet.
Kapitel II beschäftigt sich mit der Rechtslage zu Residenz- und Wechselmodell. Das Residenzmodell wird als klassischer Standardfall dargestellt, während das Wechselmodell als zunehmend gelebte Alternative vorgestellt wird. Hierbei werden auch die Problemfelder der Inkompatibilität mit §1687, der Unterhalt, das Kindergeld sowie weitere Problemfälle beleuchtet. Der Diskurs zur gerichtlichen Anordnungsmöglichkeit eines Wechselmodells bei Dissens der Eltern wird ausführlich untersucht, indem verschiedene rechtliche Argumente wie die analoge Anwendung von § 1671, Sorgelösung, Umgangslösung, Anordnung im Rahmen des §1666 und aktuelle Gerichtsentscheidungen besprochen werden.
Kapitel III geht auf typische Kindeswohlargumentationen zu Residenz- und Wechselmodell ein. Die Argumente des Kontinuitätsgrundsatzes, der Belastung durch häufigen Wechsel, der elterlichen Voraussetzungen, der Bindungstoleranz, des Kindeswillens, der Belastung durch den Elternkonflikt und weiterer Aspekte werden im Detail analysiert.
Schlüsselwörter
Kinderrecht, Familienrecht, Trennung, Scheidung, Residenzmodell, Wechselmodell, Kindeswohl, Sorgerecht, Umgang, Unterhalt, Rechtsvergleichung, Rechtsprechung, gerichtliche Anordnung
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Residenzmodell und Wechselmodell?
Im Residenzmodell lebt das Kind primär bei einem Elternteil; im Wechselmodell teilen sich beide Eltern die Betreuung zeitlich annähernd hälftig auf.
Kann ein Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden?
Die Arbeit untersucht den Diskurs zur gerichtlichen Anordnungsmöglichkeit bei Dissens und beleuchtet aktuelle Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts.
Welche Rolle spielt das Kindeswohl bei der Modellwahl?
Das Kindeswohl ist der alles überstrahlende Maßstab; Argumente wie Kontinuität vs. Bindungstoleranz werden gegeneinander abgewogen.
Welche rechtlichen Probleme ergeben sich beim Wechselmodell?
Schwierigkeiten entstehen oft bei der Berechnung des Unterhalts, der Aufteilung des Kindergeldes und der Inkompatibilität mit § 1687 BGB.
Was besagt der Kontinuitätsgrundsatz?
Er besagt, dass stabile Lebensverhältnisse und die Beibehaltung der bisherigen Betreuungssituation in der Regel dem Wohl des Kindes am besten entsprechen.
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- Rolf Bensel (Author), 2016, Private Rechtsgestaltung und Prozessführung im Familienrecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448377