"Die Reise von Tod und Auferstehung der Liebe" in Marie Luise Kaschnitz Roman "Liebe beginnt"


Hausarbeit, 2012

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Liebeskonzeption im Nationalsozialismus

3. Die Familienpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus

4. Figurenanalyse
4.1 Silvia
4.2 Andreas

5. Fiebesbeziehung der beiden Protagonisten
5.1 Fiebesbeziehung am Anfang des Romans
5.2Veränderung der Fiebesbeziehung ab der Reise
5.3 Die zum Tode geweihte Beziehung
5.4 Fiebesbeziehung am Ende der Reise
5.5 Silvias und Andreas‘ nationalsozialistischer Wandel

6. Semantische Räume
6.1 Die semantischen Räume „Wohnung“ bzw. „Reise“
6.2 Extremraum

7. Schlussbemerkung

8. Fiteraturverzeichnis

9. Anhang

l. Einleitung

Einer der bekanntesten russischen Schriftsteller, Fjodor Michailowitsch Dostojewski, schrieb einmal: „Einen Menschen zu lieben bedeutet, ihn so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat. “1 Dieses Zitat umfasst den ganzen Sinn der Liebe, die geliebte Person so zu akzeptieren, wie sie ist und sich selbst nicht in seiner Person zu verstellen, sondern den anderem zu nehmen, wie er ist.

Im Verlauf dieser Arbeit werde ich näher auf den Sinn der Liebe, die Schwierigkeiten und Probleme der Liebe eingehen.

Der Roman „Liebe beginnt“ von Marie Luise Kaschnitz, aus dem Jahre 1933, handelt von Silvia und Andreas. Gemeinsam leben sie in einer Wohnung. Andreas arbeitet in einer Bibliothek und Silvia ist tagsüber zu Hause, kümmert sich um den Haushalt und wartet darauf, dass Andreas abends von der Arbeit nach Hause kommt.

Eines Abends eröffnet er ihr, dass er auf eine Reise zu einem Kongress muss, auf die sie ihn begleiten soll. Von diesem Tag ab verändert sich das Leben und die Einstellungen der beiden. Schrittweise erkennt Silvia die Irrealität ihrer Vorstellung von Liebe.

Auf der Reise beschreibt Silvia ihre Gefühle, wie sie sich entwickeln, neu ordnen und auch verändern.

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich näher auf die beiden Protagonisten dieser Lektüre eingehen. Zunächst werde ich die Liebeskonzeption zur Zeit des Nationalsozialismus vorstellen und danach werde ich näher auf die Familienpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus eingehen. Im weiteren Verlauf werde ich die beiden Protagonisten charakterisieren und ihre Beziehung analysieren. Wie hat sich die Beziehung verändert? Und warum und was hat dazu beigetragen, dass sie sich verändert hat?

Anschließend werde ich den Wandel der Liebesbeziehung von Silvia und Andreas vor dem geschichtlichen Hintergmnd des Nationalsozialismus beschreiben und mit der Liebeskonzeption dieser Zeit in Beziehung setzen.

Außerdem werde ich die verschiedenen Räume untersuchen, in denen sich die Personen aufhalten, welche Bedeutungen sie besitzen und wie sie die Beziehung der beiden beeinflussen.

Die Lektüre „ Liebe beginnt“ befasst sich mit der Liebe zweier junger Menschen, und wie sich diese im Laufe der Handlung verändert. Doch was ist Liebe eigentlich und wie definiert man sie?

In Meyers Grossen Taschenlexikon wird „Liebe“ wie folgt definiert: Liebe ist eine starke Zuneigung, eine intensive Gefühlsbeziehung für eine andere Person.2 Insbesondere die seelische Bindung an den Geschlechtspartner oder die Familienangehörigen, auch die emotionale Zuwendung zu Mitmenschen allgemein und die Haltung zur Welt als Ganzes gehören dazu. Gefühlsmäßige Beziehung zu anderen Lebewesen(Tiere), Sachen( Geld), Tätigkeiten(Kochen) oder Ideen (Freiheit) zählen auch dazu.

In Meyers Großem Taschenlexikon heißt es: „ Ihre besondere Eigenart gewinnt die als Liebe bezeichnete zwischenmenschliche Beziehung dadurch, dass ihr Wert, über eine Zweck-Mittel-Überlegung hinausgehend, in der Existenz des anderen oder in der Liebe selbst erfahren werden kann. Liebe ist so weder dem Subjekt noch seinem Gegenüber allein zuzuordnen, sondern hat ihren Ort in einem zwischen den Liebenden entstehenden Vorstellung und Erfahrungsraum, der seinerseits durch seine dialogische Anlage die Existenz der Beteiligten verändert oder bestimmt3

Aus diesem Zitat aus Meyers Großem Taschenlexikon wird deutlich, dass Liebe über materielle Wünsche hinausgeht. Die Liebe zu der anderen Person beinhaltet alles, was man braucht.

2. Liebeskonzeption im Nationalsozialismus

Im Allgemeinen mussten sich die Autoren im „Dritten Reich“ einer Strengen Zensur des politischen Systems unterwerfen.

Trotz einer individuellen sehr heterogenen Autorenschaft waren die Themen Liebe, Ehe und Partnerschaft unter dem Einfluss einer bestimmten Codierung anzusehen.4 Liebe im Nationalsozialismus wurde dadurch definiert, dass man sie von allen anderen Dingen abgegrenzte. Für die Zeit des Nationalsozialismus lassen sich folgende Leitdifferenzen finden. Liebe kann man abgrenzen zu:

1. Die Liebe / Frivolität. Unter der Liebe versteht man eine dauerhafte Liebesbeziehung, die man von einer kurzfristigen oder einem wechselnden Partner abgrenzt.
2. Liebe/ Prostitution. Liebe grenzt man ab von dem gewerbsmäßigen schnellen Zugang zum körperlichen Vollzug. Prostitution überführt den Körper aus dem Privatbereich in den der Wirtschaft.
3. Liebe/ instrumentalisierte Liebe. Liebe und Sexualität werden als Instrumente eingesetzt, um eine bestimmte Intention des Gegenübers durchzusetzen. Die Gefühle haben für einen Partner nichts mit der wirklichen Liebe gemein.
4. Liebe/ sexuelle Triebe. Liebe wird eingesetzt, um bestimmte sexuelle Wünsche von dem Partner zu erhalten.
5. Liebe/ substituierende Liebe. Die substituierende Liebe unterscheiden sich von der wahren Liebe, da einer meiner Partner den abwesenden geliebten Partner ersetzt, nur weil der Partner nicht vorhanden ist. Man kann nicht alleine sein und möchte nicht auf die Sexualität oder die Zuneigung verzichten. Liebe wird aber auch durch andere Interpretationen unterschieden:
6. Die Liebesheirat steht der Konvienzehe gegenüber. Die Liebesheirat muss sich gegen die politisch-wirtschaftliche Erwägung der Familie und Elternkontrolle durchsetzen.
7. Liebe/ Freundschaft. Außerdem grenzt man die Liebe von der Freundschaft ab. In einer Freundschaft gibt es keinen Geschlechtsverkehr. Freundschaft ist häufig dauerhafter und turbulenzärmer als die emotionale, instabile Liebe.
8. Verstehen/ Nicht-Verstehen. Das Scheitern oder Gelingen einer Beziehung und Gründe für Sympathie oder Antipathie bei der Annäherung der Geschlechter werden im Rahmen der Liebe vollkommen rationalisiert. Das Verstehen des Partners wird zum konstitutiven Bestandteil von 'Liebe', der, falls er noch nicht am Anfang einer Beziehung vorhanden ist, als Ziel gesetzt wird.
9. Jung/ Alt. Es gibt eine „natürliche“ Begrenzung der Altersdifferenz bei der Partnerwahl. Der Mann und die Frau sollten annährend gleichaltrig sein.
10. Zukunftsbekanntschaft/ Berufsverhältnis. Die Person, die man zufällig kennen gelernt hat, steht einem näher als die Person, mit der man dauerhaft zusammen arbeitet.5

In „Liebe beginnt“ wird eine Beziehung zweier nicht verheirateter Menschen beschrieben, die so im Nationalsozialismus nicht dem Ideal entsprochen hätte.

3. Die Familienpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus

Es ist wichtig die Ideologie im Bezug auf Ehe und Familie in der nationalsozialistischen Zeit aufzuschlüsseln, um diese im späteren Verlauf der Arbeit mit der Liebesbeziehung der Protagonisten in der Lektüre zu vergleichen.

Die Familie nahm im Nationalsozialismus eine Schlüsselfunktion ein, sie spiegelte die rassenspezifische Pflichterfüllung wieder. Zugleich bestand sie aus unterschiedlichen sozialen Gruppierungen. Das Merkmal der Rassereinheit sollte verwirklicht werden, wobei die Familie die „ Quelle völkischer Erneuerung“ symbolisierte. Darin automatisch eingeschlossen waren die Rassenhygiene und die Bevölkerungspolitik, da die sinkenden Geburtenziffern eine „schwere Lebenskrise“ ausdrückte.6 Ehe und Familie bestanden aus Pflichterfüllungen und -erwartungen an die beiden Partner. Die Familie konnte sich der nationalpolitischen Kontrolle nicht entziehen. In einem Eherechtskommentar aus dem Jahre 1938 von R. Becherts/ S. Wiefels wird deutlich hervorgehoben: „ Denn die Ehe dient in erster Linie nicht dem persönlichen Glück des Einzelnen, sondern der Erfüllung einer gegenüber der Volksgemeinschaft bestehenden Pflicht“.7

Individualität entsprach der jüdisch-liberalistischen Weltauffassung und wurde mit dem völkischen Niedergang identifiziert.

Liebe bildet eine Gefahrenquelle, da man nach Meinung der Nationalsozialisten ausscherte aus der normalen sozialen Kontrolle. Aus dieser Erkenntnis resultierte die Forderung, dass soziale Netzwerke in die Gesellschaft integriert werden müssten, um einen Rückzug in das Privatleben oder Zweierbeziehungen zu blockieren.

Schließich lässt sich zusammenfassen, dass Liebe für den nationalsozialistischen Gedanken gefährlich war, da sie die Selbstdarstellung und die Individualität fördert. Die individualisierte Liebe steht in einem permanenten Konflikt mit dem völkischen S elb stver ständni S.8

4. Figurenanalyse

4.1 Silvia:

Silvia ist die weibliche Protagonistin und die Ich-Erzählerin in dem Buch „Liebe beginnt“. Sie hat keine feste Arbeit, sondern nur Gelegenheitsarbeiten, auf die im Buch aber nicht näher eingegangen wird. Sie bemüht sich, das Wissen, welches Andreas besitzt, sich anzueignen und setzt sich, wenn Andreas nicht zu Hause ist, an „seine Bücher und versuchte die Geheimsprache zu enträtseln, in der die Bücher geschrieben wurden“9. Dies zeigt, dass es ihr sehr wichtig ist, Andreas zu verstehen und sich mit ihm über seine Arbeit unterhalten zu können.

Tagsüber, wenn Andreas arbeitet, räumt sie die Wohnung auf und kocht für ihn. Die Protagonistin ist sehr auf ihren Freund fixiert und wartet sehnsüchtig darauf, dass er nach Hause kommt und dass „ er mich sah, um mich von nun an nicht mehr aus Augen zu lassen “10.

Es scheint, als wäre das Einzige, was für sie zählt, die Gefühle zu Andreas. Die Beziehung steht im Mittelpunkt und bestimmt ihr Leben, detailliert beschreibt sie ihre Gefühle für Andreas.

Sie versucht ihm alles recht zu machen, ihm zu gefallen und bemüht sich ihm intellektuell anzugleichen.11

4.2 Andreas:

Andreas ist der Partner von Silvia und lebt mit ihr zusammen in einer Wohnung. Tagsüber arbeitet er in einer Bibliothek. Dort fechtet er einen Kampf aus „gegen die Tücken des Materials, gegen die feindselige Zähigkeit der Sprache “12 und gegen seine eigenen Unzulänglichkeiten, die sich unter anderem darin manifestieren, dass er nicht in der Lage ist, seinen Gefühlen gegenüber Silvia Ausdruck zu verleihen. Vielmehr flüchtet er sich in die Abgeschlossenheit seiner Arbeit. Andreas hat einen Sinn für Geschichte, insbesondere für die Antike. Darüber hinaus ist er sehr christlich und kann sich sogar vorstellen, selbst Mönch zu sein.13 Man erfährt als Leser nicht viel über die Gefühlswelt von Andreas, da er zu seiner Liebe keine Stellung nimmt.

5. Liebesbeziehung zwischen den beiden Protagonisten

In den vorherigen Kapiteln habe ich zum einen versucht, die Liebe zu definieren, und zum anderen die Liebe abzugrenzen, wie sie im Nationalsozialismus gesehen wurde und ich habe versucht, die Ideologie der NS-Familienpolitik zu beschreiben.

Marie Luise Kaschnitz‘ Roman dreht sich um ein Paar, das durch fehlendes Verständnis und fehlende Kommunikation Konflikten ausgesetzt ist.

Durch die Reise, auf die sich die beiden begeben, verändern sich ihre Gefühle.

5.1 Liebesbeziehung am Anfang des Romans

Am Anfang des Romans leben Silvia und Andreas in ihrer gemeinsamen Wohnung. Die Liebe wird von Silvia als einer völlig unselbständigen Frau erfahren. Sie ist ausschließlich auf ihren Partner fixiert. Diese Form von Unterlegenheit der Frau entspricht dem Rollenverständnis der Nationalsozialisten, wonach einer Frau die Aufgabe zukommt, sich Kindern, Küche und Kirche zu widmen. Ihr Partner Andreas äußert sich aber nicht zur gemeinsamen Liebe, sondern wird durch die von der Frau benutzten Wir-Perspektive integriert.14

Andreas bezieht keine Stellung zu der charakterisierten Liebe seiner Partnerin. Das stellt sie beispielsweise fest, indem sie sagt: „ Wir redeten in der Sprache des Alltags und von den Dingen des Alltags, nicht von dem, was in uns vorging15 Außerdem schreibt die Autorin: „ Vor den großen Worten des Gefiihls hatten wir eine Scheu von Anfang an, und sie wuchs im Laufe der Zeit. “16

Die Beziehung wird gegen jegliche Art von Umwelteinflüssen abgeriegelt. Dies ist im politischen Kontext Ende der 20er/ Anfang der 30er Jahre zu sehen, da zu der Zeit Liebesbeziehungen eine Ausnahme waren.

Die Beziehung wird von der Autorin als dem Tode geweiht beschrieben und, obwohl sie jahrelang anhielt, auf,,einen einzigen Tag“ zusammengefasst.17

5.2 Veränderung der Liebesbeziehung seit der Reise

Die erste Station der Reise verdeutlicht die Verschiedenheit der Partner. Auf der einen Seite Andreas, der jederzeit für alles Neue offen ist und neue Erfahrungen positiv integriert. Auf der anderen Seite Silvia, die durch ihre Unkenntnis und Inflexibilität unsicher und überfordert wirkt, wenn sie etwas nicht versteht oder deuten kann. Zum Beispiel sieht sie Andreas‘ Arbeit und Benehmen als „Besessenheit“18 an. In Wirklichkeit projiziert sie ihre eigenen Defizite an Engagement und Unverständnis auf andere.19 Dies wird deutlich an der Textstelle.· „ Ich sah ja, wie er sich quälte. Aber verstanden habe ich es damals nicht. “20

Auf der Reise erkennt die junge Frau, wie grundverschieden sie beide sind und fühlt sich immer unsicherer. Außerdem stellt sie fest, dass sie nur ihn hat. „ Ich hatte herausgefunden, dass wir sehr verschieden waren, aber es machte mich nicht unglücklich. Ich fühlte wohl, dass ich nichts anderes hatte als ihn.“21 Eine der größten Erfüllungen wäre für Silvia ein Kind gewesen. Als sie an einem Morgen Andreas von ihrem Schwangerschaftstraum berichtet, reagiert dieser mit Ablehnung. Denn Andreas fühlt sich noch nicht bereit dafür und möchte keine Verantwortung übernehmen.

Diese negative Reaktion von Andreas unterstreicht die mangelnde Auseinandersetzung von Silvia mit der Realität und ihren Vorstellungen. So schildert Silvia:

„ Andreas war ganz außer sich gewesen vor Angst, ich könnte wirklich ein Kind bekommen. Ich dachte: Wenn es nun wahr wäre? Er fürchtete sich vor der Verantwortung, er wollte nicht gebunden sein, sondern frei. Ich störe deine Freiheit nicht, ich mache dir keine Unannehmlichkeiten, dachte ich zornig. Weil ich dich liebe, werde ich nie empfangen können. Und zum erstenmal machte mich dieser Gedanke traurig. “22

5.3 Die zum Tode geweihte Beziehung

In einem Museum auf ihrer Reise wirft Andreas seiner Geliebten vor, sie schaue sich die Gemälde nur aus ihrer Sicht an. Andreas kann dieses Verhalten nicht verstehen und versucht, ihr die Gemälde begreiflich zu machen.23

Silvia fehlt jegliches Interesse für Angelegenheiten, die nicht etwa mit ihr oder ihrer Beziehung zu tun hat. So sagt sie: „ Was geht es uns an, dachte ich “ 24

Langsam erhält man einen Ausblick über die sich entwickelnden Spannungen zwischen Silvia und Andreas. Trotz und Eifersucht sind die Antriebe der begleitenden Gedanken von Silvia.

Um die Ausschließlichkeit ihrer Liebesbeziehung zu ihm zu erhalten, bekämpft sie den vermeintlichen Dritten im Bunde, seine Arbeit, schließlich auch Andreas selbst, wie sich am Ende heraus stellt.25

Die Spannung zwischen den beiden bemerkt der Leser im späteren Verlauf. Silvia sieht Soldaten und uniformierte Kinder von diesen faschistischen Phänomenen ist sie beeindruckt. Sie betont dies vor ihrem Partner, ohne auf seine Befindlichkeit zu achten. Dies zeugt davon, dass sie ihre Minderwertigkeitsgefühle gegenüber Andreas zu kompensieren versucht. So zweifelt sie nicht daran, „... dass alles richtig war, was Andreas sagte. “26 Hierdurch kommt ein untergeordnetes Selbstverständnis zum Ausdruck, da sich Silvia keine eigenen Gedanken zu den Themen macht, die Andreas bewegen. Dagegen drückt Andreas in den Worten „ Der Staat ist alles, der einzelne nichts“27 seine verurteilende und abwehrende Position gegenüber der Staatsform aus.

In Neapel angekommen wird Silvia in ihrer Beziehung zu Andreas auf eine harte Probe gestellt. Sie bemerkt, dass ihre Beziehung in ihrer Einzigartigkeit unhaltbar ist und dies widerstrebt ihr. Andreas wiederum erfährt eine Intensivierung seiner Lebensfreude. Die Diskrepanz zwischen den beiden Sichtweisen spiegelt zum einen die neue Lebensqualität von Andreas wieder und zum anderen die Unzufriedenheit von Silvia. Immer wieder beschwichtigt und rationalisiert sie ihre Angst, Andreas zu verlieren und glaubt an eine Rückkehr in „ die schützende Muschel der Gewohnheiten “,28

Trotz vieler Unstimmigkeiten zwischen Silvia und Andreas auf ihrer Reise sind bis zu diesem Zeitpunkt immer noch keine sichtbaren Veränderungen bezüglich Silvias in der Besessenheit zu der Liebe zu Andreas eingetreten. Ihrerseits gibt es eine totale Fixierung auf ihren Partner und jegliche Phänomene auf der Reise dienen als Nahrung für ihre Liebe.29 So schreibt die Autorin: „ So dienten alle Dinge unserer Freude“30. Für Silvia fungiert die Reise nur als „Dienerin der Liebe“ zwischen ihnen.

Die Erwartung, der Kongress sei die „wunderbare Krönung im gemeinsamen Erleben“31, erfüllt sich indes nicht. Silvia ist vollkommen enttäuscht und kann es nicht fassen. „Das Fest war vorüber, der Kongress beendet. Aber alles wurde nicht so, wie ich es erwartet hatte. Ich konnte es nicht fassen“. 32

[...]


1 http://www.zitate-online.de/autor/dostoiewski-fiodor-michailowitsch/ (1.04.2012)

2 Vgl. Meyers Grosses Taschenlexikon.Bd.13. 9. Auf! Mannheim 2003. S. 4431

3 Ebd. Meyers Grosses Taschenlexikon.Bd.13. 9. Aufl. Mannheim 2003. S. 4431

4 Vgl. Reters, Torsten: Liebe, Ehe und Partnerwahl zur Zeit des Nationalsozialismus.Bochum. S. 784.

5 Vgl. Reters, Torsten: Liebe, Ehe und Partnerwahl zur Zeit des Nationalsozialismus.Bochum. S. 784.

6 Vgl. Mühlfeld, Claus/ Schönweiss, Friedrich: Nationalistische Familienpolitik. S.50.

7 Ebd. Mühl Teld. Claus/ Schönweiss, Friedrich: Nationalistische Familienpolitik. Ebd. S. 50

8 Vgl. S. 50 f.

9 Ebd. Kaschnitz, Marie Luise: Liebe beginnt. Insel Verlag. Frankfurt am Main, 1994. S. 12

10 Kaschmtz, Marie Luise: Liebe beginnt. Insel Verlag. Frankfurt am Main, 1994. S Ebd. S. 12

11 Vgl. S. 10

12 Ebd. S. 20

13 Vgl. S. 56

14 Vgl. Falkenhof, Editha Lisa: Marie Luise Kasclmitz' literarisches Debut: der Roman „ Liebe beginnt“. Universität Hannover. S. 19

15 Ebd. Kaschnitz, Marie Luise: Liebe beginnt. Insel Verlag. Frankfurt am Main, 1994. S. 14

16 Ebd S. 14

17 ” Vgl. S. 10

18 Ebd. S. 13

19 Falkenhof, Editha Lisa: Marie Luise Kaschnitz` literarisches Debut: der Roman „ Liebe beginnt“. Universität Hannover. S. 46

20 Kaschnitz, Marie Luise: Liebe beginnt. Insel Verlag. Frankfurt am Main, 1994. S. 13

21 Ebd. S. 37

22 Ebd. S. 43

23 Vgl. S. 46

24 Ebd. S. 50

25 Vgl. Kasclmitz, Marie Luise: Liebe beginnt. Insel Verlag. Frankfurt am Main, 1994 S. 58

26 Ebd S. 64

27 Ebd. S. 65

28 Ebd. S. 78

29 Vgl. Falkenhof, Editha Lisa : Marie Luise Kaschnitz' literarisches Debut: der Roman Liebe beginnt“. Universität Hannover. S. 105

30 Kaschnitz, Marie Luise: Liebe beginnt. Insel Verlag. Frankfurt am Main, 1994. S. 13

31 Ebd. S. 79

32 Ebd. Kaschnitz, Marie Luise: Liebe beginnt. Insel Verlag. Frankfurt am Main, 1994. S. 81

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
"Die Reise von Tod und Auferstehung der Liebe" in Marie Luise Kaschnitz Roman "Liebe beginnt"
Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V448630
ISBN (eBook)
9783668834033
ISBN (Buch)
9783668834040
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reise, auferstehung, liebe, marie, luise, kaschnitz, roman
Arbeit zitieren
Marina Jürgens (Autor), 2012, "Die Reise von Tod und Auferstehung der Liebe" in Marie Luise Kaschnitz Roman "Liebe beginnt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448630

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