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Soziale Projekte für schwer erreichbare Jugendliche. Bedarfserhebung und praktische Anregungen zu § 16 h SGB II im Vogtlandkreis

Title: Soziale Projekte für schwer erreichbare Jugendliche. Bedarfserhebung und praktische Anregungen zu § 16 h SGB II im Vogtlandkreis

Master's Thesis , 2018 , 141 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: H. Christoph Geuder (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit will Praktiker*innen dabei unterstützen, niedrigschwellige Angebote für "schwer zu erreichende junge Menschen" zu entwickeln. Sie bietet eine Arbeitsgrundlage zur Entwicklung von Projekten, die § 16h SGB II ausgestalten sollen. Für diese jungen Menschen sollen die Jobcenter Angebote ermöglichen, um sie an das eigene Unterstützungssystem heran zu führen. Während der Arbeit an der vorliegenden Masterthesis gab es im Vogtlandkreis noch kein entsprechendes Angebot. Diese Arbeit verfolgt das Ziel bei potentiellen Trägern, die ein Angebot auf der Grundlage des § 16 h SGB II entwickeln können, Lernprozesse anzustoßen, anhand derer sie ihre Handlungsweisen und Gewohnheitsregeln reflektieren können.

Kapitel 2 setzt sich im ersten Abschnitt mit § 16 h SGB II in Abgrenzung zu ähnlichen – bereits vor 2016 etablierten – gesetzlichen Regelungen auseinander. Im zweiten Abschnitt weitet sich der Rahmen und die 'neue' Regelung wird ins Licht sozialstaatlichen Handelns gerückt. Damit wird der grundsätzliche Bedarf eines Angebotes aus zwei unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Kapitel 3 erhebt und erörtert den Bedarf für ein Angebot nach § 16 h SGB II im Vogtlandkreis. Im Anschluss werden Überlegungen thematisiert, die auf 'schwer zu erreichende' junge Menschen im Vogtlandkreis zutreffen können.

Kapitel 4 beschreibt vorhandene Ressourcen, die ein Angebot berücksichtigen sollte. Dabei werden zuerst politische Willensbekundungen bewusst gemacht, dann bestehende Unterstützungsangebote dargestellt und schließlich weitere Potentiale aufgezeigt, die einzubeziehen sind, wenn ein Netzwerk als 'Werkzeug' entwickelt und unterhalten werden soll. Einige der beschriebenen Akteure besitzen das Potential, ein Angebot nach § 16 h SGB II zu entwickeln. Welche Potentiale im Jobcenter des Vogtlandkreises selbst vorhanden sind, thematisiert ein separater Abschnitt.

In Kapitel 5 werden Anregungen zur Ausgestaltung eines Angebotes beschrieben. Dies beginnt mit der Beschreibung etablierter Methoden, fordert dann grundlegend dazu auf, die gesellschaftlich etablierte 'Straflust' für Nutzer*innen des Angebotes einzuschränken. Auf dieser Grundlage kann sich ein Angebot an der Lebenswirklichkeit der jungen Menschen orientieren. Diese müssen aktiv einbezogen werden, sie sollen sich beteiligen – partizipieren – können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Ausgangslage – § 16 h SGB II – der Text

1 Einleitung

2 Beschreibung der rechtlichen Ausgangslage

2.1 Wann ist wer für Bürger*innen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zuständig

2.2 Einordnung vom sozialstaatlichen Grunde her

3 Analyse der Zielgruppe nach § 16 h SGB II

3.1 Die Menge junger Menschen im Vogtlandkreis – die potentielle Zielgruppe

3.2 Eingrenzung anhand von Systemzugehörigkeiten

3.3 Das Verhältnis der Verbleibenden zur Arbeitsvermittlung

3.4 Unsicherheit sowie Mangel an Bedürfnisbefriedigung

3.5 Das Verhältnis der potentiellen Zielgruppe zur Kriminalität

3.6 Das Verhältnis der potentiellen Zielgruppe zu Drogen und Sucht

3.7 Lebensweltexpertise – Gespräch mit einem ,Betroffenen'

3.8 Expert*innen befragt – Perspektiven des Hilfesystems

3.9 Zwischenfazit: Die Zielgruppe des § 16 h SGB II im Vogtlandkreis

4 Potentiale des vorhandenen Unterstützungsnetzwerkes

4.1 Politischer Wille zur Lösung der Herausforderung im Vogtlandkreis

4.2 Bestehende Angebote im öffentlichen Hilfesystem – das potentielle Netzwerk

4.3 Potentiale im Jobcenter Vogtland

5 Anregungen zur erfolgversprechenden Ausgestaltung eines Angebotes

5.1 Ambulante Beratungsangebote und Streetwork

5.2 Repressive Pädagogik überwinden

5.3 Lebenswelt- und Sozialraumorientierung

5.4 Partizipation der jungen Menschen am Unterstützungsprozess

5.5 Werkzeug Netzwerk – niedrigschwellig – erfolgsorientiert – zeitintensiv

5.6 Realisierung mit S.M.A.R.T.`en Zielen

5.7 Anforderungen an die Infrastruktur

6 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht den Bedarf und die Gestaltungsmöglichkeiten für niedrigschwellige Unterstützungsangebote nach § 16 h SGB II für „schwer zu erreichende“ junge Menschen im Vogtlandkreis, um deren gesellschaftliche Teilhabe und Arbeitsmarktintegration zu fördern und Langzeitarbeitslosigkeit präventiv entgegenzuwirken.

  • Analyse der Zielgruppe und ihrer spezifischen Lebenslagen
  • Rechtliche Einbettung und sozialstaatlicher Handlungsbedarf
  • Evaluierung vorhandener Unterstützungsressourcen und Netzwerkpotentiale
  • Konzeptionelle Anregungen für eine niedrigschwellige Ausgestaltung
  • Bedeutung von Partizipation und vertrauensvoller Beziehungsarbeit

Auszug aus dem Buch

3.7 Lebensweltexpertise – Gespräch mit einem ,Betroffenen'

Am 9. Mai 2018 sprach ich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als Sozialpädagoge in der Wohnungslosenhilfe mit einem ,Kumpel' eines Betreuten. Dieser berichtete von seinen Erfahrungen mit dem Jobcenter Vogtland. Als ich ihn nach seinem Alter befragte, antwortete er: „fünfundzwanzig.“ Und so kam ich mit ihm zum Thema dieser meiner Erarbeitung ins Gespräch.

Das gemeinsam geführte Gespräch entspricht im wissenschaftlichen Sinn keinem Interview, welches ich als Transskript wiedergeben könnte. Die Unterhaltung hatte eher den Charakter des Ero-epischen-Gesprächs, einer Methode die von Roland Girtler entwickelt, gelehrt und praktiziert wurde (Girtler 2001: 147ff). Bei dieser Methode treten Wissenschaftler*in und Gesprächspartner*in über das zu erforschende Thema in einen offenen Austausch ein. Jede Seite berichtet vom eigenen Anliegen.

Der junge Mann ist vor mehreren Jahren aus der Wohnung seiner Mutter ausgezogen. Als er ausziehen wollte, hat das Jobcenter einen Mann beauftragt, bei ihm zu Hause nachzusehen. Er bekam die Genehmigung auszuziehen sofort. Der Grund: Sein Stiefvater hat zum Zeitpunkt des Hausbesuches mit grimmigem Gesichtsausdruck am Küchentisch gesessen und den begutachtenden Mann scharf angesprochen.

Später kam der junge Mann ins Gefängnis. Wofür er verurteilt worden ist, erzählt er nicht. Er lebt jedenfalls seit vielen Jahren in der vogtländischen Stadt Plauen, nimmt aber seit vielen Monaten an den gesellschaftlichen Zwecksystemen nicht mehr teil. Seinen Lebensunterhalt bestreitet der junge Mann, indem er ,arbeiten geht', was bedeutet, dass er von Schwarzarbeit und sonstigen illegalen Geschäften lebt. Sein Einkommen beziffert er auf siebzig Euro pro Tag, wobei offen bleibt, ob diese Summe an jedem Wochentag, jedem Werktag oder an den Tagen, an denen er aktiv wird, erzielt wird. Als Wohnung nutzt er die Wohnung eines Freundes, der als Kraftfahrer arbeitet und sich nur sehr selten in der Stadt befindet.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Ausgangslage – § 16 h SGB II – der Text: Stellt den rechtlichen Wortlaut des § 16 h SGB II zur Förderung schwer zu erreichender junger Menschen dar.

1 Einleitung: Führt in die Problematik der Exklusion junger Menschen ein und definiert das Ziel der Arbeit, Lernprozesse bei Trägern im Vogtlandkreis anzustoßen.

2 Beschreibung der rechtlichen Ausgangslage: Analysiert die Einbettung des Paragraphen in das Hilfesystem und die sozialstaatliche Verantwortung gegenüber Betroffenen.

3 Analyse der Zielgruppe nach § 16 h SGB II: Untersucht mittels statistischer Annäherung und qualitativer Expertengespräche die Lebenslagen der Zielgruppe im Vogtlandkreis.

4 Potentiale des vorhandenen Unterstützungsnetzwerkes: Identifiziert Akteure der Jugend- und Wohnungslosenhilfe sowie Bildungsträger als Netzwerkpartner für künftige Angebote.

5 Anregungen zur erfolgversprechenden Ausgestaltung eines Angebotes: Liefert methodische und organisatorische Empfehlungen wie Streetwork und Case Management für ein passgenaues Angebot.

6 Fazit: Fasst die Notwendigkeit und Realisierbarkeit eines solchen Angebots im Vogtlandkreis zusammen und betont die Anforderung an das Personal.

Schlüsselwörter

§ 16 h SGB II, Vogtlandkreis, schwer zu erreichende junge Menschen, Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe, Jobcenter, Sozialraumorientierung, Lebensweltorientierung, Niedrigschwelligkeit, Case Management, Streetwork, Partizipation, Arbeitsmarktintegration, Soziale Arbeit, Vernetzung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Ausgestaltung von Unterstützungsangeboten für junge Menschen im Vogtlandkreis, die schwer durch das bestehende Hilfesystem erreicht werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die rechtliche Rahmensetzung des § 16 h SGB II, die Lebenslagen der betroffenen Zielgruppe, die Vernetzung der Akteure vor Ort sowie die praktische Umsetzung von aufsuchender Sozialarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Bedarf im Vogtlandkreis zu erheben und Anregungen für die Entwicklung eines niedrigschwelligen Angebotes zu geben, das jungen Menschen den Zugang zu Hilfesystemen ermöglicht.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es wurden statistische Daten analysiert sowie qualitative Expertengespräche mit Akteuren der Jugend- und Wohnungslosenhilfe geführt und ein Epo-episches Gespräch ausgewertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der rechtlichen Ausgangslage, die Bestimmung der Zielgruppengröße, die Untersuchung bestehender Netzwerkpotentiale und die Erarbeitung konkreter Anregungen zur Angebotsgestaltung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind § 16 h SGB II, Vogtlandkreis, Niedrigschwelligkeit, Sozialraumorientierung, Partizipation und die Zielgruppe der schwer zu erreichenden jungen Menschen.

Wie definiert der Autor „schwer zu erreichende junge Menschen“?

Es handelt sich um junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die aufgrund vielfältiger Probleme (psychisch, sozial, delinquent) aus dem Hilfesystem herausfallen oder dieses aus Angst, Misstrauen oder schlechten Erfahrungen meiden.

Warum ist das Angebot im Vogtlandkreis bisher nicht existent?

Die Arbeit identifiziert fehlende Zulassungen nach dem SGB III bei den Trägern sowie eine Überforderung der bestehenden Strukturen bei der aktiven, proaktiven Ansprache dieser Personengruppe.

Excerpt out of 141 pages  - scroll top

Details

Title
Soziale Projekte für schwer erreichbare Jugendliche. Bedarfserhebung und praktische Anregungen zu § 16 h SGB II im Vogtlandkreis
College
Catholic University for Applied Sciences Berlin
Grade
2,7
Author
H. Christoph Geuder (Author)
Publication Year
2018
Pages
141
Catalog Number
V448726
ISBN (eBook)
9783346055668
ISBN (Book)
9783346055675
Language
German
Tags
§ 16 h § 16h SGB II Jugendliche junge Erwachsene niederschwellig niedrigschwellig besondere Schwierigkeiten Vogtland Vogtlandkreis Jobcenter Vogtland § 16h SGB II § 16 h SGB II schwer erreichbar Seestraße Krimminalität Streetwork Empowerment Sozialraumorientierung Sozialraumorienteirung Angebote Sozialamt Maßnahmen Bedarf Anregungen Ausgestaltung Nichterreichte erreichen Hilfe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
H. Christoph Geuder (Author), 2018, Soziale Projekte für schwer erreichbare Jugendliche. Bedarfserhebung und praktische Anregungen zu § 16 h SGB II im Vogtlandkreis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448726
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