Professionalisierung der Sozialen Arbeit

Die Professionalisierungsdebatte und die Rolle der Wissenschaft in der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Soziale Arbeit als Beruf oder Profession?

2. Die geschichtliche Entwicklung der Professionalisierungsdebatte

3. Die Professionalisierung 6
3.1 Begriffserläuterung 6
3.2 Das klassische Professionalitätsideal

4. Problematiken der Anerkennung als Profession 7
4.1 Kemfunktion/Kembereiche 7
4.2 „Jedermannstätigkeit“ 8
4.3 Zweifel an eigener Professionalität 8
4.4 Berufsbezeichnung 9
4.5 Unklarheit über Auftraggeber 9
4.6 Messbarkeit des Erfolgs 9
4.7 „Beziehungsarbeit“ 9
4.8 Abhängigkeit von der Wissenschaft eigenständiger Professionen 10
4.8.1 Eigene Sozialarbeitswissenschaft 10
4.8.2 Ergebnisse der Sozialarbeitswissenschaftsdebatte 11
4.8.3 Herausforderungen der Anerkennung als eigenständige Wissenschaft

5. Die Entwicklung von Wissenschaft und Praxis mit ihren Auswirkungen auf die Fachkräfte

6. Wissenschaft als wichtige Rolle in der Professionalisierungsdebatte

Literaturverzeichnis

1. Soziale Arbeit als Beruf oder Profession?

Laut den meisten Autoren/Autorinnen ist die Soziale Arbeit noch keine Profession, die meisten beschreiben die Soziale Arbeit als eine „alternative“ Profession oder „bescheidene“ Profession (vgl. Müller 2016: 33). „Sozialarbeit in Deutschland wird also nicht uneingeschränkt als voll entwickelte Profession bezeichnet“ (Steinert 2000: 29).

Der Beruf der Sozialen Arbeit hingegen hat sich etabliert, die Frage nach der Profession steht weiterhin im Raum (vgl. Müller 2002: 725). Das Hochschulstudium der Sozialen Arbeit soll zur einer professionellen Ausführung als Fachkraft in diesem Berufsfeld führen und ist an Hochschulen für angewandte Wissenschaft auf das berufliche Handeln ausgelegt. Die Akade­mische Ausbildung bildet die Grundlage für den Beruf (vgl. Schumacher 2013: 26).

„In dem Maß, wie die Profession Professionalität und damit Expertentum und Handlungskom­petenz anzeigt, verweist der Beruf auf die Berufung, und damit auf fachliche Eignung und per­sönliche Integrität“ (Schumacher 2013: 28). Beide Begriffe sind Teil der Sozialen Arbeit und gehören zusammen. In den letzten Jahrzehnten schon gibt es eine immer anhaltende Debatte über die Soziale Arbeit als Profession und deren Anspruch. Bis heute dient die Soziale Arbeit der Bekämpfung und Verhinderung sozialer Probleme in der Gesellschaft und wird als öffent­liche Aufgabe gesehen. Im Gegensatz zu anderen Berufen dient sie aber der Funktionsfähigkeit der Gesellschaft, nicht deren Versorgung. Inhalt des Berufs sind vor allem die Vermeidung von Benachteiligung und Bevormundung und dies ist Ausdruck der Wertschätzung einzelner Per­sonen. Somit spiegelt der Beruf der Sozialen Arbeit ein „gesellschaftliches Selbstverständnis“ (Schumacher 2013: 28 f.) wieder.

„Zur Profession streckt und weitet sich Soziale Arbeit (..), indem sie sich die an sie gestellten Aufgaben zutraut und indem sie in ihrem Selbstverständnis die angedachte, besondere Bedeu­tung für die gesellschaftlichen Prozesse abbildet“ (Schumacher 2013: 29).

Die Wissenschaft der Sozialen Arbeit wird kontrovers diskutiert und führt zur anhaltenden Pro- fessionalisierungsdebatte. Die Debatte orientiert sich „am klassischen Professionsverständnis mit seinen spezifischen Anforderungen an Praxis, Ausbildung, Forschung und Wissenschaft“ (Mühlum 2012: 328). Im Nachfolgenden wird daher genauer auf die Professionalisierung in der Sozialen Arbeit eingegangen. Zur Einführung in das Thema wird die geschichtliche Entwick­lung der Professionalisierungsdebatte genauer angeschaut. Grundlegend für die genauere Aus­einandersetzung ist die Klärung des Begriffs „Profession“ und die Anforderungen an diese. Was sind die Probleme der Anerkennung der Sozialen Arbeit als Profession und warum ist dies eine ewig andauernde Debatte? Mühlum nannte die Praxis, die Ausbildung, die Forschung und die Wissenschaft als Teile des klassischen Professionsverständnisses. Welche Auswirkungen hat die Wissenschaft auf die Professionalisierungsdebatte und warum gibt es in diesem Zusam­menhang eine Debatte um eine eigenständige Sozialarbeitswissemchaftl In welchem Zusam­menhang stehen diese zueinander?

2. Die geschichtliche Entwicklung der Professionalisierungsde­batte

Die Soziale Arbeit hat eine 100-jährige Berufsgeschichte, welche man auch als Geschichte der Professionalisierung bezeichnen kann. Es handelt sich dabei nicht um einen geradlinigen Ver­lauf in der Entwicklung, dennoch wurden im Laufe der Jahre immer wieder neue Schritte auf dem Weg zur Höherqualifizierung gemacht (vgl. Mühlum 2012: 326).

Im geschichtlichen Verlauf der Sozialen Arbeit sind Notlagen von Menschen als gesellschaft­liches Problem anerkannt worden und werden somit von Institutionen behandelt. Damit ist die professionelle Soziale Arbeit nur im Zusammenwirken von institutionalisierten Handlungskon­texten und den lebensweltlichen Kontexten der Adressaten/Adressatinnen möglich (vgl. Spie­gel 2011: 50).

Die Soziale Arbeit als professioneller Berufszweig wurde stark von Alice Salomon (1872-1948) geprägt. Sie veröffentlichte einige wissenschaftliche Werke und engagierte sich vielseitig in der Sozialen Arbeit. Auch heute noch spiegeln sich viele Impulse von Alice Salomon in der Praxis, Theorie und der Ausbildung der Soziale Arbeit wieder. Zudem gilt sie als Gründerin der Frau­enbewegung und verhalf vielen Frauen und Mädchen zur sozialen Hilfsarbeit. Damit wollte sie diese mit verantwortungsvollen Tätigkeiten an gesellschaftlichen Reformen beteiligen. Grund­lage der Überlegungen von Salomon war der Entwicklungsstand der modemen Gesellschaft, deren Überlegungen im anschließenden Zitat deutlich werden, (vgl. Schilling/Klus 2015: 38). „Je entwickelter und vielseitiger die Kultur einer Gesellschaft ist (...), desto weniger werden all seine Mitglieder imstande sein, mit deren herrschenden Ideen, Vorstellungen und Anforde­rungen Schritt zu halten; desto größer die Zahl derer, die sich nicht anpassen können; desto geringer werden die Möglichkeiten natürlicher, familienhafter, nachbarlicher Hilfe und Förde­rung“ (Schilling/Klus 2015: 38).

Gerade in der Industriegesellschaft sind viele Probleme entstanden, auf die einzelnen Personen kaum Einfluss hatten. Um Problem zu lösen oder diese zu verbessern sind Hilfen in Form der Wohlfahrtspflege notwendig (vgl. Schilling/Klus 2015: 38). Für Alice Salomon ist Wohlfahrts­pflege „die planmäßige Förderung der Wohlfahrt von Bevölkemngsgmppen in Bezug auf sol­che Bedürfnisse, die sich nicht selbst auf dem Weg der Wirtschaft befriedigen können, und für die auch nicht deren Familien oder der Staat durch allgemeine öffentliche Leistungen sorgt.“ (Schilling/Klus 2015, Soziale Arbeit. Geschichte - Theorie - Profession, zit. n. Engelke 1999: 212). Die Wohlfahrtspflege verfolgt das Ziel der bestmöglichen Entwicklung der ganzen Per­sönlichkeit. Salomon verfolgt das Ziel die Kräfte der Klienten/Klientinnen zu fördern, durch präventive Maßnahmen der Entstehung von Problemen vorzubeugen, soziale und individuelle Probleme gemeinsam mit den Klienten/Klientinnen zu bewältigen und bei ausweglosen Situa­tionen Grundversorgung anzubieten (vgl. Schilling/Klus 2015: 39). Grundvoraussetzung zur Erreichung dieser Ziele durch Hilfe war für Salomon die „Erstellung von sozialen Diagnosen“ (Schilling/Klus 2015: 39).

Die erste Fachliteratur für die Fürsorgeausbildung in Deutschland, und somit für die Profession der Sozialen Arbeit erschien 1926 unter dem Titel „Soziale Diagnose“ von Alice Salomon. Soziale Diagnosen sollten vor allem wichtige psychosoziale Daten erheben. Diese sollten mit den Klienten/Klientinnen zusammen erarbeitet werden (vgl. Schilling/Klus 2015: 39). Außer­dem entwickelte sie ein Phasenmodell professionellen Helfens. Dieses umfasst folgende sechs Schritte:

-Erkundigungen einziehen,
-Ressourcenermittlung der Lebenswelt,
-Stellvertretende Deutung,
-Hilfeplan erstellen,
-Interventionen,
-Evaluation (vgl. Stimmer 2012, 273).

Ausschlaggebend waren für Salomon ausgebildete Fachkräfte in der Wohlfahrtspflege. Im Jahre 1908 erfolgt die Gründung der ersten Sozialen Frauenschule in Deutschland durch Alice Salomon, 1925 gründete sie die erste Weiterbildungsinstitution für Fürsorgerinnen und 1929 gründete sie das „Internationale Komitee Soziale Frauenschule“ (vgl. Schilling/Klus 2015: 39).

Die geradlinigen Entwicklungen bis 1933 wurden durch die NS-Herrschaft unterbrochen (vgl. Mühlum 2012: 327).

In der Nachkriegszeit bis etwa 1970 entwickelte sich eine Teilprofessionalisierung durch Me­thodenlehre. Durch die Auseinandersetzung mit dem Auftrag, der Kompetenz und der gesell­schaftlichen Funktion wurde die wissenschaftliche Reflektion und damit die Ausbildung teils reformiert (vgl. Mühlum 2012: 327). Auf diese Entwicklung wird zu einem späteren Zeitpunkt der Hausarbeit nochmal näher eingegangen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich auch die Sozialpädagogik unter starkem Einfluss von Gertrud Bäumer. Die Grundsätze und die Ausbildung orientierten sich an der geisteswis­senschaftlichen Pädagogik. Anschließend erfolgte eine Ausbildungsreform bis etwa 1970 (vgl. Mühlum 2012: 327).

Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts vereinten sich die Sozialarbeit und die Sozialpädagogik zur Sozialen Arbeit (vgl. Mühlum 2012: 327).

Als die Berufsausbildung der Sozialen Arbeit zu Beginn der 70er Jahre ihren Weg an die Hoch­schulen fand, begann die Diskussion über die Professionalisierung des Berufes. Die Frage, ob soziale Arbeit als Beruf, oder aber als Profession zu verstehen sei, stand ab nun im Raum.

Bis Mitte der 80er Jahre setzte man die Frage in Bezug auf die strukturfunktionalistischen Pro­fessionskriterien und versuchte so, eine Antwort zu finden. Nach diesen Kriterien ist eine Pro­fession für Punkte zuständig, welche im Laufe der Zeit aus dem Alltagsleben verschwunden sind und mit Zuständigkeitsregeln wieder herbeigeführt wurden. Professionen „verfügen über einen systematisierten, wissenschaftlichen Wissensbestand, eine berufliche Ethik, „anerkannte“ Methoden sowie spezifische Fachsprache“ (Spiegel 2011: 49). Angehörige von Professionen haben als Grundlage ein gesellschaftliches Mandat. Mittelpunkt der Debatte war das Ziel, die zuvor genannten Kriterien einer Profession mit dem Beruf der Sozialen Arbeit zu verbinden, um diesen zu befördern und die gesellschaftliche Bedeutung der Sozialen Arbeit zu sichern. Die Debatte der Sozialarbeitswissenschaft ist eng mit der Entstehung der Deutschen Gesell­schaft für Soziale Arbeit verbunden und löste seit Anfang der 80er Jahre eine große Debatte aus (vgl. Sommerfeld 2010: 30). Auf diese wird zu einem späteren Zeitpunkt nochmal genauer ein­gegangen.

Seit Anfang der 90er Jahre bildet der DBSH (Deutscher Berufsverband Soziale Arbeit e.v.) den Berufsverband der gesamten Sozialen Arbeit, allerdings ist die Rückmeldung bzw. Orga­nisation der Fachkräfte hin zur Professionalisierung eher gering (vgl. Spiegel 2011: 50).

Die Soziale Arbeit setze sich trotz vieler Widerstände mit öffentlichen Regelungen und sozial­beruflicher Organisation durch (vgl. Mühlum 2012: 327). Teil der Professionalisierungsdebatte sind die internationalen Social-Work-Standards gern, dem UNO-Manual 1994, die Social Work Definition (2000) und die Global Standards aus 2004. Deren Bedeutung für die professionelle Soziale Arbeit ist noch nicht überall anerkannt (vgl. Mühlum 2012: 329).

3. Die Professionalisierung

„In dem Maß, wie die Profession Professionalität und damit Expertentum und Handlungskom­petenz anzeigt, verweist der Beruf auf die Berufung, und damit auf fachliche Eignung und per­sönliche Integrität“ (Schumacher 2013: 28). Beide Begriffe sind Teil der Sozialen Arbeit und gehören zusammen. Doch was genau ist eine Profession?

3.1 Begriffserläuterung

Das Wort Profession kann man aus dem lateinischen von „professio“ ableiten, und bedeutet so viel, wie „ich bekenne“. Damit spricht es die Bekennung zu einzelnen Berufen an (vgl. Herwig- Lempp 1997: 4).

Professionen sind Expertenberufe, die wissenschaftlich fundiertes Fachwissen voraussetzen und deshalb eine langjährige akademische Ausbildung etablieren. Sie bearbeiten die Zentral­werte der Gesellschaft (z.B. Gesundheit, Gerechtigkeit) und errichten ein Monopol der diesbe­züglichen Leistungserbringung“ (Nadai u.a. 2005: 17). Die Voraussetzung einer Profession ist eine wissenschaftliche Ausbildung, Wissenschaften werden in der Regel in der Praxis als Pro­fession ausgeübt (vgl. Mühlum 2012: 328). „Profession“ beschreibt eine besondere Klasse von Berufen. Zur Ausübung des Berufs benötigt man spezielle Kenntnisse und Qualifikationen. Zwei allgemeine Merkmale eines Berufs sind das Mandat und die Lizenz. Mandat bedeutet die Anerkennung der Gesellschaft über das Nutzen des Berufs. Die Lizenz hingegen beschreibt das gesellschaftliches Wissen darüber, was Berufstätige in ihrem Berufsfeld unter welchen Voraus­setzung tun dürfen und sollen (vgl. Müller 2002: 726).

3.2 Das klassische Professionalitätsideal

Bei klassischen Professionen sind die Anforderungen an das Mandat und die Lizenz besonders hoch. Dies tritt ein, wenn die Arbeit zentrale Bereiche des Lebens trifft, der persönliche Privat­oder Intimbereich eines anderen Menschen berührt wird und besondere Risiken für die Perso­nen, welche ein Nutzen daraus ziehen sollen, birgt. Die drei klassischen Professionen, welche sich daraus gebildet haben, sind Ärzte/Ärztinnen, Richter/Richterinnen/allgemeine Juristen/Ju- ristinnen/Rechtsanwälte/Rechtsanwältinnen etc. und die geistliche Profession.

Die zwei Hauptmerkmale der klassischen Professionen sind die Kompetenz der Professionsan­gehörigen in der Weise, dass sie im persönlichen sensiblen Lebensbereich keinen oder nur ge­ringen Schaden anrichten. Das zweite Hauptmerkmal ist die Unabhängigkeit der Professions­angehörigen von staatlichen oder anderen Instanzen, welche womöglich andere Ziele verfolgen.

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Details

Titel
Professionalisierung der Sozialen Arbeit
Untertitel
Die Professionalisierungsdebatte und die Rolle der Wissenschaft in der Sozialen Arbeit
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V448672
ISBN (eBook)
9783668835955
ISBN (Buch)
9783668835962
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Professionalisierung, Professionalisierungsdebatte, Wissenschaft, Beruf, Anerkennung
Arbeit zitieren
Charline Krause (Autor), 2017, Professionalisierung der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448672

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