Die Propaganda der NSDAP war revolutionär und erfolgsversprechend. Doch wie bewerkstelligte die NSDAP die Legitimierung vieler antijüdischer Maßnahmen durch die Propaganda in der Bevölkerung? Diese Arbeit versucht, sich einer Antwort zu nähern.
Der Forschungsstand des Themas nationalsozialistischer Propaganda und Antisemitismus ist sehr breit gefächert und viele Historiker und Historikerinnen sind sich einig, dass die nationalsozialistische Propaganda eine Mystifizierung der Allmacht und Unwiderstehlichkeit umgibt, die trotz zahlreicher Ansatzpunkte zu keinem eindeutigen Ergebnis gelangt.
Um eine schrittweise Annäherung der Fragestellung erzielen zu können, inwiefern die antisemitische NS-Propaganda Einfluss auf die öffentliche Meinung der Bevölkerung nahm und zu radikalen und gewalttätigen Übergriffen führte, wird zunächst die grundlegende nationalsozialistische Propaganda genauer definiert. Anschließend wird chronologisch auf einschneidende Ereignisse bis zum November-Pogrom eingegangen, die durch effektive Propaganda zu der Verdrängung der Juden aus dem wirtschaftlichen und öffentlichen Leben führte und durch legislative Maßnahmen legitimiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundzüge der nationalsozialistischen Propaganda
3. Die propagandistischen Phasen der Judenpolitik
3.1 Der April-Boykott
3.2 Die Kurfürstendamm-Krawalle und die Nürnberger Gesetze
3.3 Die „ruhigen“ Jahre
3.4 Der November-Pogrom
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen nationalsozialistischer Propaganda, staatlicher Judenpolitik und der Reaktion der deutschen Bevölkerung im Zeitraum zwischen 1933 und 1938. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwiefern die antisemitische Propaganda des NS-Regimes Einfluss auf die öffentliche Meinung nahm, zur Legitimierung gewalttätiger Übergriffe diente und wie das Phänomen der Massenbewegung gegen die jüdische Minderheit konstruiert wurde.
- Grundlagen der nationalsozialistischen Propaganda und Massenpsychologie
- Die Inszenierung des „Volkswillens“ als propagandistisches Instrument
- Chronologische Analyse der Radikalisierung der Judenpolitik
- Die Rolle von SA, SS und HJ bei der Ausübung von Gewalt
- Das Verhältnis von administrativen Maßnahmen und spontaner Gewalt
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Kurfürstendamm-Krawalle und die Nürnberger Gesetze
„Der erste Schritt, um für das entstehende ‚Dritte Reich‘ die Hegemonie des rassistischen Dogmas festzuschreiben“50 war erfolgreich getan. Die Gleichschaltung aller Medien in Deutschland erfolgte kurz darauf, um die Berichterstattungen zu kontrollieren. Goebbels veröffentliche Richtlinien, denen die Medien zu folgen hatten. Diese Richtlinien beschränkten sich auf 15 Punkte, in denen es unter anderem hieß, dass kritische und eigenständige Berichterstattung tabu war, dass es mit dem Gedanken eines „Führerstaates“ nicht vereinbar sei, Gesetzesentwürfe kontrovers zu diskutieren und dass das Schreiben falscher Behauptungen bei politischer Berichterstattung untersagt war.51 Durch die Gleichschaltung und damit einhergehende einseitige Berichterstattung konnte noch intensivere und kontrolliertere Propaganda betrieben werden. Auch die Boykotte und antijüdischen Übergriffe gingen weiter, wenn auch regional mit unterschiedlicher Intensität.
Bis Anfang 1935 sollte es verhältnismäßig ruhig für die jüdische Minderheit und den nationalsozialistischen Gewaltübergriffen bleiben, dann machte „Der Stürmer“52 mobil. Die sogenannten „Stürmer-Kästen“ wurden reichsweit an gut sichtbaren Stellen von Städten und Dörfern aufgestellt und zeigte die aktuellste Ausgabe des „Stürmers“ und einige antisemitische Parolen. Außerdem wurden „Volksgenossen“, die geschäftlich oder privat mit Juden verkehrten, mit vollständigen Angaben zu Person und Adresse und teilweise auch einer Fotografie denunziert. Die öffentlich gemachte „Rassenschande“ erzeugte enormen sozialen Druck, denn als „Rassenschändling“ schmälerte sich nicht nur das soziale Ansehen, sondern die SS trieb die Denunzierten mit Plakaten um den Hals durch die Stadt. Dieser Umzug wurde begleitet von neugierigen „Volksgenossen“, die die Denunzierten verhöhnten, beschimpften und teilweise auch misshandelten. Auch die SS schlug die Vorangetriebenen, riss ihnen die Haare vom Kopf und brachten sie schließlich ins Gefängnis, in dem die Demütigungen durch Folter den Höhepunkt erreichten.53 Auch Juden, die einen Angriff auf die „Volksgemeinschaft“ wagten, wurden in den „Stürmer-Kästen“ denunziert und zeigte die Propaganda der „Stürmer-Kästen“ ihre Wirkungsmacht auf die „Volksgenossen“: Im Februar 1935 wurde eine Nicht-Jüdin von einem jüdischen Ladenbesitzer entlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der nationalsozialistischen Propaganda in der Weimarer Republik und deren Bedeutung für die Machtergreifung, wobei der Forschungsstand zum NS-Antisemitismus kritisch eingeordnet wird.
2. Grundzüge der nationalsozialistischen Propaganda: Dieses Kapitel erläutert die propagandistischen Strategien der NSDAP, die auf massenpsychologischen Ansätzen und der bewussten Beeinflussung der „Volksgemeinschaft“ basieren.
3. Die propagandistischen Phasen der Judenpolitik: Der Hauptteil analysiert chronologisch die Verschärfung der Judenpolitik, unterteilt in den April-Boykott, die Kurfürstendamm-Krawalle, die „ruhigen“ Jahre und den November-Pogrom.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die NS-Propaganda zwar ein komplexes Instrument zur Konstruktion einer eigenen Wirklichkeit war, ihr Erfolg bei der Mobilisierung der breiten Bevölkerung jedoch begrenzt blieb und primär auf den Druck fanatischer Regime-Anhänger zurückzuführen ist.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Propaganda, Joseph Goebbels, Judenpolitik, Antisemitismus, Volksgemeinschaft, Machtergreifung, April-Boykott, Nürnberger Gesetze, November-Pogrom, Reichskristallnacht, Massenpsychologie, Gleichschaltung, Rassenschande, NS-Regime
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen der nationalsozialistischen Propaganda und der staatlich forcierten Judenverfolgung im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1938.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Propagandatechniken des NS-Regimes, die Rolle der Medien, die Instrumentalisierung des Antisemitismus sowie das systematische Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung durch administrative Maßnahmen und organisierte Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie die NS-Propaganda die Wahrnehmung der Bevölkerung beeinflusste und inwieweit die als „Volkszorn“ deklarierten Gewaltakte tatsächlich von der Parteiführung initiiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die ein chronologisches Vorgehen wählt, um die stufenweise Radikalisierung der NS-Politik und deren propagandistische Begleitung nachzuzeichnen.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Etappen der Judenpolitik, beginnend mit dem Boykott vom April 1933, über die Nürnberger Gesetze bis hin zum November-Pogrom von 1938.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben Begriffen wie Nationalsozialismus und Propaganda sind dies insbesondere Antisemitismus, Volksgemeinschaft, Judenpolitik und die Analyse der propagandistischen Inszenierung von Gewalt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des sogenannten „Volkszorns“?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der „Volkszorn“ eine reine propagandistische Inszenierung war, die von der NS-Führung gezielt gesteuert wurde, um als Ventil für existierende Ängste zu dienen.
Inwieweit unterschieden sich die verschiedenen Phasen der Judenpolitik?
Die Arbeit zeigt einen Wechsel zwischen Phasen der radikalen Gewalt und Phasen der relativen Ruhe, letztere oft bedingt durch außenpolitische Rücksichtnahmen, wie etwa während der Olympischen Spiele 1936.
Was war die Funktion der „Volksgemeinschaft“ im Kontext der NS-Propaganda?
Die „Volksgemeinschaft“ diente dazu, einen Zusammenhalt der „Volksgenossen“ zu suggerieren und gleichzeitig durch die Ausgrenzung von „Volksfremden“ soziale Distanz und Feindbilder zu festigen.
Wie beurteilt der Autor den Erfolg der NS-Propaganda?
Der Autor kommt zum Schluss, dass die Propaganda zwar die Unbefangenheit der Bevölkerung minderte, jedoch nur mäßig erfolgreich war, da die breite Masse nicht vollständig von der Gewalt überzeugt werden konnte.
- Arbeit zitieren
- Anna-Lena Wolbert (Autor:in), 2018, Die antisemitische Propaganda der NSDAP in den Jahren 1933-1939, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448728