In der vorliegenden Studie geht es um soziale Orientierungen und Lebensstile. Es werden Zusammenhänge zwischen Alter und sozialer Orientierung bzw. sozialer Orientierung und Lebensstil untersucht. Nach dem Social Value Model von McClintock (1988) gibt es vier soziale Orientierungen (altruistisch, kooperativ, individualistisch, kompetitiv), die mit dem Ring Measure of Social Values erhoben wurden. Die Einteilung in Lebensstile erfolgte anhand der Lebensführungstypologie von Otte (2005). 151 Probanden (39 Männer, 112 Frauen) nahmen an der Untersuchung teil; der größte Anteil waren Studenten. Beide Hypothesen müssen abgelehnt werden. Es konnte kein Zusammenhang zwischen Alter und sozialer Orientierung bzw. sozialer Orientierung und Lebensstil gefunden werden. Die mangelnde Validität der Items resultierte in einer nur sehr geringen Varianz bei der Verteilung der sozialen Orientierungen. Der Bericht soll motivieren, Gebrauch von selbst konzipierten Items zu machen, wenn keine vertrauenswürdige Literatur vorliegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorieteil
2.1 Soziale Orientierung
2.2 Lebensstile
2.3 Hypothesen
3 Methodenteil
3.1 Teilnehmer
3.2 Durchführung
3.3 Ring Measure of Social Values
3.4 Otte-Inventar
4 Ergebnisteil
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Untersuchung besteht in der Analyse potenzieller Zusammenhänge zwischen sozialen Orientierungen und unterschiedlichen Lebensstilen, um zu identifizieren, ob bestimmte Personengruppen stärker für umweltfreundliches Verhalten sensibilisiert werden können. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwiefern sich individuelle soziale Wertvorstellungen und Lebensführungstypen korrelativ zueinander verhalten und durch demografische Merkmale beeinflussen lassen.
- Analyse sozialer Orientierungen nach dem Social Value Model
- Klassifizierung von Lebensstilen mittels der Lebensführungstypologie von Otte
- Untersuchung von Korrelationen zwischen Alter, Geschlecht und sozialem Wertesystem
- Kritische Evaluation methodischer Instrumente zur Erfassung sozialer Präferenzen
Auszug aus dem Buch
2.1 SOZIALE ORIENTIERUNG
In der klassischen Nutzentheorie wird angenommen, dass Menschen in einer Entscheidungssituation allen vorhandenen Entscheidungsalternativen Werte zuweisen. Es wird dann diejenige Alternative gewählt, die am ehesten zu einem gewünschten Ergebnis führt, d. h. deren Wert höher ist als der Wert der anderen Alternativen. Werte sind hier zusammengesetzt aus dem subjektiven Nutzen einer Alternative und einem Erwartungswert. Der Erwartungswert beschreibt die Wahrscheinlichkeit mit der ein Ergebnis bei Wahl einer Alternative eintritt. Es wird nach Gewinnmaximierung gestrebt. Es wird angenommen, dass Menschen, wenn sie eine Entscheidung treffen nur an die Folgen der Entscheidung für sich denken, d. h. an ihren eigenen Nutzen (McClintock, 1972).
Menschliches Verhalten und Entscheidungen ereignen sich jedoch zum allergrößten Teil innerhalb von sozialen Netzwerken. Jeder Mensch ist mit mindestens einem anderen Menschen verbunden. Daraus ergibt sich eine gegenseitige Abhängigkeit bei Entscheidungen und deren Folgen (z. B. betreffend der Kontrolle von gemeinsam genutzten Ressourcen). Das erwartete Verhalten von anderen Personen muss in zu treffende Entscheidungen mit einfließen. Beim Abwägen zwischen mehreren Handlungsalternativen müssen also die Folgen der Entscheidung für sich selbst als auch für andere Personen bedacht werden. Die Werte der verschiedenen Alternativen und konkrete Handlungsstrategien zum Erzielen von gewünschten Ergebnissen sind also abhängig von den Werten und Strategien der anderen Personen innerhalb eines sozialen Netzwerkes (McClintock, 1972).
Es gibt also keine Garantie, dass eigene Gewinne aufgrund des eigenen Verhaltens maximal werden, weil sie abhängig sind sowohl von der eigenen Entscheidung als auch der Entscheidung des bzw. der Anderen. Die Ergebnisse einer Entscheidung sind eine Funktion beider (bzw. mehrerer) Entscheidungen. Die Annahme des Strebens nach Gewinnmaximierung ist jedoch nicht falsch. Innerhalb von sozialen Netzwerken muss nur bedacht werden, dass Entscheidungen (und demnach Gewinne) limitiert sind durch die gegenseitige Abhängigkeit von Personen. Jede Entscheidung wird nicht nur im Lichte der entstehenden Konsequenzen für die eigene Person, sondern auch der Konsequenzen für andere Personen betrachtet (McClintock, 1972).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Zusammenhang zwischen sozialer Orientierung und Umweltschutz und definiert das Ziel, Lebensstile und soziale Werte in Bezug auf umweltfreundliches Handeln zu untersuchen.
2 Theorieteil: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Social Value Models nach McClintock und der Lebensführungstypologie von Otte dargelegt sowie die Hypothesen für die Untersuchung abgeleitet.
3 Methodenteil: Dieser Abschnitt beschreibt das empirische Vorgehen, die Stichprobenzusammensetzung von 151 Probanden sowie die eingesetzten Messinstrumente Ring Measure of Social Values und das Otte-Inventar.
4 Ergebnisteil: Hier werden die statistischen Ergebnisse der Datenauswertung präsentiert, die zeigen, dass die ursprünglich vermuteten Zusammenhänge in der Stichprobe nicht signifikant nachweisbar waren.
5 Diskussion: Dieses Kapitel bewertet die Studienergebnisse kritisch, thematisiert methodische Einschränkungen bei der Anwendung des Ring Measure of Social Values und liefert Erklärungsansätze für die dominierenden Lebensstile.
Schlüsselwörter
Soziale Orientierung, Lebensstile, Lebensführungstypologie, Social Value Model, Umweltpsychologie, Prosoziales Verhalten, Gewinnmaximierung, Individualismus, Kooperation, Korrelationsanalyse, Otte-Inventar, Ring Measure of Social Values, Empirische Forschung, Umweltbewusstsein, Soziale Netzwerke
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sozialen Orientierungen (prosozial vs. individualistisch) und verschiedenen Lebensstilen innerhalb der Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themenfelder sind die psychologische Kategorisierung menschlichen Verhaltens durch das Social Value Model und die soziologische Einordnung von Lebensstilen nach der Typologie von Otte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist zu prüfen, ob ein Zusammenhang zwischen den Lebensstilen von Menschen und ihrer sozialen Orientierung besteht, um zielgerichtetere Umweltschutz-Kampagnen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Es wurde eine Online-Untersuchung durchgeführt, bei der soziale Orientierungen mittels des Ring Measure of Social Values und Lebensstile mittels des Otte-Inventars erhoben wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der sozialen Orientierung und Lebensstile, die Beschreibung des methodischen Versuchsdesigns sowie die Darstellung und kritische Diskussion der erhobenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Orientierung, Lebensführungstypologie, Umweltpsychologie und empirische Korrelationsanalyse charakterisiert.
Warum mussten die Hypothesen der Arbeit letztlich abgelehnt werden?
Die Datenanalyse ergab keine signifikanten Zusammenhänge zwischen Alter, sozialer Orientierung und Lebensstil, was teilweise auf eine unzureichende Varianz der verwendeten Messinstrumente zurückzuführen ist.
Welchen kritischen Hinweis gibt die Autorin hinsichtlich der Messinstrumente?
Die Autorin weist darauf hin, dass die verwendeten Items des Ring Measure of Social Values suggestiv waren und nicht den Original-Validierungen entsprachen, was die Reliabilität der Ergebnisse einschränkte.
- Arbeit zitieren
- Marie-Rose Degg (Autor:in), 2015, Sind wir alle Individualisten? Lebensstile und soziale Orientierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/448870