Essay über Franz Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie"


Essay, 2018
6 Seiten
Anonym

Leseprobe

Im Text „Ein Bericht für eine Akademie“ geht es um einen Affen, der von seiner Menschwerdung während der vergangen fünf Jahre berichtet. Die Motivation des Affen Rotpeter sich in einen Menschen zu verwandeln liegt darin, weil es ihm notwendig erschienen ist, einen „Ausweg“ in eine scheinbare „Freiheit“ zu finden. Der Freiheitsbegriff spielt demnach eine zentrale Rolle im Text „Ein Bericht für eine Akademie“ und erscheint für den Affen als Sehnsuchtszustand, den es zu erreichen zu suchen gilt. Auch Menschen streben nach Freiheit, ohne dass sie sich erst in ein anderes Wesen verwandeln müssen. Vielmehr gilt das Menschsein schon als Zustand mit am meisten möglicher Freiheit. Deshalb ist es ja auch des Affen Rotpeters Ziel und Sehnsucht, sich in einen Menschen zu verwandeln. Ein Mensch ist nicht in einen Käfig eingesperrt, er kann sich frei bewegen, kann scheinbar hingehen, wo er will. Ziel dieses Essays soll es sein, anhand des Textes „Ein Bericht für eine Akademie“ der Frage nachzugehen, inwiefern es einen Zusammenhang gibt zwischen wachsender Freiheit und wachsender Zufriedenheit im Leben.

Der Text „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka handelt von einem Affen, der im Rückblick von seiner Menschwerdung innerhalb von fünf Jahren berichtet. Es handelt sich hierbei um eine Verwandlungsgeschichte, in der ein Affe zum Mensch wird, weil es sich hierbei um die einzige Möglichkeit handelt einen „Ausweg“ in die (scheinbare) „Freiheit“ zu finden. Das Wesen, in das sich der Affe verwandelt und das durch das Resultat der Menschwerdung charakterisiert wird, hat menschliche und zugleich nicht-menschliche Eigenschaften. Er hat sich innerhalb der genannten fünf Jahre die „Durchschnittsbildung eines Europäers“[1] angeeignet. Er wird selbst Teil der Wissenschaft und wird als Experte auf dem Gebiet der Menschwerdung bezeichnet. Weil nur er den Prozess der Menschwerdung miterlebt hat, besitzt er auf diesem Gebiet eine wissenschaftliche Monopolposition. Es gibt außer ihm niemanden sonst, der von einer Menschwerdung aus eigener Erfahrung berichten könnte.

Vom äußeren Erscheinungsbild her bleibt der Affe Rotpeter jedoch nach wie vor ein Affe. Als Gespielin hat er eine Äffin, deren Anblick er aber bei Tageslicht nicht aushalten kann.

Wenn man den Affen Rotpeter einem Menschen zur Beurteilung vorführen würde, so würde er zweifelsohne als Affe und nicht als Mensch eingeordnet werden. Es wird davon berichtet, dass er ein großer Widerwille vor den Menschen hat.

Dies deutet darauf hin, dass Rotpeter auch innerlich noch nicht vollständig zum Mensch geworden ist und nach wie vor einen äffischen Charakter besitzt. Man kann davon sprechen, dass Rotpeter einen ambivalenten Zustand einnimmt, der sich zwischen Affe und Mensch befindet.

Nun muss allerdings auch der Frage nachgegangen werden, wieso gerade ein Affe zur Menschwerdung vorgesehen wurde. Die Begründung mag naheliegend sein, weil ein Affe als Primat unter den Tieren dem Menschen am Nächsten ist. Doch genau diese Begründung lässt Zweifel aufkommen, da Kafka „die Hohen Herren der Akademie“ anspricht. Dabei wird gesagt: "Ihr Affentum meine Herren, sofern Sie etwas Derartiges hinter sich haben, kann Ihnen nicht ferner sein als mir das meine."[2]

Es gibt im Text „Ein Bericht an eine Akademie“ an verschiedenen Stellen Erklärungsversuche, warum gerade der Affe für die Menschwerdung vorgesehen ist. Eine wirklich zweifelsfreie Antwort auf diese Frage sucht man allerdings vergebens. Eine viel größere Bedeutung kommt der Verwandlung an sich zu und nicht die Wesenszustände vor und nach der dieser. Hierbei begründet der Affe Rotpeter seinen Willen zur Verwandlung mit der Suche nach einem „Ausweg“.[3] Wichtig dabei ist, dass der Begriff ‚Ausweg‘ vom Begriff der ‚Freiheit‘ abgegrenzt wird. Der ‚Ausweg‘ wird durch eine Veränderung des momentanen Zustands charakterisiert. Der Affe befindet sich in einer vergitterten Holzkiste und soll mit dem Schiff nach Europa transportiert werden. Diese Gefangenheit ruft beim Affen den Wunsch nach ‚Freiheit‘ hervor. Um einen Versuch zu starten, diese ‚Freiheit‘ womöglich zu erreichen, ist die Bedingung gegeben, dass zuerst ein ‚Ausweg‘ gefunden werden muss. Die ‚Freiheit‘ an sich sieht Kafka generell jedoch als unerreichbar an. Dem Affen wird durch die Vermittlung eines „Gefühls von Freiheit‘ eine tatsächlich existierende ‚wirkliche Freiheit‘ vorgetäuscht. Eine ‚scheinbare Freiheit‘ ist demnach existent, welche durch das ‚Gefühl von Freiheit‘ vermittelt wird.

Die ‚tatsächliche Freiheit‘ kann dabei jedoch nie erreicht werden und bleibt eine Täuschung. Durch die Entlassung des Affen aus dem Käfig ist die Freiheit insofern nur vorgetäuscht und nicht real existent, weil er sich ja auch dann noch in einem Käfig befindet, nur hat dieser viel größere räumliche Maße und erlaubt eine freiere Bewegung. Doch auch in einem großen Käfig sind Grenzen und Limits existent, die nicht überschritten werden können. Je größer also die räumliche Diskrepanz zwischen Individuum im Käfig und dem Käfig selbst ist, desto größer erscheint die ‚scheinbare Freiheit“.

[...]

[...]


[1] Franz Kafka: Ein Bericht an eine Akademie. In: Franz Kafka: Ein Landarzt. Leipzig: Kurt Wolff Verlag 1919. S.157

[2] Franz Kafka: Ein Bericht an eine Akademie. In: Franz Kafka: Ein Landarzt. Leipzig: Kurt Wolff Verlag 1919. S.146

[3] Franz Kafka: Ein Bericht an eine Akademie. In: Franz Kafka: Ein Landarzt. Leipzig: Kurt Wolff Verlag 1919. S. 149

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Essay über Franz Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Jahr
2018
Seiten
6
Katalognummer
V448619
ISBN (eBook)
9783668834682
Sprache
Deutsch
Schlagworte
essay, franz, kafkas, bericht, akademie
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Essay über Franz Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448619

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