Als eine Art Gegenpol zur Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft hat sich Yoga in den letzten Jahrzehnten in Deutschland etabliert. Angesichts der positiven Auswirkungen der Übungspraxis wird Yoga als eine individuelle Bereicherung und als ein Beitrag zur persönlichen Entwicklung betrachtet.
Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit den möglichen Potenzialen einer regelmäßigen Yogapraxis auf die Kompetenzentwicklung von Schülern in einer dualisierten Ausbildungsvorbereitungsklasse (AVDual). Das Schülerklientel der AVDual weist einen erhöhten Entwicklungsbedarf auf. Oft handelt es sich bei AVDual-Schülern um Jugendliche, deren erfolgreiche Schullaufbahnen durch diverse Umstände wie z. B. familiäre Probleme oder Lernschwächen erschwert werden. Das durchgeführte Yogaprojekt untersucht, ob die Jugendlichen durch körperliche Ertüchtigung und meditative Übungen mehr Fokussierung im Leben erhalten und hierdurch Kompetenzen ausbauen, die ihnen auf ihrem persönlichen und beruflichen Werdegang von Vorteil sind.
Die Autorinnen dieser Arbeit entwickeln hierfür ein Yogaprojekt, welches insgesamt 14 Yogaeinheiten mit jeweils 80 Minuten umfasst. Die zu erlangenden Kompetenzen werden in Kompetenzkategorien zusammengefasst, nach denen die Schüler auch im Zeugnis bewertet werden. Für die empirische Erfassung der Potenziale der Yogapraxis auf die zu entwickelnden Kompetenzen wird ein multimethodisches Forschungsdesign eingesetzt. Dieses setzt sich aus Interviews, Beobachtungen, Konzentrationstests sowie einer Selbsteinschätzungszielscheibe zusammen. Die Auswertungen der Daten erfolgen schülerindividuell sowie klassenbezogen.
Mit einer Ausnahme erkannten die Projektleiterinnen bei allen Schülern ein Potenzial des Kompetenzausbaus durch die Yogapraxis. Hervorzuheben sind die beobachteten positiven Kompetenzentwicklungen innerhalb der Kategorien „Selbstvertrauen“, „Konzentration / Belastbarkeit / Frustrationstoleranz“, „Flexibilität / Offenheit / Anpassungsfähigkeit“ und „Motivation / Begeisterungsfähigkeit“. Aufgrund des positiven Projektverlaufes bietet die Programmstruktur weiterführenden Yogaprogrammen eine übersichtliche Orientierung zur Durchführung und die Projektleiterinnen hoffen, dass Yoga sich steigender Popularität erfreut - generell in der westlichen, aber insbesondere in der schulischen Welt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Yoga
2.1.1 Körperorientierte Yogamethoden
2.1.1.1 Asanas
2.1.1.2 Pranayama
2.1.2 Auswirkungen der Yogapraxis
2.2 Lebensphase der Jugendlichen
2.2.1 Yoga für Jugendliche
3 Forschungsstand
4 Forschungsfrage
5. Das Yogaprojekt
5.1 Projektrahmen
5.1.1 Bildungsgang „AVDual“
5.1.2 Schülergruppe
5.1.3 Voraussetzungen für das Projekt
5.1.3.1 Lehrer:
5.1.3.2 Umgebung:
5.2 Programmstruktur
5.2.1 Auswahlkriterien für Übungen
5.2.1.1 Asana
5.2.1.2 Pranayama
5.2.2 Programmablauf
5.2.3 Exemplarische Beschreibung einer Übungseinheit – inklusive Auswirkungen der einzelnen Bestandteile
6 Forschungsdesign
6.1 Bezug zur Forschungsfrage
6.2 Darstellung der eingesetzten Methode Interviews
6.1.1 Die Auswahl der Interviewpartner
6.1.2 Erstellung der Interviewleitfäden
6.1.2.1 Allgemeine Struktur
6.1.2.2 konkrete Struktur der einzelnen Interviews
6.1.2.2.1 Erstes Schüler- sowie Lehrerinterview
6.1.2.2.2 Zweites Schülerinterview
6.1.2.2.3 Letztes Schüler- sowie Lehrerinterview
6.1.3 Durchführung der Interviews
6.3 Darstellung der eingesetzten Methode Beobachtung
6.3.1 Beobachtungsfeld
6.3.2 Beobachtungseinheit
6.3.3 Beobachterinnen
6.3.4 Beobachtete/r
6.3.5 Beobachtungsinstrument
6.4 Darstellung der eingesetzten Methode Konzentrationstest
6.5 Darstellung der eingesetzten Methode Selbsteinschätzungszielscheibe
6.6 Methode der Datenauswertung
6.6.1 Interviews
6.6.2 Beobachtung
6.6.3 Konzentrationstest
6.6.4 Zielscheibe
7 Ergebnisse und erkenntnisgeleitete Reflexion
7.1 Schülerbezogene Datenauswertung
7.1.1 Lisa
7.1.2 Anna
7.1.3 Muhammed
7.1.4 Julia
7.1.5 Sven
7.1.6 Sebastian
7.1.7 Abdul
7.1.8 Lennart
7.2 Datenauswertung Konzentrationstest
7.3 Klassenbezogene Datenauswertung
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht das Potenzial einer regelmäßigen Yogapraxis zur Förderung der Kompetenzentwicklung bei Jugendlichen in einer dualisierten Ausbildungsvorbereitungsklasse (AVDual), wobei insbesondere auf psychosoziale Faktoren und die Bewältigung schulischer Anforderungen fokussiert wird.
- Potenziale von Yoga für Jugendliche in AVDual-Klassen
- Entwicklung und Evaluation eines 14-wöchigen Yogaprojekts
- Multimethodisches Forschungsdesign (Interviews, Beobachtungen, Konzentrationstests)
- Förderung personaler und sozialer Kompetenzen wie Selbstvertrauen und Konzentration
- Transfer von Yoga-Erfahrungen in den Schul- und Arbeitsalltag
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Muss nur noch kurz die Welt retten (...), noch 148 Mails checken. Wer weiß, was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel.“ Diese Zeilen aus Tim Bendzkos Pop-Song aus dem Jahr 2011 drücken zwar lediglich poetische Gedanken aus der Musikwelt aus, spiegeln gleichzeitig aber unsere aktuelle westliche Welt wider. In der heutigen Zeit widmen sich die Menschen diversen Aufgaben und versuchen viele davon gleichzeitig zu erledigen Der Mensch scheint in einem ständigen Wettlauf gegen die Zeit zu sein (vgl. Heckmann, 2015: 12).
Als eine Art Gegenpol zu dieser Schnelllebigkeit unserer heutigen Gesellschaft hat sich Yoga in den letzten Jahrzehnten in Deutschland und in anderen westlichen Ländern zunehmend etabliert (vgl. Stück, 2011: 9). Angesichts der positiven Auswirkungen der Übungspraxis wird Yoga als eine individuelle Bereicherung und als ein Beitrag zur persönlichen Entwicklung betrachtet.
Bei der bewegten Meditation in Form von Yoga handelt es sich primär um eine spirituelle Erfahrung (vgl. Heitel, 2007: 25). Ein Bezug zu religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen wird nicht hergestellt (vgl. Marksteiner, 2009: 165). Vielmehr ist Yoga ein Weg der Verbindung und der Zusammenführung verschiedener Glaubensrichtungen, indem durch die Spiritualität die Kernwahrheiten aller Religionen, die aus spiritueller Sicht nicht im Widerspruch zueinander stehen, erlebt werden (vgl. Heitel, 2007: 26). Aus diesem Grund ist das Praktizieren von Yoga jedem Menschen unabhängig von seinen kulturellen Traditionen möglich. Selbst der spirituelle Aspekt wird in unseren kulturellen Kreisen häufig zurückgedrängt und eine körperliche Ertüchtigung tritt in den Vordergrund (vgl. Marksteiner, 2009: 164).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Kontext von Schnelllebigkeit und Leistungsdruck und führt Yoga als Methode zur persönlichen Entwicklung und Kompetenzstärkung bei Jugendlichen ein.
2. Theorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Yoga, seiner verschiedenen Stile und physiologischen Wirkungen sowie die spezifischen Entwicklungsanforderungen und Belastungen in der Lebensphase Jugendlicher.
3 Forschungsstand: Hier wird der aktuelle Forschungsstand zu Yoga-Programmen im Kinder- und Jugendbereich zusammengefasst und die Übertragbarkeit von Erkenntnissen aus dem Erwachsenenbereich diskutiert.
4 Forschungsfrage: Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welche Potenziale eine wöchentliche Yogapraxis für Schüler in Ausbildungsvorbereitungsklassen bezüglich der geforderten Kompetenzen bietet.
5. Das Yogaprojekt: Dieses Kapitel beschreibt den praktischen Rahmen, die Programmstruktur, die Auswahlkriterien der Übungen und die pädagogischen Überlegungen bei der Durchführung des Yogaprojekts.
6 Forschungsdesign: Das methodische Vorgehen wird dargelegt, welches auf einer Kombination aus qualitativen Interviews, systematischer Beobachtung, Konzentrationstests und Selbsteinschätzung basiert.
7 Ergebnisse und erkenntnisgeleitete Reflexion: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse schülerindividuell dargestellt, analysiert und die Wirksamkeit der Yogapraxis anhand der gewählten Indikatoren reflektiert.
8 Fazit: Das Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, bewertet das methodische Vorgehen und gibt Empfehlungen zur Integration von Yoga in den schulischen Alltag.
Schlüsselwörter
Yoga, AVDual, Kompetenzentwicklung, Jugendliche, Ausbildungsvorbereitung, qualitative Forschung, Konzentration, Belastbarkeit, Selbstvertrauen, Hatha-Yoga, Schulentwicklung, Achtsamkeit, Stressbewältigung, Sozialkompetenz, Schulpraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht das Potenzial einer wöchentlichen Yogapraxis zur Förderung von personalen und sozialen Kompetenzen bei Jugendlichen in einer Ausbildungsvorbereitungsklasse (AVDual).
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zentrale Felder sind die Auswirkungen von Yoga auf Jugendliche, die besonderen Anforderungen der AVDual-Schulform, die Entwicklung und Strukturierung eines schulpraktischen Yogaprojekts sowie der Transfer von Erfahrungen in den persönlichen und schulischen Bereich.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach: „Welche Potenziale birgt eine wöchentliche Yogapraxis für Jugendliche in einer Ausbildungsvorbereitungsklasse hinsichtlich der in dieser Schulform zu erlangenden Kompetenzen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird eingesetzt?
Die Arbeit nutzt ein multimethodisches Forschungsdesign, das qualitative Interviews, eine strukturierte Beobachtung, standardisierte Konzentrationstests (d2-R) sowie eine visuelle Selbsteinschätzung (Zielscheibe) umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Beschreibung des Yogaprojekts (Projektrahmen und Programmstruktur), die Darstellung des Forschungsdesigns und eine detaillierte Ergebnisauswertung zu den teilnehmenden Schülern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Yoga, AVDual, Kompetenzentwicklung, Jugendliche, Ausbildungsvorbereitung, Konzentration, Stressbewältigung und Sozialkompetenz.
Wie wirken sich die Asanas und Meditation auf die Jugendlichen konkret aus?
Die Übungen dienen als Gegenpol zum Leistungsdruck; sie fördern die Selbstwahrnehmung, die Entspannungsfähigkeit, die Konzentration und helfen den Jugendlichen, eigene Ressourcen zur Stressbewältigung und Emotionsregulation zu erschließen.
Warum wurde gerade die Zielgruppe der AVDual-Schüler gewählt?
Das Schülerklientel weist einen erhöhten Entwicklungsbedarf auf, da ihre Schullaufbahn häufig durch diverse Hindernisse erschwert wird. Yoga soll hier als Methode zur persönlichen und beruflichen Stärkung sowie zur Förderung der Ausbildungsreife dienen.
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- Nicole Denker (Author), Aenne Kiesbye (Author), 2017, Yogaunterricht als Methode zur Kompetenzentwicklung von Schülern in einer Ausbildungsvorbereitungsklasse (AVDual), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448741