Alexandria als antikes Zentrum des Wissens der Welt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Intention und Forschungsstand

2. Kurze Geschichte des Ptolemaierreiches und der Stadt „Alexandria ad Aegyptum“

3. Das Museion – Die Akademie von Alexandria

4. Die große Bibliothek von Alexandria
4.1 Die Bibliothek und ihr Programm
4.2 Der Bestand der Bibliothek und seine Verwaltung
4.3 Die Tradition der Textkritik in Alexandria
4.4 Das fragwürdige Ende

5. Zusammenfassung

6. Epilog: Die „neue“ Bibliothek von Alexandria

Bibliographie

Anhang: rekonstruierter Stadtplan des hellenistischen Alexandrias

1. Einleitung: Intention und Forschungsstand

Die Verwendung des Superlativs bei der Betrachtung der alten Bibliothek von Alexandria ist auffällig: alles an dieser Bibliothek scheint großartig gewesen zu sein, dem damaligen und wahrscheinlich auch dem heutigen menschlichen Verstand und Fassungsvermögen gleichsam entrückt. Lionel Casson resümiert: „The library of Alexandria, founded around 300 B.C. or a few decades later, was the first of ist kind, and throughout ancient history remained the greatest of its kind.”[1] Auch Bernd Seidensticker schließt sich diesen Aussagen an: “An Berühmtheit stand die große Bibliothek – he megale bibliotheke, wie die Antike sie nannte – nicht hinter dem Leuchtturm von Pharos, dem Wahrzeichen und Weltwunder, zurück.“[2] Und etwas später in seinem Aufsatz: „Die Bibliothek der Könige stieß in eine ganz neue Dimension vor, die in der Antike unerreicht geblieben ist.“[3] Und ebenso Viktor Gardthausen in einem bereits älteren Aufsatz: „Diese große Bibliothek […] blühte auf und wurde bald die umfangreichste und wichtigste des ganzen Altertums; sie hat diesen Ehrenplatz 1 ½ Jahrtausende behauptet, bis zur Erfindung des Buchdrucks, denn wir wissen nicht, dass eine der späteren Gründungen, sei es der pergamenischen Könige, sei es der römischen oder byzantinischen Kaiser, jemals über solche Büchermassen verfügte.“[4]

Jene Bibliothek mit ihrem wissenschaftlichen Umfeld soll eine zentrale Stellung in dieser Untersuchung einnehmen. Uwe Jochum zeichnet im Vorwort zu seiner kompakten „Bibliotheksgeschichte“ ein verhaltenes und negatives Bild vom Interesse der breiten Forschung an der eigentlichen Grundlage ihrer Forschung.[5] Denn dies ist unbestritten – Bibliotheken ermöglichen erst das wissenschaftliche Arbeiten, indem sie das Material zur Verfügung stellen, welches dann ausgewertet wird.[6] Wenn Uwe Jochum nun behauptet, dass sich die Forschung eigentlich kaum für die Bibliotheken interessiert[7], so trifft dies auf die Bibliothek von Alexandria kaum zu. Dieser bereits zum Mythos seiner selbst gewordene Ort[8], hat die Forschung schon immer beschäftigt.[9] Zu erklären ist dies wohl damit, dass man die Bibliothek von Alexandria unter mehreren Gesichtspunkten betrachten kann: Einmal unter bibliothekswissenschaftlichen, indem man den Aufbau der Sammlung und den Erwerb, sowie die Methode der Weitergabe von Büchern betrachtet. Zum anderen kann man die Bibliothek aber auch in einen viel größeren Kontext einordnen und ihre kulturelle Wirkung in der antiken Welt untersuchen. Nicht zuletzt kann man sie als Stätte der Forschung sehen, in Verbindung mit der in Alexandria ansässigen Akademie.

Beachtenswert in der Verbindung aller drei Punkte ist das von Luciano Canfora publizierte Werk „Die verschwundene Bibliothek“[10]. Es fasst den Stand der Forschung im Bezug auf die Bibliothek von Alexandria sehr detailliert zusammen und setzte somit auch Maßstäbe in der Forschung. Dies zeigt sich darin, dass in fast allen späteren Arbeiten[11] bei den entscheidenden Fragen der Bezug zu Canfora hergestellt wird. Die Fragen sind dabei immer wieder die gleichen: (1.) Wann wurde die Bibliothek gegründet und was bezweckte sie? (2.) Welchen Umfang hatte die Sammlung und wie muss man sich die Akkumulation von Werken in der Bibliothek vorstellen? (3.) Wie sah die Arbeit in der Bibliothek selber aus? Und schließlich die bedeutenste und kontrovers diskutierteste Frage: (4.) Wie sah das Ende der berühmten Bibliothek aus?[12]

All diese Fragen greift auch der brilliante Artikel von Bernd Seidensticker auf, der sich in den Augen des Autors gegenüber Luciano Canfora durch mehr Klarheit und Struktur auszeichnet. Dem Grundgerüst dieses Aufsatz will auch die Arbeit folgen. Zu Beginn soll Alexandrien als Gründung Alexanders des Großen kurz vorgestellt werden, eingebettet in einen knappen historischen Abriss. Dem folgt die Beschreibung des sogenannten Museion, welches die alexandrinische Akademie war. In einem kurzen Exkurs soll hier auch knapp auf allgemeine Merkmale einer antiken Akademie verwiesen werden, wie sie Rudolph Zaunick herausgearbeitet hat.[13] Im dritten Teil soll dann schließlich auf die Bibliothek eingegangen werden, wobei die Arbeit sich der vier, im oberen Abschnitt formulierten, Fragen annimmt und damit der kulturellen Wirkung der sogenannten „verschwundenen Bibliothek“[14] in der Geschichte nachgeht. Ziel der Arbeit ist es, dass kulturelle Phänomenen „Alexandria“ in seiner Gesamtheit zu erfassen, also Museion und Bibliothek – die realiter ebenso als Einheit gedacht werden müssen[15] – umfassend darzustellen. Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass die Arbeit ein verstärkt historische sein wird und weniger eine philologische.

2. Kurze Geschichte des Ptolemaierreiches und der Stadt „Alexandria ad Aegyptum“

Die Gründung von Alexandrien und die Geschichte der berühmten Bibliothek fällt in eine bewegte Zeit. König Philipp II. von Makedonien (359-336 v. Chr.), „der sein Land durch die Herrschaft über die Stadtstaaten des griechischen Mutterlandes zur Großmacht erhoben hatte“[17], wollte auch den letzten großen Rivalen seines Königsreiches bezwingen[16]. Aus diesem Grund begann er einen gewaltigen Kriegzug zu planen; gegen das persische Achämenidenreich.[18] Doch im Jahre 336 v. Chr. folgte ihm sein junger Sohn auf dem Thron nach, nachdem er selbst einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war. Alexander III.[19], schon bald von allen nur noch „der Große“ geheißen, setzte den Plan des Vaters schließlich in die Tat um und begründete damit ein Weltreich.

In den Jahren 334 bis 332 v. Chr. gelingen ihm entscheidende Schläge gegen den persischen König Dareios III. Kodomannos und er kann große Teile Kleinasiens, den heutigen Syriens und Palästina erobern. Er zieht weiter und erobert im Jahre 332 v. Chr. Ägypten, welches ihn wie einen Befreier feiert[20] und gründet 332 v. Chr. eine seiner legendärsten Städte: Alexandria ad Aegyptum. Von hier aus zog er weiter nach Mesopotamien. Er schlug Dareios erneut und nahm die wichtigsten persischen Städte ein: Babylon, Susa und schließlich Persopolis. Dareios floh daraufhin, fiel aber sehr bald einem Mordanschlag aus den eigenen Reihen zum Opfer. Nachdem Alexander sich in Ägypten bereits zum Pharao hatte krönen lassen[21], nahm er nun den Titel eines Großkönigs an.[22] In den nächsten Jahren dehnte er sein Reich immer weiter nach Osten aus, bis sich in Indien seine Truppen weigerten, weiter zu marschieren. Alexander war in seinen Feldzügen bis an die Grenze der bekannten Welt gelangt, konnte sie aber nicht überwinden, da seine Männer zu einem solchen Schritt nicht bereit waren. Der Vorstoß an die eigene oikumene, wie Michael Grant es bezeichnet, ist Teil des Wesens Alexanders gewesen, das oft als „unstillbare[s] Verlangen […], ein weit entferntes, unmöglich scheinendes Ziel zu erreichen“ (photos) bezeichnet wurde.[23] Bei der Vorbereitung eines Kriegszug gen Westen verstarb Alexander dann jedoch im Jahre 323 v. Chr. an den Folgen einer Erkrankung.[24]

„Der erst zweiunddreißigjährige Alexander hinterließ ein Reich, das sich von der Adria und der Kyreneika bis nach Indien erstreckte.“[25] Die Hinterlassenschaft seiner Herrschaft war nicht eindeutig geregelt wurden; Alexanders letzte Weisung kurz vor seinem Tod war wohl lediglich, dass der Stärkste seine Nachfolge antreten sollte[26] und so brachen in den folgenden Jahren die Diadochenkämpfe um das Erbe Alexanders aus. Diese historische Zeit ist äußerst komplex und verwirrend und soll auch für den Inhalt dieser Arbeit in ihrer Vollständigkeit nicht mehr relevant sein.[27]

Für das Verständnis der kulturellen Tragweite der Wissensinstitutionen von Alexandrien ist die Entwicklung Ägyptens nach dem Tod Alexander des Großen bedeutsam. Ptolemaios I., später „Soter“ (= „Retter“) genannt[28], übernahm die Macht im Land und führte seit 305/304 v. Chr. den griechischen Königstitel.[29] Durch sein hohes organisatorisches Talent gelang ein raschen Aufblühen Ägyptens. In den abhängigen Gebieten Syriens und Kleinasien gründete die von Ptolemaios geschaffene Dynastie der Lagiden neue griechische Kolonien, während in Ägypten selbst die neugeschaffenen Städte weiter gefördert wurden – so vor allem Alexandria und Ptolemais, die beide zu Sammelbecken des neuen Griechentums in Ägypten wurden und in Konkurrenz mit den alten ägyptischen Städten Theben und Memphis traten. Dabei wurde Alexandria ad Aegyptum durch Ptolemaios I. Soter besonders herausgehoben, als er in einem geschickten Schachzug den Leichnam Alexanders hierher überführen und in einem prachtvollen Bereich des Palastes beisetzen ließ.[30] Damit machte er die Stadt zum Mittelpunkt der Welt und konstruierte für sich selbst die legitime Nachfolgerschaft von Alexander dem Großen.[31]

Der hatte die Stadt 331 v. Chr. in der Nähe des Dorfes Rhakotis gegründet. Holger Sonnabend bemerkt deswegen auch ganz richtig, dass es im eigentlichen Sinne keine Neugründung war, sondern dass man „an bestehende Siedlungselemente“[32] anknüpfte. Die Forschung unterstellt Alexander einstimmig große Weitsicht bei der Planung und Anlage dieser Stadt, die wohl von Anfang an als ein urbanes Zentrum gedacht war, als sogenannte „Großstadt“[33], wie Sonnabend es bezeichnet. Entscheidend war dabei die Wahl der Lage der Stadt.

„Gewählt wurde […] der Platz auf der Landzunge zwischen dem Mittelmeer und dem Mareotis-Binnensee, gegenüber der Pharos-Halbinsel. Vielleicht noch unter Alexander wurden Landzunge und Halbinsel durch einen Damm (Heptastadion) verbunden, wodurch ein Doppelhafen entstand […], eine bei den Griechen beliebte Form der künstlichen Hafenanlage, die u.a. den Vorteil des doppelten Windschutzes bot. Günstig war auch […] die natürlich geschützte Lage der Stadt. Es gab nur zwei schmale Zugänge von der Landseite her, im Norden bildeten die beiden Häfen und die Pharos-Insel die Grenze, im Süden der Meretissee. Die Vorteile des Ortes sind evident: ein fruchtbares Territorium am Ende des Nildeltas, günstige Verbindungen zum Meer und ins Landesinnere, dazu nach außen gut geschützt.“[34]

Das die Gründung der Stadt nicht nur militärischen Zwecken folgte, scheint klar und so besteht auch in der Forschung kein Zweifel darüber.[35] In diesem mächtigen Land Ägypten, wo schon immer große Kulturen und Herrscher lebten, wollte Alexander den Griechen etwas ebenbürtiges schaffen und gründete damit Alexandria als neue Wiege der Zivilisation, als Mittelpunkt von Handel, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.[36]

Die Rekonstruktion der alexandrinischen Stadtanlage in hellenischer Zeit ist denkbar schwierig, denn durch Überbauungen, Zerstörungen und die natürliche Veränderung der Wasserstände ist heute kaum noch etwas von der antiken Anlage erhalten.[37] Das was ergraben wurde stammte überwiegend aus römischer Zeit, so dass man sich bei der Erschließung der hellenischen Topographie auf die antiken Quellen verlassen muss. Zu nennen sind hier Diodor, vor allem Strabon, aber auch Arrian und Plutarch. Allerdings weißt Sonnabend zu Recht darauf hin, dass man diese Quellen kritisch betrachten muss, da sie alle in großer zeitlicher Distanz zu dem Gegenstand entstanden, über den sie berichten.[38] Außer Zweifel steht jedoch, dass Alexandria unter den Ptolemaiern zu einer Metropole wurde. Diese zog natürlich viele neue Siedler an und so wuchs die Stadt kontinuierlich. „Neben den Makedonen und Griechen sind es vor allem die Juden, die sich in großer Zahl in Alexandria niederlassen. Dazu kommen Syrer, Perser, Araber, Inder, Italiker u.m.a.“[39] Alexandria kann man somit durchaus als antiken „melting pot“ bezeichnen, das viele unterschiedliche Ethnien in einer Stadt vereinte. Holger Sonnabend hat dies als ein „kosmopolitisches“ Programm Alexanders bezeichnet, welches die Stadt zu einem Schmelztiegel aller Zivilisationen werden lassen sollte.[40] Bereits im 3. Jahrhundert v.Chr. dürfte die Einwohnerzahl 100.000 betragen haben; Diodor berichtet, dass im 1. Jahrhundert 300.000 Freie, und das bedeutet wahrscheinlich über eine halbe Million Menschen, in der Stadt lebten.[41]

Fasst man also die bis hier gewonnen Erkenntnisse von Alexandria zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: 331 v. Chr. durch Alexander den Großen als Handelsstadt und kulturelles Zentrum des Hellenismus gegründet wurde die Stadt nach der Übernahme der Herrschaft durch Ptolemaios I. Soter und dessen Dynastie zu der Metropole der alten Welt mit umfangreichen Kontakten, einer hohen und ethnisch vielfältigen Bevölkerungsdichte und einer florierenden Wirtschaft. Durch das Grab des Alexanders im Königspalast wurde die Bedeutung der Stadt nur nochmals gesteigert. Es kann also nicht verwundern, dass bereits Ptolemaios I. versuchte, dieser Stadt auch zu einer führenden in den Wissenschaften zu machen und die Zielstellung des kulturellen Zentrums damit zu verwirklichen.

[...]


[1] Casson, Lionel, Libraries in the Ancient World, New Haven/London 2001, S. 31.

[2] Seidensticker, Bernd, Alexandria. Die Bibliothek der Könige und die Wissenschaften, in: Demandt, Alexander (Hrsg.), Stätten des Geistes, Köln 1999, S. 15-37, hier: S. 23. Der Vergleich zum Leuchtturm von Pharos erklärt sich aus der Lage beider Gebäude in der gleichen Stadt, Alexandria. Zu den Weltwundern vgl. Höcker, Christoph, s.v. Weltwunder, in: DNP 12/2 (2002), Sp. 477-478.

[3] Seidensticker 1999, S. 25.

[4] Gardthausen, Viktor, Die alexandrinische Bibliothek, ihr Vorbild, Katalog und Betrieb. Ein Beitrag zur vergleichenden Bibliothekskunde, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 5 (1922), 4-6, S. 73-104. (Hervorhebung Erik Fischer) Diese in weiten Teilen überholte Studie (vgl. spätere Kapitel) zeichnet sich durch die intensive Beschäftigung mit der Frage nach einem Katalog für die Bibliothek und die Aufstellung bzw. Ordnung der Schriftrollen aus. Ein Mangel des hier gebrachten Zitats ist der leichtsinnige Umgang mit dem Wort „Buch“, welches man erst im Mittelalter gebrauchen kann. Zur Zeit der alexandrinischen Bibliothek gab es lediglich Rollen (mglw. Buchrollen), später Codices.

[5] Jochum, Uwe, Kleine Bibliotheksgeschichte, 21999, hier: S. 7-9.

[6] Natürlich fasst diese Auffassung das Bild von der „Bibliothek“ sehr eng und reduziert es stark auf die Wissenschaftlichkeit. Das die Bibliothek auch eine Sammel- und Verwahrstelle für Belletristik, sei sie nun klassisch oder trivial, darstellt, versteht sich von selbst. Aber auch der Aspekt der Pflege der Bestände und damit eigentlich des Wissens ist ein kaum vernachlässigbarer. Vgl. auch s.v. Bibliothek, in: Brockhaus-Enzyklopädie 3 (19o.J.), S. 277-280, bes.: S. 277.

[7] Jochum 21999, S. 7.

[8] Es wird ganz bewusst das Substantiv „Ort“ verwendet, um die Bibliothek von Alexandria zu charakterisieren. S.u.

[9] Einen kleinen Ausschnitt aus der breiten Forschungsliteratur, die sich auch verstärkt im 19. und frühen 20. Jahrhundert ansiedelt (wurde aufgrund des Alters kaum berücksichtigt), findet sich in der beigefügten Bibliographie.

[10] Canfora, Luciano, Die verschwundene Bibliothek: Das Wissen der Welt und der Brand von Alexandria, Hamburg 1998. Dem Autor erscheint dieses Werk ungewöhnlich, wenn auch an manchen Stellen erfrischend. Allerdings ist es zu bedauern, dass es mit keiner eigenständigen Bibliographie ausgestattet wurde, sondern diese in die Anmerkungen des Buches integriert wurden, was es sehr unübersichtlich wirkt. Zudem muss sich der fachlich orientierte Leser an einen für ein Sachbuch ungewohnten Schreibstil Canforas gewöhnen, der im ersten Teil des Buches („Die verschwundene Bibliothek“, S. 13-109 der hier zitierten Ausgabe) sehr stark mit dem Mittel der Fiktion und somit des schon fast Romanhaften arbeitet. Die Diskussion der Quellen zur Bibliothek von Alexandria im zweiten Teil („Quellen“, S. 113-187) ist dagegen in ihrer Brillianz und der kritischen Kommentierung der Sekundärliteratur unübertroffen.

[11] So z.B. in dem von Roy McLeod edierten Sammelband, der im Jahr 2000 erschien und das Neueste auf dem Gebiet der Forschung ist: McLeod, Roy (Hrsg.), The Library of Alexandria. Centre of learning in the ancient world, London 2000. Aber auch Seidensticker 1999, S. 15-37.

[12] Mit Abweichungen ist damit z.B. das Programm des Aufsatzes von Robert Barnes umrissen: Barnes, Robert, Cloistered Bookworms in the Chicken-Coop of the Muses: The Ancient Library of Alexandria, in: MacLeod, Roy (Hrsg.), The Library of Alexandria. Centre of learning in the ancient world, London 2000, S. 61-77.

[13] Zaunick, Rudolph, Idee, Form und Inhalt der Akademie in der Antike, in: Nova acta Leopoldina 16 (1954), 114, S. [402]-410.

[14] Spätestens seit Canfora scheint diese Phrase ein fester Begriff geworden zu sein. Vgl. Canfora 1998. Um einen weiteren Nachweis der prägenden Wirkung von Canfora zu erbringen: Auch McLeod nimmt in seinem einleitenden Essay „Alexandria in History and Myth“ den Begriff als „vanished library“ wieder auf. Vgl. MacLeod, Roy, Introduction: Alexandria in History and Myth, in: Ders. 2000, S. 1-15, hier: S. 1. Faszinierend erschient dem Autor, dass hinter dieser Phrase ein ganzes Programm zu stehen scheint, welches MacLeod formuliert: „The famous Library’s origins lie among the more distant echoes of European memory, and await our rediscovery.“ (Ebd., Hervorhebung Erik Fischer)

[15] Vgl. dazu 4. Die große Bibliothek von Alexandria, S. 15.

[16] Seidensticker 1999, S. 15.

[17] Grant, Michael, Von Alexander bis Kleopatra. Die hellenistische Welt, Bergisch Gladbach 21992, S. 13.

[18] Vgl. ebd. Michael Grant führt auch noch andere Gründe für die geplante Niederwerfung der persischen Dynastie an: Rache für den Kriegszug gegen Griechenland und Makedonien ein Jahrhundert zuvor, Verärgerung über die offensichtlichen diplomatischen Bestrebungen der Achämeniden, den Sturz des makedonischen Königs zu unterstützen und natürlich zuletzt auch der schlichte Expansionsdrang des makedonischen Königsreiches.

[19] Die Flut an Literatur zu Alexander dem Großen ist mittlerweile unüberschaubar geworden. Eine von Waldemar Heckel erstellte und im Internet frei verfügbare Bibliographie umfasst nicht weniger als 63 Druckseiten (http://hum.ucalgary.ca/wheckel/bibl/alex-bibl.pdf, 10. August 2005). Hier ein kurzer Überblick über die neueste Literatur zu Alexander dem Großen: Lauffer, Siegfried, Alexander der Große, München 52005. Wiemer, Hans-Ulrich, Alexander der Große, München 2005. Hammond, Nicholas G.L., Alexander der Grosse: Feldherr und Staatsmann. Biographie, Berlin 2004. Worthington, Ian (Hrsg.), Alexander the Great. A reader, London u.a. 2003. Nicht zu vernachlässigen: Badian, Ernst, s.v. Alexandros [4] „der Große“, in: DNP 1 (1996), Sp. 468-474. Derzeit arbeitet Prof. Pedro Berceló vom Historischen Institut der Universität Potsdam an einer selbständigen Publikation zu Alexander dem Großen.

[20] Vgl. Grant 21992, S. 58.

[21] Vgl. Sonnabend, Holger, Zur Gründung von Alexandria, in: Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums 1984 (2), Bonn 1991, S. 515-532, hier: S. 519.

[22] Vgl. Stier, Hans Erich, s.v. Alexander (III) der Große, in: Reallexikon für Antike und Christentum 1 (1950), Sp. 261-270, hier: Sp. 262. Der Artikel macht auch deutlich, dass diese vielfältigen Proklamationen Alexanders in einen größeren Rahmen eingebettet waren, auf den hier aber nicht zur Genüge eingegangen werden kann. Es sei lediglich erwähnt, dass Alexander beim sogenannten Ammonsorakel bei der Oase Siwa in Ägypten geweissagt bekam, dass er göttlicher Abstammung ist. 524 v. Chr. proklamiert er dann auch seine Göttlichkeit und fordert die entsprechende Verehrung. Der Sinn dahinter war, dass Alexander mit seinen Eroberungen die ganze bekannte Welt in einem Reich einem wollte, dem er als Herrscher (der Welt) vorsteht. Dies sollte die notwendige Bedingung für seine Erhebung zum Gott sein. Vgl. ebd., Sp. 265-268.

[23] Grant 21992, S. 17. Vgl. auch Anmerkung 22.

[24] Vgl. ebd. und auch Stier 1950, Sp. 270. Bei Grant ist der Grund des Todes eine „fieberhafte Erkrankung“ und ein verstärkter Hang zur Trunksucht, bei Stier ist es „Malaria“.

[25] Grant 21992, S. 17.

[26] Vgl. ebd., S. 18.

[27] Man vgl. ebd., S. 18-34, sowie S. 37-149. Oder auch: Bengston, Hermann, Die Diadochen: die Nachfolger Alexanders (323-281 v. Chr.), München 1987. Ebenfalls: Seibert, Jakob, Das Zeitalter der Diadochen (Erträge der Forschung 185), Darmstadt 1983.

[28] Vgl. Wirth, Gerhard, s.v. Ptolemaios [1.] I. Soter, in: KlP 4 (1979), Sp. 1217-1218.

[29] Dieser bezog sich dabei nicht automatisch auf Ägypten, sondern war – wie bei allen anderen Diadochenherrscher – ein allgemeiner Titel, der mehr mit Repräsentation und Reputation zu tun hatte. Vgl. Grant 21992, S. 62.

[30] Seidensticker 1999, S. 17.

[31] Vgl. Grant 21992, S. 61-62. Der Autor möchte aufgrund der Eingeschränktheit des Themas hier die Geschichte des ptolemäischen Reiches nicht weiter ausführen und verweist z.B. auf ebd., S. 58-74 oder auch Seibert, Jakob, Untersuchungen zur Geschichte Ptolemaios’ I. (Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 56), München 1969. Ebenso Seibert 1983, Bengtson 1987 (siehe Anmerkung 27).

[32] Sonnabend 1991, S. 519.

[33] Ebd., S. 516: „Die große Ausnahme bildet bekanntlich Alexandria, jene Stadt, die Alexander d. Gr. Im Jahre 331 v. Chr. gründete und die den Typus der hellenistischen Großstadt schlechthin repräsentiert, als Zentrum von Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion im ptolemäischen und römischen Ägypten. In hellenistischer und römischer Zeit ist Alexandria Synonym für Größe, Pracht, Monumentalität und für eine sehr große Bevölkerungsanzahl. “ (Hervorhebung Erik Fischer)

[34] Ebd., S. 519-520. Ebenso berichtet auch Seidensticker 1999, S. 15-17 zur Anlage der Stadt. Grant 21992, S. 62 geht noch weiter, wenn er sagt, dass die gewaltige Anlage der Stadt Alexandria immer wie einen „Fremdkörper“ hat wirken lassen in Ägypten: „Man reiste von Alexandria nach ‚Ägypten’.“ Er versucht damit auf drastische Art und Weise denn herausgehobenen Status der Stadt klarzumachen.

[35] Sonnabend 1991 geht die möglichen Intentionen zur Gründung der Stadt systematisch durch.

[36] Vgl. ebd., S. 527 und S. 532: „Alexander wollte sich ein urbanes Denkmal setzen, und dies nicht irgendwo, sondern in jenem Ägypten, dass in der griechischen Welt den Ruf von Bevölkerungs- und Städtereichtum genoss.“

[37] Schwertheim, Elmar, s.v. Alexandreia [1, in Ägypten], in: DNP 1 (1996), Sp. 463-465, bes.: Sp. 463. Aber auch Sonnabend 1991, S. 518.

[38] Vgl. ebd.

[39] Seidensticker 1999, S. 17.

[40] Sonnabend 1991, S. 525. Aber auch Grant 21992, S. 61.

[41] Vgl. Seidensticker 1999, S. 18.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Alexandria als antikes Zentrum des Wissens der Welt
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Überlieferungsgeschichte, Textkritik und Editionstechnik
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V44856
ISBN (eBook)
9783638423724
ISBN (Buch)
9783638692656
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darstellung der Geschichte der Großen Bibliothek von Alexandria und des Museions
Schlagworte
Alexandria, Zentrum, Wissens, Welt, Textkritik, Editionstechnik
Arbeit zitieren
Erik Fischer (Autor), 2005, Alexandria als antikes Zentrum des Wissens der Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/44856

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